Demokratie-Republik: Was?

Hallo! (Pardon, hatten diese Begrüßung zunächst vergessen, daher dies Zweitposting)
Früher schien das völlig klar, aber nun brauchen wir dringend die Hilfe von Fachmännern und auch euer aller Meinung „auf Bauchebene“, denn im Archiv haben wir zu dieser Frage direkt nichts gefunden:
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein DEMOKRATISCHE REPUBKLIK und „Ostdeutschland“ (die „DDR“) war eine undemokratische eigentlich UNREPUBLIK.
Klar ist es auch eine Frage von Anspruch und Wirklichkeit, auch wenn der Anspruch nur vorgetäuscht sein sollte.
Offensichtlich steht „Republik“ im Gegensatz zu „Monarchie“ und „Diktatur“, und wozu steht „Demokratie“ im Gegensatz? Es gab ja sogar schon „Demokratische Diktaturen des Volkes“ (China). („Je höher desto plumps!“)
Gibt es denn wirklich eine „UNDEMOKRATISCHE REPUBLIK“?
Heißt nicht „Demokratie“ (Demos Kratia = Volks-Macht) und „Republik“ (Res Publica" = Sache der Öffentlichkeit)
eigentlich das gleiche?
Oder kann die "Herrschaft des Volkes´ heimlich´ ausgeübt werden? Heimlich gegenüber wem? Dem Kaiser?
Dabei scheint es sich aber mit „Demokratie“ und „Republik“ irgendwie um zwei verschiedene Kategorien zu handeln, erinnern wir uns schwach; aber in welchem Sinne? In politischem? Im historischen? Philosophischen?
Ist es vielleicht „nur“ der Unterschied zwischen Staats- und Regierungsform?
Und worin unterscheiden sich dann die US-Demokraten und deren Republikaner, wenigstens vom Programm her?
In welches Brett gehört iese Frage eigentlich? Genauso viel und wenig in Politik wie in Philosophie oder Geschichte, finden wir.
Aber sie ist auch zu spezifisch, um sie unter „Sonstige Fragen“ unterzubringen. Ich bitte die Moderatoren, sie nötigenfalls in das passendste Brett zu verschieben. Wir versuchen es zunächst hier.
Ps: die Demokratie ist angeblich von „den Griechen“ erfunden worden. Und wer hat „die Republik erfunden“?
Wir bedanken uns herzlich für hilfreiche Antworten.
Kurt&Gudrun

Hallo.

Ich zitiere aus HERDER LEXIKON Politik: Republik: Begriff der Staatsformenlehre von Machiavelli. Die Staatsgewalt steht… einer Personenmehrheit zu, in der arist. R. einer bevorzugten Minderheit, in der demokr. R. dem Volke. („Hm, von freien Wahlen steht da nichts…“). In der Demokratie wählt und kontrolliert das freie und vor dem Gesetz gleiche Volk seine Regierenden.
Aber wie man heute sieht sind das ‚nur‘ Begriffe, die auch grosszügig interpretiert werden können. Am Beispiel Bush merkt man, dass ein demokratisch gewählter Präsident faktisch ein Despot sein kann. Ausserdem muss man nur die Mehrheit des Volks hinter sich haben um eine faktische Alleinherrschaft auf sich vereinen zu können (CDU 1982-1998). Und WIE lange die jeweilige Regierung an der Macht bleibt, steht auch nirgends. Soll heissen, man kann genauso eine Regierung wählen, die „dem Volk aufs Maul schaut“ und vielleicht gerade deswegen schön lange die Regierungsmacht behält. Da stört der Umstand einer alle 4 Jahre stattfindenden Wahl kein bisschen.
Und für ein bisschen mehr an Sicherheit nimmt man auch gerne ein paar Freiheiten weniger in Kauf…

HTH
mfg M.L.

‚Öffentliche Wohlfahrt‘
Hallo, Markus, danke für Deinen Beitrag (Zitat und inhaltliche Aussage). Tja, zu unserem und „der Freiheit“ Glück: je mehr „die Gewalten geteilt sind“, destomehr „Steine“ können wir der Uniformisierung in den Weg legen…Ich meine das aber komplementär, nicht obstruktiv und auch nicht wehleidig.
Etwas überrascht hat mich die Betonung von „Öffentlichkeit“ als (notwendigerweise) relativ. Rein begriffsmäßig kann also auch eine Republik diktatorisch geführt werden, wie auch „Demokratie“ auf nur eine SPHÄRE der Öffentlichkeit bezogen sein kann.
Deutlichstes (und positives) Beispiel ist eine Vereinsöffentlichkeit. Bedenklich ist, daß auch eine Olligarchie sich „Demokratie“ nennen zu können scheint, sobald/solange nur innerhalb der Olligarchen „Mitbestimmung“ herrscht.
Am meisten bedenklich ist die Tatsache, daß in der heutigen Zeit auf jeder Ebene (die) „Öffentlichkeit“ eigentlich erst durch die Organe hergestellt wird (und in der Gesamtgesellschaft durch die Presse und „unseren Partnersender CNN“), und die Tendenz besteht, durch Meinungsforschungsinstitute „VOLKSMEINUNG“ und eben „Öffentlichkeit“ als solche ERST HERZUSTELLEN.
WIE ABER SOLL ES ANDERS GEHEN?
Wir würden uns freuen, wenn das ganze noch viele andere auch aus der „Öffentlichkeit“ dieses Forums auch für nachdenkenswert halten, und so diese Öffentlichkeit lebendig bleibt/wird!
Herzliche Grüße, Kurt&Gudrun
PS: wie erkennen wir eigentlich (mit Sicherheit) den „Populismus“ (als Herrschaft einer TEILöffentlichkeit)?
Wir möchten betonen, daß wir das Gefühl haben, in einer Gesellschaft zu leben, in der ein Höchstmaß an „Öffentlichkeit“ das sagen zu haben scheint. Was meint Ihr?

Hallo Kurt,

zur Frage der Öffentlichkeit und Kontrolle von Regierungen konntest du früher ein sehr schönes Experiment machen:
An einem normalen Wochentag in den Bundestag reingehen (damals war er noch uneingeschränkt für jeden Besucher geöffnet) und dich auf den
Zuschauerbänken umschauen…
Was bekamst du zu sehen??..Schulklassen…Ausländische Besucher…und ganz selten mal einen Deutschen „Normalbürger“…
Ach ja und auf den Abgeordneten-Sitzen herrschte auch nicht gerade „Überfüllung“…

So ähnlich läuft es auch bei Wahlen…die „Mehrheit“ wählt nicht nach dem was die betreffende Partei veranstaltet oder vorhat…
Sondern wie gut der betreffende regionale Kandidat der Partei in Rhetorik ist…(und teilweise auch nach seinem Aussehen…)

mfg

Frank

Hallo, Ihr Beiden,

Republik ist die Staatsform, Demokratie die Herrschaftsform. Geläufige Gegenteile: Monarchie und Diktatur.

Die moderne Republik ist (für Europäer überraschend) ein eigenständiger Beitrag der Amerikaner, genauer der amerikanischen Gründungsväter, noch genauer der Herausgeber der Zeitschrift „The Federalist“:
Nach der Unabhänigkeit 1776 dauerte es noch bis 1789, ehe die USA eine Verfassung bekamen. In dieser Zeit wurde heftigst diskutiert, u.a. durch ebenjene Zeitschrift. Ein Produkt dieser Diskussion ist die Republik, die man bis dahin nur als Stadtstaat kannte. Ansonsten hätte es ein Königreich USA gegeben, was uns heute so unglaublich vorkommt, wie den Zeitgenossen damals eine Republik aus 13 Staaten.

Gruß,
Andreas

Was ist Republik
Hallo,

die Frage gehört eigentlich in Politik od. evtl. in Philosophie, weil es sich hier um „Politische Theorie und Ideengeschichte“ handelt. Das Politik-Forum von W-W-W hat aber keine passende Kategorie dafür.

Es gibt verschiedene Begriffsdefinitionen für Republik

  1. Keine Monarchie, d.h. die Herrschaft von Mehreren evtl. zeitlich begrenzt.

  2. Rechtliche Staatsform, auf Gemeinwohl orientiert, Gewaltenteilung, repräsentative Verfassung

  3. Starke Betonung der Volkssouveränität

Ist allerdings nicht mehr sehr wichtig, da:
„(…) In der Gegenwart hat sich Republik einerseits zu einem unscharfen, inhaltsleeren Ersatzwort von Staat entwickelt, das kaum Aussagen zum Herrschaftstyp zuläßt. Präsidentielle wie parlamentarische Demokratien, sozialistische Volksrepubliken und islamische Republiken verwenden den Begriff der R. zur Selbstbeschreibung. Allein die auf Machiavelli zurückgehende, negative Abgrenzung [bei mir Nr.1] bleibt eindeutig: Republiken sind Nicht-Monarchien.“ [Band 7. Politische Begriffe: Republik, S. 1. Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, S. 9568 (vgl. LexPol.Bd.7, S. 559)]

Es kann also durchaus „undemokratische Republiken“ geben. Die DDR war durchaus eine Republik im Machiavelli-Sinn. Man kann auch argumentieren, dass sie demokratisch war. Dann wäre DDR durchaus keine falsche Bezeichnung (abgesehen davon, dass Staaten sich eh nennen können wie sie wollen)

Der Begriff Demokratie ist weit komplexer als Republik und birgt große Probleme mit sich. Die einfache Übersetzung des Wortes führt i.d.R. zu Missverständnissen. Ein eventuelles Gegenteil von Demokratie hängt demnach von der Definition ab. Wenn ihr konkretere Fragen zur Demokratie-Theorie habt, kann ich euch gerne weiterhelfen.

Viele Grüße,

hannes

Hallo, Ihr Beiden,

Republik ist die Staatsform, Demokratie die Herrschaftsform.
Geläufige Gegenteile: Monarchie und Diktatur.

Die moderne Republik ist (für Europäer überraschend) ein
eigenständiger Beitrag der Amerikaner, genauer der
amerikanischen Gründungsväter, noch genauer der Herausgeber
der Zeitschrift „The Federalist“:
Nach der Unabhänigkeit 1776 dauerte es noch bis 1789, ehe die
USA eine Verfassung bekamen. In dieser Zeit wurde heftigst
diskutiert, u.a. durch ebenjene Zeitschrift. Ein Produkt
dieser Diskussion ist die Republik, die man bis dahin nur als
Stadtstaat kannte.

Das römische Reich war doch auch schon einmal eine Republik, und England auch (einmal im 17. Jh. so 10 Jahre lang).