Ein Versuch gegen den man
Hallihallo,
ich bin da nicht Deiner Meinung.
…„Intersubjektiven Nachprüfbarkeit“…
Ja
Interessantes am Rande:
…In diesem Sinne kann Wissenschaft (hier als Quellenkunde) sehr
spannend, oft allerdings auch sehr mühsam sein.
Wie wahr.
Zudem werden wissenschaftliche Arbeiten in der „man“-Form
geschrieben:
Sie werden oft so geschrieben, das ist richtig. Die Arbeiten in diesem Stil finde ich aber sprachlich grauenhaft und zudem unwissenschaftlich.
In den Naturwissenschaften sieht eine typische Arbeit so aus (ich gehe von mehreren Autoren aus, bei einer Diplomarbeit ist es nur einer):
1.Einleitung:
- Stand von Wissenschaft und Technik (inkl. eigener Vorarbeiten)
- Worum geht es in dieser Arbeit (In the following we investigate …, Ziel dieser Arbeit ist …) hier auf keinen Fall „man“. Für seine Ziele muss der Wissenschaftler schon selbst Verantwortung übernehmen und soll das nie auf das „man“ abwälzen.
-
Material/Methoden
Wie wurde was gemacht „wir“ (Schliesslich haben die Autoren selbst die Experimente gemacht. Andernfalls muss man Ross und Reiter nennen.)
-
Ergebnisse
Was ist herausgekommen? Hier immer noch „wir“. Auch hier geht es wieder darum, Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen.
-
Diskussion:
Hier wir oft der Passivstil gewählt. Besser finde ich statt „data suggests“ (=„naja, irgendetwas muss das ja bedeuten, die daten schlagen das ja vor; aber wenn das falsch ist, habe ich damit nichts zu tun“) Besser finde ich „We conclude“ also, „aufgrund der Daten schliessen wir“. (Der Leser soll durch Fakten und nicht durch Autoritäten „man“ überzeugt werden).
-
Zusammenfassung
Hier ist die Stunde des „man“ (also die letzten 10 %). Jetzt darf und soll verallgemeinert werden. Was soll Deiner Meinung nach der Leser aus Deiner Arbeit lernen.
Statt „Ich glaube“ heißt es dann z.B. "Man kann davon
ausgehen, dass, Wahlenthaltung der Bürger als Zustimmung zur
herrschenden Politik bewertet werden kann.
Dieses fürchterliche Wissenschaftlerdeutsch heisst im Klartext: ‚Die Daten geben nichts genaues her, wir spekulieren jetzt mal. Wir legen uns jetzt mal nicht fest und sagen „man“ und zweitens sagen wir nur „kann“. Irgenwer wird das schon so sehen, zumindest glauben wir daran‘.
Dies bestägigen
auch die Untersuchungen von MEYER (1998, 14f), KANZ (2003,
22-25) und LAUS (2003, 185); :
Aha, also ist das man gar nicht auf dem eigenen Mist gewachsen.
demgegenüber geben PAUL, KLAMMER
und JOCHEMS (2004, 16-25) zu bedenken, dass Wahltenthaltung
eher als Ablehnung der herrschenden Politik zu bewerten ist."
Umstritten ist es auch noch.
Durch das generalisierende „man“ soll den wissenschaftlichen
Arbeiten ein objektivierender Charakter verliehen werden:
Soll vielmehr der Leser/Gutachter überrumpelt werden. 
Aussagen wirken daher wie verallgemeinerbar.
Wie ich sagte: Tarnen und täuschen. Mit diesem Vorsatz ist das übrigens schon nahe an der Grenze zum wissenschaftlichen Fehlverhalten.
Hier jedoch
stossen wissenschaftliche Arbeiten auch an ihre Grenzen: Nicht
jedes behauptete „man“ hält der näheren Prüfung stand …
Der Fachmann sieht das auf den ersten Blick, schliesslich hat der selbst solche Texte verfasst.
Interessant ist in dieser Hinsicht, dass das „man“ (schließen
wir einmal naturwissenschaftliche Arbeiten der exakten
Mathematik aus) lediglich aussagt, dass der Autor vermutet
Genau das ist es
(annehmen muß; nach Quellenlage), dass die Mehrheit der
gelesenen Autoren, eben zu dieser „man“-Meinung gelangt ist.
Nein. Es bedeutet, dass der Autor zu faul ist, seine Hypothese nach handfesten Kriterien zu überprüfen. Stattdessen wird spekuliert. Es ist so, wie du im ersten Teilsatz geschrieben hast. Wären mehr Belege hinter der Aussage, würde der Autor seine Behauptung auch besser belegen und nicht zu Taschenspielertricks greifen.
„Man“ heißt also nicht Mehr- oder Wahrheit. Es bedeutet, dass
jemand annimmt, dass er berechtigt ist dieses „man“ zu
verwenden.
„Man kann“ ist gerechtfertigt, sobald ein einziger Mensch auf dieser Erde dieser Meinung ist oder war. Eine schwächere Formulierung gibt es nicht.
Und um diese Berechtigung zu prüfen, sollten die
Quellen (die benutzt wurden) offen gelegt werden. Ob dann alle
Quellen - vor der Rezeption durch anderen - geprüft werden,
steht auf einem anderen Blatt.
Da hast Du Recht.
… Es sei lediglich vermerkt,
dass die Wirtschaftswissenschaften - seit ihrer Entstehung -
das Ziel verfolgt haben, den exakten Naturwissenschaften
vergleichbare Modelle und Gesetze aufzustellen.
You made my day 
So, ich hoffe Du nimmst mir meine Übersetzung des Wissenschaftlerdeutschs jetzt nicht übel.
Für wissenschaftliches Englisch ist hier eine nette Zusammenstellung:
http://www.english-zone.com/language/research.html
Insbesondere möchte ich auf folgendes hinweisen:
It is generally believed that… = A couple of others think so too.
und
It is believed that… = I think.
(Aber das hast Du ja selbst so geschrieben).
Zum Schluss noch meine Empfehlung an den Fragesteller:
Wissenschaftlich zu arbeiten, heisst sich festzulegen - und wenn es sich später als falsch herausstellen sollte, die Konsequenzen zu tragen und den Fehler zuzugeben. Politikerphrasen und juristische Gummisätze kommen in den Natur- und Ingenieurswissenschaften nicht gut an. Schliesslich willst Du ja auch den Ruhm ernten, wenn Deine Ergebnisse richtig und wegweisend sind und nicht irgendsoein „man“.
Ciao R.