Überall wo wir hinsehn , sehen wir Menschen leiden.Es spielt keine Rolle ob man arm ,reich, dumm oder intelligent ist, jeder Mensch leidet . Ganz gleich ob wegen eines verstorbenen Familienmitgliedes oder weil die Fussballmannschaft die WM nicht gewonnen hat, man braucht nur das Buch zu Seite zu legen und schon ist es da .Woran liegts ? Werden wir mit dem Leid grossgezogen, oder ist es etwas natürliches womit man leben muss?
Buddha hat das auch so empfunden…
…und daraus hat sich eine ganze Weltanschauung und schließlich Religion entwickelt. Mir war das immer ne bissel zu negativ. Natürlich gibt es eine Menge Scheiße auf der Welt, aber die olle Kamelle mit dem halbleeren oder eben halbvollen Glas ist doch trotzdem ganz schlön, oder?
Gruss, Branden
Hi Mike,
Werden wir mit dem Leid
grossgezogen, oder ist es etwas natürliches womit man leben
muss?
Leid sensibilisiert die Menschen. Stell’ Dir mal vor, eine Welt voller selbstgerechter Menschen, die alles im Griff haben, denen nix ans Herz geht - eine für mich alptraumhafte Vorstellung. Alle mir wirklich wichtigen Menschen sind Persönlichkeiten mit überdurchschnittlicher Leiderfahrung, wenn ich das mal so laienhaft ausdrücken darf. Belohnt wird diese Erfahrung mit Behutsamkeit im Umgang mit Menschen, mit der Fähigkeit zur Treue (im weitesten Sinne des Wortes), sie entwickeln ein hohes Maß an Gerechtigkeitsgefühl (das durchaus wieder zu neuem Leid führen kann), bewegen sich nicht nur an der Oberfläche und sind sich über die Kostbarkeit auch flüchtiger schöner (oder gar glücklicher) Momente bewusster als diese Glückskinder, die nichts anderes kennen, als aus vollen Schüsseln zu schöpfen.
Dies ist kein Plädoyer nach dem Motto: Kinners, leidet, dann habt ihr mehr vom Leben (ein Schelm, wer sowas denkt…), nur eine Beobachtung.
Gruß,
Anja
Lese gerade ein Buch, memoir of a writer’s childhood. Seine Mutter sagt an einem sehr stürmischen Tag am Strand ‚God help anyone who’s out at sea today‘.
Ich dachte sofort: Wie schön! Die meisten Leute, die momentan um mich herum sind (bin gerade zurück nach Deutschland gezogen, still experiencing culture shock) sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als sowas überhaupt nur zu denken, geschweige denn auszusprechen!
Ich würde zwar von mir behaupten, dass mein Glas Wasser immer halbvoll ist - aber dennoch wende ich doch nicht den Blick ab, wenn ich andere Leute leiden sehe, so nach dem Motto, geht mich doch nichts an. Wundere mich schon oft über die Reaktion von anderen.
Sorry, this is not really an answer, but it just came to my mind, coz that simple and banal, and not really unusual comment made by the writer’s mother really did get to me.
All the best,
Isabel
Hallo Mike,
es scheint es immer schwerer geworden zu sein zu spüren wie gut es einem geht. Ich glaube, dass aus dem Leiden so eine Art Volkssport geworden ist. Dazu gibt es natürlich auch das Pendant, den Zweckoptimismus „also mir geht es super, ich weiß gar nicht was ihr habt“. Mit dem läßt sich recht gut Geld verdienen, die Bücherregale in den Buchläden sind rappelvoll mit wortreichen Unterweisungen wie man glücklich werden kann.
So wird es richtig schwer für sich herauszufinden, ob man wirklich leidet, oder ob vor lauter ansteckender Miesepeterstimmung man nicht mehr relavieren kann zwischen Mißmut und Zufriedenheit.
Werden wir mit dem Leid grossgezogen, oder ist es etwas natürliches womit man
leben muss?
Ich sehe die Gefahr, dass wir uns so sehr an „leidreiches Leben“ gewöhnen, dass wir unfähig werden uns selbst oder anderen zu helfen, weil das in dem Übermaß lähmt und handlungsunfähig macht.
Es gibt mit Sicherheit erfühltes Leid. Man muss sich nur fragen in welcher Relation es steht.
viele Grüße
claren
Das war aber nicht das, was Buddha vermitteln wollte - Buddha wollte Erlösung vom Leiden.
Und hat anderen Leuten versucht einen Weg dahin zu zeigen.
Ich denke, alle Religionen haben in ihrem Kern einen Knoten aus Leiden - für das Christentum ist das sogar das Fundament.
Was den Umgang mit dem Leiden angeht, gefällt mir der Zen-Buddhismus noch am besten.
Grüßlis!
Scrabz aka Drache (aka Philipp)
Das war aber nicht das, was Buddha vermitteln wollte - Buddha
wollte Erlösung vom Leiden.
Richtig, aber beides hängt ja zusammen. Er focussierte so sehr die Erlösung vom Leiden, weil er speziell das Leiden im Leben wahrnahm.