Das Parfüm - Verständnisfrage

Hi Wissende,

vor Jahren laß ich das Buch und vor wenigen Tagen sah ich den Film.
Dabei kam mir wieder die Frage (die ich auch schon beim Lesen hatte), warum die Personen, mit denen Grenouille etwas zu tun hatte und die er wieder verlies, eines mehr oder weniger unnatürlichen Todes starben?

Ist das eine Anspielung oder ist das einfach so?!

Gandalf

Hi Gandalf!

Also, ich hab das Buch mehrfach gelesen, und kann mich nicht erinnern, dass jemals explizit zu erkennen war, dass es dafür einen Grund gibt. Ich hab diese Tode eher als begleitendes Motiv aufgefasst.
Grennouille hat in der ganzen Geschichte Menschen benutzt, um seine Ziele zu erreichen, hat von ihnen gelernt oder sich aufpäppeln lassen oder…Wenn Grennouille sich entschließt, diese Menschen zu verlassen und weiterzuziehen, gibt es für sie keine Verwendung mehr, erst recht keine menschlich-emotionalen Banden, die ihr Weiterleben rechtfertigen würden. Hört sich jetzt krass an, aber ich hoffe, du weißt, worauf ich hinaus will. Diese Sichtweise steht immer im Bezug zu Grenouille.
Noch dazu stellt Grenouille auf die ein oder andere Art das Böse dar (obwohl diese Aussage allein schon Anstoß zu weiteren Diskussionen gäbe). Wenn ich nun meinen Gedanken freien Lauf ließe, würde ich die Tode so interpretieren, dass die entsprechenden Figuren mit einem Hauch des Bösen, mit einem Hauch des Verderbens (in der Figur des Grenouille) in Berührung gekommen sind, der schließlich zu ihrem Tod führt.
Mag vielleicht ein wenig abgehoben klingen, aber so hab ich das immer aus dem Roman rausgelesen.

Gruß, Dine

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Hi Dine,

Wenn ich nun meinen Gedanken freien Lauf
ließe, würde ich die Tode so interpretieren, dass die
entsprechenden Figuren mit einem Hauch des Bösen, mit einem
Hauch des Verderbens (in der Figur des Grenouille) in
Berührung gekommen sind, der schließlich zu ihrem Tod führt.

Und meine Phantasie dazu ist: Dass sie so „ausgesaugt“ wurden, dass ihnen damit alles Leben genommen wurde.

Gruß,

Anja

Hallo!

Wir haben das Buch auf Englisch im Englischunterricht interpretiert (an sich ja schon eine ziemliche Perversion, aber was will man machen)

Dabei verhärtete sich jedenfalls die These, dass Grenouille als eine Art tödliche Zecke betrachtet werden kann. Wie schon gesagt, er „saugt“ seine Mitmenschen aus, bis sie sterben. Dabei wird er selbst immer kräftiger. Eben genau wie eine Zecke.

Am Ende eines Zeckenlebens steht zumindest bei den Weibchen das Eierlegen, wonach sie dann Sterben, d.h. sie hinterlassen quasi der Nachwelt das, was sie in ihrem Leben gesammelt haben - Wie Grenouille. Er opfert sein Leben und wird aufgefressen.

Man könnte verfeinert vielleicht noch sagen, dass die „Gebissenen“ nicht durchs Aussaugen sterben, sondern vielleicht durch übertragene Krankheiten, also übertragen, das Grenouille nicht mit absicht seine Mitmenschen killt :wink:

Grüße,

Laralinda

Hallo Gandalf,

wenn ich das richtig in Erinnerung habe, so nimmt G. den Menschen ihren spezifischen Geruch, um sich selbst einen - bei ihm ja völlig fehlenden - Eigengeruch zu verschaffen. Duftvampirismus könnte man das nennen.

Ein Mensch, der keinen Eigengeruch hat, lebt nicht. So verschafft sich G. sein Leben, indem er sich den Geruch der Menschen „aneignet“, die dadurch ihr Leben verlieren. Er „verbraucht“ mehrere Menschen auf diese Weise, um sich selbst einen unverwechselbaren und einmaligen Geruch zu verschaffen.

LG,
MrsSippi

Man muss bei er ganzen Fragerei jedoch auch beachten, dass die Figuren, mit denen G. zu tun hatte, auf geschickte Art und Weise aus der Handlung ausgeflochten werden mussten. Ich meine damit, es würde komisch rüber kommen, wenn die Nebenfiguren einfach so verschwinden, ohne nochmal einen besonderen Blick/ Beachtung auf sich zu ziehen.

Ein normaler Tod für die Figuren wäre unpassend in den gegeben Situationen.

Gruß

K.

Hi Anja!

Ja, genau so meinte ich das…also, du führst meinen Gedankengang quasi weiter:wink:

Gruß, Dine

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Hi, Dine! Hi, Gandalf!

Also, ich hab das Buch mehrfach gelesen, und kann mich nicht
erinnern, dass jemals explizit zu erkennen war, dass es dafür
einen Grund gibt. Ich hab diese Tode eher als begleitendes
Motiv aufgefasst.

Also ich habe „diese“ Tode als besonderen Zynismus der gesamten Geschichte um den „Probanden“ Grenouille aufgefasst. Wie Du, Dine, es bereits sagtest, gebe ich es mit meinen Worten wieder: Was der Person Grenouille nicht mehr diente, konnte/musste/würde verwelken. (Ich empfand das – in Bezug auf diese von Grenouille durchkreuzten Schicksale – als makaber-amüsante Note oder Faden, der sich durch das Buch zog.)

Was ich genauso dazu passend fand: das schier endlos lange Dahinsiechen der Madame Gaillard. Zumindest, wenn man den rapiden Verfall ihrer Renten mitzählt. Sie war schließlich sehr darauf bedacht gewesen, mit der Obhut der ihr anvertrauten Waisen eine anständige, individuelle Altersruhe (Rente) und Bestattung zu erwirtschaften. Ich zitiere 'mal:

[…] Nach Verlauf von zwei Jahren reichte die Rente nicht einmal mehr aus, das Feuerholz zu bezahlen. […] Nun erst … mit 20jähriger Verspätung, kam der Tod herbei … Dann wurde sie … dort in einem Massengrab zur letzten Ruhe gebettet, unter einer dicken Schicht von ungelöschtem Kalk.
Das war im Jahre 1799. Gottseidank ahnte Madame nichts von diesem ihr bevorstehenden Schicksal, als sie an jenem Tag des Jahres 1747[!] nach Hause ging und den Knaben Grenouille und unsere Geschichte verließ. […]

Unter allen Umständen hatte Grenouille also auch Madame Gaillard „das Leben vermasselt!“

CU DannyFox64 *fg*