Doch bei Deiner Formulierung höre ich wieder Nebentöne:
Die „intelligente Vermutung“ ist unbeweisbar, da beweisen eine
alleinige Domäne der Naturwissenschaften ist. Ich, als Eckard,
halte mich aber ausschliesslich an Beweisbares. Die ganzen
Aussagen aus dem Bereich des Glaubens sind dagegen
minderwertig.
Da hörst Du mehr heraus, als ich gesagt habe, lieber Thomas.
Die Aussage des Naturwissenschaftlers lautet: „Zu wenig und zu widersprüchliche Daten. Ein naturwissenschaftlicher Beweis ist nicht führbar.“ Diese Aussage schließt keine Wertung ein. Für den (idealen) Wissenschaftler wäre ein positiver Beweis ebenso wertvoll (oder wertlos) wie ein negativer.
Aussagen aus dem Bereich des Glaubens halte ich für keineswegs „minderwertig“. Sie enthalten (neben vielen Vorurteilen, Fehl- und Falschinformationen, Vereinfachungen und Übertreibungen) eine Menge an gesammelter Lebensweisheit der Menschheit. Nur muß ich eben diese Weisheiten vor dem Hintergrund meiner Lebenswirklichkeit prüfen und einordnen. Das dies natürlich ein subjektiver Vorgang ist, ist klar.
Ist beweisen eine Tätigkeit, die man ausschliesslich im
Bereich der Naturwissenschaften verwenden darf?
Wen man vom (natur)wissenschaftlichen Terminus spricht, dann lautet meine Antwort „Ja“. Hier steht ganz klar „beweisen“ gegen „glauben“ oder „vermuten“. Das eine ist objektiv - in jeder Hinsicht, jederzeit und von jedem nachvollziehbar. Das andere subjektiv - nur vom einzelnen Menschen in seiner besonderen Art und Situation nachvollziehbar.
Dass aber schließt nicht aus, dass der Begriff „Beweis“ in seiner Anwendung im „täglichen Leben“ nicht wesentlich weiter gefaßt werden kann, unter Umständen sogar so weit, das „sicher glauben“ auch noch als „Beweis“ gilt, aber dann eben nur für den Einzelnen.
Wie sind Glaubensaussagen bei Dir gegenüber
naturwissenschaftlichen Aussagen einzuordnen?
Vor dem Beweis steht natürlich immer eine Vermutung, eine Annahme, meinetwegen ein Glaube. Und ich kann selbstverständlich nach dem leben, was ich als sicher annehme. Das birgt zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit richtig zu liegen, als einfaches Darauflosleben.
Wenn Du mein Credo einfordern möchtest:
Ich weiß nicht ob es eine wie auch immer geartete Entität „Gott“ gibt. Ich habe dazu zu widersprüchliche und nicht ausreichende Daten. Da dies so ist, muß ich die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es so etwas gibt. Aber es besteht eben - für mich - auch durchaus die andere Möglichkeit.
Das heißt aber nun keinesfalls, dass ich mir erlaube, ein wie auch immer geartetes Urteil über die Glaubensüberzeugung eines Mitmenschen abzugeben. Genausowenig, wie ich dies aufgrund der Form der Ohrläppchen, der Haar- oder Hautfarbe, des Geschlechtes oder des Einkommens tun würde.
Durch meine Erziehung im mitteleuropäischen Kulturkreis habe ich natürlich auch gewisse „Grundwerte“ mit der Muttermilch eingesogen. Aber ich habe in den Jahrzehnten vieles davon revidieren und modifizieren müssen. In diesem Sinne halte ich mich an die Maxime „Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.“
Grüße
Eckard.