Definition von links und rechts

Nun, Martin,

Und deshalb sind Alexanders Erklärungen richtig. Rechts ist in
der Tat dort, wo der Daumen links ist.

Und damit sind „rechts“ und „links“ mehr als
eine bloße Konvention.

sagte ich mit meinem Satz etwas anderes? Sprache ist eine Konvention.
Irgendwann hat der vom Baum gestiegene Affe mit einem Grunzen den einen Gegenstand bezeichnet und mit einem Knurren einen anderen. Als dann ein zweiter seinesgleichen das nachmachte und beide mit dem gleichen Laut das Gleiche meinten, war die Sprache erfunden und Verständigung möglich.
Dass in anderen Ecken der Welt (wir brauchen dazu weder das All noch andere Dimensionen zu bemühen) mit anderen Lauten andere Dinge bezeichnet werden, kannst Du jeden Tag im Radio hören.
Die Konvention hätte statt auf Lauten genausogut auf Gesten (oder meinetwegen einem olfaktorischen oder jeder beliebigen anderen Art der Äußerung) beruhen können, wäre das dem Überleben nützlicher gewesen.
Und damit ist auch was nun rechts oder links sei nichts anderes als eine Frage der Definition ebenso wie oben und unten.
Grüße
Eckard.

Hallo Eckard,

es ist mir leider nicht gelungen, Dir den physikalischen Gehalt von Stefans Frage verständlich zu machen. Ich versuch’s nochmal anders.

Vielleicht sind wir ja nicht die einzige intelligente Zivilisation im Universum. Und sollte es noch eine andere geben, dann können wir uns vorstellen, in ferner Zukunft auch einen Kontakt zu ihr herzustellen, wobei die Verständigung sicher mittels kodierter Funksignale erfolgen würde. Es wurden übrigens schon detaillierte Verfahren ausgearbeitet, wie man schrittweise eine gemeinsame Sprache entwickeln kann. Sobald eine fließende Kommunikation aufgebaut ist, könnte man selbstverständlich auch Bilder übertragen. Dazu wäre es nur nötig, ein Rechteck in ein paar Tausend quadratische Einheiten („Pixel“) aufzuteilen wie ein Blatt Millimeterpapier, und dann einen Binärkode zu übermitteln, der aus Nullen und Einsen besteht und angibt, welche Pixel markiert werden sollen – wobei das Rechteck von oben nach unten und von links nach rechts abgetastet würde.

Klingt alles ganz simpel und doch gibt es ein Problem. Wenn die Bewohner des fremden Planeten ihr empfangenes Bild beim „Ausdrucken“ nicht von rechts nach links, sondern von links nach rechts abtasten, dann erzeugen sie ein Spiegelbild von dem, was wir ihnen übermitteln wollen. Um zu verhindern, daß dies passiert, müssen sie wissen, was wir mit „rechts“ und „links“ meinen. Können wir ihnen das mitteilen? Bei „oben“ und „unten“ gibt es kein Problem: Unten ist die Richtung, in die sich Gegenstände bewegen, wenn man sie losläßt, oben die entgegengesetzte. „Vorne“ und „hinten“ ist ebenfalls kein Problem. Aber „rechts“ und „links“ ist eins. Hilft es den Fremden was, wenn wir ihnen „rechts ist da, wo der Daumen links ist“ sagen? Nein. Wenn es aber so nicht geht, gibt es dann eine andere Möglichkeit, um mit den Bewohnern des fremden Planeten zu einer Übereinkunft über links und rechts zu gelangen? Ohne ihnen ein Bild eines Menschen zu schicken, wo wir „links“ und „rechts“ draufgeschrieben haben?

Wir können den Fremden mitteilen, wieviel unser Kilogramm und unser Meter sind, indem wir ihnen sagen, wie sie entsprechende Experimente durchführen müssen ("fügt soundsoviele Atome desjenigen Elements zusammen, das wir „Kohlenstoff“ nennen, dann wißt ihr, wieviel unser Kilogramm wiegt). Wir können ihnen auch sagen, was für uns „18 °C“ und „zweieinhalb Stunden“ bedeuten.

Aber:

Gibt es auch eine Möglichkeit für uns, den Bewohnern eines fremden Planeten unsere Bedeutung von „rechts“ und „links“ zu übermitteln?

Mit freundlichem Gruß
Martin

es ist mir leider nicht gelungen, Dir den physikalischen
Gehalt von Stefans Frage verständlich zu machen.

Aber Martin,
ich bin nicht annähernd so vernagelt, wie Du zu glauben scheinst.
Das von Stefan angesprochene Dilemma ist mir durchaus klar.

Das ist auch der Grund, warum dieser Teil-Thread noch immer „etwas off topic“ heißt, denn es ging mir hier darum die Ambiguität des Begriffspaares anhand seiner sprachlichen Herkunft darzustellen. Zum anderen stand da am Anfang dieses Zweiges die Frage nach der sprachlichen Verbindung der Begriffe „rechts“ und „richtig“, „Recht“ usw. und der mit „links“ verbundenen abwertenden sprachlichen Bezüge. Das war auch der einzige Grund für mich, mich einzumischen, mathematischer Legastheniker, der ich bin.

Die Vermittlung der „richtigen“ Bezüge des Begriffspaares „links/rechts“ ist eines der Dinge, die sich nicht per Referenz (mal abgesehen von der von Kevin angedeuteten Möglichkeit - die mir auch nicht ganz eindeutig scheint) sondern nur durch Beispiel vermitteln lassen. Auch einem Kind wird man nur zeigen können, welches das „schöne“ Händchen ist. Es gibt Dinge, die man eben nicht mit Worten ausdrücken kann (nicht nur den sattsam bekannten nassen Schwamm).

Man wird Deinen Aliens also den Hinweis auf ein menschliches Artifakt zukommen lassen müssen, an Hand (sic!) dessen man ihm diesen Unterschied eindeutig macht.

Sollte sich für Dich das Bedürfnis nach Fortsetzung dieser Diskussion ergeben, bitte per Mail. Hier langweilen wir wahrscheinlich nur die anderen.

Grüße
Eckard.

Hallo Stefan,

Nicht wirklich. Aber es gibt eine Methode die irgendwie mit
einer Asymetrie im Beta-Zerfall zu tun hat mit der man links
und rechts festlegen kann.

An ähnliche Phänomene habe ich auch gedacht. Aber da gehts
glaube ich um die Ablenkung der Teilchen im Magnetfeld, dafür

Nein. Beim Beta-Zerfall ist die Helizität (Drehsinn des Teilchens in Bezug auf Bewegungsrichtung) nicht symmetrisch, sprich es werden mehr links- als rechtsdrehende (im Sinne von Spin) Elektronen ausgesandt. Da braucht man keine Magnetfelder. Zuerst beschrieben in C.S. Wu et al., Phys. Rev. 105 1413L (1957). Da braucht man keine Magnetfelder etc. pp. Das ist eines der ganz wenigen (das einzige bisher bekannte?) Naturgesetz, welches *nicht* symmetrisch ist.

http://www.lanl.gov/p/pdfs/journals/parity.pdf ist eine neuerer Artikel, der aber auch den oben genannten zitiert.

Gruß,
Ingo

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Hallo Ingo,

Das ist eines der ganz wenigen (das einzige bisher bekannte?)
Naturgesetz, welches *nicht* symmetrisch ist.

im Jahre 1967 wies der russische Physiker Lobaskow experimentell nach, daß auch die starke nukleare Wechselwirkung die Parität verletzt, wenn auch nur in äußerst geringem Maße (noch weitaus weniger, als es die schwache Wechselwirkung tut).

Mit freundlichem Gruß
Martin

Danke für den Hinweis. o.w.T.
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