Das Ouzo-Orakel von Frank Schulz

Hallo,

in der FR vom 17. August wird o.g. Buch hymnisch besprochen.

Auszug:
(…)der atemberaubenden syntaktischen Dynamik, der ob seiner, o Sprache, hilf!, lichten Brillanz wenigstens in den vergangenen 20 Jahren seinesgleichen sucht."

Ich gestehe, ich hatte bis dato von dem Autor noch nie was gehört (verfolge allerdings die Feuilletons nicht mehr so konsequent wie früher). Nun wird dort folgender Satz zitiert:

„Zwischen den beiden Hügeln leuchtet ein saphirblauer Meerbusen, umkurvt von weißblondem Strand, und dessen halben Bogen entlang wiederum schwingt sich ein Hain von Eukalytusbäumen mit angerosteten Kronen. Daran geschmiegt, erstreckt sich ein Haufendorf, ein schiefes, offenes Labyrinth aus hellen Häuschen und Häusern, fast alle karminrot gedeckt. ‚Ooooh‘, macht Monika.“

Mein Problem (?): Ich finde diesen Satz unsäglich! Kitschig-verquast sozusagen… Er löst keinerlei Bild oder Gefühl für diese Landschaftsbeschreibung in mir aus … etwas, was ich eigentlich von (guter) Literatur erwarte…

Meine Frage: Hat jemand von Euch das Buch gelesen? Wie findet ihr es? Bin ich altmodisch, ist das eine „junge“ Sprache, zu der ich evtl. den Anschluss verloren habe???

Nebenbei - das Komma nach „geschmiegt“ - gehört das da hin ???

Neugierig:
Anja

Hallo Anja,

das Buch habe ich nicht gelesen - nach dieser Textprobe werde ich aber sicher die Augen davon lassen. Ist mir auch egal, wie hymnisch wer das wo besprochen haben mag - mir wird schon von der kleinen Probe übel.
Und zur Rezension: „Lichte Brillanz“ - hä???

Nebenbei - das Komma nach „geschmiegt“ - gehört das da hin
???

Ich halt’s für falsch, ist aber kein Expertenwissen…

LG,
MrsSippi

ließe Walser einen berühmten Literaturkritiker dazu sagen.
Gruß!
H.

Hallo Anja -

ich kenne zwar nicht das besprochene Buch, dagegen zwei andere Werke von Schulz. Der Mann ist sehr sprachbegabt und sehr sprachverliebt, was dazu führt, dass er die Melodie von Satzgefügen oft völlig aus den Augen verliert, weil er einfach zu viel hineinpacken will. Es ist keine schlechte Literatur, aber nicht mein Fall. Vielleicht ist es aber auch bei Schulz wie bei Joyce (ohne ansonsten einen wirklichen Vergleich nahelegen zu wollen): man sollte sich wohl vor Augen halten, daß längst nicht alles ernstgenommen werden muß.

Gruß

Pengoblin

Danke …
für Eure Einschätzungen :wink:

Gruß zum Tach
Anja