Liebe/-r Experte/-in,
kann man mir bei folgendem Problem helfen.
Meine 86jährige Frau ist seit 7 Jahren in den Beinen gelähmt, kann somit nur liegen und sitzen. Jetzt haben wir im Steissbereich Dekubitus, ca. 2 cm im Durchmesser und 2,5 cm tief. War im Krankenhaus, abstorbenes Gewebe wurde abgeschnitten und soll zu Hause (ambulanter Dienst in einer Seniorenanlage) weiter behandelt werden.
Problem ist, dass sich nach 8 Tagen so gut wie nichts getan hat bezüglich einer Besserung, auch unter Einschaltung eines Wundversorgungsberaters.
Sie kann nur rechts liegen, da das linke Bein Spastik hat, Rücken sowieso nicht.
Was kann man machen? Gibt es keine Kliniken für Wundversorgung usw. Würde die Kosten auch privat tragen.
Gibt es Mittel gegen Schmerzen, die beim Lagern durch die Bewegung enstehen?
Viele Frage, wäre für Hinweise dankbar.
Sehr geehrter Hr. Nettenstroh,
die Heilung eines DEkubitus verläuft immer langwierig, da es sich um eine chronische Wunde handelt. Die Experten für diese Wunden können sowohl in der Gefäßchirugie als auch in der plastische Chirurgie zu finden sein. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine operative Abdeckung eine sg. plastische Deckung möglich.
Das oberste Prinzip zur Heilung ist die Druckentlastung wie Sie sicher auch wissen. Es gibt viele Hilfsmittel, die Ihrer Frau die Lagerung erleichtern evtl sogar vermeiden können. Dies wäre in Zusammenarbeit mit Pflegedienst, Wundversorger, Arzt und Krankenkasse zu organisieren.
ZUr Wundversoprgung stehen viele Möglichkeiten der feuchten Wundversorgung sowie die Vakuumtherapie zur Auswahl. Die Verbandwechsel sollten immer zügig durchgeführt werden um ein Absinken der Temperatur in der Wunde zu verhindern, dies verlangsamt den Heilungsprozess. Wichtig ist Geduld, Druckentlastung und keine zu frühen Therapiewechsel. Die SChmerzen können mit herkömmlichen Schmerzpräparaten eingestellt werden, allerdings müssen die Wirkungszeiten beachtet werden. so dass die Wirkung zur Lagerung einsetzt. Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas weiter helfen und wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute.
Sehr geehrte Frau Rediger,
Sie haben mir mit Ihren Hinweisen schon sehr gut geholfen. Ich weiß jetzt zu mindestens das so etwas lange dauert. Ich habe mir als Laie nur Sorgen gemacht, da die Wunde doch sehr groß ist.
Hallo Herr Nettelnstroth,
grundsätzlich ist die Versorgung Ihrer Frau bis jetzt okay. Ein Dekubitus heilt leider nicht von heute auf morgen, sondern es dauert mehrere Monate je nach Stadium des Dekubitus (Man unterscheidet hier 4 Stadien.) Die Wunde Ihrer Frau muss langsam von unten her wieder ausheilen. Dadurch, dass ein Wundexperte am Werke ist, dürfte Ihre Frau schon gut versorgt werden. Fürs Sitzen könnten Sie ein Antidekubitussitzkissen aus Viscoelastischem Material verwenden, dass dafür sorgt, das die Belastungen auf der betroffenen Stelle abnimmt. Keinesfalls darf hier ein Sitzring benutzt werden, weil sonst die Spitzenbelastungen auf andere Stellen zunimmt und somit ein neuer Dekubitus entsteht. Auch Gelkissen sind nicht zu empfehlen. Gleiches gilt fürs Bett. Hier könnten man auch ein Wechseldrucksystem einsetzen, das die Therapie unterstützt. Wichtig in beiden Fällen ist, dass Ihre Frau regelmäßig neu gelagert wird. Für die Schmerzen gibt es nur die bekannten Schmerzmittel.
Falls Ihre Frau Diabetikerin ist, dauert die Behandlung leider noch länger. Das gleiche gilt, falls Ihre Frau untergewichtig ist, da der Dekubitus eine konsumierende Erkrankung ist und Ihre Frau dadurch mehr Kalorien benötigt. Ihre Wundtherapeutin sollte Ihnen dazu die nötigen Informationen geben. Es gibt eine Spezialisten Herr Kammerländer, der auch Kliniken hat. Im Zweifelsfalle können sie sich an diesen Herrn wenden.
K. Müller Mönchengladbach/Inh. Sanitätshaus/Pflegedienst
Hallo „Ein Mensch“
auch Ihnen meinen Dank für die zusätzlichen Hinweise. Wechseldruckmatratze habe ich schon, untergewichtig (ca. 60 kg) ist meine Frau schon, sie ißt nicht gerne Fleisch, sodass Ernährungsprobleme bestehen. Gelkissen und Ring hatte ich, ist auch nichts, wie ich bestätigen kann. Das viskoelastische Material habe ich auch ausprobiert, hat aber auch nicht viel gebracht. Wenn meine Frau aus dem Bett ist habe ich festgestellt, dass sie am besten in einem Schaukelstuhl liegt, der eine Tragefläche (dünnes, offenes Netzgewebe) ähnlich einer Hängematte hat. Es kommt da kein Druck von unten. Das ist meine Erfahrung. Mehr als 3 Stunden kann sie aber nicht sitzen, da auch die zusätzliche Spastik im linken Bein Probleme macht.
Der Dekubitus ist Stufe 3, wie das Krankenhaus sagte, also muß ich Geduld haben.
Nochmals meinen Dank.