Das vierte Gebot

Hallo an alle!

Ich würde gerne folgende Diskussion (mit Argumenten aus der Bibel) anregen:

Das 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.
Kann dieses Gebot durch andere Bibelstellen „eingeschränkt“ werden? Legt die Bibel einen Weg dar, dieses Gebot zu „umgehen“?

Viel Diskussionsfreude wünscht
Sinkasin

Hallo Sinkasin.

Das 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.

*Hüstel* Nach unserer Zählung ist das, das fünfte(!) Gebot, aber das soll jetzt nicht so wichtig sein.

Kann dieses Gebot durch andere Bibelstellen „eingeschränkt“
werden?

Dazu müsste man sich ja erst einmal darüber unterhalten, wie sich dieses Gebot konkret äussert, um dann daran zu zeigen, in welchen Fällen dieses nicht beachtet werden muss. Und bei der Ausführung liegen die Ansichten sicherlich etwas auseinander. Darum einmal ein paar grundlegende Dinge:

* Man spricht seine Eltern immer respektvoll an und nicht mit
ihrem Vornamen.

* Es ist verboten seine Eltern an Dinge zu erinnern, wo sie sich
nicht gut verhalten haben.

* Man beten um die Gesundheit ihrer Eltern.

* Man muss seine Eltern unterstützen.

* Man darf seine Eltern nicht schlagen.

* Man darf kein schlechtes Wort gegen seine Eltern erheben,
selbst in Angelegenheiten wo sie nicht recht haben.

* Man muss auf seine Eltern hören, sie bei wichtigen
Angelegenheiten befragen und auf ihren Rat hören.

Nehmen wir nun den letzten Grundsatz, so ist dieser natürlich genau dann begrenzt, wenn dieser Rat nicht im Sinne der Tora (anderer Gebote) ist. Z. B. muss man die Arbeit sich besorgen, welche (wenn denn) die eigenen Eltern vorgesehen haben. Handelt es sich dabei um eine Arbeit, welche es einem nicht ermöglicht einige Mitzwot (Gebote) zu halten, kann man sich nach einer anderen Arbeit umsehen.

Legt die Bibel einen Weg dar, dieses Gebot zu
„umgehen“?

Warum sollte man eine Mitzwa (Gebot) umgehen wollen? Es gibt doch nichts schöneres, als eine zu erfüllen. Aber vielleicht hast Du einen konkreten Anlass, um uns dieses zu fragen?

Schalom,
Eli

der Hintergrund ist eine streng gläubige christliche Tante, die allerdings durchaus zur (theologischen) Diskussion bereit ist.
Es gab mal wieder eines der Kaffeekränzchen, bei der dieses Thema aufkam (junge Generation und so…:smile:
Hätte mich jetzt einfach interessiert, wie man - vielleicht - aus der Bibel heraus argumentieren kann, das dieses Gebot nicht unumstößlich ist.

Sinkasin

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo sinkasin,

was waere wenn vater oder mutter mord begangen haben?
dann waere eine trennung, also dass du sie meinetwegen meidest, wo meiden nicht voellige trennung ist, wohl eine moeglichkeit.

oder sie verlangen von dir dinge die zum beispiel den zehn geboten zuwiderlaufen. ueblicherweise bist du angehalten den rat der eltern zu folgen, was nichts anderes, heisst als sie zu ehren, eine form der elternehrerweisung zumindest. wenn aber dinge betroffen sind die andere gebote verletzen, setzt das gebot die eltern zu ehren wohl aus.

viele gruesse, lego

Hallo an alle!

Ich würde gerne folgende Diskussion (mit Argumenten aus der
Bibel) anregen:

Das 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.
Kann dieses Gebot durch andere Bibelstellen „eingeschränkt“
werden? Legt die Bibel einen Weg dar, dieses Gebot zu
„umgehen“?

Viel Diskussionsfreude wünscht
Sinkasin

Hallo Sinkasin!

Das Gebot, die Eltern zu „ehren“, richtete sich ursprünglich an Erwachsene und zielte auf den Schutz und die Achtung der (nicht mehr arbeitsfähigen) Alten.

Wenn unbedingt mit der Bibel argumentiert werden muss, um zu „beweisen“, dass damit kein bedingungsloser Gehorsam gemeint sein kann, empfehle ich die schöne Geschichte vom zwölfjährigen Jesus (Lukas 2, 41ff).

Gruß,
Pietro

Hallo Sinkasin.

Hätte mich jetzt einfach interessiert, wie man - vielleicht -
aus der Bibel heraus argumentieren kann, das dieses Gebot
nicht unumstößlich ist.

Nun, zuerst einmal muss man ja sehen, dass dort von Vater und Mutter und schon nicht mehr von Tanten die Rede ist. So gesehen schränkt sich dieses hier schon ein. Zusätzlich kann man darauf hinweisen (bei Nichtchristen), dass das Zehnwort ja an das jüdische Volk gerichtet wurde und nicht an die Menschheit. Und zuletzt ist es immer eine offene Frage, in wie weit dieses vom Verhalten der Eltern abhängig ist.

Was deine Tante aber anscheinend mehr meint, ist allgemein der Respekt gegenüber anderen, vor allem äteren Menschen. Und hierzu kann man gesellschaftskritisch nur anmerken, dass Kinder sich hier so verhalten, wie sie von der Umgebung erzogen wurden.

Schalom,
Eli

1 „Gefällt mir“

Hallo Pietro.

Das Gebot, die Eltern zu „ehren“, richtete sich ursprünglich
an Erwachsene und zielte auf den Schutz und die Achtung der
(nicht mehr arbeitsfähigen) Alten.

Könntest Du etwas ausführen, was hier ursprünglich meint oder ist dieses deine These? Bei uns - und hier gegen die ursprünglichen Schriften einige Jahrtausende zurück - war schon immer beides gemeint und dies völlig unabhängig vom sozialen Status der Eltern.

Wenn unbedingt mit der Bibel argumentiert werden muss, um zu
„beweisen“, dass damit kein bedingungsloser Gehorsam gemeint
sein kann, empfehle ich die schöne Geschichte vom
zwölfjährigen Jesus (Lukas 2, 41ff).

Analog gibt es auch im Judentum Midraschim von Awraham, welcher für G’tt des öfteren mit seinen Eltern gestitten hat. Aber selbst hier hat er seine Eltern erst verlassen, als G’tt dieses von ihm gefordert hat.

Schalom,
Eli

1 „Gefällt mir“

Das Gebot, die Eltern zu „ehren“, richtete sich ursprünglich
an Erwachsene und zielte auf den Schutz und die Achtung der
(nicht mehr arbeitsfähigen) Alten.

Könntest Du etwas ausführen, was hier ursprünglich meint

Hallo Elimelech,

das ist die ziemlich unumstrittene Auffassung der historisch-kritischen Exegese. „Ursprünglich“ meint dabei die nomadischen Lebensumstände der Entstehungszeit.
Mir ist aber diese Behauptung der Bibelwissenschaft nicht besonders wichtig, und mir liegt gar nichts daran, sie zu verteidigen. In dem, worauf es eigentlich ankommt, sind wir uns ja offenbar einig!

Gruß,
Pietro

Hallo

Das 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.
Kann dieses Gebot durch andere Bibelstellen „eingeschränkt“
werden? Legt die Bibel einen Weg dar, dieses Gebot zu
„umgehen“?

Wie schon erwähnt, kann es eigentlich nicht das Ziel sein, dieses Gebot zu umgehen, sondern es zu verstehen und korrekt anzuwenden.

meines Wissens steht zu diesem Gebot ansonsten fast nichts in der Bibel, das Thema war in seiner Ausprägung stark kulturell und traditionell gefärbt.

So greift Jesus z.B. eine Praxis bei den Pharisäern an, Geld, das eigentlich dazu dienen sollte, seine alten Eltern zu unterstützen, als „Spende“ Gott zu weihen und damit den Eltern zu entziehen. Das Problem war, dass man diese Spende erst nach vielen Jahrzehnten leisten musste.

Ich denke, dass das Gebot zwar unabhängig vom sozialen Status der Eltern ist, aber im wesentlichen darauf gezielt war, den eigenen Eltern die Unterstützung zu gewährleisten, die sie im Alter brauchen.

Bei uns hat sich das Thema im letzten jahrhundert dahin entwickelt, dass man den Eltern absoluten Gehorsam schuldig ist, keine Widerworte gibt usw, das ist zumindest die „alte Tante Interpretation“. Aber dass diese Interpretation die einzig mögliche ist, steht nirgendwo.

Gruss
Thomas

Hi,

noch eine Diskussionsanregung:
eine Einschränkung erfährt aus NT-Sicht dieses Gebot dort, wo die „Ernsthaftigkeit der Nachfolge“ in Konflikt mit den sich aus diesem Gebot ergebenden Pflichten steht:

Apostelgeschichte 5,29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

Matthäus 8,22 (es geht um jemanden, der bevor er sich Jesus anschliesst, erst noch seinen Vater bestatten will):
Lass die Toten ihre Toten begraben…

Grüße,
Hasta Lavista

Apostelgeschichte 5,29: Man muss Gott mehr gehorchen als den
Menschen

Also ich weiss jan nicht: „ehren“ heist ja nicht bedingungslos zu gehorchen?

Gruß Ivo

hallo Eli,

Analog gibt es auch im Judentum Midraschim von Awraham,
welcher für G’tt des öfteren mit seinen Eltern gestitten hat.
Aber selbst hier hat er seine Eltern erst verlassen, als G’tt
dieses von ihm gefordert hat.

Man kann auch im „Streit“ jemanden ehren und achten. Streit heißt ja nicht schlagen. Streit ist auch anderer Meinung zu sein.
Mit dem Niedergang der Ehe gehen auch die Sitten und Gebräuche kaputt. Unabhängig welche Religion und welchem Volk man angehört.
Vielleicht denke ich da zu krass, mag sein.
Grüße
Raimund

Hallo,

Wer Vater und Mutter, Frau und Kinder verläßt um MEINET willen, wird Hundertfachen Lohn ernten.

MfG

Demetrius

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

und noch erine Ergänzung:
Ich bin gekomme zu bringen das Schwert - zu TRENNEN den Voter vom Sohn, die Mutter von der Tochter. (so ähnlich - die Spezialisten werden das genauer haben).

Wer Vater und Mutter, Frau und Kinder verläßt um MEINET
willen, wird Hundertfachen Lohn ernten.

MfG

Demetrius

Hallo an alle!

Ich würde gerne folgende Diskussion (mit Argumenten aus der
Bibel) anregen:

Das 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.
Kann dieses Gebot durch andere Bibelstellen „eingeschränkt“
werden? Legt die Bibel einen Weg dar, dieses Gebot zu
„umgehen“?

Viel Diskussionsfreude wünscht
Sinkasin

Hi,

Also ich weiss jan nicht: „ehren“ heist ja nicht bedingungslos
zu gehorchen?

Durchaus richtig, aber gehorchen muss ja nicht unbedingt nur die Beachtung von Ge- und Verboten, und die Befehlsausführung bedeuten, sondern nach meinem Verständnis auch durchaus die Erfüllung von (vielleicht sogar unausgesprochenen) Erwartungshaltungen beinhalten. Und auch da kann es Konflikte geben mit Handlungen bzw. Unterlassungen, die sich aus dem persönlichen Glauben ergeben.

Grüße,
Hasta Lavista

hallo Sinkasin,

ich war vor ein paar Jahren mal zu einer Wochenendveranstaltung zum Thema 4. Gebot. Dabei ging es darum, was es uns sagen kann und soll und wie wir es in die heutige Zeit umsetzen (können). Dabei kamen folgende Denkansätze heraus:

  1. Vater und Mutter ehren bedeutet sie zu respektieren, zu akzeptieren - was nicht heisst ich muss sie lieben
    Hintergrund war offenbar, auch für sie im Alter zu sorgen. Bedenke die Lebenssituation damals vielfach als Nomaden - aber auch heute, wenn unser Sozialsystem nicht reicht. Zum Respektieren gehört auch der notwendige Lebensunterhalt

ABER

  1. Es heisst ebenfalls, dass Eltern nur Respekt und Akzeptanz erwarten können, wenn sie ihre Kinder respektieren und akzeptieren. Genau hier liegt meine ich der Knackpunkt, dass Eltern dieses sehr häufig vergessen - und das wird immer schlimmer; denn grenzenloses Verwöhnen, grenzenlose Freiheiten bedeuten nicht Respekt und Akzeptanz. Wenn also die Eltern nicht bereit sind, diese Mindestvoraussetzungen zu erfüllen - haben sie im Umkehrschluss dieses auch nicht von den Kindern zu erwarten.

Ich gebe zu, mir hat dieses Seminar sehr zuschaffen gemacht - es gibt dazu sogar eine schriftliche Abhandlung, ich meine sogar aus von Martin Luther - bin mir aber nicht sicher.

Wir haben das Thema so interpretiert, dass akzeptieren und respektieren z.B. auch bedeutet, dass Kinder sich auf unsere Aussagen verlassen können. In diesem Fall hiess es, das Seminar ist jeden Tag um 20:00 Uhr zu Ende. Demzufolge hatte ich meinen Kindern gesagt, ich sei um 20:20 zuhause. Die Praxis war dann, dass einige Leute nicht zum Ende kamen und es abzusehen war, es wird über 20:00 gehen. Daraufhin stand ich um 20:00 Uhr auf- erstauntes und empörtes Blicken, „Wieso mittendrin?“ Daraufhin ich:" wir haben jetzt 3 Stunden über Akzeptanz = Versprechen = Zuverlässigkeit auch der Eltern gesprochen, d.h. bei mir konkret, dass ich zum zugesagten Termin zuhause bin" Antwort „ja aber so genau müsse man es nicht nehmen…“ Damit war für mich das Seminar „gegessen“.

Genau da ist meine ich der Punkt, wir wundern uns, wenn Kinder uns nicht akzeptieren - sind aber nicht bereit selber ein Vorbild zu sein - und das gilt für viele Situationen. Es wird Kindern doch immer das Gegenteil vorgelebt — und damit haben wir den Anspruch auf Akzeptanz nd Respekt selbst aufgegeben.

Liebe Grüße
Chris

3 „Gefällt mir“