Nachdem der Genitiv zeitweise vom Aussterben bedroht schien, ist jetzt seine triumphale Rückkehr zu vermelden. Der Siegeszug begann bei der Präposition „wegen“, die einst im populären Gebrauch gern mit dem Dativ verknüpft wurde, jetzt aber selbst am Stammtisch nur noch korrekt mit dem Genitiv daherkommt. Inzwischen ist man an den Stammtischen, im Journalismus und anderswo aber so vornehm geworden, dass man den Genitiv in jedem Fall für die schriftsprachlichere Variante hält, z.B. auch nach „entgegen“, „gemäß“ oder „entsprechend“. In diesen und zahlreichen anderen Fällen ist nichtsdestoweniger der Dativ weiterhin die richtige Wahl
behauptet freundlich grüßend
Peter
Hallo, Peter,
so sehr mich des Genitivs Vormarsch erfreut, kann er doch niemals dem Dativ als Ersatz dienen. Insofern gehe ich mit Dir Arm-in-Arm.
Honoratiorendeutsch (in unterschiedlicher Ausprägung auch als ~bairisch, ~schwäbisch etc. auftretend) zeichnete sich schon immer durch eine recht freizügige Anwendung hochsprachlicher Regeln aus und macht damit gleichzeitig seine Sprecher lächerlich. Es gibt also offenbar nichts Neues unter der Sonne. Jeder blamiert sich eben, so gut er kann.
Amüsierte Grüße
Eckard
Wenn dich dem Leben tritt, tritt zerick!*
Hallo, Peter, hallo, Eckard,
dem Genitiv ist nicht immer bei denen Präpositionen gewesen, wie es heute als Regel gilt.
Trotz z. B. war ursprünglich und bis ins 19. Jhdt mit dem Dativ verbunden, wie es auch noch die Konjunktion „trotzdem“ zeigt. Und im Dialekt gibt es auch ein „wegendem“, gesprochen „wäggademm“. Und das Verb „danken“ hat den Dativ mit sich und so hatte es auch die Präposition „dank“.
Der Genitiv hat sich als vermeintlich elegantere Möglichkeit erst ab dem 18. Jhdt. in diese Position geschmuggelt. Bei Lessing etwa fängt das an und Goethe wechselt lustig zwischen Dativ und Genitiv.
Man schaue doch mal bei Grimm nach diesen Präpositionen.
Gruß Fritz
* Schobert & Bläck!
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