Antworten zum Kaiserreich
Ich habe auch nicht behauptet, dass es woanders besser war.
Mich interessierte bei der Frage nur, wie es in Deutschland
aussah. Dass das Militär damals einen ganz anderen
gesellschaftlichen Rang hatte als heute ist aber wohl
unstrittig.
Ja, in der Tat. Das bedeuet aber nicht, dass der Alltag wie auf dem Kasernenhof ablief. In diesem Zusammenhang erinnere ich auch daran, dass es seit Moltke gute preußisch-deutsche Militärtradition war (geht gegenwärtig dem Ende entgegen), per Auftragstatktik zu führen, während die westlichen Demokratien merkwürdigerweise eher mit Befehlstaktik führ(t)en.
Wahr ist aber auch, das der Wilheminimus eine zunehmende Verengung auf das Militärische in Verkennung der „alt-preußischen“ Tradition brachte. Oder anders gesagt: der „Soldatenkönig“ hatte Soldaten, um sie eben nicht einzusetzen, Wilhelm II. mache den Eindruck, dass er eben dazu sehr wohl bereit war.
Wofür war es zu spät? Wann mündete der Prozess in eine
parlamentarische Demokratie? Schon vor Weimar?
Ja, im Oktober 1918 wurde die Verfassung Deutschlands der Wirklichkeit angepasst, d.h. der Reichskanzler war nicht mehr dem Kaiser, sondern dem Parlament verantwortlich.
Wenn dem so
war: Warum wollten dann so viele Leute ihren Kaiser Wilhelm
wieder haben, obwohl sie die selbe Staatsform wie vor 1918
hatten; halt nur ohne Kaiser?
Das waren ja nicht unbedingt dieselben. Der Grieche spricht vom Kairos, dem rechten Moment. Im November 1918 war der Zeitpunkt für die Revolution da; ein Jahr später wäre sie womöglich nicht mehr gelungen. Im übrigen ging es den restaurativen Elementen ja gerade darum, dass der Monarch weg war. Sie fühlten sich ihm persönlich verpflichtet.
Ich denke schon, dass das
Parlament zur Kaiserzeit und in Weimar eine ganz
unterschiedliche Stellung hatte.
Der Unterschied des Reichstags von 1912 zu dem von 1878 ist größer als zu dem von 1930. Das Kaiserreich ist ja kein statischer Block, der sich nicht weiterentwickelt. Spätestens mit Kriegsbeginn kam die Reichsleitung nicht mehr um die Parlamentsmehrheit (die spätere „Weimarer Koalition“) herum.
Ein Fundamentalfehler von „Weimar“ ist ja gerade, dass die Reichstagsabgeordneten ihre gewohnte Frontstellung gegen die Regierung aus der Monarchie nicht überwunden haben. Sie hatten den gedanklichen Sprung zu einer parlamentarischen Regierung noch nicht geschafft.
Was heißt das konkret? Was durfte man über den Kaiser und
seine Politik bzw. die Politik der Reichsregierung sagen und
was nicht? Wurde Majestätsbeleidigung von den drei Kaisern
jeweils anders interpretiert? Wieviele Jahre musste jemand
abbrummen, der wegen Majestätsbeleidigung verurteilt worden
war? Geschah dies im Gefängnis oder im Zuchthaus?
Weiß ich im Moment nicht; würde ich zu den Juristen weiterleiten.
Er sagte immer das, was die jeweiligen Zuhörer hören
wollten. Du findest vom ihm jedes beliebige Zitat für und
gegen etwas.
Das führt zu der Frage, warum ein Monarch, der nicht gewählt
zu werden braucht, sich so verhält.
Das führt zu der Frage, warum es überhaupt Monarchisten gibt 
Mit welchen Schwierigkeiten hatten die nationalen Minderheiten
in Deutschland konkret zu kämpfen? Welche gab es außer den
Polen?
Bayern (kleiner Scherz), Dänen, Sorben, Kaschuben, Elsässer. Letzere hatten als Eroberte besonders zu leiden, siehe Zabern-Affäre 1913, „Autonomie“ erst 1911 („Reichsland E-L“).
Als Resümee würde ich sagen, dass für die große Mehrheit der Deutschen das Kaiserreich die bis dahin beste Zeit gebracht hat, dass es es aber nicht vermochte über den Weg der Reformen diese positive Entwicklung weiterzuführen.
Andreas