Depression

Hallo, aus grosser Sorgen wende ich mich an Sie.
Bei meinem Sohn wurde im Mai eine Depression festgestellt.
Er leidet an grosser Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen und kann so sein Studium nicht fortsezten.
Nachdem die Medikamente (cipralex und elontril)c sowie die Verhaltenstherapie nicht anschlagen, ist er jetzt seit Donnerstag in der Klinik
Vielleicht kann mir jemand sagen, was da normalerweise gemacht wird.
Ich habe keine Vorstellung davon, und mein Sohn möchte vorerst keinen Besuch und keine Anrufe.

Liebe Barbarella,

es ist verständlich, dass Sie sich Sorgen um Ihren Sohn machen.
Gut, dass er in stationärer Behandlung ist nachdem die ambulante Therapie offenbar nicht angeschlagen hat.

Jede Klinik behandelt jeden Patienten individuell.
Es gibt ja auch sehr unterschiedliche Richtungen an Einrichtungen, die unterschiedliche Einstellungen zu Patienten, Methoden etc. haben.

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Ihr Sohn an Einzel- und Gruppengesprächen teilnimmt und begleitend wahrscheinlich die Wahl hat zwischen z. B. Sportprogrammen oder Kursen wie Maltherapie, Gestaltungstherapie, Tanztherapie etc.
Es ist weiterhin wahrscheinlich, dass mit den Patienten Zeit in der Natur angestrebt wird sowie ein äußerst geregelter Tagesablauf.

Sicherlich kennen Sie den Namen der Einrichtung, wo Ihr Sohn ist. Vll. rufen Sie dort einmal an oder mailen hin, stellen sich als Mutter vor und fragen nur ganz allgemein nach der Einrichtung und wie in der Regel bei Depressionen verfahren wird. Diese Auskunft darf Ihnen jedes Haus geben, auch wenn Ihr Sohn keine Auskunft geben möchte.

Ich hoffe, Ihnen ein wenig geholfen zu haben.

Sonnige Grüße und alles Gute für Sie und Ihren Sohn.

Hallo,
zu Beginn der Therapie(Klink) ist der Abstand zur Außenwelt (Familie - Freunde )sehr wichtig, man muss wieder lernen zu sich zu finden.
Man geht von 6 - 8 Wochen aus. Danach können Besuche gemacht werden, aber nur wenn der Patient das auch will.
Ablauf in der Klinik:
Abgestimmte Antidepressiva.
Einzelgespräche mit dem Therapeuten.
Gruppengespräche
Krankheitsbezogene Beschäftigungstherapie um die versteckten oft schlummernden Interessen, Fähigkeikeiten zu wecken.
Therapiezeit je nach schwere der Krankheit, 3 - 6 Monate, danach eventuell Tagesklinik, wo man Abends daheim ist oder ambulante Gesprächstherapie einmal die Woche beim Therapeuten (Tiefenpsychologie). Despression ist eine Krankheit, die nicht von Heute auf morgen verschwindet oft bleibt sie ein lebenlang, man lernt nur damit zu leben. Manchmal hilft auch Familientherapie, wo Sie beim Gespräch dabei sind, wenn die Krankheit mit Ihnen zu tun hat.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.
Mehr Information auf meiner Homepage:

http://home.arcor.de/trendys/

Viele Grüße
Einstein (Nick)

Guten Tag,
in der Klinik wird versucht, die Pharmakotherapie zu optimieren, in dem eine ander Gruppe von Med. gewählt wird und/oder 2 Med. kombiniert werden. Durch den ständigen Kontakt mit ärztlichem Personal kann die Einstellung oft schneller erfolgen. darüberhinaus gibt es Einzel- und Gruppengespräche, kreative Therapien und Sport. Der Kontakt der Patienten untereinander ist oft auch ein wichtiger Anstoß für die Überwindung der Depression. Der Behandlungsverlauf wird sicher einige Wochen in Anspruch nehmen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn alles Gute.
Dr. U

hallo,

da die depression deines sohnes mit den beiden genannten medikamenten nicht behandelbar war, dein sohn aber so eingeschränkt ist durch die krankheit, dass er sein studium nicht fortführen kann, ist es ganz vernünftig, dass er in eine klinik gegangen ist. hier findet er abstand von allen alltagsbelastungen. nach meiner erfahrung wird in der klinik zuerst eine genaue diagnose gestellt, was für die weiterbehandlung sehr wichtig ist, und dann wird er medikamentös eingestellt, d.h. man versucht das medikament zu finden, welches ihm hilft. gleichzeitig finden in der regel therapeutische gespräche bzw gruppenstunden statt. mein letzter aufenthalt hat etwas mehr als drei monate gedauert; es gab auch patienten, die länger da waren.
dass er im moment keinen kontakt zu dir hat tut sicherlich weh und macht dir sorgen. auch ich hatte damals die erste zeit keinen kontakt zu meiner familie. es hat mich entlastet, da ich mich bei jedem besuch so zusammengerissen hätte, damit sich z.b. meine tochter nicht so grosse sorgen macht. und das hätte wieder mich belastet. es ist schwer, aber nimm es erstmal so, wie es ist.

ich wünsche dir kraft.
viele grüsse

Sie haben mir wegen der Depression Ihres Sohnes, der sich deswegen in stationärer Behandlung befindet, die Frage gestellt, „was da normalerweise gemacht
wird“.

Wenn Sie befürchten, dass dort etwas geschieht, von dem Sie annehmen, dass es Ihrem Sohn schadet oder nicht hilft, sollten Sie sich zunächst bei dem Chefarzt/ der Chefärztin erkundigen, was überhaupt geschieht. Vielleicht wäre für Sie ein guter Rat, sich einer Angehörigen-Gruppe anzuschließen.

Gute Bessserung für Ihren Sohn

Dr. R. Bolk

Hallo, erst einmal muß ich mich entschuldigen, dass ich erst heute antworte.
Mein Computer war ausgefallen.
Eine Depression hat ca. eine Inkubationszeit von 13 Monaten.
Das schreibe ich nur, damit sie sich keine Hoffnung machen, das es schnell wieder weg ist. Bei den Medikamenten ist es so, das man wirklich ausprobieren muß welches für ihren Sohn das Beste ist. Also, auf welches Medikament er anschlägt. (Deswegen sagen viele Menschen: psychisch Kranke seien Versuchskaninchen). Doch es gibt tausende von Antidepressiva. Man muß sich das so vorstellen, das es zum Beispiel tausende von verschiedenen Bäumen gibt, alle sind grün und alle produzieren Sauerstoff, doch nur einer hat die gleichen Blätter. So ist das mit der Medikation, und die muß man erst mal finden. Und wenn man sie gefunden hat, dauert es ca. 3 bis 4 Wochen, das der Kranke was davon spürt. Und dies leider nur gaaaanz langsam. Aber eine Depression ist zu Behandeln. Manchmal dauert der nächste depressive Schub 10 bis 15 Jahre. So lange leben die Kranken ganz normal. Doch lassen sie sich nicht erzählen, das man eine Depression Heilen kann.
Wenn ihr Sohn jetzt in der Klinik ist, ist es gut so. Denn so hat er das Gefühl:" Hier darf ich krank sein, und mich krank fühlen und weinen und mich zurück ziehen…"
Und hier kann ich auch mal allein sein und nicht alle 5 Minuten steht die Mutter vor mir und fragt mich wie es mir geht, oder ob es mir besser geht, oder was sie für mich tun kann??
Sie müssen sich keine Sorgen machen, wenn er sie nicht sehen möchte. Geben sie ihm Zeit, das braucht er. Er kämpft mit sich selber und stellt sich die Fragen, die sie sich selbst auch stellen. Warum ich, wie kann das kommen? Warum sieht keiner das es mir schlecht geht? Warum geht es mir überhaupr schlecht? Der ganze Kopf ist zu mit Fragen und Gedanken. Es ist wirklich nur schwer zu ertragen.
Ich weiß nicht ob sie rauchen und schon mal versucht haben aufzuhören. Dann ist jeder Gedanke…jetzt ne Zigarette!.. oder wenn mal eine Diät machen will, dann sieht man nur noch Essen, egal wo. In der Werbung oder die Freundin redet von Torte, der Kollege hat plötzlich einen Schokoriegel und man kann an nichts anderes denken als ans Essen, fast so ist es mit den Gedanken im Kopf ihres Sohnes. Jemehr er versucht nicht dran zu denken, umso mehr denkt er dran und wenn er nicht versucht nicht dran zu denken denkt er sowieso. Woran ist egal, doch es ist oder sind Gedanken die einen runterziehen. Man kommt ganz schlecht aus diesem Kreislauf raus, es sei denn, man verabschiedet sich aus diesem Leben.
Doch auch dieser Gedanke kann Jahre dauern und ein ewiger Kampf im Kopf sein, den man leider nicht steuern kann. Wenn ihr Sohn in der Klinik ist, kann man schneller seine Suizidalität abfangen. Ihm z.B. Beruhigungsmittel geben, aber bitte bitte keine Angst, diese werden später wieder rausgenommen. Wenn diese Medikamente dann etwas wirken gibt es Gesprächstherapien, indem er seinen Psychologen erzählen kann was ihn bedrückt oder einfach nur zuhört. Denn bei dem Psychologen erkennt ihr Sohn, dass eine „Neutrale Person“ ihm zuhört und nicht jemand aus der Familie oder des Freundeskreis. Denn immerhin darf man ja nicht krank sein. Vor allem keine Depression haben, denn das ist was psychisches und das ist man selber Schuld oder …jedenfalls wird die Psychiatrie immer noch verschrien. Es ist wie ein Abzess. Er geht auch zu Beschäftigungstherapie wie z. B. Wasser treten, Schwimmen, Malen, Basteln, u.s.w. Alles in der Gemeinschaft, damit er sieht, er ist nicht allein mit seiner Krankheit. Da gibt es noch andere. Mit denen kann er sich austauschen und er wir langsam lernen und auch erkennen, das dies eine Krankheit ist, die er akzeptieren muß. Wie z.B. wenn er plötzlich blind würde.
Ihm werden Wege aufgezeigt, die den nächsten depressiven Schub verzögern oder sogar auffangen kann, bis es „KLICK“ im Kopf macht und er entlich sagt…Ich will wieder nach Hause, mir geht es gut?
Und dann wird das auch wieder mit dem Studium klappen. Ich würde mit den Doktor einen Termin machen, ob es Sinnvoll wäre 1/2 Jahr im Studium auszusetzen.
So, jetzt habe ich mal viel geschrieben. Ich hoffe ich konnte ihnen etwas helfen. Übrigens arbeite ich nicht nur in einer Psychiatrie, ich bin selber Depressiv und habe auch schon einen Suizidversuch hinter mir. Ich bin jetzt gut eingestellt mit den Medikamenten. Und wie sie merken,…mir geht es gut und ich kann arbeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Lydia

Vielen Dank für die ausfühliche Info
Barbara

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