Depression - Nachteile durch Gang zum Arzt?

Hallo,

es wird gesagt, dass sich Personen, die an einer Depression erkranken, in ärztliche Behandlung begeben sollten. Dies ist aus medizinischer Sicht wohl unstrittig. Doch was passiert abgesehen von den medizinischen Aspekten, wenn man sich behandeln lässt?

Ein Betroffener könnte zum Beispiel eine Verbeamtung anstreben. Er wird sicherlich dann noch mal amtsärztlich untersucht und aufgefordert werden, Angaben über seine Krankheit zu machen. Muss er fürchten, dass seine Verbeamtung scheitert?

Und was ist beispielsweise mit Versicherungen? Muss er damit rechnen, dass zum Beispiel der Beitritt in die PKV oder der Abschluss einer BU-Versicherung abgelehnt wird?

Was ist, wenn sich jemand auf eine andere Stelle bewirbt und der potenzielle neue Arbeitgeber eine betriebsärztliche Untersuchung vor der Einstellung veranlasst? Da wird in der Regel auch nach solchen Vorerkrankungen gefragt.

Gestern lief auf ARTE eine unheimlich interessante Reportage über die Krankheit, die vielen Betroffenen wahrscheinlich auch Mut gegeben hat, zum Arzt zu gehen. Aber wie soll jemand diesen Schritt wagen, wenn er befürchtet, dass dadurch sein gesamter beruflicher Werdegang negativ beeinflusst werden könnte?

Viele Grüße
Ultra

Hallo,

Ein Betroffener könnte zum Beispiel eine Verbeamtung
anstreben. Er wird sicherlich dann noch mal amtsärztlich
untersucht und aufgefordert werden, Angaben über seine
Krankheit zu machen. Muss er fürchten, dass seine Verbeamtung
scheitert?

Das halte ich durchaus für möglich. Wenn eine Erkrankung erwarten lässt, dass jemand vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden muss (und der Staat die Beamtenpension zahlen muss), dann kann das ein Hinderungsgrund sein.

Und was ist beispielsweise mit Versicherungen? Muss er damit
rechnen, dass zum Beispiel der Beitritt in die PKV oder der
Abschluss einer BU-Versicherung abgelehnt wird?

Ich kenne jemanden, der weder in die PKV noch in eine BU aufgenommen wurde, und zwar wegen des Wiedererkrankungsrisikos. Meist gibt es bestimmte zeitliche Rahmen für die Angabe von Vorerkrankungen, bspw. muss eine Psychotherapie, die länger als z.B. 5 Jahre zurückliegt, nicht als Vorerkrankung angegeben werden. Das kann von Kasse zu Kasse verschieden sein.

Was ist, wenn sich jemand auf eine andere Stelle bewirbt und
der potenzielle neue Arbeitgeber eine betriebsärztliche
Untersuchung vor der Einstellung veranlasst? Da wird in der
Regel auch nach solchen Vorerkrankungen gefragt.

Dazu kann ich dir leider nichts sagen.

Aber wie soll jemand
diesen Schritt wagen, wenn er befürchtet, dass dadurch sein
gesamter beruflicher Werdegang negativ beeinflusst werden
könnte?

Ich kann dir nur raten, die Depressionen behandeln zu lassen. Unbehandelt können Depressionen chronifizieren und rezidivieren, d.h. sie gehen nicht mehr weg oder kommen immer wieder und werden möglicherweise (auch durch die berufliche Belastung) immer stärker.
Wichtig ist, jetzt Hilfe zu suchen und sich auch nicht entmutigen zu lassen, wenn man nicht gleich auf den richtigen Arzt oder Therapeuten stößt.

Aber noch etwas: Ich kenne jemanden, der eine schwere Erkrankung verschwiegen hat, nun verbeamtet ist und komfortabel in einer PKV ist. Bis jetzt ist das nicht rausgekommen.
Und ich kenne jemanden, der eine weniger schwere Erkrankung angegeben hat, obwohl sie „verjährt“ war, ist zwar verbeamtet, aber mit einem Minimaltarif privat versichert, wo ständig selbst dazubezahlt werden muss.

Das ist deine Entscheidung, wie du damit umgehen willst.

Alles Gute dir!

Hallo,
ein Arzt gibt nur Auskunft an einen anderen weiter,wenn man ihn schriftlich von der Schweigepflicht entbindet.
Abgesehen davon kann man heute Depressionen haben und in einem Jahr nicht mehr.
Man muss bei einem betriebsärztlichen Gespräch auch nicht alles sagen.
Ausserdem hat man nach einer Zeit der Medikation, wenn sie gut eingestellt ist, keine Depressionen mehr.

Man sollte sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, diese loszuwerden, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Gruß
Kosmokatze

Hallo Ultra,

in der Tat wird dir eine Berufsunfähigkeitsversicherung verweigert, wenn du eine Psychotherapie gemacht hast oder aktuell machst.

Ob mich das allerdings davon abhalten würde, mich behandeln zu lassen, bezweifle ich!

Gruß
Demenzia

Hallo!
Da habe ich auch mal eine Frage. In ca. 2-3 Jahren möchte ich verbeamtet werden.

Seit einigen Terminen schleppe ich mich nun mit meinem Psychiater rum. Erst war er der Meinung ich hätte vermutlich Depressionen und hat mir 10 Wochen lang ein Antidepressiva gegeben. Dann ist er zum Entschluss gekommen, dass ich doch keine Depressionen habe, mittlerweile meint er, dass ich geistig wohl vollkommen gesund bin, ich aber körperlich krank sein dürfte. Zur Zeit schickt er mich zu x Ärzten und ließt x Bücher, um herrauszufinden, welche Krankheit ich habe.

Können mir diese Besuche beim Psychiater später mal zum Verhängnis werden?

Hallo Ultra,

richtig - unbestritten hast Du diese Nachteile.

Von Seiten des Arztes droht Dir, wie schon gesagt, keine Offenlegung. Schwachstelle sind unsere Versicherungen.

Die haben Unterlagen darüber, was gemacht worden ist. Bei Antidepressiva oder Psychotherapie ist der Zug oft in die von Dir beschriebenen Richtungen abgefahren.

Es wäre ein Rechenexempel, ob man das ganze privat finanziert (Medikation, Therapie) - um dann Vor- und Nachteile gegeneinander aufzuwiegen.

Wenn man von sich aus dann offensiv alle Arztunterlagen beibringt (wo nichts von Depression o.ä. drinseht), dann wird man u.U. je nach Anlass nicht danach gefragt, ob man psychisch gesund ist. Sozusagen die Bürokratie gegen sich selber einsetzen…

Wenn man dann doch gefragt wird, weiß ich nicht, wie das mit Lügen ist - es gibt Situationen da darf man die Unwahrheit sagen (aber das können eher Rechtsanwälte beantworten - oh Mann, ich liebe dieses Land).

Es ist schade, dass psychisch kranke Menschen zusätzlich zu Ihrer Krankheit auch noch andere Einschränkungen haben - aber so ist es.

Lieben Gruß
Patrick

Hallo,

Depression kann auch als gesunde Gegenregulierung verstanden werden.

LG
Michael

äh? *bahnhof*
Auch Hallo,

Depression kann auch als gesunde Gegenregulierung verstanden

Verzeih, dass ich auf dem Schlauch stehe, könntest Du das näher erläutern? Gegenregulierung zu was?

Mücke

klasse hinweis!
hi,

man sollte sich behandeln lassen und die von dir geschilderten aspekte mit einbeziehen.

gut, dass du darauf hinweist. es gibt diese nachteile bei berufsunfähigkeitsversicherungen oder als karriere-hemmnisse.

in der regel ist die behandlung jedoch beruflich unschädlich, da sie über datenschutzgesetze grob geschützt ist. es ist immer noch besser, sich behandeln zu lassen, wenn man krank ist, als es aus angst vor stigmatisierung nicht zu tun und weiter krank zu bleiben (denn dann wird es mit der karriere sowieso nichts!).

wer nicht unbedingt eine behandlung braucht, sollte es aber bedenken, ob man nicht vielleicht doch eine privat bezahle coaching- oder supervisions-gesprächsreihe mit einem therapeuten macht. das muss man sich aber leisten können.

am ende bleibt es eine individuelle entscheidung, ob man sich als krank behandeln lassen will.

die neue „gesundheitskarte“, auf der zudem noch alle daten von arztbesuchen gespeichert bleiben, finde ich angesichts der immer gläsern werdenden patienten nicht gut.

leute, die zu mir kommen und aus deinen geschilderten gründen nichts mit den kassen abwickeln wollen, kann ich zum teil gut verstehen und ich überrede sie zu gar nichts!

Hallo Mücke,

meine Antwort war sparsam, ich weiss:smile:

Generell meine ich Yin und Yang, daß eine kann ohne dem anderen nicht existieren. Gefährlich ist es natürlich dann, wenn man nur in einem Zustand verweilt.

LG
Michael

Hallo,

Aber wie soll jemand
diesen Schritt wagen, wenn er befürchtet, dass dadurch sein
gesamter beruflicher Werdegang negativ beeinflusst werden
könnte?

wie soll jemand diesen Schritt wagen, wenn er Krebs hat und befürchtet, daß dadurch sein gesamter beruflicher Werdegang negativ beeinflußt werden könnte?

An Deiner Frage sieht man sehr schön, wie unterschiedlich psychische und körperliche Krankheiten immer noch gesehen werden.

Beste Grüße

meine Antwort war sparsam, ich weiss:smile:

Generell meine ich Yin und Yang, daß eine kann ohne dem
anderen nicht existieren. Gefährlich ist es natürlich dann,
wenn man nur in einem Zustand verweilt.

das Dumme an einer Depression ist aber nun gerade, dass man da nicht willentlich drin verweilt und auch nicht ohne Hilfe allein wieder rauskommt

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ach, so einfach ist das?! (owT)

Abgesehen davon kann man heute Depressionen haben und in einem
Jahr nicht mehr.
Ausserdem hat man nach einer Zeit der Medikation, wenn sie gut
eingestellt ist, keine Depressionen mehr.

Hi Demenzia,

in der Tat wird dir eine Berufsunfähigkeitsversicherung
verweigert, wenn du eine Psychotherapie gemacht hast oder
aktuell machst.

Stimmt nicht ganz, manche Versicherer fügen eine Klausel hinzu, das im Falle einer Berufsunfähigkeit, die durch eine psychische Krankheit ausgelöst wird, die Versicherung nicht greift.
Ob man die dann noch will ist die zweite Frage, aber prinzipiell ist es schon möglich :smile:

Ob mich das allerdings davon abhalten würde, mich behandeln zu
lassen, bezweifle ich!

Eben, man muss es ja auch mal so sehen, wenn man die Depression nicht behandelt hat man wesentlich schlimmere Nachteile und wird mit Sicherheit Berufsunfähig.

Viele Grüße
/silvl

Huch wo kommst du denn her?
Hi,
lange nicht mehr gesehen… aber immer wieder amüsant :smile:

hier was zum knabbern für dich:
>

Viele Grüße
/silvl

Vielen Dank für alle Antworten. Es ist nicht mein Ziel, Ausreden dafür zu finden, sich nicht in ärztliche Behandlung zu geben. Dennoch denke ich, dass viele Betroffene abwägen müssen und unter Umständen die bequemere Lösung bevorzugen. In der Regel hat man ja auch Abschnitte, in denen es einem besser geht. Daher glauben viele vielleicht auch, dass nach einer gewissen Zeit von selbst eine Heilung eintritt.

Vielleicht sollte es auch Arbeitgebern und Versicherungen bewusst gemacht werden, dass die Krankheit heilbar sein kann und nicht immer Rückfälle zu erwarten sind.

Viele Grüße
Ultra

Aber wie soll jemand
diesen Schritt wagen, wenn er befürchtet, dass dadurch sein
gesamter beruflicher Werdegang negativ beeinflusst werden
könnte?

wie soll jemand diesen Schritt wagen, wenn er Krebs hat und
befürchtet, daß dadurch sein gesamter beruflicher Werdegang
negativ beeinflußt werden könnte?

An Deiner Frage sieht man sehr schön, wie unterschiedlich
psychische und körperliche Krankheiten immer noch gesehen
werden.

Hallo aiwendil,

ich verstehe deinen Einwand durchaus. Doch obwohl beides sicherlich als Krankheit zu werten ist, gibt es meiner Ansicht nach auch Unterschiede. Ein Krebskranker wird den Gang zum Arzt vielleicht hinauszögern können. De facto wird ihm aber nichts anderes übrig bleiben.

Jemand, der vielleicht an einer mittelschweren Depression erkrankt, wird allerdings abwägen. Ich denke, die vermutete Dunkelziffer spricht für sich. Und nicht immer ist es einfach die Scheu, sich dem Arzt anzuvertrauen. Nicht jeder Depressive hat hohe Fehlzeiten oder muss in die Klinik. Einige können auch die Fassade aufrecht erhalten. Im Ergebnis bleibt dann eine unbehandelte Krankheit. Auf dieses Problem wollte ich hinweisen.

Viele Grüße
Ultra

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Hallo,

diese ganze Thematik ist für mich neu, gut zu wissen und zugleich erschreckend.

Ich stelle mir jetzt aber die Frage, wann eine Depression eine Depression ist. Sicher, wenn der Psychotherapeut dies so diagnostiziert hat.

Nehmen wir mal an, jemand bekommt vom Hausarzt eine Überweisung mit dem Vermerk „Depression“ (nach dem Motto „was soll ich sonst draufschreiben“). Man braucht Unterstützung bei der Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages. Nun beginnt man eine Psychotherapie und bekommt von der Therapeutin nie eine Diagnose genannt. Man bricht die Sitzungen (wegen Vertrauensmissbrauch und anderen Gründen) ab.

Woher erfährt man, welche offizielle Diagnose überhaupt gestellt wurde?
Wenn diese Diagnose so weitreichende Auswirkungen haben kann, wäre das schon wichtig zu wissen.
Kann man sich vor Pauschalisierungen seitens der Versicherungen u.ä. schützen? Wer einmalig wegen einem Schicksalsschlag etwas Unterstützung benötigt hat, gehört aus meiner Sicht nicht automatisch zur Risikogruppe der psychisch-kranken.

Gruß
Tato

Hallo,

Ich stelle mir jetzt aber die Frage, wann eine Depression eine
Depression ist.

wenn die Kriterien für eine Depression erfüllt sind:

http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy…

Wer einmalig wegen einem
Schicksalsschlag etwas Unterstützung benötigt hat, gehört aus
meiner Sicht nicht automatisch zur Risikogruppe der
psychisch-kranken.

Du gehst hier von falschen Voraussetzungen aus. Die psychische Störung Depression ist nicht gleichzusetzen mit „Stimmungstief nach einem Schicksalsschlag“, in dem man „etwas Unterstützung“ braucht. In einem solchen Fall hat man (hoffentlich) Familie und Freunde. Wenn man im klinischen Sinn eine Depression hat, dann sind die Beschwerden so stark, daß man darunter leidet und starke Beeinträchtigungen im alltäglichen und Berufleben erlebt, die man allein schlecht bewältigen kann und weswegen man u.U. eine medizinisch/psychologische Behandlung genannt Psychotherapie benötigt.

Wenn man nicht psychisch krank ist, wird keine Depression diagnostiziert und keine Psychotherapie bewilligt (vorausgesetzt, die Diagnose ist richtig).

Beste Grüße

Hallo!

Von Seiten des Arztes droht Dir, wie schon gesagt, keine
Offenlegung. Schwachstelle sind unsere Versicherungen.

Naja, der Arzt selber wohl eher nicht. Aber ich kann mir manchmal nicht vorstellen dass trotzdem nichts aus einer Praxis hinausdringt. Denke man da an die Damen am Empfang, die auch alle Patientendaten am PC einsehen können so sieht man dass auch der Schacht nicht ganz Dicht ist wenn man im Arztzimmer die Türe hinter sich schließt. Auch in Provinzstädtchen wo jeder jeden kennt ist es nicht einfacht. Ich habe leider schon mehrmals ganz bescheuerte Arzthelferinnen erlebt!

Welche Fälle können auftreten wo die Krankenkasse die Daten offenlegen muss (Therapien, Medikamente, Arztbesuche,…)?

Die haben Unterlagen darüber, was gemacht worden ist. Bei
Antidepressiva oder Psychotherapie ist der Zug oft in die von
Dir beschriebenen Richtungen abgefahren.

Ist es nicht so, dass die Versicherungen bei Medikamenten nur die Information bekommen dass etwas verschrieben wurde aber nicht erfahren was es genau ist?? Habe ich mal gehört…

Beim Psychotherapeuten müssen die Unterlagen 10 Jahre aufbewahrt werden. Wie ist das bei der Krankenkasse, verjähren dort auch die Behandlungen oder häufen sich die Diagnosen im Laufe eines Menschenlebens? Wie ist das beim Haus- oder Facharzt, wie lange bleiben dort die Daten im Computer gespeichert?

LG, D.S.