Ein Brief an die Bahn
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit vier Wochen fahre ich regelmässig jedes Wochenende
mit der Bahn eine Strecke von ca. 500 km.
Das sind acht Fahrten. Von diesen acht Fahrten
bin ich nur einmal zu dem Zeitpunkt angekommen,
der geplant war.
Je nach Zug muss ich zwischen ein bis dreimal umsteigen.
Nach diesen Erfahrungen habe ich mich entschlossen wieder
Auto zu fahren.
Hier ist, was passiert.
- Ich bekomme jedesmal für denselben Zug andere Preise.
Das variiert von 89 Euro bis 119 Euro - Ich bekomme die Anschlüsse nicht
Also zu den Preisen:
Als erstes war ich beim Bahnschalter und habe mich nach der Fahrt
erkundigt. Mir sagte man mit Spar&:stuck_out_tongue_winking_eye:lan 89 Euro. Ich war aber
noch nicht sicher welche Zug genau ich nehme und ob es
dieser ist. Also bin ich nach Hause. Am nächsten Tag ins Internet
und diesen Zug gebucht.
Problem 1: Ich kann das Ticket nich ausdrucken weil es ein
internationales Ticket ist.
Problem 2: Er zeigt den Preis nicht an weil es ein internationales
Ticket ist.
Aber ich wusste den Preis ja und habe noch Wochen Zeit so dass die
mir mein Ticket schicken können. Also online angemeldet, Bahncardnummer
eingetragen und das Ticket bestellt.
Nach einer Woche war es noch nicht da. Da ich für eine Woche später wieder
dasseleb Ticket wollte, bin ich zur Bahn in Trier und habe wieder
eines kaufen wollen. Eine andere Person bediente mich. 104 Euro.
Wieso die Differenz. Weiss sie auch nicht. Gibt es keine Möglichkeit
für 89 Euro zu reisen? 15 Euro mehr jedes Wochenende ist ganz
schön happig. Keine Chance. Also habe ich zähneknirschend das
Ticket bezahlt. Als ich nach Hause komme, sehe ich im briefkasten mein
Ticket aus dem Internet. 119 Euro. Jetzt bin ich doch säuerlich
und rufe die angegebene Nummer an.
Der Mensch ist unfreundlich und versteht gar nicht, dass ich mich
über die Preise wundere. Da er aber als Internetter keine Preise
kennt solle ich mich doch an DB Reise und Touristik wenden.
Also rufe ich da jetzt habe ich auch schon eine Email an den Laden
geschickt). DB Touristik und Reise kann mir leider nicht helfen weil sie
für Internetbuchungen nicht zuständig sind. Ich rufe also wieder
den anderen Menschen an und erkläre das. Er kann mir nicht helfen.
Ich frage wer es kann, aber er will mir nicht den Namen seines Vorgesetzten
geben oder mich sonst wie verbinden. Ich frage ganz einfach:
Geben Sie mir einen Namen einer Person, die mir weiterhelfen kann.
Es sind alle beschäftigt.
Ich rufe wieder bei DB R&T an. Eine Dame. Sie nimmt sich meines Falls an.
Letztendlich stellt sie fest, dass auf mein Internetticket die Bahncard nicht
berechnet wurde. Aha! Ich solle damit fahren, mir bestätigen lassen,
dass ich eine Bahncard habe und bekomme die Differenz zurückerstattet.
Bis heute kein Geld da.
Für alle anderen Preise weiss sie auch nicht wie das kommt.
Also wieder zum Schalter, eine Woche später für ein neues Ticket,
dasselbe. 93 Euro!
Der Mensch erklärt mir, dass er die 89 Euro nicht nachvollziehen kann, aber die 104 Euro ohne den Bahncard-Abschlag im Ausland sind, wo es ein Abkommen
gibt. D.h. die 25% für den Auslandsanteil hat mir die Dame damals
verweigert. Ich soll mit dem Ticket fahren und es dann zu ihm bringen
und er erstattet mir die Differenz. Sagte ich schon, dass ich
auf dem Lande lebe und der nächste Bahnschalter 30 km weg ist? Daher
wollte ich alles über das Internet buchen.
So, nachdem jetzt geklärt ist, hier meine Fahrerlebnisse.
Bis auf einmal kam ich immer später an als geplant. Es sind ca. 500km.
Mit dem Auto sind das immer so 4.5-5 Stunden mit Pause. Ich hatte
bisher nie einen Stau.
Einmal habe ich auf der Rückfahrt freitags 50 Minuten auf meinen
Anschluss gewartet, der dann so spät kam, dass ich den letzten Zug nicht mehr
bekommen habe. Die Bahn erteilt dann ein Taxigutschein für 80 Euro.
Der reicht für 100 km aber nicht! Bei weitem nicht!
Für Verspätungen von mehr als 30 Minuten bekommt man einen 10 Euro Gutschein
auf das nächste Ticket (dessen Preis man ja nicht kennt).
Aber man erhält keinen, wenn man den Anschluss verpasst und dann eine
Stunde auf den nächsten Anschluss warten muss.
Die absolute Krönung habe ich am Wochenende erlebt.
Trier-Koblenz: Er kam mit 15 Minuten Verspätung an
Daher in Koblen den Anschluss nach Mannheim verpasst.
50 Minuten warten bis der nächste Zug geht. Nach Mainz. Dort dann umsteigen
nach Mannheim (also einmal umsteigen mehr).
Der Zug nach Mainz ist überfüllt und ich muss stehen.
Erwähnte ich schon, dass Sitzplatzreservierungen völlig nutzlos sind?
Und um das Geld zurückerstattet zu bekommen, muss man Formulare
ausfüllen und wegschicken, so dass es Geld und Zeit kostet.
In Mainz den Anschluss verpasst nach
Mannheim, weil unser Zug auf einen anderen wartete, aber leider
mein nächster nicht auf uns wartete.
55 Minuten warten auf den nächsten Zug. Vergass ich zu erwähnen, dass
mir ALLE (!!!) Bahnagestellte, die ich ansprach um neue
Verbindungen zu erfragen, unfreundlich waren und mir alle sagten
sie selber würden keine Bahn fahren?
In Mannheim Verspätung. Aber so gerade eben erreiche ich meinen Zug
noch. Mit Gepäck rennen ist echt super.
Vergass ich zu erwähnen dass an keinem Bahnhof die Treppen
für das Gepäck gingen und ich jedes Mal beim Umsteigen
meine Koffer hoch und runter tragen musste? Und das
ich durch die Bahnverspätungen zusätzlich umsteigen musste?
In Basel angekommen habe ich zwar einen Zug nach Bern gerade noch bekommen,
aber wir konnten unseren geplanten Anschluss in Bern nicht mehr
bekommen (wir waren ja schon zwei Stunden später dran).
Also anderer Plan um überhaupt noch anzukommen: Umsteigen in Olten
und dann nochmal in Burgdorf. Also sechs Mal umsteigen anstelle von
vier Mal. Vergass ich zu erwähnen, dass an keinem Bahnhof die
Gepäckbänder… OOPS!
Eine Strecke von 500 km, die mit dem Auto nie mehr als 5 Stunden dauerte
10,5 Stunden mit der Bahn. Jetzt verstehe ich was die Werbung
mit „Zugkunft“ bedeutet: Man kommt in ferner Zukunft an!
Durch die Anschlussucherei habe ich auch oftmals nicht
den ICE bekommen, den ich bezahlt habe, sondern einen IC
oder noch geringer. Geld zurück? Klar, Formulare, Post usw.
Alles so aufwendig, dass die Kosten meist den Nutzen nur
bedingt aufwiegen.
Also: Die Bahn kennt ihre Preise nicht und die Züge kommen
zu 90% nicht pünktlich an, was bei Anschlüssen zu Katastrophen führt.
Die Bahnangestellten sind inkompetent und unfreundlich. Wäre ich
auch wenn ich wüsste, dass mein Job bald weg ist, weil die
Bahn weiter Kunden verliert. Desweiteren ist eine Erstattung
von Geld nur sehr schwierig möglich. Und wehe man hat vergessen
sich beim Schaffner auf dem Ticket versichern zu lassen, dass
der Zug verspätet ist. Dann wird die Wechselgebühr für den Zug fällig.
Und vielleicht mal einen Gutschein von 5 Euro für einen Kaffee wenn
man eine Stunde auf den nächsten Anschluss wartet ist auch nicht drin.
Was mich ärgert ist, dass wenn ein Zug 30 Minuten verspätung
hat bekommt man 10 Euro. Hat ein Zug 10 Minuten Verspätung und
man erreicht den nächsten nicht und wartet eine Stunde erhält man nichts.
In meinem Fall war ich über 2 Stunden verspätet ohne Entschädigung.
Die Kosten:
Neben der Tatsache, dass ich mit der Bahn bisher mehr Stress
hatte als mit dem Auto, da die Züge überfüllt sind, man mit
dem Gepäck immer hin und herlaufen muss, sind die Kosten ein
Faktor:
Wenn ich von dem Mittelwert von 104 Euro pro Wochenende ausgehe
(Plan&Spar und Bahncard, was nicht flexibel ist und der Planung bedarf)
kostet mich das im Momat 416 Euro.
Plus, das mich jemand zum Bahnhof bringen muss (ich wohne auf dem Land).
Das Auto, dass ich bisher fuhr kostet mich:
110 Euro Steuer und Versicherung im Monat.
500 km eine Fahrt, also pro Monat 4000 km. Bei einem Diesel,
und Geschwindigkeitsbegrenzung, 6 Liter/100km also 240 Liter.
Da ich in Luxembourg und der Schweiz tanke kostet der Liter Diesel
im Mittel 80 Cent. Also 192 Euro im Monat. Plus die 110 Euro Unterhalt
sind das 302 Euro. Mit der Bahn 416 Euro. Aber:
Mit dem Auto brauche ich die Hälfte der Zeit und
kann auch mal fünf Minuten später fahren.
So, jetzt bin ich neugierig was die Bahn und die Verbraucherzentralen
und -Ministerien zu diesem Brief sagen.

