Ich hole meine Frage noch mal weiter rauf, weil es mich wirklich interessiert.
Danke
Irene
Liebe Experten!
Da gab es vor kurzem eine Anfrage mit dem Titel „Rechtschreibquiz“ (schon archiviert), wo etwas zur Sprache kam, was mir einfach nicht aus dem Kopf will und auch nicht in den Kopf! Der Duden schreibt, beide Varianten sind zulässig:
Der Lehrer fragt „ihn“ das Einmaleins ab + Der Lehrer fragt „ihm“ das Einmaleins ab. Kann mir bitte jemand erklären, warum das so ist? Vielen Dank! Irene
Hallo, Irene!
Du hast dich - so sieht es aus - da in ein Problem verbissen, das dich so sehr besetzt, dass du die simple Lösung nicht mehr siehst.
„abfragen“ und „abhören“ gehören zu den wenigen Verben, die den doppelten Akkusativ bei sich haben können.
Normalerweise haben die Verben einen Dativ für die Person und einen Akkusativ für die Sache. Z. B.:
Ich schenke dem Kinde (Dativ) einen Ball (Akkusativ).
So wäre auch bei „abfragen“ und „abhören“ die zu erwartende Konstruktion:
Der Lehrer fragt/hört dem Schüler (Dativ) die Vokabeln (Akkusativ) ab.
Nun hat sich aber inzwischen die Konstruktion mit den beiden Akkusativen so breit gemacht, dass man fast nur noch sie hört.
Der Lehrer fragt die Schüler (Akk.) die Vokabeln (Akk.) ab.
Darum klingt die mit dem Dativ „komisch“; sie ist aber korrekt!
Der Akkusativ hat sich vermutlich durchgesetzt, weil nur er steht, wenn die Verben nur eine Ergänzung haben.
Der Lehrer fragt die Schüler (Akk.) ab.
Der Lehrer fragt die Vokabeln (Akk.) ab.
Und wenn man die beiden Sätze zusammen schiebt, hat man eben zwei Akkusative.
Kann mir bitte jemand erklären, warum das so ist?
Es gibt nichts zu erklären. Es ist halt so. Was ich gerade ausführte ist eine Spekulation, die mich allerdings überzeugen könnte. Die deutsche Sprache hat sich so entwickelt, dass sie beide Varianten zulässt.
Wenn ein Schüler mir solche Fragen stellt, senke ich die Stimme und flüstere laut: „Das ist eines der Mysterien der deutschen Sprache!“ 
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Ich hoffe, du kannst damit leben. 
Beste Grüße Fritz
Hallo, liebe Irene, lieber Fritz
Es gibt nichts zu erklären. Es ist halt so.
Dennoch leuchtet mir Deine Erklärung ein.
„Das ist eines der Mysterien der deutschen Sprache!“ 
MegaLOL!
Vielleicht macht den Unterschied, was man mit dem Satz ausdrücken möchte:
„Der Lehrer fragt den Schüler die Vokabeln ab.“
Hier geht es (nach meinem Empfinden) eher um die Vokabeln.
„Der Lehrer fragt dem Schüler die Vokabeln ab.“
Hier steht (wieder m.E.) der Schüler im Vordergrund. Er ist derjenige, mit dem etwas geschieht.
Aber wie immer bei mir ist nichts untermauert, alles nur rein „kraft meiner Wassersuppe“ 
Beste Grüße
Eckard
Ich hab’s! Es hat gefunkt! Zuerst atmete ich befriedigt auf und ergab mich dem Schicksal, indem ich das „Mysterium“ zur Kenntnis nahm.
Wenn mir jemand Kompetenter sagt, dass es so ist, dann ist es so. Dann begehre ich nicht länger auf.
Aber in der Variation mit „abhören“ war es mir plötzlich klar! Ich erinnere mich nun an eine Konstruktion im Lateinischen…leider nur mehr sehr vage…„aus jemandem etwas herausfragen“ - so hat uns der Lehrer damals den Dativ erklärt.
Tausend Dank!
Irene
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Auch eine Möglichkeit! Langsam rundet sich die Sache immer mehr ab.
Danke Euch beiden!
Irene
Hallo, Eckard,
Vielleicht macht den Unterschied, was man mit dem Satz
ausdrücken möchte:
„Der Lehrer fragt den Schüler die Vokabeln ab.“
Hier geht es (nach meinem Empfinden) eher um die Vokabeln.
„Der Lehrer fragt dem Schüler die Vokabeln ab.“
Hier steht (wieder m.E.) der Schüler im Vordergrund. Er ist
derjenige, mit dem etwas geschieht.
Das klingt beim ersten Lesen plausibel. Der Dativ drückt oft ein persönliches Interesse und Anteilnahme an dem jeweiligen Objekt aus. Aber nach einiger Überlegung und nachdem ich mir das mehrmals vorgesagt habe, kann ich dieser Unterscheidung nicht zustimmen. Sie ist von der Regel nicht vorgesehen, meine ich.
Aber wenn einer das damit ausdrücken will, mag man es so sehen. Das ist dann eine individuelle Sprache.
Gruß Fritz