Depression -Klinikaufenth. bei Remission sinnvoll?

Hallo, vielleicht kann mir jemand helfen.

Ich habe relativ kurzfristig (jedenfalls im Vergleich zu den „normalen“ Wartezeiten) einen Platz in einer psychosomatischen Klinik bekommen. Nächste Woche geht es los. Ich bin seit Anfang November in ambulanter Psychotherapie, wobei wir mit der Therapie noch nicht wirklich beginnen konnten, dafür war ich „zu akut“. Meine Therapeutin hat bisher immer nur die akuten Flächenbrände im Zaum gehalten. Seit letzter Woche sei ich nun erst therapierbar. Jetzt fühle ich mich eigentlich fast wieder gesund. Ich bin wieder Mensch, weine kaum noch und bin wieder Teil des Lebens. Wenn auch vorsichtig. Aber im Vergleich zu den letzten 4 Monaten, in denen ich 15 kg abgenommen habe und eigentlich nichts anderes als geweint habe, Angstattacken hatte und nicht mehr dieses Leben leben wollte geht es mir jetzt wirklich wieder sehr gut! Und jetzt weiß ich nicht, ob eine stationäre Therapie in einer psychosomatischen Klinik noch erforderlich ist. Ich möchte ja auch niemandem den Platz wegnehmen. Sind in diesen Kliniken nur akute Fälle? Oder gehen durchaus auch Menschen dorthin, die einfach noch ein bisschen stabiler werden wollen nach einer Krankheit?

Danke für eure Antworten!
Eilo

Hallo,
nein, in der Regel sind die Kliniken nicht nur für akute Situationen (Ausnahme sind die Akutstationen in Psychiatrien) - sondern es geht grade in psychosomatischen Kliniken darum stabiler zu werden.

Deine Therapeutin sagte dir, dass du erst jetzt „therapiefähig“ bist - also wenigstens wieder ein bisschen Boden unter den Füßen hast?

Dann nutz die Chance, gehe dort hin und stabilisiere dich weiter :smile:

Irgendwann geht es dann auch darum wie du in Zukunft mit solchen Tiefs umgehen kannst, doch dazu brauchst du mehr als nur „grade so stabil“.

Du nimmst da niemand den Platz weg - nimm diese Hilfe an und ich wünsche dir viel Erfolg!

liebe Grüsse
abira

ja, das sagt mir irgendwie jeder… Und ich denke ja auch, dass es mir helfen kann und wird. Aber diese Zweifel machen mich wahnsinnig!! Wahrscheinlich spricht überhaupt nichts dagegen, vor allem auch, weil mein Arbeitgeber mir alle Zeit der Welt gegeben hat und mir immer wieder sagt, dass ich, egal wie lange ich noch brauche, immer eine Stelle dort bekomme, die zu mir und meinem Gesundheitszustand dann passt. Mehr kann man wohl von seinem AG nicht erwarten… Außerdem hat mich mein Partner (wir leben zusammen) während der Zeit quasi rausgeschmissen. Da ich neu in der Stadt bin, habe ich kaum Möglichkeiten irgendwo unterzukommen. Und der Umzug und die Trennung an sich und dann irgendwann der „neue“ Job…das wirkt alles so groß und mächtig auf mich, dass es wahrscheinlich nicht schaden kann, wenn ich noch mehr stabilisiert werde… Trotzdem habe ich immer wieder diese Zweifel…und denke mindestens 2 mal in der Stunde daran, den Platz in der Klinik abzusagen.

Hallo,

dann hast du doch die Antwort :smile:

Es zeigt dass es dir nicht gut geht - und es liegt an dir ob du daran was ändern möchtest.

Wenn du möchtest das es dir besser geht - weißt du dass du in die Klinik gehen solltest.

Die Depression verschleiert den Blick (ich weiß nicht inwieweit du über die Erkrankung an sich informiert bist) - auch das zeigt, dass du da noch sehr drin steckst und Hilfe brauchst um raus zu kommen.

Aber es liegt an dir diese Hilfe anzunehmen.

liebe Grüsse
abira

Hallo Eilo,

eine stationäre Behandlung ist einerseits zumeist intensiver (tägliche und unterschiedliche Therapieangebote im Einzel- und Gruppensetting), dies ist in einer ambulanten Behandlung so nicht zu leisten. Zum anderen bietet eine stationäre Behandlung den Vorteil, dass man sich auf die Behandlungsangebote meist besser einlassen kann, da alltägliche Belastungen wegfallen. Letzteres kann aber auch ein Nachteil sein, wenn es nämlich darum gehen soll, das in der Therapie erlernte im Alltag anzuwenden. Manchmal ist man im Rahmen eines stationären Aufenthaltes auch zu gut „beschützt“, denkt, dass man nun alles gelernt hat und fällt dann quasi aus allen Wolken, wenn wieder der Alltag mit allen damit verbundenen Belastungen beginnt.

Ob nun zunächst eine ambulante Weiterbehandlung oder eine stationäre Therapie geeigneter sind, hängt also von vielen verschiedenen Faktoren ab: Schwere der Symptomatik, Belastungen und Ressourcen im alltäglichen Umfeld, bisheriger Krankheits- und Therapieverlauf usw.usw.

Aus der Ferne kann ich daher natürlich nicht wirklich beurteilen, inweiweit eine stationäre Behandlung bei Dir indiziert ist. Mir stellt sich schon einmal die Frage, wodurch Du wieder stabiler geworden bist, unter welchen Symptomen Du genau gelitten hast, wie und warum sich diese in Deiner Lebensgeschichte entwickelt haben usw. usw. (Möglicherweise bist Du ja auch noch gar nicht so stabil und gesund, wie Du meinst…)

All diese Fragen sollte Deine Therapeutin jedoch besser beantworten können, so dass sie für Deine Anfrage eigentlich der richtige Ansprechpartner scheint. (Ein Vertrauensverhältnis zwischen Euch dabei mal vorausgesetzt. Sollte es daran hapern, kann ich Dich nur ermutigen, auch dies mit ihr zu besprechen!)

Du siehst also, so einfach ist Deine Frage leider nicht zu beantworten, ich hoffe jedoch, Dir trotzdem etwas weiter geholfen zu haben.

Jörg

auf jeden Fall den Klinikaufenthalt antreten !
du lernst dich besser kennen
du findest die für dich passende Entspannungsmethode (in der Klinik kannst du alle ausprobieren,zu Hause dann die gefundene immer wieder anwenden)
ich habe sogar eine gleichgesinnte Freundin getroffen,wir treffen uns seit dem Klinikaufenthalt regelmäßig und genießen das Leben,obwohl wir 600 km auseinander wohnen !
der Klinikaufenthalt wird auch dir neue Horizonte öffnen !

blues

Hallo Jörg,

vielen Dank für deine Antwort. Ich muss ein bisschen ausholen um das zu erklären und auch um zu erklären, warum ich meine Therapeutin momentan nicht befragen kann (was ich schon getan habe, letzte Woche…). Also, angefangen hat es im Oktober letzten Jahres mit einem Burnout-Syndrom. ICh war einfach fertig und das einzige was ich noch im Kopf hatte war „ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann das alles nicht mehr…“. Mein Hausarzt wollte mich nach 10 Tagen in eine Psychatrie einweisen. Das habe ich als absolute Frechheit empfunden. Also habe ich mich zusammengerissen, zwei Tage telefoniert und endlich einen Termin bei einer Psychotherapeutin bekommen. Ich wollte nur wissen, was mit mir los ist. Warum ich so viel weine, nicht mehr kann, nicht mehr schlafen kann usw. Ihr erzählte ich meine Geschichte (inkl. aller für mich untypischen Krankheiten in den Monaten zuvor), dass ich mich nur noch erbreche, seit Monaten unter Durchfall leide, nicht schlafen kann, so viel weine und selbst nicht weiß, was los ist mit mir. Dass ich mich nicht so anstellen möchte, ich es aber nicht mehr im Griff habe. Und meine Panikattacken inkl. Atemnot, Herzrasen und der absoluten Überzeugung sofort sterben zu müssen. Gut, sie nahm mich auf und wir machten erst einmal viele Tests und Fragebögen und all das. Sobald ich bei ihr eine Stunde hatte, bin ich jedes Mal völlig zusammengebrochen. Das bin ich zu Hause zwar auch, aber bei ihr dann - aufgrund des Verständnisses - immer wieder völlig. Seit Januar habe ich die Panikattacken „im Griff“, d. h. ich habe kaum noch welche und wenn sich etwas anbahnt, schaffe ich es immer öfter, sie „wegzuatmen“. ABer zwischen Oktober und Ende Januar…ich kann kaum noch etwas dazu sagen. Es war die Hölle. Kein Schlaf. Kein Essen. Keinen Sinn und natürlich den intensivsten Wunsch nicht mehr zu sein. Da mein Partner von Anfang an überhaupt kein Verständnis hatte und mich mit Füßen getreten hat (sinnbildlich aber auch bildlich gesprochen), mich immer wieder rausgeschmissen hat, mir eingeredet hat, ich stelle mich nur an, ich solle mich für ihn schön machen und mein verheultes Gesicht kotzt ihn an usw. usf. bin ich seit Januar immer wieder zu meiner Familie gefahren (500 km entfernt). Mit dem Zug natürlich. Es hat mich oft selbst gewundert, dass ich IN den Zug gestiegen bin. Aber das war eine Phase, in der ich einfach funktioniert habe. Wenn mir jemand gesagt hat „dann und dann den und den Termin“ dann habe ich das getan. „Dann und dann der und der Zug“ und ich habe mich reingesetzt. Da die Klinik von hier leichter zu erreichen ist als von meinem Wohnort, bin ich momentan wieder bei der Familie. Daher kann ich keine Stunden bei meiner Therapeutin wahrnehmen, momentan. Letzte Woche war ich nochmal bei ihr und habe ihr von den Zweifeln erzählt. Sie meinte natürlich, dass ich auf jeden Fall in die Klinik soll, dass es mir helfen wird. Vor allem auch, weil so viel auf mich zukommen wird (Auszug beim „Partner“, neuer Job, neue Wohnung, immer noch neue Stadt für mich, Trennungsverarbeitung…) Trotzdem habe ich unendlich viele Zweifel. Ich habe einfach kein Gespür mehr für mich, weiß nicht was richtig und was falsch ist. Körperlich geht es mir besser. Schlafen ist noch nicht so richtig optimal und mein Gewicht ist immer nur an der aller untersten Grenze. Aber ansonsten geht es schon viel besser. Und meine Gedanken sind auch wieder viel positiver. ICh habe Angst vor alle dem, was auf mich zukommt, aber das ist wohl normal. Und jetzt denke ich eben ständig „jeder andere würde das (Umzug, neuer Job, etc.) auch ohne Hilfe hinbekommen“ oder „die Therapeuten in der Klinik fragen mich bestimmt, was ich da will, mir geht es doch wieder gut“ oder "vielleicht habe ich es überstanden und bin vollkommen „geheilt“ oder oder oder. Da sind Millionen Gedanken. Ich weiß es einfach nicht. ICh weiß, dass ich im Vergleich zu den ganz schlimmen Monaten einfach wieder nahezu „normal“ bin. Aber sind so viele Zweifel für „gesund“ normal? Ich weiß es einfach nicht…

Danke für deine Hilfe.
Eilo

Hallo Eilo,

alles was du schreibst klingt momentan für mich so, als solltest Du das Angebot einer stationären Behandlung dringend annehmen.

Zu Deinen Zweifeln: Nicht „jeder Andere“ leidet wie Du unter einer so ausgepägten Angstsymptomatik. Dú kannst Dich nicht mit psychisch Gesunden vergleichen. Wenn Du ein gebrochenes Bein hättest würdest Du dann auch sagen, „Jeder andere geht zu Fuß zur Arbeit.“ ??? Begehe nicht den Fehler Deines Partners, nämlich psychische Erkrankungen nicht ernst zu nehmen und als Wehleidigkeit o.ä. abzustempeln.

Das „Wegatmen“ der Angtsattacke hilft meiner Erfahrung nach nur begrenzt, ein diesbezüglicher Rückfall, also ein Wiederkehren der Panikattacken scheint daher mehr als wahrscheinlich, wenn Du diesbezüglich nicht weiter therapeutisch an Deiner Angst arbeitest.

Die biografischen und persönlichen Hintergründe und Zusammenhänge Deiner Eerkrankung scheinst Du noch nicht so ganz für Dich verstanden zu haben. Aus meiner Sicht gibt es also für eine stationäre behandlung mehr als genug zu tun, zumal Du momentan die begonnene ambulante Behandlung nicht weiterführen kannst.

Jörg

vielen Dank für deine Antwort. Ich muss ein bisschen ausholen
um das zu erklären und auch um zu erklären, warum ich meine
Therapeutin momentan nicht befragen kann (was ich schon getan
habe, letzte Woche…). Also, angefangen hat es im Oktober
letzten Jahres mit einem Burnout-Syndrom. ICh war einfach
fertig und das einzige was ich noch im Kopf hatte war „ich
kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann das alles nicht
mehr…“. Mein Hausarzt wollte mich nach 10 Tagen in eine
Psychatrie einweisen. Das habe ich als absolute Frechheit
empfunden. Also habe ich mich zusammengerissen, zwei Tage
telefoniert und endlich einen Termin bei einer
Psychotherapeutin bekommen. Ich wollte nur wissen, was mit mir
los ist. Warum ich so viel weine, nicht mehr kann, nicht mehr
schlafen kann usw. Ihr erzählte ich meine Geschichte (inkl.
aller für mich untypischen Krankheiten in den Monaten zuvor),
dass ich mich nur noch erbreche, seit Monaten unter Durchfall
leide, nicht schlafen kann, so viel weine und selbst nicht
weiß, was los ist mit mir. Dass ich mich nicht so anstellen
möchte, ich es aber nicht mehr im Griff habe. Und meine
Panikattacken inkl. Atemnot, Herzrasen und der absoluten
Überzeugung sofort sterben zu müssen. Gut, sie nahm mich auf
und wir machten erst einmal viele Tests und Fragebögen und all
das. Sobald ich bei ihr eine Stunde hatte, bin ich jedes Mal
völlig zusammengebrochen. Das bin ich zu Hause zwar auch, aber
bei ihr dann - aufgrund des Verständnisses - immer wieder
völlig. Seit Januar habe ich die Panikattacken „im Griff“, d.
h. ich habe kaum noch welche und wenn sich etwas anbahnt,
schaffe ich es immer öfter, sie „wegzuatmen“. ABer zwischen
Oktober und Ende Januar…ich kann kaum noch etwas dazu sagen.
Es war die Hölle. Kein Schlaf. Kein Essen. Keinen Sinn und
natürlich den intensivsten Wunsch nicht mehr zu sein. Da mein
Partner von Anfang an überhaupt kein Verständnis hatte und
mich mit Füßen getreten hat (sinnbildlich aber auch bildlich
gesprochen), mich immer wieder rausgeschmissen hat, mir
eingeredet hat, ich stelle mich nur an, ich solle mich für ihn
schön machen und mein verheultes Gesicht kotzt ihn an usw.
usf. bin ich seit Januar immer wieder zu meiner Familie
gefahren (500 km entfernt). Mit dem Zug natürlich. Es hat mich
oft selbst gewundert, dass ich IN den Zug gestiegen bin. Aber
das war eine Phase, in der ich einfach funktioniert habe. Wenn
mir jemand gesagt hat „dann und dann den und den Termin“ dann
habe ich das getan. „Dann und dann der und der Zug“ und ich
habe mich reingesetzt. Da die Klinik von hier leichter zu
erreichen ist als von meinem Wohnort, bin ich momentan wieder
bei der Familie. Daher kann ich keine Stunden bei meiner
Therapeutin wahrnehmen, momentan. Letzte Woche war ich nochmal
bei ihr und habe ihr von den Zweifeln erzählt. Sie meinte
natürlich, dass ich auf jeden Fall in die Klinik soll, dass es
mir helfen wird. Vor allem auch, weil so viel auf mich
zukommen wird (Auszug beim „Partner“, neuer Job, neue Wohnung,
immer noch neue Stadt für mich, Trennungsverarbeitung…)
Trotzdem habe ich unendlich viele Zweifel. Ich habe einfach
kein Gespür mehr für mich, weiß nicht was richtig und was
falsch ist. Körperlich geht es mir besser. Schlafen ist noch
nicht so richtig optimal und mein Gewicht ist immer nur an der
aller untersten Grenze. Aber ansonsten geht es schon viel
besser. Und meine Gedanken sind auch wieder viel positiver.
ICh habe Angst vor alle dem, was auf mich zukommt, aber das
ist wohl normal. Und jetzt denke ich eben ständig „jeder
andere würde das (Umzug, neuer Job, etc.) auch ohne Hilfe
hinbekommen“ oder „die Therapeuten in der Klinik fragen mich
bestimmt, was ich da will, mir geht es doch wieder gut“ oder
"vielleicht habe ich es überstanden und bin vollkommen
„geheilt“ oder oder oder. Da sind Millionen Gedanken. Ich weiß
es einfach nicht. ICh weiß, dass ich im Vergleich zu den ganz
schlimmen Monaten einfach wieder nahezu „normal“ bin. Aber
sind so viele Zweifel für „gesund“ normal? Ich weiß es einfach
nicht…

Danke für deine Hilfe.
Eilo


Hallo Eilo,

was meint denn Dein Therapeut zu einem Klinikaufenthalt? Der sollte Dich in dieser Hinsicht eigentlich am besten einschätzen können!

Nach meinen Erfahrungen findet man in den meisten Kliniken zur stationären Psychotherapie alle möglichen Problematiken in unterschiedlicher Ausprägung. Vorrangig sind es zumeist aber die mittleren bis schwereren Fälle. Es ist auch keineswegs unüblich unmittelbar nach einer akuten Krise stationär betreut zu werden.

Ist denn die Besserung Deiner Beschwerden nur auf die Einwirkung Deiner Psychotherapeutin zurückzuführen oder nimmst Du auch Psychopharmaka?

Wäre ein Klinikaufenthalt denn für Dich teilweise problematisch? Arbeitest Du? Wenn JA, was würde Dein Arbeitgeber sagen? Hast Du Kinder zu versorgen? Leidet Deine Ausbildung/Studium darunter? Etc.

Interessant wäre sicherlich auch die Frage, wie stabil Dein momentaner Zustand längerfristig ist. Eine hohe Rückfallneigung wäre sicherlich auch eine wichtige Indikation für einen stationären Aufenthalt.

Liebe Grüße

Heinz

Hallo Eilo,

ich bitte die späte Rückmeldung zu entschuldigen, hatte gestern sozusagen „Spätdienst“ …

Um Deine Frage eindeutig zu beantworten, müßte ich eigentlich mehr Informationen haben. Grundsätzlich ist es schon so, dass man auch Patienten in nicht mehr akuter Verfassung in die Klinik schicken kann. Zumal, wenn die Krankheitssymptome so schwerwiegend waren wie offenbar in Deinem Fall. Es handelt sich ja offenbar nicht um einen stationären Behandlungsplatz in der „Akutpsychiatrie“, sondern um eine psychosomatische Klinik mit einem größeren Angebot auch an psychotherapeutischen Möglichkeiten (im Vergleich zur Pharmacotherapie, die akutpsychiatrisch oft erst einmal im Vordergrund steht, oft in Verbindung mit eher tagesstrukturierenden, stabilisierenden und „zudeckenden“ Therapieangeboten.)

Ich nehme an, das ganze war als depressive Episode diagnostiziert worden. Du hast ja wirklich eine schlimme Zeit hinter Dir. Um nun zu beurteilen, ob es eine höchstwahrscheinlich einmalige Krankheitsepisode war, kommt es ebenfalls auf die weiteren Umstände an. Ob Du bisher insgesamt psychisch gesund und stabil warst, normal leistungsfähig, frei von Suchtmittelkonsum usw. Ob es körperliche Mitursachen für die Krankheitsepisode gab (wenn ja welche, und sind sie behoben?) und wodurch das Krankheitsgeschehen (Ängste und Depressivität) überhaupt ausgelöst wurde. Falls man die Ursache überhaupt feststellen kann …? Es gibt auch Menschen, die sind genetisch vorbelastet, Anhaltspunkte können weitere depressiv veranlagte nahe Angehörige sein, bzw. auch Kriterien beim Krankheitserleben legen manchmal „endogene“ Ursachen nahe. Oder gab es ein kritisches Lebensereignis (bzw. eine Summe kritischer Faktoren), die das ganze nachvollziehbar rein psychoreaktiv verursacht haben? Wenn ja, ist das Problem jetzt gelöst und ausgestanden?
Und: wie sind Deine sonstigen Lebensbedingungen? Gibt es ein gutes soziales Netz (Partner; Angehörige, Freunde), die für Dich da sind und sich kümmern, ggf. feste Arbeit usw., was stabilisierend sein kann? Oder bist Du eher auf Dich allein gestellt oder sonstwie unter belastenden Bedingungen?

Wenn die Anhaltspunkte für eine endogene Erkrankung überwiegen, oder ungelöste krisenhafte Lebensumstände noch vorhanden sind (und vielleicht auch kein guter Job dadurch in Gefahr gerät usw.), würde ich den Klinikaufenthalt jedenfalls machen. Dann geht es darum, noch mehr über die Erkrankung zu lernen, die Selbstfürsorge zu verbessern und „Rückfallprophylaxe“ zu betreiben. Außerdem findet man in solchen Kliniken oft „Freunde für´s Leben“, die einen besser verstehen als die Leute daheim, die vielleicht noch nie psychisch krank waren, und die man auch später noch ansprechen kann.

Wenn es eine klare lebensgeschichtliche Ursache gab (oftmals: Trauerfall, Trennung, Jobverlust, Unfall …) und das Problem jetzt eventuell behoben ist, oder zumindest Besserung in Sicht ist und Du wieder eine Perspektive für Dich siehst, wäre der Aufenthalt evtl. nicht zwingend nötig. Vorausgesetzt, die sonstigen Lebensumstände sind in Ordnung und haltgebend.

Sicherlich wird auch Deine ambulante Therapeutin, die ja alle Daten kennen müßte, dazu eine Empfehlung machen.

By the way: Wurdest Du in dieser Phase auch mit Medikamenten unterstützt? Wenn ja, ist hier eine Dosierung gefunden, die hilfreich und nebenwirkungsarm ist? Falls es notwendig sein sollte, Medikamente umzustellen oder zu reduzieren, mach es (so kurz nach der heftigen Krankheitsphase) auch erst einmal besser in der Klinik.

Viele Grüße, und weiterhin gute Besserung ; ))

Dölma

Hallo Dölma,

also, Ursprung ist sicher das Verhältnis (oder nicht Verhältnis) zu meiner Mutter. Die hat, als ich 11 Jahre alt war, einfach den Kontakt zu mir abgebrochen. Passiert oft, aber wir haben als Familie zusammengelebt. Sie war da und war nicht da. Das in Kurzform. Seitdem habe ich ein Problem damit, glauben zu können, dass man mich lieben kann. Einfach so. Ohne, dass ich mich dafür „aufopfern“ muss. Tja, wie das so ist, der rote Faden … ich bin eigentlich in meinen Beziehungen immer an Männer geraten, die mich eben auch nicht „einfach so“ lieben konnten. So auch jetzt. Womit ich schon bei der nächsten Frage wäre: nein, meine Lebensumstände sind überhaupt nicht stabil. ICh habe mit meinem Partner zusammengelebt, der hat mich so schlecht behandelt in der Zeit, immer wieder rausgeschmissen, mir gesagt, ich stelle mich an, das wäre keine Krankheit, ich solle mich endlich zusammenreißen…er ist auch handgreiflich geworden. Jetzt suche ich „nebenbei“ eine Wohnung. Mein Wohnort ist nicht mein Heimatort (600 km entfernt) und ich bin relativ neu in der Stadt, also kein stabiles soziales Umfeld.

Allerdings hat mir mein Arbeitgeber alle Last von mir genommen. ICh habe 4 Jahre für ihn (den Job, meinen Chef) gelebt und mehr gearbeitet als gelebt. Da meint er jetzt wohl, er sei mir etwas schuldig. Er hat mir alle Zeit der Welt eingeräumt.

„Eigentlich“ bin ich schon recht stabil. Ich bin unter keinen guten Stern geboren, das mit meiner Mutter ist das eine, das mit den Partnern das andere. Aber ich war auch ständig krank (oft psychosomatisch - aber da muss man erstmal drauf kommen. Bis es soweit war, lag ich allen Kliniken in der Republik), hatte viel zu oft viel zu starke Schmerzen. Meine Krankenhausaufenthalte zogen sich über Jahre. Das würde jetzt zu weit führen und ich möchte keinesfalls mitleidig klingen, aber ich war sicherlich psychisch stabil für meinen Hintergrund. Bis zu diesem Zeitpunkt eben…da ist alles zusammengebrochen und das Leben hat mich sowas von in die Knie gezwungen…

Zu meiner Vorgeschichte und der Beziehung kamen auch noch innerhalb von 3 Monaten 3 Umzüge (Jobbedingt) und dann ein Pendler-Leben (350 km einfache Strecke, also 700 km mind. 1x die Woche), ein extrem hohes Arbeitspensum und die Angst, die Beziehung aufgrund der Jobsituation wieder zu verlieren. Ich wollte es jedem Recht machen und naja, irgendwann war es zu viel. Meine Eltern haben sich in der Zeit getrennt, was nicht schlimm für mich war. Schlimm war nur, meinen Vater so extrem leiden zu sehen. Dann wurde ich ständig krank (Kleinigkeiten, sehr untypisch für mich), hab das ignoriert und dann kam der Zusammenbruch.

Meine Therapeutin sagt klar „ja“ zu der Klinik. Trotzdem habe ich ununterbrochen diese Zweifel. ICh weiß, wie dreckig es mir ging. Und wenn ich mich jetzt sehe, dann kann ich nicht anders, als zu denken, dass ich wieder „ok“ bin. Aber reicht „ok“? Andere würden es (Wohnungssuche, Trennung, Umzug, „neuen“ Job (beim gleichen Arbeitgeber immerhin)) ohne Hilfe hinbekommen. Aber wenn ich darüber nachdenke, dass ich auch nur einen Tag noch mal erleben muss, aus dieser schlimmen Zeit, dann würde ich ALLES dafür tun, um es zu verhindern. Dann wieder der Gedanke, dass ich dort sicher jemandem, dem es im Moment grade wirklich schlecht geht, den Platz wegnehme. Ich bin ja ok im Moment. Ich kann sogar wieder lachen, ab und zu. ICh weine nicht mehr. Ich grübele „nur noch“ über die Klinikfrage, nicht mehr so wie vorher. Ich habe wieder Hoffnung, dass irgendwann bestimmt alles wieder besser wird. Ich denke nicht mehr ans Sterben. Ich kann noch nicht so gut schlafen und mein Gewicht ist auch noch an der Untergrenze…aber ansonsten bin ich doch „stabil“. Auf der anderen SEite empfinde ich noch so wenig. D.h. ich hab fast kein Gespür mehr für mich. „Freue ich mich wirklich, oder lache ich, weil man das so macht?“ oder „bin ich jetzt traurig, oder steiger ich mich in etwas rein?“ Ach, ich weiß auch nicht… ich will niemandem zur Last fallen und ich will niemandem, der den Platz dringender braucht etwas wegnehmen.

Jetzt habe ich schon wieder zu viel geschrieben. Entschuldige…

Ach so, Medikamente habe ich nicht genommen, nur gegen die Panikattacken. Wir wollten vor ein paar Wochen anfangen. (Anfangs wollte ich es ohne schaffen und dann war ich einfach nicht mehr dazu in der Lage…weder einen Termin auszumachen, noch mich darum zu kümmern, noch irgendwas…) Habe dann vor ein paar Wochen versucht einen Termin beim Psychiater zu bekommen, der wäre heute gewesen. Aber da jetzt der Termin mit der Klinik steht und ich ja „stabil“ bin, habe ich den Termin abgesagt und warte auf die Klinik. Zumal ich jetzt sicher keine Medikamente mehr brauche.

Vielen Dank für’s „Zuhören“ und deine hilfreichen Worte.
Eilo

Liebe Eilo,

aufgrund der langjährigen Vorgeschichte, die Dich geprägt hat (wie Du selbst ja schon weißt), der Lebenssituation und der Tatsache, dass der Arbeitgeber keine Probleme bereitet, würde ich dann ganz eindeutig sagen: ab in die Klinik! ; )
Es ist ja eher erstaunlich, dass Du so lange durchgehalten hast, als dass man sich über die Krankheitsepisode wundern müsste. Andere hätten viel früher „die Grätsche gemacht“. Ich denke, es ist allerhöchste Zeit, diese Grundüberzeugungen, die dazu führen, sich partnerschaftlich und beruflich total zu verausgaben, intensiv zu bearbeiten. Und andere Tagesstrukturen/ Freizeitverhalten aufzubauen. (Viel Zeit für „irgendwas Schönes“ und Entspannung kannst Du nicht übrig gehabt haben … )

Wünsche Dir alles Gute dabei …
Dölma

ja, vermutlich hast du recht… und ich lasse es jetzt einfach auf mich zukommen. wenn ich zu stabil für die klinik bin, dann sollen sie mich wieder nach hause schicken. dann werde ich ambulant weiter machen und meine inzwischen erkannten, aber falschen verhaltensmuster „umlenken“.

vielen dank für deine hilfe!

viele grüße
eilo

Hallo Eilo!
Leider komme ich erst heute dazu, Dir auf Deine Frage zu antworten.
Ich selbst habe im Laufe meines Lebens - ich bin 75 Jahre alt - mehrere Phasen von Depression durchlebt.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Aufenthalt in einer psychomatischen Klinik. Ich konnte damals in Einzel- und Gruppengesprächen viele Fragen stellen,
die Zeichen meiner Depression bei mir ausgelöst hatten.
Der Austausch mit gleich von der Krankheit Betroffenen hat mir gut getan.
Viele Jahre war ich auch in einer Selbsterfahrungsgruppe, die mir sehr gut getan hat.
Wenn Du dazu etwas Näheres wissen willst, schreibe ich Dir gern.
Heute noch der vielleicht hilfreiche Hinweis auf die Internetseiten des www.kompetenznetz-depression.de
Das hat mir oft weitergeholfen besonders der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.
Ich wünsche Dir, dass Dir der Aufenthalt in einer Klinik hilft, Dich zu stabilisieren, dass Du Dich wieder am Leben freuen kannst.
Ein lieber Gruß von Christine (Induk)

Liebe® Eilo,

Sie haben den akuten Zustand überwunden, das bedeutet aber noch nicht, dass ihre Psyche, oder anders ausgedrückt ihre Seele gesund ist.
Sie müssen sich das so vorstellen, ein Wald brennt und nun fängt die Feuerwehr an zu löschen, sie löscht zuerst die großen Flammen und kümmert sich viel später um die kleinen die man kaum sieht, diese Flammen können unter Blättern und Büschen lange vor sich hin schwellen und irgendwann gibt es wieder einen Brand und aus diesem Grunde beobachtet die Feuerweht den Wald und das eine ganze Weile, bevor sie wirklich wieder abzieht und ihr Job erledigt ist.

So ist es auch mit ihrer Seele, den aktuten Zustand haben sie nun überwunden, doch tief innen, da schwellt noch ein Brand, und damit es nicht wieder zu einem Feuerherd wird, sollten sie auf jeden Fall die Therapie machen - und noch mehr, sich wirklich intensiv mit ihrem Leben auseinander setzten.

Ich hoffe ich konnte ihnen helfen!
Ihnen alles Gute auf ihrem Weg

Liebe Grüße
Johanna Schlitzkus

hallo eilo,
ich kenne mich da nicht aus. ich bin psychologe in einer beratungsstelle für famlien und habe mit solchen fällen wie bei dir nicht zu tun. sorry.
gruß werner