Hallo Dölma,
also, Ursprung ist sicher das Verhältnis (oder nicht Verhältnis) zu meiner Mutter. Die hat, als ich 11 Jahre alt war, einfach den Kontakt zu mir abgebrochen. Passiert oft, aber wir haben als Familie zusammengelebt. Sie war da und war nicht da. Das in Kurzform. Seitdem habe ich ein Problem damit, glauben zu können, dass man mich lieben kann. Einfach so. Ohne, dass ich mich dafür „aufopfern“ muss. Tja, wie das so ist, der rote Faden … ich bin eigentlich in meinen Beziehungen immer an Männer geraten, die mich eben auch nicht „einfach so“ lieben konnten. So auch jetzt. Womit ich schon bei der nächsten Frage wäre: nein, meine Lebensumstände sind überhaupt nicht stabil. ICh habe mit meinem Partner zusammengelebt, der hat mich so schlecht behandelt in der Zeit, immer wieder rausgeschmissen, mir gesagt, ich stelle mich an, das wäre keine Krankheit, ich solle mich endlich zusammenreißen…er ist auch handgreiflich geworden. Jetzt suche ich „nebenbei“ eine Wohnung. Mein Wohnort ist nicht mein Heimatort (600 km entfernt) und ich bin relativ neu in der Stadt, also kein stabiles soziales Umfeld.
Allerdings hat mir mein Arbeitgeber alle Last von mir genommen. ICh habe 4 Jahre für ihn (den Job, meinen Chef) gelebt und mehr gearbeitet als gelebt. Da meint er jetzt wohl, er sei mir etwas schuldig. Er hat mir alle Zeit der Welt eingeräumt.
„Eigentlich“ bin ich schon recht stabil. Ich bin unter keinen guten Stern geboren, das mit meiner Mutter ist das eine, das mit den Partnern das andere. Aber ich war auch ständig krank (oft psychosomatisch - aber da muss man erstmal drauf kommen. Bis es soweit war, lag ich allen Kliniken in der Republik), hatte viel zu oft viel zu starke Schmerzen. Meine Krankenhausaufenthalte zogen sich über Jahre. Das würde jetzt zu weit führen und ich möchte keinesfalls mitleidig klingen, aber ich war sicherlich psychisch stabil für meinen Hintergrund. Bis zu diesem Zeitpunkt eben…da ist alles zusammengebrochen und das Leben hat mich sowas von in die Knie gezwungen…
Zu meiner Vorgeschichte und der Beziehung kamen auch noch innerhalb von 3 Monaten 3 Umzüge (Jobbedingt) und dann ein Pendler-Leben (350 km einfache Strecke, also 700 km mind. 1x die Woche), ein extrem hohes Arbeitspensum und die Angst, die Beziehung aufgrund der Jobsituation wieder zu verlieren. Ich wollte es jedem Recht machen und naja, irgendwann war es zu viel. Meine Eltern haben sich in der Zeit getrennt, was nicht schlimm für mich war. Schlimm war nur, meinen Vater so extrem leiden zu sehen. Dann wurde ich ständig krank (Kleinigkeiten, sehr untypisch für mich), hab das ignoriert und dann kam der Zusammenbruch.
Meine Therapeutin sagt klar „ja“ zu der Klinik. Trotzdem habe ich ununterbrochen diese Zweifel. ICh weiß, wie dreckig es mir ging. Und wenn ich mich jetzt sehe, dann kann ich nicht anders, als zu denken, dass ich wieder „ok“ bin. Aber reicht „ok“? Andere würden es (Wohnungssuche, Trennung, Umzug, „neuen“ Job (beim gleichen Arbeitgeber immerhin)) ohne Hilfe hinbekommen. Aber wenn ich darüber nachdenke, dass ich auch nur einen Tag noch mal erleben muss, aus dieser schlimmen Zeit, dann würde ich ALLES dafür tun, um es zu verhindern. Dann wieder der Gedanke, dass ich dort sicher jemandem, dem es im Moment grade wirklich schlecht geht, den Platz wegnehme. Ich bin ja ok im Moment. Ich kann sogar wieder lachen, ab und zu. ICh weine nicht mehr. Ich grübele „nur noch“ über die Klinikfrage, nicht mehr so wie vorher. Ich habe wieder Hoffnung, dass irgendwann bestimmt alles wieder besser wird. Ich denke nicht mehr ans Sterben. Ich kann noch nicht so gut schlafen und mein Gewicht ist auch noch an der Untergrenze…aber ansonsten bin ich doch „stabil“. Auf der anderen SEite empfinde ich noch so wenig. D.h. ich hab fast kein Gespür mehr für mich. „Freue ich mich wirklich, oder lache ich, weil man das so macht?“ oder „bin ich jetzt traurig, oder steiger ich mich in etwas rein?“ Ach, ich weiß auch nicht… ich will niemandem zur Last fallen und ich will niemandem, der den Platz dringender braucht etwas wegnehmen.
Jetzt habe ich schon wieder zu viel geschrieben. Entschuldige…
Ach so, Medikamente habe ich nicht genommen, nur gegen die Panikattacken. Wir wollten vor ein paar Wochen anfangen. (Anfangs wollte ich es ohne schaffen und dann war ich einfach nicht mehr dazu in der Lage…weder einen Termin auszumachen, noch mich darum zu kümmern, noch irgendwas…) Habe dann vor ein paar Wochen versucht einen Termin beim Psychiater zu bekommen, der wäre heute gewesen. Aber da jetzt der Termin mit der Klinik steht und ich ja „stabil“ bin, habe ich den Termin abgesagt und warte auf die Klinik. Zumal ich jetzt sicher keine Medikamente mehr brauche.
Vielen Dank für’s „Zuhören“ und deine hilfreichen Worte.
Eilo