DDR und Kirche

Hallo ihr,

gibt es eigentlich einen Grund, warum es in der DDR keine oder nur begrenzte kirchliche Aktivitäten gab?

Insbesondere im Hinblick auf Taufe?

Warum wurden Großeltern getauft und deren Kinder dann nicht mehr?

Verteufelung der Kirche wird ja nicht der Grund gewesen sein, odeR? Zumindest wäre mir der entgangen, denn ich hatte 5-6 Kirchenkinder in der Klasse und habe da keine Probleme mit denen gehabt oder gewusst, dass die in ihrer Ruhe gestört wurden.

Nur totgeschwiegen und nicht beachtet?

Gruß
Marco

Hallo Marco,

das hatte wohl vor allem zwei Gründe:

Von einer Reihe von Funktionären bei Staat und Partei und anderen Organisationen wurde der Kirchenaustritt regelrecht verlangt.

Das andere war sicher die Tatsache, daß die Kirche im öffentlichen Leben ziemlich totgeschwiegen wurde. Es gab ja auch keinen Religionsunterricht an Schulen.
Für die jungen Leute spielte das einfach keine Rolle mehr damals.
Meine Mutter hatte noch so was ie eine christliche Erziehung, sie hat mich auch noch taufen lassen (ich bin Jahrgang 59). Später, als ich zur Schule ging, war mir die Kirchenstunde beim Pfarrer einfach zu blöd. Ich hatte einfach keine Lust, nachmittags noch mal zu irgend einem Unterricht zu gehen. Also bin ich schon nicht mehr konfirmiert. Das war aber in unserem Dorf 1973 noch so ziemlich die Ausnahme.
Trotzdem waren auch die Bindungen meiner Klassenkameraden zur Kirche mehr als lose. Sie gingen, weil ihe Eltern es wollten. Und sie selbst haben dann ihre Kinder meist gar nicht mehr taufen lassen oder zum Unterricht geschickt.

Mach Dir mal nichts vor, so richtig an Gott und Kirche glauben tun sicher in den neuen Ländern die Wenigsten. Und da man in der DDR nichts davon hatte, zur Kirche zu rennen, ist schließlich keiner mehr hingegeangen.
Heute ist das wieder anders. Es ist in und zeugt plötzlich wieder von guter Erziehung. Also tut man so als ob, in der Hoffnung, es möge sich irgendwann mal auszahlen. Könnte ja sein, man macht bei den Leuten einen guten Eindruck damit…

Gernot Geyer

Hallo ihr,

gibt es eigentlich einen Grund, warum es in der DDR keine oder
nur begrenzte kirchliche Aktivitäten gab?

Insbesondere im Hinblick auf Taufe?

Warum wurden Großeltern getauft und deren Kinder dann nicht
mehr?

Bis in die 70er/partiell in die 80er mussten Leute aus der Kirche austreten, wenn sie in eine Leiterposition kommen wollten.
Kirchenmitgliedschaft (nur Konfirmation) und EOS schlossen sich auch ganz lange aus.
In der Heissen Zeit (50er,60er) gab es regelrechte Kämpfe:
2 Bsp.:
die Schule meiner Mutter organisierte in den End 50er es so, dass zur Christenlehrezeit oft was anderes (attraktiveres) stattfand
mein Grossvater musste 1963/64 wochenlang mehrmals die Woche beim Betriebsparteisekretär antreten zur Diskussion, warum sein Sohn keine Jugendweihe und nur Konfirmation macht und es ging nicht nur dem Vater meines Vaters so.

Verteufelung der Kirche wird ja nicht der Grund gewesen sein,
odeR?

klar siehe oben, seit Honeckers Zeiten wurden v.a. die Pfarrerskinder in Ruhe gelassen, aber die Normalen Gläubigen mussten immer noch Angst vor Repressionen (No Karierre no Studium etc.) haben

Zumindest wäre mir der entgangen, denn ich hatte 5-6
Kirchenkinder in der Klasse und habe da keine Probleme mit
denen gehabt oder gewusst, dass die in ihrer Ruhe gestört
wurden.

Du warst ja wirklich in der Endzeit der DDR in der Schule (1985 eingeschult ?). Da war es überhaupt nicht mehr schlimm. Die heisse Zeit ging in den 70ern langsam zu Ende, auch unter Einfluss des Helsinki (KSZE)-Prozesses.

Nur totgeschwiegen und nicht beachtet?

das nur stört.

Tschuess Marco.

Hi, im reinen Kummonismus gibt eine keine Kirche, und auch keine Religion, da ist der Staat beides gleich mit,
im Sozialismus werden Kirchen soweit geduldet aber nicht unbedingt gewünscht,
das ist ne politische Angelegenheit gewesen, un da der Sozialismus immer mehr dem Kommunismus gewichen war, wruden die Repressalien gegen die Kirchenoberhäupter immer drastischer bis zuletzt einige von den Geistlichen schon im Knast saßen, es waren zuletzt schon Pläne für Internierungslager fertig, ne traurige Angelegenheit, aber es kam ja die Wende,
dies war auch der Grund, warum gerade die Geistlichen drüben die Protestmärsche und Gottesdienste so drastisch vorantrieben, das konnte man nicht mehr unterdrücken seitens des Kommunismus.
Tschüß

1984 *owt* :smile:

Soory aaron,

aber ich finde dein Posting ziemlich platt.

Hi, im reinen Kummonismus gibt eine keine Kirche, und auch
keine Religion,

weil es Opium für das Volk ist, welches man in einem Staat, wo die Arbeiteklasse wirklich herrscht nicht mehr benötigt.
soweit die Theorie nachzulesen in Büchern aus der euphorischen Phase (überholen ohne einzuholen) - also die 50er/60er

da ist der Staat beides gleich mit,

so wurde es in der Praxis gehandhabt
s. die ‚10 Gebote des Genossen‘
u.a. mit Klauseln zu einer eher bürgerlichen Lebensführung in Bezug auf Ehe/Familie
E.H: bekam deshalb Probleme, als er seine erste Frau gegen seine Sekretärin tausne wollte/tauschte

im Sozialismus werden Kirchen soweit geduldet aber nicht
unbedingt gewünscht,

wiederum Wiedergabe der Praxis

das ist ne politische Angelegenheit gewesen, un da der
Sozialismus immer mehr dem Kommunismus gewichen war,

diese Feststellung stammt auch aus der euphorischen Phase, da wurde vorrausberechnet, wann in welchen Land die Gesellschaft vom Sozialismus zum Komunismus übergeht, abgesehen davon dass bis zum Jahr 2000 eh alle Länder sozialistisch sind (incl. Westeuropa und die USA), dies wurde alles streng wissenschaftlich fundiert verkündet.

die Repressalien gegen die Kirchenoberhäupter immer
drastischer bis zuletzt einige von den Geistlichen schon im
Knast saßen,

die Repressalien für die Kirchenleute hatten in den 50er/60er Jahren ihren Höhepunkt, seit E.H./Helsinki/Ende der Hallstein-Doktrin wurde das Klima in der DDR tendenziell freier.
Über ihre Angestellten hielt die Kirche ihre schützenden Hände (auch mit Hilfe der Westkirchen).
In den 80er Jahren wurde in einigen Orten über die Ortskabelanlagen (wo alle incl.Parteisekretär und Bürgermeister angeschlossen waren), Westsender in die Haushalte geliefert. Offiziell sah es wieder anders aus (immer noch streng rot und Westfernsehen ist des Teufels).

es waren zuletzt schon Pläne für
Internierungslager fertig, ne traurige Angelegenheit, aber es
kam ja die Wende,
dies war auch der Grund, warum gerade die Geistlichen drüben

falsche Formulierung!

die Protestmärsche und Gottesdienste so drastisch
vorantrieben,

Aktiv waren eher einfache Kirchenmitglieder, die unter dem Dach der Kirche ihre Menschenrecht-/Friedens- und Umweltaktivitäten abwickelten. Die Kirchenleute vor Ort haben dies mehr oder weniger unterstützt. Und die offizielle Kirche lavierte ganz schön.
So kam es dass in einigen Fällen die Kirche Übergriffe der StaSi etc. ansprach, in anderen Fällen aber wegguckte.

das konnte man nicht mehr unterdrücken seitens
des Kommunismus.

Tschuess Marco.

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