Diese zwei Begebenheiten spielten sich zeitlich kurz hintereinander ab, eine Stunde war dazwischen.
Begebenheit 1)
Unsere Freundin Nora, die psychisch Probleme hat, steht plötzlich in unserem Wohnzimmer. Sie ist durch die Terassentür gekommen, weil wir wegen Hitze die Türe offen stehen haben lassen. Ich habe ein Nickerchen auf dem Sofa gemacht und bin hochgeschreckt, als Nora das Reden anfing.
Mir hat diese Situation nicht gepasst. Kann sie nicht normal an der Haustüre klingeln und warten bis jemand kommt, obwohl die Türe offen ist? Ich finde es unter normalen Umständen höchst skurril und unangenehm, wenn jemand einfach irgendwo in dein Haus oder Wohnung hineinläuft, ohne auf sich aufmerksam zu machen und dann plötzlich neben einem steht. Weil ich durch den unterbrochenen Schlaf nicht ganz bei mir war, konnte ich Nora irgendwie nicht beibringen, dass ich ihr „eindringendes Verhalten“ nicht so gut fand. Außerdem muss man bei ihr immer aufpassen, dass man sie nicht zu grob anredet und verletzt.
Jedenfalls hat Nora dann auch noch angefangen, von ihrem Gewicht zu reden – oder wie schlecht die Welt ist, und das alle über sie lachen. Im Gegensatz zu sonst ließ ich es über mich ergehen, machte nur ein paar schwache Einwände; sollte sie doch ihren Mist schnell abladen und wieder verschwinden. Ich fühlte mich durch den „Einbruch“ in meinen Schlaf und meine Wohnung fast wie verletzt und ärgerte mich, dass ich Nora nichts davon gesagt hatte.
Begebenheit 2)
Ein kleiner, noch flugunfähiger Vogel sitzt plötzlich in unserem Treppenhaus. Er ist durch die Haustüre gekommen, weil wir wegen der Hitze die Türe offen stehen haben lassen. Ich bin auf ihn aufmerksam geworden, weil es laut gepiept hat. Jedenfalls sitzt er da und rührt sich nicht. Wir rufen bei einem Tierarzt an und fragen, ob man den Vogel anfassen darf, damit ihn die Eltern dann noch „mögen“ und nicht ablehnen. Er meint ja, das wäre kein Problem. Ich berühre den Vogel hinten am Schwanz mit einem Regenschirm und will ihn dazu bewegen, einfach geradeaus zur Haustüre hinaus zu laufen. Der Vogel rührt sich überhaupt nicht. Mein Mann will den Vogel anfassen; von einer Sekunde auf die Andere springt das Vogelkind hoch und flattert mit seinen kurzen Flügelchen zielstrebig in unsere Küche! Dort verschwindet er schnurstracks in ein Loch unten an unserer Einbauküche. Von diesem Loch haben wir selbst noch nichts gewusst! Wir haben schon gedacht, „Hilfe, der verreckt uns da drin, wie kriegen wir ihn da wieder raus?“ Aber wir sind einfach aus der Küche gegangen und den Vogel in Ruhe gelassen. Nach ein paar Minuten hat es geraschelt und der Kleine ist wieder aus seinem Versteck gekommen. Diesmal ist meinem Mann gelungen, ihn in ein Handtuch zu packen und aus dem Haus zu tragen. Übrigens hat der Vogel bei seinem Ausflug in unser Haus überall hingekackt.
War die zweite Begebenheit nicht die Verstärkung der Ersten? Das Ganze in eine Tierfabel gepackt? Die Geschichten haben doch erstaunlich viele Parallelen. Hat ein seelisches Ungleichgewicht diese Vogel-Geschichte provoziert? Skurilerweise hat Nora auch noch einen Wellensittich (=Vogel!) als Haustier.
Was meint ihr?
Viele Grüße
Sonja
