Depression aus Glück

Hi Yoyi!

sorry, aber ich muß leider wiedersprechen: wenn es eine
endogene Depression ist, hilft akut kein Arbeiten an der

[rest snipped]

Depression ist übrigens, was viele Laien falsch verstehen,
nicht gleichzusetzen mit Verzweiflung. Wesentliche Symptome
von Depressionen sind auch Antriebsarmut, Erschöpfung, auch
das Fehlen von Emotionen. Einfach ein tiefes, schwarzes Loch,
ein Nichts.

Ich gehe mal davon aus, dass du nicht sagen möchtest, dass es nur bei endogenen Depressionen dieses Nichts, diese schwarze Loch gibt, oder?
Was man vielleicht implizit folgern könnte, insbesondere wenn man sich noch nicht soviel mit dem Thema Depression und seinen „offiziellen“ Differenzierungen befasst hat.
Ich erwähne das deswegen, weil’s vielleicht ganz gut wäre, wenn ein naives Auge beim Lesen nicht gleich auf die Idee kommt: „Huch, jau! Fehlen von Emotionen, antriebsarm, schwarzes Loch - kenn ich. Bin ich also endogen.“

Schönen Gruß,
Christiane

(die ebenfalls keine Psycho-Dingsda ist, aber mal selbst im schwarzen Loch war, jedoch weder als endogen diagnostiziert wurde, noch Medikamente genommen hat - und jetzt sag keiner, mein schwarzes Loch war nur grau! :wink:)

Meine Frage dazu : Wie kamst du da wieder raus???

Schönen Gruß,
Christiane

(die ebenfalls keine Psycho-Dingsda ist, aber mal selbst im
schwarzen Loch war, jedoch weder als endogen diagnostiziert
wurde, noch Medikamente genommen hat - und jetzt sag keiner,
mein schwarzes Loch war nur grau! :wink:)

Eine leichte Depression kann man (auch wenn z.B. noch Ängste
dazu kommen) gut mit Medikamenten behandeln. Bei einer
schweren ist meist noch eine Psychotherapie erforderlich.
Diese Medikamente machen nicht abhängig, sie verändern den
Menschen auch nicht ! Es ist nur so, wie bei anderen
Medikamenten auch : Es fehlt of ein Botenstoff im Hirn, und
das Medikament stellt das wieder her (vereinfacht ausgedrückt)

Keine Angst und Kopf hoch ! Es ist völlig normal.

Gruss Hans-Jürgen
***

Hi Hans!

Danke nochmal für deine liebe Antwort… hat mich doch ziemlich beruhigt.
Der gedanke, dass mein „Glück“ davon abhängt, wieviele Tabletten ich nehme, ist nicht gerade erfreulich…aber bin momentan zu allem bereit, damit es wieder so wird wie noch vor einer Woche (schockierende Wahrheit kam mir heut im Zug … meine Psyche scheint mir nen Bein stellen zu wollen. )
Nun ja, ich versuch gerade, den Kopf freizukriegen. hab ein bissel abstand, will alles wieder neu schätzen lernen (so tief von drinnen, nicht mit logik… ich weiß ja, dass alles wunderschön sein kann).

Ich hoffe nur, dass ich jetzt auch nen Termin morgen oder Freitag bekomme…

Grüße,
Veil

Hi, Frau Kollegin,

wenn du es auf die Goldwaage legen willst, unterscheiden wir bei den Depressionen natürlich nicht mehr nach „endogen“, „reaktiv“, „neurotisch“, denn die ICD10 sieht diese Unterscheidung nicht mehr vor.

Bei minderschweren Depressionen („Depressive Verstimmung“) reichen häufig entweder einfaches Abwarten oder einfache verhaltensterapeutische Eingriffe. Trotzdem werde ich, egal, auch bei milden Ausprägungen, immer empfehlen, einen Psychiater zu konsultieren. Besser einmal zuoft zum Arzt gerannt, als in eine suizidale Krise mit nachfolgender vollstationärer Behandlung geschlittert, finde ich.

Gruß

Yoyi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Meine Frage dazu : Wie kamst du da wieder raus???

Hallo Veil,

leider nur eine kurze Antwort, weil ich recht müde bin und morgen früh raus muss.

Meinst du, wie ich aus einer „akuten Phase“ rauskam? Meine Oma hätte vielleicht gesagt: „Mit Geduld und Spucke“, aber das trifft es nur zum Teil.

Ich habe über Jahre unglaublich viel Tagebuch geschrieben und im Nachhinein denke ich, dass das auch in gewissem Sinne therapeutisch war. Außerdem habe ich streckenweise mit guten FreundInnen geredet, geredet, geredet - auch das hat geholfen. Irgendwann auch Sport gemacht - dürfte seinen Teil dazu getan haben. Und dann habe ich angefangen, alle möglichen psychologischen und populär-psychologischen Bücher zu lesen. Eine Zeit lang war ich auch Teil eines Online-Meetings einer Art Selbsthilfegruppe. Von dort habe ich ein paar wichtige Gedanken und „Regeln“ zum Umgang mit mir selbst und anderen mitgenommen. Ich habe mehr und mehr über mich selbst gelernt.
Irgendwann hatte ich dann auch einen Therapeuten - er war sehr hilfreich. Schwarze Löcher halten nicht an und das Gute am Ganz-unten-Sein ist, dass es dann eigentlich nur noch eine Richtung gibt: nach oben. Kein Elend währt ewig. Das hört sich wie eine dämliche Stammtischwahrheit an, aber es ist tatsächlich etwas dran. Es braucht nur meistens Zeit, bis man lernt (oder zulässt), das auch so zu fühlen.

Allerdings gibt es kein Patentrezept und jede/r ist ganz individuell. Bei einem Bekannten von mir ging es definitiv nicht ohne Medikamente. Erst die konnten ihm Kopf und Seele soweit frei machen, dass er sich mit sich und seiner Situation produktiv auseinandersetzen konnte.

Das Einzige, was ich dir wirklich raten könnte, wäre: Bleib in Kontakt mit anderen, sprich mit ihnen, schreib auf, wie’s dir geht, erzähle es. Nur du kannst rausfinden, was du tun und was du alles ausprobieren möchtest, um aus deinem Loch herauszukommen, aber andere können dich dabei unterstützen.

Viel Kraft!
Christiane

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Hi, Frau Kollegin,

Hi Yoyi,

wie gesagt: nix Kollegin! :smile:

Nochmal kurz, warum ich diese meine letzten Worte an dich niederschrieb: Wahrscheinlich, weil ich einen Differenzierungsknall habe und meine Erfahrung ist, dass es bei Leuten, die noch nie etwas mit der Materie zu tun hatten, manchmal dazu kommen kann, dass sie nur die großen Worte hören, mit denen sie sich noch nie wirklich befasst haben, die sich aber gerade deswegen so unglaublich dramatisch anhören. Und vor lauter Ehrfurcht vorm großem Wort und der Dramatik geht dann vielleicht auch mal die eigentliche Aussage flöten.

Bei minderschweren Depressionen („Depressive Verstimmung“)
reichen häufig entweder einfaches Abwarten oder einfache
verhaltensterapeutische Eingriffe. Trotzdem werde ich, egal,
auch bei milden Ausprägungen, immer empfehlen, einen
Psychiater zu konsultieren. Besser einmal zuoft zum Arzt
gerannt, als in eine suizidale Krise mit nachfolgender
vollstationärer Behandlung geschlittert, finde ich.

Da stimme ich dir vollkommen zu.
Nur eine kleine Frage am Rande: Warum eigentlich immer der Psychiater? Was ist falsch an diplomierten Psychologen?

Und jetzt aber gut Nacht,
Christiane

Hi,

Nur eine kleine Frage am Rande: Warum eigentlich immer der
Psychiater? Was ist falsch an diplomierten Psychologen?

als Behandlungsformen bei Depressionen kommen vor allem

  • Psychotherapie (v.a. kognitive Verhaltenstherapie),
  • medikamentös Behandlung mit Antidepressiva,
  • ergänzend andere Maßnahmen (zB Joggen, körperliche Aktivität hilft!)

in Frage.

Zu empfehlen ist vor allem eine Kombination von Antidepressiva und kognitiver Verhaltenstherapie.

Psychotherapie kann durch Ärzte (mit einschlägiger Gebiets-oder Zusatzbezeichnung) oder durch Diplom-Psychologen erfolgen. Die medikamentöse Behandlung kann nur durch Ärzte erfolgen. Deswegen ist der Gang zum Arzt unvermeidlich.

Ich hab wirklich nichts gegen Psychologen, aber bei den Krankheitsbildern, die eine organische Komponente haben, sind eben Ärzte prädestiniert.

Gruß

Yoyi

der Herr Doktor sagt …
Habe mich eben selbst übertroffen und beim Arzt nicht angefangen zu heulen … naja, aber fast, hat er auch gemerkt…
Nach einem kurzen Gespräch (soweit es zumindest ging), hat er mir gesagt, dass es ihm nach ner Depression aussieht. Kam auch das Stichwort Morgendepression zur Sprache (naja, es geht mir allerdings erst so am 20Uhr verhältnismäßig gut).
Hab nun Tabletten bekommen, ziemlich starke, zumindest darf ich die Dosis nur alle vier Tage erhöhen, bis zu zwei Tabletten dann. Für Johanniskraut hat’s anscheinend nicht mehr ganz gereicht =)

Ursachen sieht er übrigens in der Verlust-Angst… also ähnlich wie bei dir. Ich steiger mich total in meine Panik hinein, und distanzier mich dadurch selbst und bestätige meine Angst.

Sehe da doch Parallelen zu dir, also gar nicht schlecht geurteilt … danke auf jeden Fall nochmal für deinen Rat!

Liebe Grüße,
Veil

Hi Yoyi !

Meine Entscheidung war nun: Ein Facharzt für Neurologie, Psychatrie und Psychotherapie, dazu noch Diplom Psychologe. Da musste was für mich dabei sein… neneee, so nun auch nicht. Jedoch hab ich beim Durchforsten des Branchenbuchs rausgefunden, dass Psychater sehr rar sind… und zudem heute keine sprechstunde haben.
Und ich bin zufrieden mit dem Resulatat. Hat mir geholfen, was er gesagt hat, und das mit den Medikamenten wird man dann sehen. Messung der Hirnströme steht auch noch an. Nun jaa…habe Hoffnung!

Liebe Grüße,
Veil

Hi,
besser zum Psychiater, eine Depression gehört zum Psychiater.

Es haben viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel mehr Menschen eine
seelische Erkrankung (z.B. Depression), als dies zugeben. Das

Ja, sowohl Psychosen als auch endogene Depressionen sind an
und für sich sehr häufig auftretende Krankheiten.