Guten Tag
Ich habe letztens etwas sehr interessantes gehört und würde gerne wissen, was Leute vom Fach dazu zu sagen haben.
Einer Patienten musste ein Zahn, an dem ein Retainer befestigt war, gezogen werden. Ich glaube es war 43 oder etwas in der Region. Die Patientin wollte den Zahn nur ungern loswerden (klar
) und hatte auch nicht so recht die Mittel für eine ersetzende Versorgung. Der Zahnarzt tat also folgendes: Er schnitt den Zahn unter der Krone ab und extrahierte nur die Wurzel. Die Krone blieb, sie war ja am Retainer befestigt. Wahrscheinlich keine besonders stabile Sache, aber auf den ersten Blick sah es nun aus, als sei nichts entfernt worden. Dazu muss ich sagen, dass der Zahn noch vital war. Warum genau er rausmusste, weiß ich leider nicht.
Bei einer anderen Patienten ähnliches. Sie hatte eine Brücke. Der Ankerzahn 36 (dahinter war nichts mehr) hätte extrahiert werden müssen, doch auch hier wurde nur die Wurzel entfernt, die Krone blieb.
Der Zahnarzt meinte, das würde in keinem Lehrbuch stehen und ich kenne auch niemanden, der je von so etwas gehört hat.
Was meint ihr dazu? Was kann das für Folgen für Patienten haben oder ist es wirklich eine Methode um einen Zahn „halbwegs zu erhalten“?
Leider weiß ich nichts über die genauen Hintergründe und Abläufe, da ich es eben nur von jemandem gehört habe. Klingt ja wie eine ganz gute Idee erst mal, kreativ zumindest.
Also was meint ihr?
Liebe Grüße
Tam
hallöchen,
das was du beschreibst hab ich in 8 Jahren auch nur 2x gesehen, da wurde in beiden fällen beim chirurgen der zahn entfehrnt, dies bei einer größeren brücke wo mehr pfeilerzähne vorhanden waren. das wurde auch nur gemacht damit der patient keine komplette abreit machen muss weil die anderen zähne in ordnung waren.
also in erster lienie bei sowas ein vorteil für den patienten, in zweiter linie frage ich mich wie der patient die frische wunde da einigermaßen sauber halten kann also unter der brücke etc… ist da gut gelaufen aber ich glaube es gibt sicher fälle wo es daran gescheiter ist…
grüße
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hi
Wurde dabei wenigstens die Brücke entfernt und dann wieder neu eingesetzt? Bei großen Brücken verstehe ich es auch noch einigermaßen, aber bei einem Zahn, dessen Krone dann nur noch an einem Reteiner hängt o.O
Immerhin gibt es doch Leute, die das kennen, obwohl du es in so langer Zeit nur zwei Mal gesehen hast. Hat der Zahnarzt wohl doch nichts neues erfunden 
Kamen denn die Patienten mit einer Wunde unter einer Brücke zurecht?
Über die Schicksale, der beiden, von denen ich erzählte, weiß ich (noch) nichts.
Grüße
hallo,
so weit ich weiß wurden in beiden fällen die brücken nicht entfehrnt, dafür aber aufgeklappt damit man eben an die zahnwurzel gekommen ist man hat den zahn quasi abgesägt und rausgehebelt.
bei diesen beiden fällen gabes keine probleme, wohl auch deshalb weil sie eine gute mundhygiene hatten.
aber es gibt nunmal auch so kandidten wo es mich schaudert und da stell ich mir die frage ob es da keine komplikationen geben würde wenn man dies so macht…
grüsse
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Subcoronale Resektion
Hallo,
die Technik ist nicht neu. Bei guter Mitarbeit des Patienten - sprich Mundhygiene - und ausreichend stabilen Nachbarzähnen spricht auch nichts dagegen (außer das schlechte Verhältnis von Zeitaufwand zu Honorar). Die Schmalspurversion heißt Hemisektion: da wird z.B. bei einem mehrwurzligen Zahn eine erkrankte Wurzel entfernt, der Rest bleibt erhalten.
Diese Verfahrensweise bietet sich an, wenn die Wurzel ohne Komplikationen entfernt werden kann und der Rest, der übrig bleibt, auf Dauer stabil genug ist. Wenn man zum Beispiel zwei untere Molaren mit in einem Stück gegossenen Kronen versorgt hat, hat man zunächst vier Wurzeln. Wenn man davon eine entfernen muss (z.B. nach missratener Wurzelbehandlung), hält die Sache auf drei Wurzeln trotzdem noch.
Wenn die übrigen Wurzeln stabil sind (die muss man sich vorher gründlich ansehen) kann das etliche Jahre halten.
Was die Reinigbarkeit anbelangt kann man die Trennstelle wie bei einem herkömmlichen Brückenglied gestalten. Dann sind da auch keine Probleme zu erwarten.
Mit der Wundheilung habe ich bisher nie Probleme gehabt. Vermutlich funktioniert die zurückgebliebene Zahnkrone wie ein Schutzverband.
Ich sehe darin eine echte Alternative zu einer aufwändigen Neuversorgung. Bisher habe ich damit gute Erfahrungen gemacht.
Wo ich bisher die Finger davon gelassen habe sind Wurzeln, die sehr fest sitzen. Da befürchte ich, dass ich bei der komplizierten Entfernung unter der Krone die Nachbarwurzeln beschädigen könnte.
Wenn die Zahnkrone nur an einem Retainer hängt, ist das wohl mehr für die Optik. Knochen beißen würde ich damit nicht…
Grüße,
Wepster
Hi
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Glatt mal wieder was dazugelernt 
Jetzt wo du es sagst; ist ja tatsächlich ein bisschen mit einer Hemisektion zu vergleichen.
Beides habe ich selbst noch nie in der Behandlung gesehen…wie ist das denn dann mit dem Verschluss des Zahnes? Der kann ja nicht einfach offen bleiben. Und müsste man nicht erst wurzelbehandeln? Denn in dem Fall, den ich beschrieben habe, war der Zahn ja vital und wurde wohl nicht wurzelbehandelt.
Nochmal Danke
Grüße
Hallo,
bei einer Hemisektion sollte man zumindest den Rest des Zahnes wurzelbehandeln - sonst könnte es sein, dass der Patient ziemlich bald Mordgedanken gegen seinen Zahnarzt entwickelt.
Wenn aber die gesamte Wurzel entfernt wird, muss man vorher keine Wurzelbehandlung durchführen. Allerdings muss man von unten (d.h. von der Trennstelle her) den Eingang zum Nervhohlraum verschließen. Sonst könnten sich darin Essensreste etc. ansammeln, die dann stinken. Aus hygienischen Gründen müssen eben alle Löcher dicht sein.
Eine ähnliche Therapie ist übrigens die Wurzelspitzenresektion. Nur dass man in unserem Fall die „Spitze“ etwas weit fasst…
Grüße,
Wepster