Hallöchen,
ich schreibe euch, da ich im Moment in einer Sache in meinem Leben keinen Rat weiß. Das Problem ist, dass ich dem auf den Grund gehen MUSS, da sowohl die schulische als auch die berufliche Karriere massiv darunter gelitten haben und noch leiden. Ich habe seit ein paar Jahren, so dumm es klingen mag, das Gefühl, dass etwas mit meiner Art zu denken nicht stimmt. Manchmal habe ich sogar vermutet, mein Problem ließe sich nur so erklären, dass ich minder intelligent bin oder irgendetwas mit meinem Gehirn oder der Durchblutung meines Gehirns nicht in Ordnung ist. Die eventuellen psychischen Faktoren möchte ich aber nicht außer Acht lassen.
Wie äußert sich das besagte Problem?
Ich kann in verschiedenen Situationen nicht denken, stelle sofort alle Denkprozesse ein, erwische mich selbst dabei, wie ich plötzlich das Gesicht einer Person beobachte, die mit mir spricht und stelle fest, dass ich schon seit einer Weile nicht mehr zuhöre.
Es scheint mir generell sehr schwer zu fallen, manchen Personen zuzuhören, gerade in Schul- oder Arbeitssituationen aber auch, wenn manche Menschen mir etwas erzählen. Ich stelle dann fest, dass mein Gehirn wie ein Computer sich schon längst ausgeklinkt hat. Ich kann das, was gesagt wird, nicht richtig verarbeiten.
Oder auch wenn eine Person, die vor mir steht oder neben mir, eine Frage stellt. Plötzlich fällt mir das Wissen, dass ich sonst gelernt habe nicht mehr ein. Es kommt mir so vor, als wär ich nicht in der Lage, das vorhandene Wissen mit der Realität zu verknüpfen in vielen Situationen. Ein Bsp.: Gestern auf Arbeit, erklärte mir eine Kollegin die Funktionsweise einer Maschine und ich „vergaß“ plötzlich, was die Legende (einer Karte) ist - aber eher im Sinne von - nicht weiterdenken können. Ich hatte plötzlich kurzzeitig nurnoch Durcheinander im Kopf und war dann für ein paar Momente wie versteinert, gar nicht mehr in der Lage, ihr irgendwie zu folgen. Ich stand nur da und konnte nichts sagen, nicht auf ihre Fragen - nichts. Jetzt, wo ich zu Hause bin, frage ich mich, warum ich plötzlich nicht wusste, was eine Legende ist.
Ich kann mir das Ganze nicht erklären und mein Umfeld reagiert zunehmend mit Ablehnung. Viele Menschen denken, ich sei einfach dumm. Das Seltsame ist, dass ich Abitur gemacht habe und während meiner Ausbildung (für Gymnasiasten) Jahrgangsbeste war. Schon immer hatte ich beim Lernen das Gefühl, dass ich Vorgänge nur extreeeem (!) langsam oder fast nie verstehe, wenn andere sie erklären, sondern erst, wenn ich meine eigenen Aufzeichnungen ansehe und durchdenke. Ich bin ein ziemlich starker Grübler und es ist mir manchmal, als wär ich irgendwie in meinem eigenen Kopf gefangen.
Aber was bedeuten diese Denkaussetzer? Bei manchen Personen fällt es mir besonders schwer, ihren Gedanken zu folgen. Da klinkt sich schon bei den ersten Worten automatisch mein Gehirn aus. Es scheint aber nicht sympathieabhängig zu sein.
Ich habe einen sehr niedrigen Blutruck die letzten Jahre und bin ständig müde. Es wurde mir eine depressive Störung diagnostiziert aber auch eine dissoziative Störung (früher Derealisation/Depersonalisation)und eine Persönlichkeitsstörung (Borderline). Allerdings sind diese ganzen Therapien/Diagnosen etc. schon lange her und ich war der Meinung, ich hätte durch jahrelange Therpie die meisten Schwierigkeiten überwunden, könnte nun halbwegs ein normales Leben führen, das Ganze mehr oder weniger hinter mir lassen.
Nur: Im Moment stellt es sich so dar, dass in jedem Job immer wieder dieses Problem auftaucht, dass ich mir Dinge schlecht merke, keine Zusammenhänge verstehe - erst wenn ich zu Hause darüber nachdenke (im gewohnten/ruhigen Umfeld?)
Muss ich zu einem Arzt bzw. Neurologen/Pychologen? Ich kann auf jeden Fall so nicht richtig arbeiten! Am Ende verdrehen alle die Augen und beginnen früher oder später damit, mich auszugrenzen, was mir sehr weh tut und immer wieder zu totalem sozialen Rückzug führt.
verzweifelte Grüße