Denkmalschutzzone

Liebe WWWler,

ich habe folgendes Problem: Anfang des Jahres habe ich ein altes Haus in einem kleinen Dorf erstanden, welches mitten in der Rheinhessischen Pampa liegt. Irgendwer kan jetzt auch die glorreiche Idee die komplette Straße und angrenzende Flächen in eine Denkmalschutzzone umzuwandeln, weil hier vor 400 Jahren irgendwelche Ritter durchgezogen sind??? Gibt es Wege (und zwar so richtig effiziente) sich gegen so etwas zu wehren?

Ansonsten was sind Eure Erfahrungen mit diesen Zonen? Eher Nachteil oder Vorteil für Eigentümer?

Hallo Alexandra!

Irgendwer kan jetzt auch die
glorreiche Idee die komplette Straße und angrenzende Flächen
in eine Denkmalschutzzone umzuwandeln…

Vielleicht ist die Idee gar nicht so übel?

Zunächst ist zu klären, was genau unter Denkmalschutz gestellt werden soll und Du mußt Dir Deine eigenen Interessen klar machen. Z. B.: Weshalb hast Du dort ein Haus gekauft? Es wäre möglich, daß es dort größere unbebaute Flächen gibt, die Du für einen Schrottplatz, für eine Schlamm-Rennbahn oder zum Betonieren als Parkplatz nutzen möchtest und Du willst unbedingt in unmittelbarer Nähe Deines Gewerbes leben. Unter solcher Voraussetzung mußt Du jetzt alles tun, um den Denkmalschutz des Parks/des Gebäude-Ensembles zu verhindern, weil Du dort andernfalls den geplanten Schrottplatz nicht betreiben kannst.

Es könnte aber auch sein (entschuldige bitte die total abstruse Annahme), daß Du ein altes Haus gekauft hast, weil Dir die Gegend gefällt, weil die gesamte Bebauung in der Gegend ansprechend ist, weil es viel Natur rundherum gibt und weil es eine ruhige Wohngegend ist. Solche total blödsinnigen Gründe für die Wahl eines Wohnorts soll es tatsächlich geben. Wenn nun solches z. B. Gebäudeensemble mit umgebender Landschaftsgestaltung unter Denkmalschutz gestellt wird, passiert etwas Furchtbares: Die Gegend bleibt wie sie ist. Dort wird keine Betonhalle gebaut und als Diskothek benutzt. Dort wird kein Parkhaus gebaut und keine Einkaufsmeile. Nicht einmal eine Schnellstraße. Schrecklich! Die verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten für Eigentümer der Immobilien bei Aufwendungen zur Erhaltung des Denkmals sind bestimmt nur Abzocke und dagegen muß man vorgehen.

Baudenkmäler unterliegen unzumutbaren Einschränkungen: Das Vollpflastern ganzer Fassaden mit Sat-Schüsseln, das Zumauern von Fensteröffnungen mit hübsch bunten Glasbausteinen und das Aufwerten der Gründerzeitvilla mit einer goldfarben eloxierten Alu-Haustür funktioniert leider nicht. Auch beim Windfang-Angebot aus dem Baumarkt fehlt den Leuten vom Denkmalschutz die letzte Begeisterung. Überhaupt verlangen sie Unerhörtes: Handwerklich saubere Arbeit nach vorheriger Planung. Wo wir doch sonst immer jemanden unter der Hand schaffen lassen, der mit Hammer und Schlagbohrmaschine umgehen kann.

Was will Denkmalschutz: Erhaltenswerte Substanz soll unter Wahrung ihres Charakters zeitgemäßer Nutzung zugeführt werden. Dabei gibt es keine letzten Wahrheiten, ohne Kompromisse geht es nicht und selbstverständlich kann es Meinungsverschiedenheiten geben. Wie überall kann man auf sachkundige und gesprächsbereite Menschen treffen, aber man kann auch an verbohrte Ideologen geraten und/oder Leute, die mit mäßiger Intelligenz auf Vorschriften herum reiten. In aller Regel aber zieht man mit den Leuten vom Denkmalamt in der gleichen Richtung am gleichen Strang. Der Denkmalschutz verhindert weitgehend üble stilistische Entgleisungen und Verschandelungen. Die Mischung aus Baumarktfenstern, holländischer Windmühle aus Plastik im Vorgarten und Fassadenverkleidung aus Riemchen mit Styroporschicht zum Selbstankleben aus der Werbung in der Fernsehzeitschrift, muß man sich dann wohl oder übel verkneifen. Auch der vor hunderten Jahren angelegte Park mit seinen riesigen Bäumen ist geschützt, obwohl es vielen Leuten bei jedem Baum in den Fingern juckt, sofort zu fällen, um anschließend Rasen zu säen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

vielleicht liegt es auch an der Art wie das Thema gestern vom zuständigen Sachbarbeiter dargestellt wurd… wenn mir einer den Satz entgegen wirft: Und wenn ich ihr Haus von innen sehen will, dann verschaffe ich mir den Zugang nach §§§§§ Dann fühlen sich natürlich diverse Eigentümer irgendwie auf den Schlips getreten - wie ich meine zurecht. Sollte sich dieser Sachbearbeiter meinem Grund und Boden nähern, dann ist was los.

und dann fällt mir nur ein, dass ich mir kein Eigentum kaufe, wenn alle mitreden wollen, aber auf der anderen Seite sich keiner beteiligt. Dieses Haus meine Aletrsvorsorge ist und ich es bereits jetzt nicht mehr veräußert bekomme, wo nur die Idee des Denkmalschutzes im Raum steht - zumal das Haus so in der Pampa liegt, und nebendran Bauland ausgeschrieben ist, dass definitov für neue Bürger des Ortes kein Interesse mehr besteht hier was altes zu kaufen.

Die historische Darstellung des Denkmalschutzes falsch ist. Geschützt werden sollen lauter Dinge, die nicht mehr da sind, da sie überbaut wurden nachdem sie vor 200 Jahren komplett abgebrannt sind, welche erst 4 Jahre alt sind aber angeblich historischen Wert haben wie das Kopfsteinpflaster in unserem Ort, und nachträglich gelegt wurde…

…und an das gesellschaftliche Interesse kann ich erst mal nicht glauben, weil kein Mensch diesen Ort kennt …

Generell arbieten die Dorfbewohner sehr zufrieden mit einem Dorfplaner zusammen und sprechen alles mit ihm ab. Wenn doch diese Freiwilligkeit besteht, warum dann ein Gesetz???

Liebe Alexandra,

Ansonsten was sind Eure Erfahrungen mit diesen Zonen? Eher
Nachteil oder Vorteil für Eigentümer?

mit Zonen nicht, aber mit denkmalgeschützten Häusern.
Ich hab selber keines, aber mein Nachbarhaus ist denkmalgeschützt und ‚strahlt‘ auf mein Haus aus. Das bedeutet, daß ich an Fasade und Dach nicht machen kann was ich möchte.
Als ein neuer Dachstuhl gebaut werden sollte, merkte mein Nachbar an, daß ich mich doch besser mit dem Denkmalschutzamt in Verbindung setzen solle, damit ich keine böse Überraschung erleben würde bzgl. Bauantrag.
Da hab ich dann getan und es tat gar nciht weh :wink:
Die Herren waren überaus nett und hilfreich und baten um eine Kopie der Bauzeichnung.
Die kriegten sie und gaben prompt ihr OK, weil ich keine Extravaganzen drin hatte. Eine Nachrage ergab, daß solche Geschmackverirrungen wie gelbe, grüne oder andere quitschfarbene Dachpfannen wohl nicht gegangen wären, die Spitzgauben waren auch OK, ein große Schleppgaube (die ich nach hinten machen durfte, wäre nicht gegangen, was ich auch nicht wollte, denn dadurch wäre der Charakter der Front völlig zerstört worden.
Kurz:
Dinge, die im ‚normalen‘ Geschmack liegen sind meist kein Problem, es gibt aber Einschränkungen.
Das Verhalten Deines Sachbearbeiters erscheint mir sehr untypisch, vielleicht war ihm gerade vorher ne Laus über die Leber gelaufen.

Gibt es Wege
(und zwar so richtig effiziente) sich gegen so etwas zu
wehren

Frag mal bei deinem Bürgermeister oder Ortsvorsteher nach, was überhaupt geplant ist, welche Konsequenzen es hat und was man ev. dagegn tun kann.
Vielleicht überwiegen die Vorteile.

Gandalf