DBT, Skillstraining, etc

Hallo!

Da ich im Archiv nichts gefunden habe und mir tausende von Internetseiten zwar eine Menge über DBT (dialektisch-behaviorale-Therapie) erzählen, mir aber keine genaueren Auskünfte geben, muss ich mich mal an Euch Experten wenden.

Folgendes:
Mich würde der GENAUE Ablauf interessieren. Klar, der ist nicht immer gleich, aber was macht man z.B im „Skills-Training“. Allgemein wird es ja überall beschrieben als Fertigkeitentraining, aber was genau tut man da? Könnte mir jemand BEISPIELE nennen?
Und dann sind da doch bestimmt auch therapeutische Gespräche, etc. Laufen die nach einem bestimmten Muster ab (ich meine erst nach der Diagnostikphase)? Hat man grundsätzlich EINEN Therapeuten oder sprechen einen alle *was weiß ich wie viele* Stationsbeschäftigte an?

Es würde mir wirklich sehr weiterhelfen, wenn mir jemand einiges (vor allem Beispiele)nennen könnte…!

Achso, noch eines, was eigentlich nicht direkt mit DBT zu tun hat:
Kann es vorkommen, dass man während einer stationären Therapie „rausgeschmissen“ wird, weil man sich als „nicht therapiefähig“ (sprich: stur, Sprechverweigerer, nicht kooperationsbereit, …) erweist?

Liebe Grüße!
Lyra

Hallo Lyra,

etwas über die DBT erfährst Du hier

http://www.uni-kiel.de/psychiatry/klinik/ag/de/borde…

In der DBT werden viele kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden eingesetzt, z.B.

a) Problemlösetechniken : Lernen, eine Problem zu gliedern, Teilprobleme zu analysieren, systematisch zu durchdenken, Lösungsmöglichkeiten zu finden, diese zu bewerten und eine Entscheidung zu treffen. Dies findet oft in einer Gruppentherapiesitzung statt, in der Brainstorming zum Einsatz kommt, um Lösungsmöglichkeiten zu finden, sie zu bewerten (Durchführbarkeit, positive & negative Konsequenzen, kurzfristig / langfristig)

b) Training Sozialer Kompetenzen : Ich habe einen Artikel zu Skills-Trainings geschrieben, der jetzt [FAQ:1079] ist. Dort erfährst Du konkret, was bei solchen Trainings gemacht wird.

c) Kontingenz-Management : Einsatz von Belohnungen für Schritte in die richtige Richtung

d) kognitive Umstrukturierung : negative Gedanken analysieren, ihre mangelnde Angemessenheit erkennen und durch positive Gedanken ersetzen

e) Konfrontationsmethoden : Lernen, mit angstauslösenden Reizen umzugehen, ihre Gegenwart zu ertragen und Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen

Ich könnte versuchen, das alles noch viel genauer zu beschreiben, aber es würde Seiten füllen. An FAQ:1079 siehst Du, wie viel man schon zu Trainings Sozialer Kompetenzen schreiben kann (und das ist noch lange nicht alles, was da steht). Deshalb muß ich sagen, daß ich vor dieser Aufgabe im Moment kapituliere. Ein Tipp, was Dich besonders neben dem Skillstraining interessiert, wäre gut.

Grüße,

Oliver Walter

ein Sternchen für Deine Antwort
Hallo Oliver,

Supererklärend!
Weiterausführend!
Hilfreich!

Gruß
karin

Hallo Karin,

danke für das Sternchen. Auch gut, daß Du Dich namentlich gemeldet hast. Denn ich kann anläßlich dieses „Jubiläums-Sternchens“ Dir stellvertretend für alle, die meine Artikel in den letzten 26 Monaten als hilfreich empfanden, meinen Dank aussprechen. Ich interpretiere dieses Sternchen auch als Hinweis, daß Du Deine Meinung von neulich zumindest etwas geändert hast.

Grüße,

Oliver Walter

ergänzende Fragen zu den Links
Hallo Oliver Walter!

Ersteinmal vielen Dank für die umfangreichen und hilfreichen Informationen!!

Ist ja erschreckend viel, was man da macht, wenn ich das mal so ausdrücken darf…
Unter dem ersten Link, stand etwas, dass ich folgendermaßen verstanden habe: Man hat einen Therapeuten und noch jemanden, der das Training, die Therapie an sich, den Alltag, etc mit einem bespricht. Hab ich das richtig verstanden??

Achso, und dass nicht auf Traumata, etc des Patienten eingegangen wird. Heißt das, dass man nicht nach seiner Vergangenheit gefragt wird? Und trotzdem in Stufe 2 der DBT mit Menschen konfrontiert wird, die in der eigenen sozialen Umgebung ein Problem darstellen?? (z.B. im Falle einer Vergewaltigung wird diese nicht erfragt, aber eine Konfrontation mit dem Täter [z.B. Vater] gesucht, um die erlernten Fähigkeiten im Skillstraining einzuseten???)
_ Kann man sich weigern?_

Und wie ist das mit einem „Rausschmiss“? Okay, BPS-Patienten sind bekanntlich schwierig und darauf ist die Klinik vorbereitet, aber kann man auch „ZU schwierig“ sein?

Bitte entschuldige die Flut an Fragen! Ich bin Dir auf jeden Fall dankbar, dass Du mir Infos über das Skillstraining geben konntest!!Fühl Dich nicht verantwortlich, mir alles zu erklären zu „müssen“.

Liebe Grüße!
Lyra

Hallo Lyra,

Ist ja erschreckend viel, was man da macht, wenn ich das mal
so ausdrücken darf…

klar darfst Du. Ich denke, daß die Fülle des Angebots auf Station P2 daran liegt, daß dort die „Härtefälle“ eine Therapie machen. Es gibt aber auch die ambulante Therapie.

Unter dem ersten Link, stand etwas, dass ich folgendermaßen
verstanden habe: Man hat einen Therapeuten und noch jemanden,
der das Training, die Therapie an sich, den Alltag, etc mit
einem bespricht. Hab ich das richtig verstanden??

Ja, auf P2 haben die Patientinnen/Patienten offensichtlich eine Pflegekraft (Krankenschwester, Pfleger), die sie bei den Hausaufgaben und bei der Krisenbewältigung betreut.

Achso, und dass nicht auf Traumata, etc des Patienten
eingegangen wird. Heißt das, dass man nicht nach seiner
Vergangenheit gefragt wird?

So würde ich das nicht sagen. In der 2wöchigen Vorbereitungsphase wird sicherlich auch dies angesprochen werden, damit Therapeuten und Pflegekräfte Bescheid wissen und sich darauf einstellen können. Nur in der Therapie selbst wird ein Trauma nicht „analysiert“. Es geht um die Vermittlung von grundlegenden Fertigkeiten, um Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen. Das schließt keineswegs aus (oder ersetzt) die Auseinandersetzung mit dem Trauma zu einem späteren Zeitpunkt.

Und trotzdem in Stufe 2 der DBT
mit Menschen konfrontiert wird, die in der eigenen sozialen
Umgebung ein Problem darstellen?? (z.B. im Falle einer
Vergewaltigung wird diese nicht erfragt, aber eine
Konfrontation mit dem Täter [z.B. Vater] gesucht, um die
erlernten Fähigkeiten im Skillstraining einzuseten???)

Wo hast Du gelesen, daß man auf P2 in der 2. Stufe mit dem Vater konfrontiert wird, der einen vergewaltigt hat? Diese Passage finde ich nicht. Ich denke, daß Du Dir die „Konfrontation“ nicht als so etwas Großes vorstellen solltest, als ob man von jemanden verlangen würde, von heute auf morgen mit dem Vergewaltiger einen netten Plausch zu halten. Es geht mehr um kleinere, alltägliche Probleme.

_ Kann man sich weigern?_

In Kiel ist es offensichtlich so, daß vor der eigentlichen Therapie ein Abkommen zwischen der Therapeutin / dem Therapeuten und dem Patienten / der Patientin getroffen wird: ein Therapievertrag. Da steht dann drin, was die konkreten Therapieziele sein sollen. Welche das sind, wird zusammen besprochen und dann in den Vertrag aufgenommen. Das läuft nicht nach dem Motto: „Du machst das jetzt oder Du fliegst raus.“ Worauf man sich geeignet hat, solte man dann aber auch später durchführen. Sonst macht eine solche Therapie keinen Sinn. Deshalb ist ein übergeordnetes Therapieziel in der DBT, therapiegefährdendes Verhalten abzubauen (also daß man z.B. nicht ständig zu spät zur Therapie kommt oder ganze Stunden „schwänzt“.)

Und wie ist das mit einem „Rausschmiss“? Okay, BPS-Patienten
sind bekanntlich schwierig und darauf ist die Klinik
vorbereitet, aber kann man auch „ZU schwierig“ sein?

3 Antworten:

a) „Patienten können in DBT nicht versagen.“

b) Während einer Krise kann es passieren, daß Patientinnen nicht an den Therapieangeboten teilnehmen wollen oder können. Für den Fall gibt es in Kiel dann die Krisenintervention auf P4.

c) Wenn jemand massiv gegen die Klinikordnung oder die Therapieregeln verstößt, dann kann ich mir vorstellen, daß die Ärzte zu dem Schluß kommen, daß es so keinen Sinn macht. Aber ich weiß wirklich nicht, was BPS-Patientinnen in Kiel machen müssen, damit sie rausgeschmissen werden.

Fühl Dich nicht verantwortlich, mir alles zu erklären zu „müssen“.

O.k.

Beste Grüße,

Oliver Walter

beruhigend zu wissen
Hallo nochmal!

Herzlichen Dank für die Antworten!

„Patienten können in DBT nicht versagen.“

das ist doch beruhigend zu wissen :smile:

Tschüß!
Lyra