Das Wesen von 'gewesen' :-)

Hallo!
Noch ein Stückl aus einer unendlichen Geschichte:
„… Die Tür war abgeschlossen. Sie war nie abgeschlossen, so früh am Abend, nie. Jetzt näherten sich die Schritte …“ Muss hinter „abgeschlossen“ zwingend ein „gewesen“? Zumal, wenn es darum geht, eine Atmosphäre zunehmender Panik zu schaffen?

Ausgelaugte Grüße,
Eva

Hallo Eva,

„… Die Tür war abgeschlossen. Sie war nie abgeschlossen, so
früh am Abend, nie. Jetzt näherten sich die Schritte …“ Muss
hinter „abgeschlossen“ zwingend ein „gewesen“? Zumal, wenn es
darum geht, eine Atmosphäre zunehmender Panik zu schaffen?

nach meinem urpersönlichen Sprachgefühl und ohne jetzt im Duden zu blättern darf an der Stelle gar kein ‚gewesen‘ (und auch kein Komma *g*) hin, denn es soll ja ausgedrückt werden, dass sie in der Regel nicht abgeschlossen ist, und nicht, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt nicht abgeschlossen war.

Allerdings fände ich, wenn die Satzstellung aus übersetzungstechnischen Gründen nicht zwingend notwendig ist, die Variante ‚So früh am Abend war sie nie abgeschlossen, nie.‘ schöner.

Beste Grüße

=^…^=

Allerdings fände ich, wenn die Satzstellung aus
übersetzungstechnischen Gründen nicht zwingend notwendig ist,
die Variante ‚So früh am Abend war sie nie abgeschlossen,
nie.‘ schöner.

Hallo!
Finde ich auch gut formuliert. Übersetzungs_technisch_ ist es nicht notwendig - solche Dinge sind oft reine Geschmacksfrage oder Gefühlssache. Prallen zwei unterschiedliche Auffassungen aufeinander (ich rede nicht von uns :wink:, ist das oft bereichernd, manchmal aber auch - ermüdend.

Auf die Gefahr hin zu langweilen: Verzweifelter Mensch, der sich verfolgt fühlt, rettet sich zu einer Tür, von der er weiß, die ist immer offen, jedenfalls so früh am Abend noch, für später in der Nacht kann er nicht garantieren, weil nie ausprobiert. Dieser Satz: "Sie war nie abgeschlossen (er geht seit Jahren ein und aus, sie war immer offen), so früh am Abend (jedenfalls nicht), nie (bekräftigend, deshalb das Komma)schießt ihm durch den Kopf, und er merkt jetzt, es ist ernst. Man hat es auf ihn abgesehen. Laut lesen verdeutlicht manchmal den Unterschied zu einer konventionelleren Formulierung.

Ich finde, man kann Dramatik, eine Atemlosigkeit erzeugen, wenn man Sätze „hinwirft“, unvollständig, z.B. „Ist jemand getötet worden? Oder verletzt?“ statt: „Ist jemand getötet oder verletzt worden?“ Da sieht man doch zwei ganz verschiedene Situationen vor sich, oder bilde ich mir das ein?

Macht euch aber keine Gedanken darüber, ich glaube, sowas kann man tagelang diskutieren :wink: Mir steigen nur manchmal Rauchwolken aus den Ohren, wenn ich müde bin und einfach keine Lust mehr habe :smile:

Einen schönen Sonntag wünscht,
Eva

Hallo Eva,

Übersetzungs_technisch_ ist es nicht
notwendig - solche Dinge sind oft reine Geschmacksfrage oder
Gefühlssache.

manchmal allerdings sind sie dann notwendig, wenn man die - mitunter bedeutungstragende (–> Gehetztheit) - Satzstruktur im Ausgangstext nachbilden möchte.

Ich finde, man kann Dramatik, eine Atemlosigkeit erzeugen,
wenn man Sätze „hinwirft“,

Damit hast Du vollkommen recht, aber gerade in diesem Fall würde ich persönlich mich, wenn möglich, eng ans Original halten.

Oder geht es dieses Mal etwa gar nicht um eine Übersetzung?!? ;o)

Einen schönen Sonntag

wünsche ich auch Dir

=^…^=