Deklination von 'Quell'

Liebe Liebhaber der deutschen Sprache!

Ich wollte gerade einen Satz schreiben, der so ungefähr lautet: „x ist mir einer von vielen Quellen der Freude“

Nun liebe ich den Ausdruck „Quell der Freude“ gerade wegen seines schönen Klangs, und ich stelle fest: Die Deklination bekommt diesem Ausdruck gar nicht. Liegt das daran, daß ich hier falsch gebeugt habe? Ich denke nicht, mein Wörterbuch sagt mir „der Quell, die Quelle“. Richtig scheint’s also zu sein, oder?

Und wenn die Beugung an sich stimmt - woran liegt’s dann? Oder stimmt Ihr mir gar nicht zu, daß der Ausdruck an Wohlklang verliert, liegt’s an meinem Ohr, meinem Gefühl?

Danke im Voraus für Eure Antworten.

lg

MP

Ich wollte gerade einen Satz schreiben, der so ungefähr
lautet: „x ist mir einer von vielen Quellen der Freude“

Je nun, MissPig,
das ist nun mal so mit der Deklination, dass sich das Wort dadurch verändert. In Deinem Fall muss man sich eben behelfen, wenn man auf „der Quell“ nicht verzichten will:

„… ist mir immer wieder - wie vieles andere auch - ein Quell der Freude.“

Gruß
Eckard

Moin, MP,

der Quell ist ein Begriff, der nur von Dichtern verwendet wird, weil er im Alltag unbrauchbar ist: Er hat keinen Plural. Oder zumindest keinen, der sich vom Plural von die Quelle unterscheiden ließe :smile:

Vielleicht wird da mit dem Schwall gespielt, der hat auch keine Plural. Nein, Schwelle gilt hier nicht.

Abgesehen davon wäre

einer von vielen Quellen

eh falsch, es müsste heißen eine von vielen Quellen.

Gruß Ralf

Moin, Statler,

außer uns beiden kennt das keiner mehr :wink: Im Übrigen werde ich beantragen, das Einstellen sekundengenau zu belegen - mit der Minute allein bleiben immer nagende Zweifel.

Gruß Waldorf

Hallo Ralf,

danke für die Antwort.

Aber das

Abgesehen davon wäre

einer von vielen Quellen

eh falsch, es müsste heißen eine von vielen
Quellen
.

glaube ich nicht ganz. Denn ich will hier ja nicht die Mehrzahl von „die Quelle“ sondern von „der Quell“ verwenden. Und genau daran hakt’s ja eben. „Eine von vielen Quellen der Freude“ klingt deutsch - aber dann habe ich eben nicht das dichterische „der Quell“ verwendet sondern das alltägliche „die Quelle“.

Ich behaupte auch, daß „der Quell“ schon einen Plural hat, der auch durchaus gut klingt: „Die Quelle der Freude hören nicht auf zu sprudeln“ … ja, ich weiß, kein Goethe, aber es klingt richtig und für mich ist die Poesie des Wortes „der Quell“ noch zu hören. Auch wenn’s vielleicht nur meine eigene Poesie ist :wink:

Trotzdem danke,

lg,

MP

1 „Gefällt mir“

Danke, lieber Eckard,

auch Dir für Deine Antwort.

Ja, ich hatte mir eh anderweitig beholfen. Ich bin mir nur manchmal nicht ganz sicher, ob das, was ich sprachlich fühle, auch „richtig“ ist. Deine Antwort bestätigt mir, daß Du die Veränderung auch spürst, die Richtigkeit des Satzes an sich nicht bezweifelst, den Satz aber trotzdem nicht schön findest.

Und so ging’s mir auch.

Danke.

lg,

MP

„der Quell, die Quelle“. – Hallo MP, es ist der Rhythmus, der den „Quell der Freude“ dem Ohr schmeicheln lässt, aber das „an der Quelle saß der Knabe“ auch. Gruß, eck.

Hallo,

glaube ich nicht ganz. Denn ich will hier ja nicht die
Mehrzahl von „die Quelle“ sondern von „der Quell“ verwenden.
Und genau daran hakt’s ja eben. „Eine von vielen Quellen der
Freude“ klingt deutsch - aber dann habe ich eben nicht das
dichterische „der Quell“ verwendet sondern das alltägliche
„die Quelle“.

Da hast du ganz Recht, „einer von vielen Quellen“ ist schon korrekt, auch wenn’s doof klingt (da stimm ich dir zu, weil’s eben klingt wie der Plural von Quelle).

Ich behaupte auch, daß „der Quell“ schon einen Plural hat, der
auch durchaus gut klingt: „Die Quelle der Freude hören nicht
auf zu sprudeln“ … ja, ich weiß, kein Goethe, aber es klingt
richtig und für mich ist die Poesie des Wortes „der Quell“
noch zu hören. Auch wenn’s vielleicht nur meine eigene Poesie
ist :wink:

Für mich klingt das auch richtig, und Canoo.net stimmt zu:
http://canoo.net/services/Controller?dispatch=inflec…

Gruß,

  • André

Hallo,

lass dich nicht verunsichern! Zu ›der Quell‹ gibt es einen Plural, und zwar den, den du bereits genannt hast: ›die Quelle‹. Die Mehrzahl ist allerdings »selten« (DUDEN); das ›Deutsche Wörterbuch‹ der Grimms merkt an, der Plural komme im 16. Jahrhundert vereinzelt vor, sei »nun unüblich und durch quellen (plur. von quelle) verdrängt«. Als Beispiel angegeben ist eine Stelle aus dem Alten Testament, die in der unrevidierten Übersetzung Martin Luthers lautet: »Da gab er jr quelle oben vnd vnten.« (Jos 15, 19)

Den Grund für die geringe Verbreitung hast du selbst bemerkt. Die Pluralformen von ›Quell‹ sind von den Singular- bzw. Pluralformen des Wortes ›Quelle‹ an der Oberfläche ununterscheidbar: Der Nominativ, Akkusativ und Genitiv Plural von ›Quell‹ sind formgleich mit allen Singularformen von ›Quelle‹; der Dativ Plural von ›Quell‹ ist formgleich mit allen Pluralformen von ›Quelle‹. Man könnte dieses Phänomen als wortübergreifenden Synkretismus bezeichnen, also den Zusammenfall unterschiedlicher (morphologischer) Strukturen in einer Form. Häufiger verwendet man den Begriff für die Identität verschiedener Kasusformen eines einzigen Nomens, sodass die jeweils in allen Kasus gleichen Singular- bzw. Pluralformen von ›Quelle‹ ein typischer Fall von Synkretismus sind.

Das bedeutet nicht, dass man ›der Quell‹ nicht in allen Deklinationsformen gebrauchen darf. Man sollte sich dabei lediglich bewusst sein, dass man unter Umständen Sätze konstruiert, die auf den ersten Blick falsch aussehen. Einer möglichen poetischen Intention bei der Verwendung des Wortes mag das zuwiderlaufen.

Gruß
Christopher

1 „Gefällt mir“

Moin, Eckhart,

„an der Quelle saß der Knabe“ auch.

das führen wir jetzt mal im Sinne der Fragestellerin weiter: „An die Quelle saß der Knabe“ - und schon sind wir mitten im Ruhrgebiet: „Wem iss dat Farrat im Hof?“ „Ich, Herr Lehrer!“

Gruß Ralf

1 „Gefällt mir“