**Liebe User,
was fällt Euch bei dem Namen ein, was verbindet Ihr damit.
Für Euch, Eure Gegenwart und auch die Zukunft.
Bin mal sehr gespannt auf Eure Postings
Gruss vom Tom**
**Liebe User,
was fällt Euch bei dem Namen ein, was verbindet Ihr damit.
Für Euch, Eure Gegenwart und auch die Zukunft.
Bin mal sehr gespannt auf Eure Postings
Gruss vom Tom**
Hallo Tom,
mir ist durchaus bekannt, dass Chris Gueffroy das letzte Opfer des unmenschlichen Schießbefehls an der Mauer war. Gibt es einen besonderen Anlass, warum du gerade heute das zur Diskussion stellst?
Zitat aus der SZ vom 26.10.1996:
‚Der Schießbefehl ist ausgesetzt! Wir sollen nicht mehr auf Flüchtlinge schießen‘, sagte im August 1988 ein Thüringer Grenzsoldat auf Heimaturlaub dem jungen Ostberliner Chris Gueffroy. Dieser wagte daraufhin in der Nacht zum 6. Februar 1989 in Berlin- Treptow gemeinsam mit einem Freund die Flucht aus der DDR. Chris Gueffroy starb im Kugelhagel dreier Grenzsoldaten.
Gruß
Uschi
PS: man kann deinen Text auch lesen, wenn du nicht alles fett schreibst…
hi uschi,
ob das einen besonderen grund hat, eigentlich nicht.
ausser, daß bald der 13. August ist…
gruss vom tom
Eine etwas rätselhafte Sache
Ich war von 1983 bis 1986 selber einer von den ganz Schlimmen, und zwar freiwillig, allerdings an der sog. grünen Grenze, also nicht zu Westberlin, sondern zur BRD(Land).
Am Tod von Chris Gueffroy ist mir einiges rätselhaft. Es gibt eine Dokumentation „Opfer der Mauer - Protokolle des Todes“ mit Auszügen aus militärischen Meldungen. Daraus ergibt sich für Gueffroy: Er kletterte über die DDR-seitige Sperrmauer, ohne bemerkt zu werden. Ca. 5m hinter dieser Mauer kam ein Signalzaun. Er bestand aus vernickeltem Stacheldraht (Import aus der BRD übrigens), der mit einer ganz geringen elektrischen Spannung geladen war und signalisierte, wenn jemand den Draht berührte oder durchschnitt. Gueffroy löste dieses Signal aus. Normalerweise hatten jetzt die in der Nähe befindlichen Posten an die BRD-seitige Mauer zu eilen, sich sozusagen dem Grenzverletzer in den Weg zu stellen und ihn festzunehmen. Wieso das bei G. unterblieb und statt dessen geballert wurde, weiß ich nicht.
Ein „Schießbefehl“ existierte zumindest in meiner Zeit nicht. Wenn gar nichts anderes half, durfte geschossen werden. Aber töten war niemals befohlen. Ich war selber Schießausbilder und habe den Leuten gesagt: Schießt vor dem Mann in den Boden. Keiner rennt weiter, wenn die Erde vor ihm aufspritzt. Bzw. schießt auf die Beine. Es ist schon mancher mit durchschossener Lunge gelaufen, aber noch keiner mit durchschossenem Bein, und nichts ist politisch schlimmer, als wenn ein Schwerverletzter in den Westen durchkommt.
Die Grenzer hatten in gewissem Grade „Schiß“ vor Deserteuren der Sowjetarmee. Diese waren gut ausgebildet und bewaffnet, und sie hatten nichts zu verlieren, denn auf Fahnenflucht stand in der Sowjetunion „Rübe runter“. 1985 gab es einen Toten und mehrere Verwundete bei den Grenzsoldaten, als ein desertierter Hauptmann nahe Eisenach „abpfeifen“ wollte und sich ein stundenlanges Feuergefecht mit den Posten lieferte, bis er Selbstmord beging.
Die Deserteure waren, wie gesagt, kreuzgefährlich und daher DIE EINZIGEN, bei denen nur Schießen half.
Die Chance, in den Westen durchzukommen, lag bei etwa 2%. 98% der „Republikflüchtlinge“ wurden festgenommen; 80% von ihnen bekamen die Grenze nie zu Gesicht.
Ich habe niemals geschossen, und ich kenne auch keinen, der geschossen hat. Wenn alles nach Vorschrift ging, mußte nicht geschossen werden. Was mit Gueffroy passiert ist, bleibt mir unverständlich.
hi django.
…Zumindest eine sehr ehrliche Darstellung zu diesem Thema.
sag , was eigentlich hat Dich gehindert, die DDR zu verlassen, auf ungesetzlichem Wege - also Flucht als Militär… ?
Hättest doch sicher alle Möglichkeiten gehabt, oder sehe ich das falsch ?
Gruss vom TOM
Warum desertiert man nicht?
sag , was eigentlich hat Dich gehindert, die DDR zu verlassen, auf ungesetzlichem Wege - also Flucht als Militär… ? Hättest doch sicher alle Möglichkeiten gehabt, oder sehe ich das falsch ?
An der grünen Grenze hatte praktisch jeder Grenzer jeden Tag die Möglichkeit, in den Westen abzuhauen. Bei den Wehrpflichtigen, die zur Grenze einberufen wurden, achtete man darauf, daß nur Verheiratete mit Kindern „vorn hin“ kamen. Bei Freiwilligen gab es diese Rücksicht nicht, und ich war, wie gesagt, freiwillig dabei. Ich habe das, was in der DDR lief, völlig richtig gefunden. Mir fehlte nichts. Ich habe eine sorgenfreie Kindheit gehabt, in der Bibliothek konnte ich lesen, was ich wollte (Max Weber, Bismarck, Friedrich den Großen), und ein Bedürfnis nach touristischen Reisen verspürte ich nicht.
Ich hatte im Juni 1986 einen sog. „Feindwärts-Einsatz“, d.h. noch auf dem Gebiet der DDR, aber vor dem vordersten Zaun. Es ging darum, daß an der Stelle immer wieder welche vom Westen her DDR-Gebiet betraten, und es sollte endlich mal einer gefaßt werden. Zwei Kameraden und ich, wir krochen (bekleidet mit Tarnuniformen, in denen wir aussahen wie Waldschrate) beim ersten Morgenlicht durch eine geheime Öffnung im vordersten Zaun und legten uns auf die Lauer. Es kamen aber nur ein paar ältliche Damen, die wohl Bildungsreisen machten. Einer war dabei, der erklärte ihnen, wie schlimm das alles ist. Eine fragte: „Aber da sind doch zwei (gemeint war ein offen handelnder Posten, der Hilfe herbeirufen sollte, wenn uns dreien etwas passiert), warum hauen die denn nicht ab?“ Und der Erklärer (ich sah ihn nicht, weil ich mich an den Boden pressen mußte, um nicht entdeckt zu werden, aber er stand keine zwei Meter von mir weg), jedenfalls sagt der doch: „Sie müssen wissen, hier sind überall versteckte Scharfschützen von der Stasi, die passen auf, daß die da nicht abhauen“. Ich bin bald gestorben vor angehaltenem Lachen. Zum Glück verzog sich die „Besuchergruppe“ bald, so daß wir drei uns erstmal wiehernd ablachen konnten. „Scharfschützen von der Stasi“ gab es nicht, das MfS hatte mit der Grenze nichts zu tun, das mußte eigentlich jeder wissen, aber ausgerechnet in dem Moment, wo der Erklärer diesen Unsinn mit „Scharfschützen“ erzählte, ausgerechnet da stimmte es in gewissem Sinne wieder, denn ich hätte nur meinen Arm ausstrecken müssen, um dem Mann ans Bein zu fassen. Und meine Kameraden sagten: Nach dem Ding mit den „Scharfschützen“ hätten wir in unseren Waldschrat-Uniformen von der Erde aufstehen sollen, da hätten die alten Vetteln alle ihren letzten Orgasmus gekriegt …
hi, django,
hört sich ja richtig spannend an. deine erklärung, wrum man nicht dessertiert, klingt sogar sehr respektabel.
nun gut. du hattest also anordnung 13 , warst ein ganz fleißiger,
ist also nichts gegen einzuwenden. ich hatte sie nie, glück für den staat ddr, es wäre eine offiziersfahnenflucht mehr geworden,
nur deshalb im übrigen hab ich mich an dieser einrichtung seinerzeit eingeschrieben. wie andere nebenbei auch. die letzte offiziersfahnenflucht fand am 07.10.85 statt. wie du sicher weisst.
dein argument, das mfs hätte mit der grenze nichts zu tun, verstehe ich ja nun überhaupt nicht. kein bereich des militärischen lebens in der ddr war so mit offiziellen und inoffiziellen durchsetzt, wie die grenztruppen.
solltest du aber wissen. oder.
wegen des verdachtes der vorbereitung einer offiziersfahnenflucht
im nachgang zu der am 07.10.85 wurde ich im übrigen zum soldaten degradiert und unehrenhaft entlassen. wie andere mit kreuz auch.
da sich diese erkenntnisse lediglich aus dem " wissensschatz" der ims stützten, war eine strafrechtliche verfolgung nicht möglich. ich würde vermutlich jetzt noch sitzen.
…und meine akte hatte schlapp 1200 seiten…bei gauck
also django, deshalb dessertiert man.
nmeld dich ruhig mal über mail, vielleicht kennen wir uns ja sogar…
gruss vom tom
Anordnung 13? Eher Befehl 44
Ich war nicht Offizier auf Zeit, sondern Unteroffizier (Waffenunteroffizier ganz genau). Den Offizier habe ich erst 1988 erhalten.
Eine Anordnung 13 kenne ich nicht. Es gab aber einen Befehl 44 (aus 1984) „Zur Verhinderung der Militärverbrechen“. Was es damit auf sich hatte? Die Kompanien an der grünen Grenze waren dezentral jede für sich in einer eigenen Kaserne untergebracht. Der Unteroffizier vom Dienst war gleichzeitig der Wachhabende. Und im Jahre 1984 passierte es, daß ein UvD aus dem Dienst heraus fahnenflüchtig wurde und gleich alle Unterlagen für den Kriegsfall (die in einem Panzerschrank des Wachlokals lagen) mitnahm. Seitdem durften aus jeder Kompanie nur noch fünf „ganz besonders Bestätigte“ UvD sein, und ich war einer von den Fünfen.
Und ob wir uns kennen? Ich komme aus Halle war beim Grenzregiment 3 („Florian Geyer“, Dermbach), erst in der 6., dann (ab 4/1985) in der 5. Kompanie.