DDR-Deutsch Kommunist vs. Antifaschist

Ich bin mal in den neuen Bundesländern angeeckt.
Als ich mich nach dem Namensgeber (weiß nicht mehr, wer es war) einer Jugendherberge erkundigte, sagte man mir: „Er war Antifaschist.“
Darauf antwortete ich: „Das bin ich auch. Er war wohl Kommunist.“
Daraufhin wurde ich herb angeschnauzt.
Später habe ich erfahren, daß er in den 30er Jahren in der kommunistischen Partei an führender Stelle tätig war und deshalb von den Nazis umgebracht wurde.
Meine Frage: Warum war man so ärgerlich, als ich das Wort „Kommunist“ erwähnte?

ich vermute: als kommunist ist er jetzt diskreditiert, als antifaschist nicht. vielleicht hat dein gegenüber ihn gegen mutmaßliche krittelei in schutz nehmen wollen…

dietmar

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ich vermute: als kommunist ist er jetzt diskreditiert, als
antifaschist nicht. vielleicht hat dein gegenüber ihn gegen
mutmaßliche krittelei in schutz nehmen wollen…

dietmar

Doch garnicht. Ihm wurde doch sogar die Ehre zuteil, Namensgeber einer Jugendherberge zu sein.

jaaaa… aber JHs mit kommunistischem namensgeber sind heute nicht mehr opportun, solche mit antifaschistischen aber weiterhin!

d.

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Nabend zusammen,

vielleicht kann ich ja etwas Licht ins ostdeutsche Dunkel bringen …

Aehm, vorab moechte ich anfuehren, dass ich hier nur aus meinen eigenen Erfahrungen sprechen kann - also andere Ostdeutsche das sehr wohl auch anders sehen koennen.

In der DDR bezeichneten „wir“ usn hauptsaechlich als Antifaschisten und nicht als Kommunisten. Die Bezeichnung „Kommunist“ fuer die oestlicheren (russisch besetzten) Gebiete wird/wurde mehr von den Westdeutschen und Amerikanern verwendet. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, jemals mit dem Begriff „Kommunist“ in Verbindung gebracht worden zu sein.

Viele Leute werden mich jetzt erschlagen, aber als ich zur Schule ging (so mit Kniestruempfchen, Pionierhemd und rotem Halstuch), wurde uns in der Schule immer „eingetrichtert“, dass die Westdeutschen die Faschisten waren und der Ostblock die Antifaschisten. Wir waren die Guten, die Hitler umbringen wollten (ruhet sanft Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg … nicht zu vergessen die Geschwister Scholl). Dass man damit natuerlich nur unser Interesse an den Westen schmaelern und unser Herzblut fuer Russland in Wallung bringen wollte muss wohl nicht erwahnt werden.

Zumindest hat sich diese Bezeichnung in den Koepfen immernoch festgefressen - und ich finde sie, nebenbei gesagt, auch gar nicht falsch. „Kommunist“ empfinde ich eher als eine Art Schimpfwort der „Westler“ (seien es Westdeutsche, Englaender oder Amerikaner) - ein Antifaschist ist auf ewig ein guter Mensch.

In diesem Sinne und mit bruederlichem Wangenkuss…

Kris.
die rote (Arbeiter-) Fahne schwingend

Nabend zusammen,

vielleicht kann ich ja etwas Licht ins ostdeutsche Dunkel
bringen …

Hast Du aber bei mir nicht. Leider.

Aehm, vorab moechte ich anfuehren, dass ich hier nur aus
meinen eigenen Erfahrungen sprechen kann - also andere
Ostdeutsche das sehr wohl auch anders sehen koennen.

Erkenne ich sehr an.

In der DDR bezeichneten „wir“ uns hauptsaechlich als
Antifaschisten und nicht als Kommunisten. Die Bezeichnung
„Kommunist“ fuer die oestlicheren (russisch besetzten) Gebiete
wird/wurde mehr von den Westdeutschen und Amerikanern
verwendet. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, jemals mit
dem Begriff „Kommunist“ in Verbindung gebracht worden zu sein.

Das mag ja sein, denn in beiden Teilen Deutschlands hatte sich der (politische) Sprachgebrauch stark auseinander entwickelt.

Viele Leute werden mich jetzt erschlagen,

Ich nicht!!!

aber als ich zur
Schule ging (so mit Kniestruempfchen, Pionierhemd und rotem
Halstuch), wurde uns in der Schule immer „eingetrichtert“,
dass die Westdeutschen die Faschisten waren und der Ostblock
die Antifaschisten. Wir waren die Guten, die Hitler umbringen
wollten (ruhet sanft Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg …
nicht zu vergessen die Geschwister Scholl). Dass man damit
natuerlich nur unser Interesse an den Westen schmaelern und
unser Herzblut fuer Russland in Wallung bringen wollte muss
wohl nicht erwahnt werden.

Ja, das glaube ich auch. Uns hat man damals auch eingetrichtert, daß nur „dort drüben“ die Bösen wohnten und bei uns nur die Guten.

Zumindest hat sich diese Bezeichnung in den Koepfen immernoch
festgefressen - und ich finde sie, nebenbei gesagt, auch gar
nicht falsch. „Kommunist“ empfinde ich eher als eine Art
Schimpfwort der „Westler“ (seien es Westdeutsche, Englaender
oder Amerikaner)

ein Antifaschist ist auf ewig ein guter Mensch.

Na, na, das meinst Du doch sicher nur ironisch!?

Das Wort „Antifaschist“ sagt ja nur, wogegen man ist, aber nicht wofür. Ich kann mich nur wiederholen: Auch ich bin gegen den unseeligen Faschismus und fassungslos, daß er zur Zeit eine „Neuauflage“ erlebt.
Aber wir sind etwas von meiner ursprünglichen Frage abgekommen.
Es gab ja bei uns im Westen auch diverse politische Gruppen, die das Wort „Kommunistisch“ stolz in ihrem Namen trugen.
Aber Du hast recht, ein Schimpfwort war es damals bei uns.
Aber in der DDR? Die Brüderlichen Freunde in der SU trugen doch auch mit der KPDSU dieses Wort stolz vor sich her.

In diesem Sinne und mit bruederlichem Wangenkuss…

Nee, lieber nicht. Wir haben uns damals immer vor dem Fernseher totgelacht, wenn die älteren Männer sich leidenschaftlich und ausdauernd abküssten.
Klar gab es auch hier Männer, die sich bei der Begrüßung küssten, Das waren aber Exoten aus fernen Ländern.

Kris.
die rote (Arbeiter-) Fahne schwingend

Ich habe noch nie eine Fahne geschwungen und werde es auch weiterhin nicht tun.
In der Mathematik gibt es „Fahnen“ und „Ketten“.
Unser Prof. sagte manchmal: „Häufig endet etwas, das mit Fahnen beginnt, in Ketten“! Unrecht hatte der Mann nicht.

Hallo Jochen,

Hast Du aber bei mir nicht. Leider.

Dann kann ich dir auch nicht weiterhelfen.

ein Antifaschist ist auf ewig ein guter Mensch.

Na, na, das meinst Du doch sicher nur ironisch!?

Nein.

Das Wort „Antifaschist“ sagt ja nur, wogegen man ist, aber
nicht wofür.
Aber wir sind etwas von meiner ursprünglichen Frage
abgekommen.

… ich nicht. Ich habe lediglich versucht, dir zu erklaeren, wieso ein Ostdeutscher Namensgeber eher als Antifaschist den als Kommunist bezeichnet wird.

Ich habe noch nie eine Fahne geschwungen und werde es auch
weiterhin nicht tun.

Ich sehr wohl, und ich habe auch kein Problem damit, dazu zu stehen wie und wo ich aufgewachsen bin … und mit den Ideologien habe ich bis heute auch nicht wirklich Beruehrungsaengste.

Watt solls … „war ja nicht alles schlecht“ (Zitat „Eulenspiegel“) …

Kris.