Deflation

Hallo Experten.

Ich hoffe, dass ich hier richtig bin.

Kann mir jemand, mit möglichst einfachen Sätzen, erklären, warum Inflation nützlich und Deflation schädlich ist?

Gruß, Nermo.

Deflation vs. Inflation sehr vereinfacht
Hi !

Mal kurz ein Beispiel:

stelle dir vor, du kaufst dir ein Häuschen für € 100.000. Da du dieses Geld nicht hast, gehst du zur Bank. Nehmen wir weiter an, nur zur Vereinfachung, die Bank würde keine Zinsen berechnen. Du mußt also insgesamt € 100.000 zurückzahlen.

Nehmen wir weiter an, eine Inflation würde 100% im Jahr betragen und sowohl auf dem Güter- als auch auf dem Arbeitsmarkt (Lohnseite) herrschen. Wenn du in diesem Jahr also € 100.000 verdient hast, müßtest du der Bank deinen gesamten Jahresverdienst geben, um wieder schuldenfrei zu sein. Wartest du ein Jahr ab, wirst du wegen der Inflation € 200.000 für deine Arbeit bekommen, gegenüber der Bank weiterhin nur ein Darlehen von € 100.000 haben und somit nur noch dein halber Jahresgehalt dorthin bringen müssen.
Im nächsten Jahr würdest du € 400.000 verdienen und nur noch ein Viertel deines Gehaltes zur Bank bringen müssen. Und immer so weiter.

Bei einer Deflation passiert das Gleiche, nur mit anderem Vorzeichen. Wenn du beispielhaft also eine Deflation von 50% annimmst, arbeitest du in sehr kurzer Zeit nur noch für die Bank und kannst dir nicht einmal mehr das Essen leisten, um zu leben.

In einer Welt, in der es keine Kredite gäbe UND in der eine Inflation in gleicher Höhe auf dem Güter- und auf dem Arbeitsmarkt (Lohnseite) wirken würde, hätte diese sicherlich grundsätzlich keine Auswirkungen. Ausnahmen von diesem Grundsatz bestehen natürlich in der Praxis sehr häufig. Aber dazu kann sich dann sicherlich jemand mit berufenerem Mund äußern.

BARUL76

Hallo Barul,

du hast das Grundsätzliche gut dargestellt. Allein, das wußte ich leider schon. (Hätte ich schreiben sollen.)

Es geht mir mehr darum, warum sich das eine positiv und das andere negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

Gruß, Nemo.

hi Nemo
bei einer Inflation sollte das Geld möglichst schnell in Waren umgesetzt werden.
bei einer Deflation gewinnt das Geld unter der Matratze an wert und häuft sich dort dann an.
Gruß, M°-°M

Es geht mir mehr darum, warum sich das eine positiv und das
andere negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

Hallo RSNemo,

das kann man so pauschalisiert nicht sagen. Sowohl Inflation als auch Deflation sind unter normalen Umständen, so sie in hohem Maße vorliegen, in ihrer gesamtwirtschaftlichen Wirkung negativ.

Hallo,

Es geht mir mehr darum, warum sich das eine positiv und das
andere negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

ich würde es wie folgt sagen:

Bei der Inflation wird das Geld investiert / ausgegeben und kurbelt die Wirtschaft an.
Bei der Deflation hütet jeder sein Geld und die Wirtschaft kommt nicht in Gang.

Grüße Alex

So leicht ist das nicht…

Es geht mir mehr darum, warum sich das eine positiv und das andere negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

Welches ist denn positiv, welches negativ?

Nehmen wir mal an, der Satz bei beidem sei 50%.

Deflation:
Was ist volkswirtschaftlich gut daran, wenn nichtmonetärer Besitz (=Waren und Güter, intellektuelles Kapital etc) jedes Jahr seinen Wert halbiert?
Langfristig amortisierende Investitionen werden irrentabel, man setzt auf kurzfristige Rendite.
Ein übler Faktor: Wenn ein Studium mich jetzt €100.000 kostet und ich dann in 5 Jahren nur noch €2000 im Jahr verdiene - bin ich doch doof, zu studieren wenn das Geld auch reichen würde, dass ich ausgesorgt hätte! Insbesondere, wenn ich dieses Jahr noch €30000 verdienen kann, statt zu studieren! (was mit einem Land passiert, in dem Bildung bestraft wird, kann sich jeder an einem Finger abzählen)

Inflation:
Was ist volkswirtschaftlich gut daran, wenn Geld jedes Jahr seinen Wert halbiert? Da ackert man 50 Jahre für seine Rente und kann sich später nur noch ein Brot davon kaufen, im Folgejahr nicht mal mehr ein Brötchen!
Finanzielle Vorsorge wird irrentabel, es sei denn man investiert in nichtmonetären Werten. Geld wird zur „heißen Kartoffel“, die jeder nur so schnell wie möglich loswerden will. Der traditionelle Handel über die Landeswährung bricht zusammen - was kann daran gut sein?
Was in einem Land passiert, dessen Währung von den eigenen Bürgern boykottiert wird, kann man sich auch an einem Finger abzählen - insbesondere, wenn Staatsbedienstete in dieser Währung ihr Gehalt empfangen.

Wäre eines davon „immer gut“ oder „immer schlecht“ und gäbe es eine „je mehr je besser“ Situation, dann würde die Finanzpolitik ganz einfach in diese Richtung steuern.
Aber weil das alles nicht so einfach ist, müssen sich ziemlich viele ziemlich schlaue Leute darüber Gedanken machen, was in welcher Situation das Beste ist und wie man diejenigen Impulse setzt, welche zu dieser Entwicklung führen und auch nicht über das Ziel hinausschießen.

Gruß,
Michael