Für mich ist das Wort immer noch ziemlich negativ behaftet, aber meine Arbeitskollegen und mein Abteilungsleiter sehen das anders…
Allerdings waren die Erklärungen von denen bis jetzt auch nicht besonders doll.
Laut Duden Band 7 (Herkunftswörterbuch) gehört „Demut“ (wie z.B. auch „Barmherzigkeit“) zu den Wörtern der frühen christlichen Mission. Es setzt sich aus den Wortbestandteilen „dienen“ und „Mut“ zusammen. Demut bedeutet: dienstwillig, dienende Gesinnung, Bescheidenheit, Gefolgschaft.
Diese Bedeutungen sind eindeutig positiv besetzt. Heute besteht allerdings die Tendenz, eine demütige Person mit einer Person gleichzusetzen, die keinen eigenen Willen hat. Je nach Zusammenhang kann eine demütige Person also auch als unterwürfige Person verstanden werden.
Diese negative Konnotation wird sicher auch noch durch das daraus abgeleitete Verb „demütigen“ verstärkt (herabsetzen, erniedrigen).
Ich denke, es kommt immer auf den Zusammenhang an, ob ein Wort positiv oder negativ empfunden wird. Dazu folgendes Beispiel für das Verb „sich freuen“, das auf den ersten Blick sicher positiv scheint, vielleicht aber auch eine negative Empfindung auslösen kann:
Er freut sich über die Beförderung seines Kollegen.
(Konnotation: Freundschaft)
Er freut sich über die Entlassung seines Kollegen.
(Konnotation: Feindschaft, Schadenfreude)
Demut ist entstanden aus "diomuoti (althochdeutsch), diemuot, diemüete (mittelhochdeutsch).
Dienen ist klar, „muot“ hatte früher eine umfangreichere Bedeutung als unser heutiger „Mut“. Es meinte auch noch „Sinn, Denkart“, so wie etwa noch in „Gemüt“.
Demut ist also der „Sinn, ein Diener sein zu wollen“, die Bereitschaft zu dienen, ein Gefolgsmann eines Herren zu sein, ein Krieger für einen Herrscher. Das war zuerst wohl ein menschlicher, wurde dann später auf das Verhältnis zu Gott übertragen.
Unsere Vorfahren sahen sich also weniger als Schafe einer Herde, wie das kirchliche Quellen nahelegen, sondern als „Gotteskrieger“, was auch nicht unbedingt nur lobenswert sein kann.
Allerdings hat die Kirche, aber auch andere Faktoren, dafür gesorgt, dass Demut heute etwas „Kriecherisches“ angenommen hat.
Wie schon die Vorredner sagten, kann „Demut“ in unterschiedlichem Kontext durchaus negativ besetzt sein. Wenn ich aber als Ingenieur voller Demut die Zusammenhänge der Natur verstehen lerne, ist das Wort im Sinne von Achtung gemeint - also keineswegs negativ.