Hallo Forum,
ein Bekannter leidet offensichtlich an Depression. Seit mindestens einem Jahr höre ich von ihm stets dieselben Klagen: ihm gehe es nicht gut, er sieht keine Perspektive und er muss ständig über seine Fehler in der Vergangenheit nachdenken und darüber, wie er es hätte besser machen können bzw. warum er sich in einigen Entscheidungssituationen für den - wie sich erst später herausgestellt hat - falschen Weg entschieden hat.
Zur Info: 1 voreheliches Kind mit Ex-Jugendfreundin, Heirat, 1 eheliches Kind, Job verloren, Umschulung, Scheidung, zunächst fest (!!!) versprochene Stelle im neuen Beruf aus ökonomischen Gründen doch nicht bekommen, jetzt wieder untertariflich im alten Job, Schulden, die seine Ex-Ehefrau verursacht hat, zu Unterhaltszahlungen verurteilt, die auf ein etwa 500 Euro höheres Nettogehalt berechnet wurden, als er zurzeit real verdient, etc. etc. Ihm bleiben etwa 400 Euro für Wohnungsmiete, Nahrung, dringend benötigtes Auto u.s.w.
In der letzten Zeit ist sein Leidensdruck größer geworden: Er isst fast nichts mehr, hat in nur drei Wochen 10kg Gewicht verloren, fühlt sich noch schlechter als schlecht, flüchtet sich in seine Arbeit und versucht, sich weiter zu bilden, und lädt seinen Terminplan so voll, dass es eigentlich nicht zu bewältigen ist. Dabei behauptet er, das lenke ihn von seinen Gedanken ab. Dazu kommt, dass er seit über einem Jahr keinen (!!!) Urlaub gehabt hat.
Bei einem Gespräch vor einigen Tagen, bat ich ihn, zum Arzt zu gehen und sich helfen zu lassen. Dies hat er auch - Gott sei Dank - eingesehen und getan. Jetzt nimmt er ein Medikament (Aponal 10), zu dem ich ihm riet und welches der Arzt ihm verschrieben hat. Jetzt ist es zwar etwas besser, doch noch alles andere als gut.
Wie kann ich - er ist mein Mitbewohner - dazu beitragen, dass es ihm bald wieder besser geht? Ich bin jemand, der gerne direkt ausspricht, was er denkt, und der nicht lange um den heißen Brei herum redet. Ich denke, dass ich damit schon richtig fahre. Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich bei seiner im Moment allgemein vorhandenen Unsicherheit so etwas wie ein Haltepunkt bzw. Krückstock bin, der Sicherheit vermittelt und den er auch nutzt. Ich mag diese Rolle zwar nicht besonders, doch fühle mich dieser Person schon wegen der sehr langen Bekanntschaft und Freundschaft verpflichtet. Außerdem hat er es auch geschafft, mir die Augen in einer ganz speziellen Hinsicht zu öffnen, was zu einer feinen, aber maßgeblichen, äußerst positiven Änderung meines Alltags geführt hat. Vielleicht hat jemand einen Vorschlag, was ich für ihn tun könnte oder einen Solchen, den ich ihm weiter unterbreiten könnte.
Vielen Dank für jede Antwort!
Gruß
Huttatta
- und weiß, was meine Person angeht, damit umzugehen.