Dehydration und Dehydratisierung?

Wenn vom medizinischen Wassermangel gesprochen wird, spricht man gerne von „Dehydrierung“.
Stimmt das?
Eigentlich ist Dehydrierung die Abspaltung von Wasserstoff, nicht von Wasser.
Richtig müßte es doch dehydratisierung bzw. Dehydratation heißen?

Moin Achim,

Richtig müßte es doch dehydratisierung bzw. Dehydratation
heißen?

Dehydratisierung ist die in der Chemie übliche Bezeichnung.

Du hast völlig recht, Dehydrierung ist eine (der vielen) Sprachhuddeleien, deren sich die Schreiberlinge schuldig machen. Aber in vielen Fällen bin ich mir sicher, daß die Schreiber den Unterscheid gar nicht wissen, was solche Schnitzer allerdings nicht entschuldigt.

Auch Deine Herleitung ist völlig korrekt.

Gandalf

Danke.
Also in einem Satz:
Es wird ein Unsinn solange wiederholt, sie er irgendwann als normal angesehen wird! :wink:

Hi,
Hydor, -atos: Wasser, Hydrogenium: Wasserstoff („Wassergeist“).
wenn man etwas hydrieren kann, geht es auch zu dehydrieren.
I. e. S. ist also De-Hydrierung: Entwässerung, Trockenmittel heißen demzufolge: Dehydrite
Hydratation (chem.): Anlagerung einer Wasserhülle (Hydratsphäre) um Ionen bzw. Hydratbildung.
Dehydrierung heißt also genau übersetzt und richtigerweise: Entwässerung, Wasserentzug - und wird im medizinischen Sprachgebrauch auch genauso benutzt.
Nur im chemischen Sinne bezeichnet Dehydrierung speziell: Abspaltung von Wasserstoff aus einer chem. Verbindung.
lg O

Moin Osmond,

schön gesprochen und eine Gockelsuche zeigt leider, daß der Sprachmissbrauch mittlerweile breit ist. Nur ist eine Dehydrierung ein Abspalten von Wasserstoff und eine Dehydratation bzw. Dehydratisierung das Entfernen von Wasser http://de.wikipedia.org/wiki/Dehydrierung
http://de.wikipedia.org/wiki/Dehydratation_%28Medizi…

Aus ὕδωρ (hydor) („Wasser“), leitet sich nun mal „hydr(o)“ und Hydrat ab.

Genauso ist qua Sprachverhunzung Retten und Bergen völlig durcheinandergekommen.
Bergen (= Einbringen von Toten und Material)
Retten (= Entfernen von Verletzen (die aber noch leben) aus dem Gefahrenbereich)
Bergen von Verletzten ist also genauso blödinnig wie Kochen von Kuchen oder Steak.

Mal wieder ein Beispiel, wie durch konsequentes Falschnutzen Falsches richtig gemacht wird.

Gandalf

Moin Achim,

jo, so ist es.

Ich warte darauf, dass endlich „Praktikas“ als zulässiger Plural von Praktikum benutzt werden darf, nachdem ich diese Version auch an Hochschulen von Dozenten mehrfach gehört habe:wink:

Gruß Volker

Hi,
da verweise ich ganz locker auf den Link.
Nochmals: da Hydor - Wasser heißt, ist De-Hydrierung zuerstmal eine Entwässerung. Punkt.
Hinweis: das Suffix -at (Hydr-at) bzeichnet eine abgeschlossene handlung (bspw.: Deriv-at).
Klar, in der chem./ phys. Nomenklatur bedeutet Dehydrierung: „Entwasserstoffung“.
Aber grammatikalisch/ etymologisch heißt Dehydrierung eigentlich: Entwässerung.
Und genauso wird es auch medizinisch benannt. Steht auch genau so im Pschyrembel und im DTV Wörterbuch der Medizin.

Zu den Beispielen: bergen = in Sicherheit bringen (ver-bergen, Her-berge, Halsberg (Rüstung)). Verwandt mit: borgen, sparen.
retten: Herkunft unklar. Bedeutung: befreien, (er)lösen, entreißen.
lg O

http://medikamente.onmeda.de/glossar/D/Dehydrierung…
Zitat:
Flüssigkeit, ohne gleichzeitig eine entsprechende Menge an Flüssigkeit aufzunehmen. Es gibt eine hypertone Dehydrierung, bei der der Körper Wasser, aber kein Salz verliert. Beispiel dafür ist das Schwitzen bei Fieber. Bei der hypotonen Dehydrierung verliert der Körper über die Maßen mehr Salz als Wasser, etwa bei starker körperlicher Belastung

Hi,
das kommt davon,
daß seit dem unseligen Wirken der gutmeinenden (gut gemeint ist das Gegenteil von gut) Bildungsreformer in den Gymnasien kein bzw. zu wenig Latein und Altgriechisch angeboten wird.
Als nächste akademisch-legasthenische Verschlimmbesserungen erwarte ich mit etwas Bangen:
Atlasse? Albums? Novums? Supernovas? Tempos? Gnoccis? Mitgliederinnen?
lg O.

Hallo,
Vorsicht, du neigst wieder dazu, von der Etymologie auf die heutige Bedeutung schließen zu wollen. Das geht so natürlich nicht. Die Bedeutung lässt sich aus der Verwendung schließen, nicht aus der ursprünlichen Bedeutung der Bestandteile.

Und die Verwendung der Wörter gilt es zu untersuchen, um der Bedeutung auf die Spur zu kommen. Die Etymologie ist hier nur eine interessante und Nebeninformation. Sie erklärt nicht zwangsläufig, was das Wort heute bedeutet.

Grüße,

  • André
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Fast off-topic

Atlasse? Albums? Novums? Supernovas? Tempos? Gnoccis?
Mitgliederinnen?

Hi,
„Atlasse“ ist schon vom Duden anerkannt. Ich mag’s auch nicht besonders, für mich klingt das in etwa so dämlich, wie „Hobbys“, „Ladys“ oder „Partys“ aussieht. Ich bin auch gegen diese Formen.

Aber sagst du Annoraat, Iglut, Saunat, Joghurtlar, Computers, Pumakuna, Schalha, Kioskha bzw. Kiosklar, Skien… oder wüsstest du auf Anhieb den eigentlichen (originalen) Plural von Känguru oder Ananas?

Warum sollte man für lateinische und griechische Fremdwörter eine Ausnahme machen und deren Plurale übernehmen, wenn man das für andere Wörter auch nicht macht.

Sprache ist eben selten konsequent und verändert sich laufend. Gut möglich, dass die von dir genannten Formen irgendwann alle mal als korrekt gelten. Dadurch verschlechtert sich die Sprache ja nicht und es verdummt auch keiner.
Es klingt ungewohnt für uns, das ist auch schon alles.

Gruß,

  • André
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Hallo André,

wie immer ist Dein Beitrag sehr interessant.

Aber sagst du Annoraat

Ich kannte immer Anoraker, evtl. eine Dänische Vermittlung, denn dort ist ja das Plural-Suffix -er gebräuchlich. Erwähnenswert dazu auch, dass mein 86’er Duden als Mehrzahl von Nunatak Nunataker (mit dänischem -er-Suffix) angibt, während die Wiki (und offenbar die Fachwelt) mittlerweile den Inuktitut-Plural Nunatait führt. (Wobei der Wiki-Artikel inkonsistent ist, da der Plural Nunatait nur beim Stichwort angegeben ist, während im Text von Nunataks die Rede ist.)

Pumakuna, Schalha, Kioskha

Die hätte ich nicht auf Anhieb bilden können.

Skien

Ist nicht Skier der korrekte norwegische Plural? Ich meine, Wörter werden doch selten (beim Arabischen kommt schon mal das Al- mit) mit bestimmtem Artikel entlehnt, und demnach hat das End-n dort nichts zu suchen.

wüsstest du auf Anhieb den eigentlichen (originalen) Plural
von Känguru oder Ananas?

Das sollte beides nicht so schwer sein: Känguru ist schließlich ein richtiges Lehnwort, es wurde also bei der Übernahme ins Deutsche schon „bearbeitet“, und zwar gleich zweimal (Yimidhirr-Englisch-Deutsch). Die Yimidhirr-Pluralregeln für gangurru lassen sich demnach nicht anwenden. (Ich könnte ebensogut die „original lateinische“ Pluralform von Ziegel suchen - Ziegelä?) Also bleibt mir nur die englische oder die deutsche reguläre Pluralbildung, die hier glücklicherweise übereinstimmen.
Die Ananas ist von naná entlehnt, kam über spanisch ananá ins Deutsche. Wo das s herkommt, weiß ich nicht, evtl. ist es als Plural übernommen worden, dann müsste man den „originalen Singular“ mit Anana bilden. Oder es kommt durch eine Latinisierung, dann müsste man jetzt herausfinden (ich weiß es nicht), nach welchem Schema man latinisierte Eigennamen auf -as dekliniert (so wie Barrabas, Elias etc. - das ließe sich dann sicherlich auf den Plural erweitern).
Nebenbei bemerkt, weiß ich auch nicht, was als der korrekte deutsche Plural angesehen wird, muss ich gleich mal nachschauen. … Aha, Ananasse also.

Warum sollte man für lateinische und griechische Fremdwörter
eine Ausnahme machen und deren Plurale übernehmen, wenn man
das für andere Wörter auch nicht macht.

Naja, bei Skier macht man’s ja wohl. -er nach Vokal ist jedenfalls keine typisch deutsche Endung. Ansonsten stimme ich Dir zu: Man macht es nur aus Gewohnheit, aus der Zeit überliefert, da jeder Student den Text von „Gaudeamus igitur“ noch ohne Wörterbuch verstand.

Liebe Grüße
Immo

Hallo Gandalf,

Genauso ist qua Sprachverhunzung Retten und Bergen völlig
durcheinandergekommen.
Bergen (= Einbringen von Toten und Material)
Retten (= Entfernen von Verletzen (die aber noch leben) aus
dem Gefahrenbereich)
Bergen von Verletzten ist also genauso blödinnig wie Kochen
von Kuchen oder Steak.

Woher hast Du, dass das Wort bergen mit Toten zu tun hat?
Nach meinem Empfinden (!) hat das Wort bergen mit Geborgenheit zu tun. Wenn ich etwas berge, hinter den Berg bringe, in meinen Schutz, dann ist es geborgen. Ich kann es auch in meiner Herberge verbergen. Und das passt auch gut zu Verletzten.

Aber ich gebe Dir völlig Recht, viele Worte werden durch häufigen Falschgebrauch „normal“. So hört man z.B. auch in Nachrichten immer wieder, dass Menschen aus einem Gebäude evakuiert wurden. Richtig wäre: das Gebäude wurde evakuiert, denn evakuieren heißt schlicht ausleeren. (lat. evacuare - ausleeren) Ausgeleerte Menschen??

Gruß
Jette

Moin Jette

Bergen (= Einbringen von Toten und Material)
Retten (= Entfernen von Verletzen (die aber noch leben) aus
dem Gefahrenbereich)

Woher hast Du, dass das Wort bergen mit Toten zu tun hat?

ich muß gestehen, ich als altgedienter Feuerwehrmann habe etwas kurz geschaut.
Bei den Feuerwehren ist es der Sprachgebrauch wie ich es oben genannte habe. Nun ergab eine kleine Suche, daß Bergen auch im Sinne von Retten (im Feuerwehrsinn) verwendbar ist und ich nehme meine etwas tellerrandige Behauptung zurück.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bergung_%28Technische_H…

Gandalf

Hallo André,

Hallo Immo,

wie immer ist Dein Beitrag sehr interessant.

Danke, das Kompliment geb ich gerne zurück. :smile:

Aber sagst du Annoraat

Ich kannte immer Anoraker, evtl. eine Dänische Vermittlung,
denn dort ist ja das Plural-Suffix -er gebräuchlich.
Erwähnenswert dazu auch, dass mein 86’er Duden als Mehrzahl
von Nunatak Nunataker (mit dänischem -er-Suffix)
angibt, während die Wiki (und offenbar die Fachwelt)
mittlerweile den Inuktitut-Plural Nunatait führt.
(Wobei der Wiki-Artikel inkonsistent ist, da der Plural
Nunatait nur beim Stichwort angegeben ist, während im
Text von Nunataks die Rede ist.)

Pumakuna, Schalha, Kioskha

Die hätte ich nicht auf Anhieb bilden können.

Ich hab sie natürlich auch irgendwann mal nachgeschlagen und dann mühsam rausfinden müssen. :smile:

Skien

Ist nicht Skier der korrekte norwegische Plural? Ich
meine, Wörter werden doch selten (beim Arabischen kommt schon
mal das Al- mit) mit bestimmtem Artikel entlehnt, und demnach
hat das End-n dort nichts zu suchen.

Ja, da hast du sicher Recht. Ich hab’s nur aus dem Gedächtnis aufgeschrieben und war mir hier nicht mehr sicher. Nagut, da entspricht „Ski“ und „Skier“ ja dem Deutschen sogar.

wüsstest du auf Anhieb den eigentlichen (originalen) Plural
von Känguru oder Ananas?

Das sollte beides nicht so schwer sein: Känguru ist
schließlich ein richtiges Lehnwort, es wurde also bei der
Übernahme ins Deutsche schon „bearbeitet“, und zwar gleich
zweimal (Yimidhirr-Englisch-Deutsch). Die
Yimidhirr-Pluralregeln für gangurru lassen sich demnach
nicht anwenden.

Naja, das Wort selbst ist nicht so stark verändert worden, würde ich meinen. Wenn jetzt im Guugu Yimidhirr der Plural vielleicht „gangurrunga“ heißen würde, könnte man im Deutschen auch „Kängurunga“ sagen. Hier find ich’s noch übertragbar.
Bei Ziegel ist das natürlich erheblich schwerer, das ist ja schon bis zur Unkenntlichkeit verdeutscht. :smile:

(Ich könnte ebensogut die "original

lateinische" Pluralform von Ziegel suchen - Ziegelä?)
Also bleibt mir nur die englische oder die deutsche reguläre
Pluralbildung, die hier glücklicherweise übereinstimmen.
Die Ananas ist von naná entlehnt, kam über spanisch
ananá ins Deutsche. Wo das s herkommt, weiß ich
nicht, evtl. ist es als Plural übernommen worden, dann müsste
man den „originalen Singular“ mit Anana bilden.

Interessant! Das hatte ich bisher noch nicht herausgefunde. Okay, da wird’s dann also schwierig.

Oder es
kommt durch eine Latinisierung, dann müsste man jetzt
herausfinden (ich weiß es nicht), nach welchem Schema man
latinisierte Eigennamen auf -as dekliniert (so wie Barrabas,
Elias etc. - das ließe sich dann sicherlich auf den Plural
erweitern).

Ananas, -atis f =)

Warum sollte man für lateinische und griechische Fremdwörter
eine Ausnahme machen und deren Plurale übernehmen, wenn man
das für andere Wörter auch nicht macht.

Naja, bei Skier macht man’s ja wohl. -er nach Vokal ist
jedenfalls keine typisch deutsche Endung. Ansonsten stimme ich
Dir zu: Man macht es nur aus Gewohnheit, aus der Zeit
überliefert, da jeder Student den Text von „Gaudeamus igitur“
noch ohne Wörterbuch verstand.

Ja, ich denke, das ist der Grund. Tradition, Gewohnheit, Konservativität also. Konsequenz kann manchmal lustig sein. :smile:

Liebe Grüße
Immo

Von mir auch,

  • André