indeed totally different
Hi Fritz,
Es gibt also hinter dem „Erscheinen“ keine vom Schein befreite Objektivität.
Wie allgemein gültig ist dieser Satz?
Für das hier Beschriebene verwendet die Physik ja nicht den Ausdruck „Erscheinen“. Ich hatte hier nur Eckards Vokabel einflechten wollen. Mit der SRT sind aber diese Dinge, die für den Nichtphysiker als „bloß subjektive Wahrnehmung“ bewertet werden würden, auch ontisch valent: So z.B. bei gewissen Elementarteilchen, deren Lebensdauer so kurz ist, daß sie auch mit fast Lichtgeschwindigkeit nur einige Meter zurücklegen können (was sie in ihrem eigenen Koordinatensystem auch nur tun), aber im Beobachtersystem eine Strecke von einigen zig Kilometern zurücklegen. Das ist real, „objektiv“.
Man könnte nun so argumentieren: Die Uhr in meiner Hand (die den gleichen Bewegungszustand hat wie ich), gibt mir die objektive, nicht nur erscheinende Uhrzeit an (klar müßten wird „Schein“ und „Erscheinung“ eigentlich unterscheiden, aber dann wirds unnötig kompliziert), die Uhr aber am Arm des Münchhausen, der an mir mit großer Geschwindigkeit vorbeisaust, die folglich gegenüber der meinigen nachgeht, gibt mir nur eine scheinbare andere Uhrzeit.
Aber das kann man mit der SRT nicht mehr so sagen. 1. weil Münchhausen ebenso von meiner Uhr sagen würde, daß sie nachgehe und 2. weil mein eigenes System und das (inertiale) andere, von mir beobachtete System sich in keiner Weise voreinander auszeichnen. Sie sind absolut gleichwertig. Also kann ich genauso gut sagen, meine Uhrzeit ist „Schein“ und die des Münchhasuen ist „objektiv“. Mit SRT, so muß man korrekter sagen, ist der Audruck „objektive“ Uhrzeit schlicht bedeutungslos, sogar sinnlos geworden. Die objektive Uhrzeit ist immer die „bloß“ gemessene und ich muß immer zugleich die relative Geschwindigkeit zwischen Beobachter und der gemeinten Uhr angeben.
Mit einigen Angelegenheiten der Quantenmechanik verhält es sich genauso wie in der SRT. Dinge, die in gewissem Sinne „bloß“ Messunschärfen sind, die aber dennoch in Wechselwirkungen (das physikalische Kriterium für „Realität“) eingehen, Strukturen bilden (Teilchen, sogar Sterne).
Gilt der auch in der Philosophie?
Natürlich nicht. Zumal es bei solcher Fragestellung ja nicht „die“ Philosophie gibt, sondern wir müßten viele verschiedene Philosphien danach fragen, wie sie es sagen würden. Ganz gewiß´lautet die Antwort bei Parmenides anders als bei Platon anders als bei Descartes anders als bei Kant anders als bei Hegel.
Etwa beim „Sein“ oder der „Substanz“? Nur „Schein“ bzw. Metaphern?
Da wären schon die platonischen Ideen und die aristotelische Substanz (ousia, „Wesen“) zwei Gegenbeispiele. Die Ontologie fragt ja gerade nach dem Ding, allein insofern es „ist“, also unabhängig von seinen Wechselbeziehungen, bei denen erst die sekundären Kategorien resp. seine Eigenschaften zu tragen kommen.
Diese und auch spätere Philosopheme sind ja gerade durch die RT und die QM gründlich erschüttert worden, von den Problemen der Kausalität ganz abgesehen.
Gruß
Metapher