Denkanstoß

Ansichtssache
Hi,
naja

Diese Rundmail flatterte von einer Freundin bei mir herein.
Ich stelle das zur Diskussion.

Wenn du nach 1979 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir
zu tun…
Verschwinde! Kinder von heute werden in Watte
gepackt…weiterlesen.
Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist
es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben
konnten!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne
Airbags.

Man kann das sehen wie man will. Mein Vater hat es überlebt (sonst gäbe es mich nicht), die beiden Mitfahrer (Frau und Kind) nicht.

Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller
Blei und Cadmium.

Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne
Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit
Bleichmittel.

Mit soetwas hätte ich mich fast umgebracht.

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere
Fingerchen.

Weshalb meinst Du, das ich ein nicht ganz gerades Gebiss habe?

Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Ein Klassenkamerad lag lange im Krankenhaus.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

Jo, der erste wirklich gute Punkt. Tue ich immer noch.

Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der
ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen
hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

welcher Hang? :wink:

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen.

Jaha. Aber ist das heute anders?

Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein,
wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wußte, wo wir waren
und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Ehem, das halte ich für ein Gerücht. Von meinen Freunden durfte das niemand (Ich auch nicht).

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und
niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle.

Wenn es eben Unfälle waren.

Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach
„Aufsichtspflicht“ . Kannst du dich noch an
„Unfälle“ erinnern? Wir kämpften und schlugen einander
manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es
interessierte den Erwachsenen nicht.

Naja, nicht interessiert ist vielleicht übertrieben.

Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und
wurden trotzdem nicht zu dick.

So? Ich kann mich da an einige Klassenkameraden erinnern …

Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand
starb an den Folgen.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box,
Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video,
Surround-Sound, eigene Fernseher, Computer,
Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten Freunde.
Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße.

Wenn welche in der Strasse wohnten. IMO hat das weniger mit Playstation und Co zu tun. Ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik kann das auch erklären. Wir waren einfach viel mehr Kinder.

Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten.
Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach
hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen
Eltern. Keiner brachte uns und
keiner holte uns… Wie war das nur möglich?

Kuck mal oben. Ausserdem fing der Wahnsinn „wohnen JWD“ gerade erst an.

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht
ein: Die Würmer lebten
nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken
stachen wir nicht besonders viele Augen aus.

Ja. Aber eben nur „nicht besonders viele“ und nicht „keine“

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war.
Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen
klarzukommen.

Fandest Du das gut? Wahrscheinlich durftest Du immer mitspielen :wink:

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere.
Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen.

Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur
Änderung der Leistungsbewertung.

Tja, da hat sich wohl was geändert

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen.
Das war klar und keiner konnte sich verstecken.

Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar,
daß die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im
Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So
etwas!

Kann ich nicht beurteilen :wink:

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern
und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir

Ehem. Das ist ein Gerücht. Soviele innovative Jungunternehmer gibt es jetzt auch wieder nicht.

hatten Freiheit, Mißerfolg,
Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen

Ehem. Das glaube ich nicht. Schliesslich sind wir die Generation, die jetzt (auf mittlerer Ebene) „dran“ ist. Auf gut deutsch: Wir sind nicht mehr die „Talente“ oder „Anwärter“. So toll finde ich unsere Erfolge bisher aber nicht …

Und du gehörst auch dazu.

Toll

Herzlichen Glückwunsch!

Lass nur - Ich weiss nicht. Für sein Alter kann keiner was …

Ciao Rossi

Hallo,

den 70er/80er Jahre weine ich nicht eine Träne nach. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde: Wie wenig vor 30 Jahren Erwachsene über Kindererziehung wußten, oder heute die Verunsicherung in der Erziehung aus einer Überinformiertheit heraus.
Zu meiner Zeit hatte die Lehrerin Kopfnüsse verteilt, wenn die Schrift nicht ordentlich war, heute denkt man als Elternteil mit der Lehrerin darüber nach, wie die Leistungen des Kindes verbessert werden könnten.
Früher war es nicht üblich, dass Eltern sich um die Probleme ihre Kinder kümmerten, obwohl es auch zu meiner Zeit schon massive Gewalt unter Kindern gab. Es scheint heute den Erwachsenen leichter zu fallen, darauf zu reagieren.
Es gab früher mehr Möglichkeiten als Kind seinem Forschungsdrang nachzugehen, heute werden gezielt Institutionen, Plätze und Aktivitäten angeboten, denn Kinder konnten früher ihre Bewegungsräume selbst aussuchen und bekommen sie heutzutage zugeteilt. Dass sie in unserer Zeit körperliche und geistige Mangelerscheinungen haben, wundert mich nicht die Bohne.

Es war früher nicht alles so toll, und heute ist es auch nicht.
Was ich als Kind zu wenig an Materiellem hatte, haben meine Kinder heute von dem zuviel. Dafür hatte ich mehr Raum und Zeit als meine Kinder.
Ich habe nicht den Anspruch als Elternteil alles besser zu machen, auch weil meine Möglichkeiten eingeschränkt sind. Dennoch habe ich Wertevorstellungen, die ich so gut ich kann versuche umzusetzen.
Schön, einmal wieder darüber nachgedacht zu haben.:smile:

viele Grüße
grilla

Senf…
Guten Morgen, datafox,

ich bin auch so ein Kind der 70er/80er und bei den meisten Punkten hab ich heftig genickt. Nur Regenwurm hab ich keinen verspeist! *wäääääh*

Nur was mich erstaunt: Wir sind doch diejenigen, die’s in der Hand haben. Vielleicht nicht alle von uns, aber die Mehrheit der Leute, die sich hier so rumtreibt ist altermäßig zwischen Mitte 20 und Mitte 40. Das heißt, wir sind die (potentiellen *g*) Eltern von heute. Und wir haben’s doch in der Hand, die tollen Sachen aus unserer Kindheit an unsere Kinder weiterzugeben. Genauso haben wir’s auch in der Hand, die Fehler unserer Eltern nicht zu wiederholen.

Wollte ich nur mal so einwerfen :smile:

*wink*

Petzi

Hallo Eckard,

dann hatte ja offenbar auch „Deine“ Zeit ihre Vor- und Nachteile…
insofern - Danke für die Zustimmung.

Gruß
Tania

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Eckard,

da packt mich doch der Neid:

spielten mit
dem, was wir in der Natur vorfanden - mein erstes Fahrrad
bekam ich mit 8, mein Onkel hatte es aus Schrotteilen
zusammengebaut.

Ich hatte mein erstes Fahrrad mit 13. Für die Jüngste aus einer Familie mit 5 Kindern zuhause und ein paar Studenten außerhalb (aus Mutters erster Ehe) war: Geld zu Geburtstag und Weihnachten (statt sonstiger Geschenke) wünschen und eisern sparen, bis das Geld für`s Fahrrad beisammen war, die einzige Möglichkeit.

Mein Vater war handwerklich nicht wirklich geschickt, oder durch die Folgen eines Autounfalls behindert, und so viel Schrott gab es in den 60ern nicht mehr, dass man daraus was funktionierendes zusammenbauen hätte können.

Karin

zweikommafünf, und auch wenn du’s mir nicht glaubst, das ist die korrkte schreibweise *g*

täubchen

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

besser spät als nie…
… will ich auch noch antworten!

Hallo ihrs,

ich bin zwar 1980 geboren, aber trotzdem kommt mir das alles noch sehr bekannt vor - bin auch auf´m Dorf aufgewachsen - da herrschten diese „Zustände“ wahrscheinlich noco bis in die späten 80er :wink:

Egal von wem der Ursrungstext war. Diesem Jemand würde ich gerne die Hand schütteln.
Wir hatten früher nen sog. „Bolzplatz“. Ein einfacher Fußballplatz mit rotem Sand, drumherum einige Bäume, wir hatten in der Nähe ein kleines Bächlein, ne Kläranlage usw.
Auf dem Bolzplatz haben wir Fußball gespielt, sind auf Bäume gekletter, am Bächlein haben wir nen Staudamm gebaut, Baumhäuser gebaut, sind durch den Zaun der Kläranlage geklettert und fanden das alles ganz toll. Heimgegangen sind wir auch erst als die Lichter angingen oder es eben dunkel wurde.
Heute ist kein Bolzplatz mehr da, sondern darauf schicke Einfamilienhäuser, das Bächlein ist verlassen, weil sich dazugezogene neue Besitzer von den Häusern in der Nähe über den „Lärm“ (Kinderlachen und -schreien) aufregen.
Die Spielplätze sind nicht mehr so sauber, weil die 16-jährigen Raucher keine andere Plätze mehr haben!

Ach, ich könnte das ewig fortsetzen!

FRÜHER WAR VIELES BESSER!

Wehmütige Grüße
Anke

Hi Datafox,

jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile.

Die 60er, in denen ich groß wurde, waren zum Teil schön, zum Teil gönne ich sie meinem ärgsten Feind nicht.
Und so ist es mit jedem!!! Zeitraum, den Du betrachtest.

Ob eine Kindheit schön ist oder nicht, hängt zu einem nicht geringen Teil von den Eltern ab, dann sind da noch die anderen Verwandten, das Umfeld, die soziale Situation und was weiß ich nicht noch alles.

Ich bin in einer Großstadt geboren und aufgewachsen und hatte kaum ‚Auslauf‘. Wenn ich draußen war, wars auf einem Parkplatz, den wir Kinder als Spielplatz erobert hatten.
Viele andere Aspekte wurden auch schon aufgezählt (soziale/materielle Situation und Zwänge etc.)

Meine Jungs haben eine Scheune und 1000 m2 Garten, viele Tiere und jede Menge Zeit, mal sehen, ob sie ihre Kindheit demnächst als gut beurteilen.

Gandalf

Guten Morgen, datafox,

ich bin auch so ein Kind der 70er/80er und bei den meisten
Punkten hab ich heftig genickt. Nur Regenwurm hab ich keinen
verspeist! *wäääääh*

Ich hab aus der Pfütze gelöffelt, obwohl es ganz verboten war ( „Komm,jetzt isse weg vom Fenster“ ( die Mutter)) und meine Schwester mit dem Gesicht in die Kuhsch… geschubst.
Wir leben beide noch *g*

T