Definition von links und rechts

Hallo allerseits!

Eigentlich ist es ja Allgemeinwissen wo links und rechts ist. Nun ist mir aber gerade so die Frage gekommen, ob diese Richtungsangaben eigentlich auch irgendwie eindeutig definiert sind.
Mir ist jedenfalls noch keine hieb- und stichfeste Definition eingefallen. Gibt es etwa analog zum Urkilogramm auch ein „Urkoordinatensystem“ in dem die Richtungsbezeichnungen festgelegt sind?

Gruß

Stefan

Moin,

Eigentlich ist es ja Allgemeinwissen wo links und rechts ist.

Nun, rechts ist da, wo der Daumen links ist :wink:.

Nun ist mir aber gerade so die Frage gekommen, ob diese
Richtungsangaben eigentlich auch irgendwie eindeutig definiert
sind.

Nicht wirklich. Aber es gibt eine Methode die irgendwie mit einer Asymetrie im Beta-Zerfall zu tun hat mit der man links und rechts festlegen kann. Genauer weiß ich das jetzt auch nicht.

Gruß,
Ingo

Hi Ingo!

Nicht wirklich. Aber es gibt eine Methode die irgendwie mit
einer Asymetrie im Beta-Zerfall zu tun hat mit der man links
und rechts festlegen kann.

An ähnliche Phänomene habe ich auch gedacht. Aber da gehts glaube ich um die Ablenkung der Teilchen im Magnetfeld, dafür müßte aber wieder die magnetische Feldrichtung definiert sein, und wenn ich die nicht ohne Zuhilfenahme der Begriffe links/rechts oder geographisch Nord/Süd definiert bekomme ist’s auch wieder Essig…

CU

Stefan

Hi,

links und rechts sind immer relative Angaben (zum Betrachter), für absolute (bzw auf ein größeres System bezogene) Angaben brauchst Du Angaben wie Norden, Süden, oben, unten,…

Wirklich absolute Angaben gibts natürlich nicht, aber mit der Erde als Bezugssystem kommen wir als derne Bewohner schon recht gut aus.

LG
Stuffi

Aspekt der Drehung
Hallo, Leute,
der bringt vielleicht was.

Ist natürlich auch wieder relativ, zur „positiven Bewegungsrichtung“, aber die ist wohl eindeutiger zu bestimmen.

Die Redeweise „rechtsdrehend“ ist wohl eindeutig zu deuten.
Zum Beispiel in Zusammenhang mit Geschossen, die durch Drall stabilisiert werden.

Und was ist an optisch „rechtsdrehend“ (z.B. Kristalle) nun gerade „rechtsdrehend“? Wahrscheinlich bezglich der Richtung des einfallenden Lichtes. ???.

Vor allem möchte ich aber bei dieser Gelegenheit noch einmal die Frage aufwerfen, warum mein Spiegelbild wohl den rechten Arm zu heben scheint, wenn ich den linken hebe, warum es aber nicht mit dem Kopf wackelt, wenn ich die Zehen bewege.

Klingt lustich, aber wemman drüber nachdenkt…

Herzlichst, manni

Hallo Manni,

Vor allem möchte ich aber bei dieser Gelegenheit noch einmal
die Frage aufwerfen, warum mein Spiegelbild wohl den rechten
Arm zu heben scheint, wenn ich den linken hebe, warum es aber
nicht mit dem Kopf wackelt, wenn ich die Zehen bewege.

Der Spiegel vertauscht tatsächlich weder oben-unten, noch rechts links - dein Spiegelbild hebt auch den Arm auf der linken Seite, wenn Du den linken Arm hebst - sondern vorne-hinten!
Dass Du meinst, dein Spiegelbild hebe den rechten Arm, liegt an der rechts-links-Symmetrie des menschlichen Körpers: Du stellst Dir vor, Du trittst durch den Spiegel und nimmst den Platz deines Spiegelbilds ein. Dann würdest Du deinen rechten Arm heben. Dein Herz z.B. schlägt dann aber auf der falschen Seite (medizinisch: Situs inversus).

Peace,
Kevin.

Hallo Stefan,

Eigentlich ist es ja Allgemeinwissen wo links und rechts ist.
Nun ist mir aber gerade so die Frage gekommen, ob diese
Richtungsangaben eigentlich auch irgendwie eindeutig definiert
sind.
Mir ist jedenfalls noch keine hieb- und stichfeste Definition
eingefallen. Gibt es etwa analog zum Urkilogramm auch ein
„Urkoordinatensystem“ in dem die Richtungsbezeichnungen
festgelegt sind?

Wenn man einen Cobalt60-Kern einem Magnetfeld (Richtung egal) aussetzt, emittiert er durch Beta-Zerfall Elektronen vorzugsweise in die Richtung entgegen seines Kerndrehimpulses.
Also ist Links die Richtung, in die die Vorderseite eines Co60-Kerns dreht, wenn seine Vorzugs-Emissionsrichtung nach oben (entgegen der Gravitation) zeigt.

Wenn man dieses Experiment im Spiegel betrachtet, spiegelt sich nicht die Richtung des Drehimpulses, wohl aber die Emissionsrichtung. Die sogenannte Paritätsverletzung des Beta Zerfalls lässt also eine eindeutige Unterscheidung von Links und Rechts zu.

Diese Definition geht auf Richard Feynman zurück, der erzählte, dass man auf diese Weise Ausserirdischen, mit denen man über Funksignale o.ä. kommuniziert, erklären könnte, welche Hand (die Rechte) man sich zur Begrüßung reicht.
Wenn dann auf der Erde angekommen der Ausserirdische die Linke Hand zum Gruß reicht, sollte man sie nicht greifen: Die Aliens kommen aus einer Antimateriewelt und bestehen aus Antimaterie! :wink:

Antimaterie verhält sich in dem o.g. Experiment nämlich genau umgekehrt! Aber durch die sogenannte CP-Verletzung des Universums lässt sich Materie und Antimaterie eindeutig unterscheiden: Bei bestimmten Reaktionen entsteht mehr Materie als Antimaterie.

Peace,
Kevin.

Hallo Manni!

Und was ist an optisch „rechtsdrehend“ (z.B. Kristalle) nun
gerade „rechtsdrehend“? Wahrscheinlich bezglich der Richtung
des einfallenden Lichtes. ???.

An so eine Lösung hatte ich auch gedacht. Das geht übrigens nicht nur bei Kristallen, sondern zumindest auch bei Lösungen. Bei optisch aktiven Substanzen gibt es also immer mindestens zwei spiegelbildliche Moleküle von denen das immer eins rechtsdrehend ist, und das Spiegelbild linksdrehend.
Allerdings läßt sich der Molekülaufau auch nicht ohne Verwendung der Begriffe „rechts“ und „links“ beschreiben.

Gruß

Stefan

Und was ist an optisch „rechtsdrehend“ (z.B. Kristalle) nun
gerade „rechtsdrehend“?

Damit ist die Drehung der Polarisationsebene des Lichtes gemeint.

Winkel
Hallo Stefan,

definiere links und rechts doch einfach durch einen Winkelbereich eines Kreises in der Betrachterebene mit 0 in Betrachtungshauptrichtung. Dann ist rechts >0 und kleiner Pi, links &gt:stuck_out_tongue_winking_eye:i und kleiner 2Pi.

Gruß
L.

Hallo Lohengrin!

Betrachtungshauptrichtung. Dann ist rechts >0 und kleiner
Pi, links &gt:stuck_out_tongue_winking_eye:i und kleiner 2Pi.

Das kommt aber nur dann hin, wenn ich meinem Kreis ein nach rechts steigendes Bogenmaß zuweise. Wenn ich das Bogenmaß nach links ansteigen lasse, wäre nach der Definition links = rechts.

Gruß

Stefan

Hallo an alle.
Um Gottes Willen: Quanten, Spin und Felder.
Ich glaube Richtungen und Drehsinn waren bereits in der Antike definiert als man mit ‚atomos‘ solche Teilchen bezeichnete die man mit dem Beil nicht mehr teilen konnte.
Ich könnte mir die folgenden Zusammenhänge gut vorstellen:
Wenn man normal blickt (geradeaus) dann ist dort rechts wo der ‚rechte‘, der ‚richtige‘ Arm ist.
Und die Sonne dreht sich in die ‚richtige‘, die ‚rechte‘ Richtung wenn man sie anschaut. Wenn man man in der alten Welt, die sich überwiegend nördlich des Äquators befand, einen senkrechten, also in ‚Richtung des Sinkens richtigen‘ Stab in die Erde steckte, so lief der Schatten im ‚Uhrzeigersinn‘ richtig, rechts um ihn herum, richtig rechts wie die Sonne.
Und so ist auch noch heute das erdfeste Koordinatensystem definiert: waagerecht geradeaus in Blickrichtung +X, waagerecht mit dem rechten Arm deutend +Y und von den Füßen aus senkrecht nach unten +Z.
Das halte ich für logisch nachvollziehbar.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Etwas offtopic…
Hallo Alexander!

Folgende Aussage hat mich vor kurzem auch schon stutzig gemacht:

Und die Sonne dreht sich in die ‚richtige‘, die ‚rechte‘
Richtung wenn man sie anschaut.

Gehört wohl eher in ein anderes Brett, aber vielleicht weiß ja hier auch jemand bescheid. Warum wird Links immer mit so negativen Eigenschaften belegt? Man sagt ja immer „zwei linke Hände haben“, " den Pullover links herum anziehen", oder „der ist aber link“. Rechts wird dagegen immer mit richtig in Verbindgung gebracht. Warum ist das so?

Fragende Grüße

Michael

Hallo Alexander!

Ich könnte mir die folgenden Zusammenhänge gut vorstellen:
Wenn man normal blickt (geradeaus) dann ist dort rechts wo der
‚rechte‘, der ‚richtige‘ Arm ist.

Das ist ist ungefähr so schlau, wie „rechts ist dort, wo der Daumen links ist“.
Wenn rechts dort ist wo der richtige Arm ist, dann definiere bitte ‚richtig‘. Gefühlsmäßig wäre das dann nämlich mein linker Arm.

Und die Sonne dreht sich in die ‚richtige‘, die ‚rechte‘
Richtung wenn man sie anschaut.

Muß ich mal Chefe fragen, der ist gerade in Südafrika. Ich wette der sieht das von dort etwas anders.

die Erde steckte, so lief der Schatten im ‚Uhrzeigersinn‘
richtig, rechts um ihn herum, richtig rechts wie die Sonne.

[…]

Das halte ich für logisch nachvollziehbar.

Historisch nachvollziehbar ja, logisch nachvollziebar nur ganz bedingt. Das Problem ist, dass all diese „Pseudodefinitionen“ an lokale Rahmenbedinungen geknüpft sind.

Das an anderer Stelle in diesem Thread gepostete Beispiel mit dem hypothetischen Begrüßungszeremoniell mit den Außerirdischen verdeutlicht die Problematik recht gut. (Die ET.s sind vielleicht alle Linkshänder, oder haben gar drei Arme ohne dass einer davon dominant wäre. Und an unserem Sonnensystem können sie sich auch nicht orientieren, weil sie es bis dahin ja noch gar nicht gesehen haben.)

Gruß

Stefan

Hallo Kevin!

Wenn man einen Cobalt60-Kern einem Magnetfeld (Richtung egal)
aussetzt, emittiert er durch Beta-Zerfall Elektronen
vorzugsweise in die Richtung entgegen seines Kerndrehimpulses.

[…]

Ganz geschnackelt habe ich das jetzt noch nicht, wie man eindeutig die Richtung links „erzeugen“ kann, aber dein Posting ist mir immerhin schon mal ein wichtiger Fingerzeig, um der Lösung meines Ursprungsproblems näherzukommen.

Könntest du mir eventuell eine Literaturempfehlung (Bücher oder Web) geben, an der ich mir die Sache mit dem Beta-Zerfall noch mal genauer durchlesen kann? Meine erste Websuche zu dem Thema war nämlich gerade noch nicht ganz so erfolgreich.

Gruß und Dank

Stefan

Orientierungen
Hallo, Kevin!
Danke, so versteh ichs ja auch. Ist nur ein Scheinparadox, klingt aber doch lustig und macht nachdenklich, oder?
Und wie wärs denn, wenn wir unsere Augen nicht horizontal sondern vertikal hätten, zB eins am Kopf und eins am Sack? Oder da in der Nähe vorne drauf?
Wenn nun auch noch der Kopf genauso geformt wäre wie das eine Bein?
Ein Grund mehr, warum Amöben kein „oben“ und „unten“ und kein „rechts“ und „links“ kennen tun.

Dat wars, manni

Hallo Stefan,

Wenn man einen Cobalt60-Kern einem Magnetfeld (Richtung egal)
aussetzt, emittiert er durch Beta-Zerfall Elektronen
vorzugsweise in die Richtung entgegen seines Kerndrehimpulses.

[…]

Ganz geschnackelt habe ich das jetzt noch nicht, wie man
eindeutig die Richtung links „erzeugen“ kann,

wenn Du dasselbe tun willst wie Madame Wu, die 1957 als erste experimentell nachwies, daß die schwache Wechselwirkung die Parität verletzt, dann gehe folgendermaßen vor:

Nimm Atome des Nuklids Kobalt 60 und kühle sie bis fast auf den absoluten Nullpunkt ab. Richte ihre Kernspins mit Hilfe einer Magnetspule aus. Zähle die Elektronen, die von den beiden Enden der Achse ausgesendet werden (Kobalt 60 unterliegt dem Betazerfall). An einem Ende wirst Du etwas mehr Elektronen registrieren. Es ist dasjenige Ende, das wir das „südliche“ nennen. Jetzt weißt Du, wie herum das Magnetfeld, mit dem Du die Kobaltkerne ausgerichtet hast, gepolt ist, d. h. welcher Pol der Nord- und welcher der Südpol ist. Bring eine Magnetnadel in dieses Feld, guck Dir an, wie sie sich ausrichtet, und male ihren Nordpol schwarz an (ist bei Kompaßnadeln so üblich). Bring die Nadel über einen Draht, in dem ein elektrischer Strom von Dir weg fließt. Der Nordpol der Nadel wird in eine bestimmte Richtung weisen. Diese Richtung nennen wir „links“.

Wesentlich bei diesem Experiment ist, daß daran die schwache Wechselwirkung (in Form des Betazerfalls) beteiligt ist, welche eine „Händigkeit“ aufweist. Es beweist letztlich, daß die Richtungen „rechts“ und „links“ in der Natur nicht völlig gleichberechtigt sind. Übrigens war das Ergebnis dieses Experiments in der damaligen physikalischen Fachwelt eine ziemliche Sensation, weil sich nur die wenigsten vorzustellen vermochten, daß es einen echten Unterschied zwischen rechts und links geben könnte, und die Theoretiker Lee und Yang, die auf die ausgefallene Idee gekommen waren, die schwache Wechselwirkung auf diese „unglaubliche“ Eigenschaft zu testen, erhielten dafür den Nobelpreis. Die elektromagnetische Wechselwirkung ist dagegen rechts-links-symmetrisch, d. h. wenn Du nur Mittel benutzt, die auf der elektromagnetischen Wechselwirkung (= alles rund um elektrische Ströme und Magnete) beruhen, kannst Du unmöglich herausfinden, wo ein Magnet seinen Nord- und Südpol hat, ohne zu wissen, wo rechts und links sind, und umgekehrt (nein, daß Erdmagnetfeld als Referenz heranziehen geht nicht, denn Du bist auf einem Planeten in einer fernen Galaxie notgelandet).

Könntest du mir eventuell eine Literaturempfehlung (Bücher
oder Web) geben, an der ich mir die Sache mit dem Beta-Zerfall
noch mal genauer durchlesen kann? Meine erste Websuche zu dem
Thema war nämlich gerade noch nicht ganz so erfolgreich.

Da kann ich Dir nur den Tip geben, das fantastische Buch „Unsere gespiegelte Welt“ von Martin Gardner zu lesen (Ullstein, ca. 1982). Wenn Du Dich für das Thema interessierst, wirst Du die Lektüre nicht bereuen, das verspreche ist Dir. Keine Angst, das Teil ist kein trockener Schinken, sondern superverständlich geschrieben und aufregender als ein Krimi.

Mit freundlichen Gruß
Martin

1 „Gefällt mir“

Rechts wird dagegen immer mit richtig in
Verbindgung gebracht. Warum ist das so?

Hallo, Michel,
die überwiegende Mehrheit der Menschen ist, sei es von Geburt a, sei es durch Erziehung, rechtshändig. Rechtshändigkeit wird daher als Norm angenommen und ist daher „richtig“. Das Hantieren von Linkshändern mit (meist für Rechtshänder entwickelten) Werkzeugen wirkt auf den Rechtshänder ungeschickt, „falsch“, täppisch.

Natürlich hält das einer neutralen Überprüfung nicht stand. Bei entsprechenden Werkzeugen ist der Linkshänder genauso geschickt, wie der Rechtshänder täppisch. Aber als Minderheit hat man es eben schwer. Wer nicht der Norm entspricht, wird eben - ausgegrenzt, verächtlich gemacht, ja sogar angefeindet.

Und deshalb sind Alexanders Erklärungen richtig. Rechts ist in der Tat dort, wo der Daumen links ist. Dass sich Sprache nicht immer nach wissenschaftlich haltbaren Regelungen richtet, ist ebenso menschlich. Schließlich war da zuerst der Mensch und dann - lange danach - kam die Wissenschaft.

Grüße
Eckard (der Euch auch das „schöne“ Händchen gibt.)

auf einmal, auf keinmal
Hallo, Eckard, nur mit dem letzten liegst du glaubich nicht richtig!

„Schließlich war da zuerst der Mensch und
dann - lange danach - kam die Wissenschaft.“

Naja, die Bibel behauptet dasschscho von Anfang an, und das wir eben aussem Paradies rausmußten, weil wir von Evas Apfel der Weisheit probieren wollten. Und die idealistische Evolutionstheorie vermutet ja auch, daß sich so allmählich die Steine, eigentlich erst die weißen Löcher, zu denkenden Wesen mit Subjektivität entwickelt haben. Da unterscheiden sich die Spießer also nicht.
Nur die beamtete Wissenschaft ist vielleicht erst „lange lange danach“ in die Sessel gestiegen, die Matheamtik zum Bleistift.
MAn sind wir Menschen „von Anfang an“ auf einmal dagewesen, mit Sprache (Gebabbel zunächst) und allem. So wie wohl ein Diamant allmählich aus Kohlenstoff sich aufbaut, aber cdann erst auf einmal irgendqwann als Diamant da ist.
Oder auch wie Scheiße, meistens.

ebensolche Grüße (mit sauberen Händen),
moin, manni

Hallo Eckard,

Und deshalb sind Alexanders Erklärungen richtig. Rechts ist in
der Tat dort, wo der Daumen links ist.

dort, wo für Dich das Thema aufhört, fängt es für einen Naturwissenschaftler allerdings erst an.

Dazu vielleicht eine kleine Geschichte.

Bewohnern des Planetensystems Zeta 59 ist es gelungen, einen hinterlistigen Angriff auf die Erde zu machen. Dabei wurde in Alaska eine Fabrik zerstört, die kleine spiralige Geräte, sogenannte Helixons herstellt. Für das Verteidigungssystem der Erde sind Helixons unentbehrlich. Jetzt herrscht eine katastrophale Knappheit. Als nächster Lieferant von Nachschub kommt ein Planet in Frage, der eine halbe Milchstraßenbreite entfernt ist und vor Jahrhunderten von Erdbewohnern besiedelt wurde. Eine Gruppe von Astronauten wird ausgesandt, um von diesem Planeten einen neuen Vorrat an Helixons zu holen. Auf dem Rückweg, mit einer Ladung Helixons an Bord, wird das Raumschiff von einem Meteoriten getroffen, der es mehrmals im vierdimensionalen Raum „umkrempelt“ und dann in den dreidimensionalen Raum zurückfallen läßt. Das Schiff landet auf einem unbekannten Planeten, um Reparaturarbeiten auszuführen. Der Planet liegt in einem Teil der Milchstraße, der auf keiner Karte verzeichnet ist.
___ Plötzlich wird dem Kapitän klar, daß das ganze Schiff spiegelbildlich umgedreht worden ist, falls es im vierdimensionalten Raum eine ungerade Anzahl von Purzelbäumen geschlagen hat. Dann haben alle Helixons ihren Windungssinn gewechselt und sind deshalb nutzlos. Wie kann er vor Beendigung der Heimfahrt herausbekommen, ob dieser Fall eingetreten ist oder nicht? Die Untersuchung asymmetrischer Strukturen auf dem Schiff – etwa der Beschriftung der Karten – hilft nicht, denn wenn das Schiff gespiegelt ist, sind es die Astronauten auch. Der Druck würde ihnen normal erscheinen, weil auch die Seiten ihrer Gehirne umgetauscht wären.
___ Der Planet ist unbewohnt, aber die Substanzen und Naturgesetze dort sind natürlich dieselben wie auf der Erde. Das Raumschiff hat ein gut ausgerüstetes Laboratorium. Läßt sich ein Experiment ausführen, das angibt, ob das Schiff umgekrempelt wurde?

Das ist die Frage, auf die Stefan eine Antwort sucht. Wenn die Antwort „nein“ lauten sollte, würde das bedeuten, daß man sich mit dem Spruch „Rechts ist dort, wo der Daumen links ist“ zufriedengeben muß. Man weiß jedoch seit einem knappen halben Jahrhundert, daß das eben nicht der Fall ist. Es gibt ein Experiment, mit dem die Astronauten herausfinden können, ob ihr Schiff umgekrempelt wurde, weil die Natur eine echte Rechts-Links- A symmetrie „eingebaut“ hat. Und damit sind „rechts“ und „links“ mehr als eine bloße Konvention.

Der pakistanische Physiker Abdus Salam versuchte mal einem geisteswissenschaftlichen gebildeten Freund zu erklären, weshalb die Physiker über den Sturz der Parität (Ende 50er Jahre) so aufgeregt waren. Salam schreibt: „Ich fragte ihn, ob irgendein klassischer Schriftsteller einmal an Reisen gedacht hätte, die nur das linke Auge besäßen. Er gab zu, daß zwar einäugige Riesen beschrieben worden seien und brachte mir eine ganze Liste davon an; aber sie haben ihr einziges Auge stets mitten in der Stirn. Nun, meines Erachtens haben wir jetzt entdeckt, daß der Weltraum ein schwacher, nur linksäugiger Riese ist.“

Mit freundlichem Gruß
Martin