Depression - wie kann man helfen?

Hallo,

habe einen alten Freund, der schon immer leicht depressiv war, aber sich bislang immer noch rechtzeitig aufgerappelt hat.
Derzeit ist er völlig unten und in einer Klinik.
Job weg, vorherige Zukunftsperpektive weg - hängt also irgendwie im leeren Raum.
Habe ich gerade per Mail von ihm erfahren und war etwas geschockt.

Wie gehe ich am besten damit um? Blöd Mut machen kommt nicht an, aber was kann ich als alte Bekannte tun?
Was hilft bei Depressionen? Einfach Kontakt halten und/oder Möglichkeiten für die Zukunft aufweisen?
Probleme realistisch sehen (kommt bei ihm eher wie kleinreden/nicht verstehen an) tuts nicht, das habe ich schon früher erfahren.
Man tappt da so leicht in Fettnäpfchen.
Kann mir jemand mit eigener Erfahrung weiterhelfen?

Gruß, Paran

Hallo,

meine Erfahrung, nicht nur bei depressiven, auch bei allgemein geknickten Leuten: Stelle ein immer bereites offenes Ohr zur Verfügung. Allerdings darfst du demjenigen auch nicht mit ständiger Bereitschaft auf die Nerven gehen.

Fingerspitzengefühl ist hier gefragt. Sei immer da wenn er dich braucht, selbst melde dich aber nicht zu oft, wenn er sich nicht meldet. Höre zu, sage wenig. Entscheide dann wann braucht er Abwechslung, dann erzähle aus deinem Leben, die lustige Aktion in der Arbeit etc.

Wie gesagt Fingerspitzengefühl. Mehr zuhören als sagen.

Alles Gute
Kati

Hallo,

Kann mir jemand mit eigener Erfahrung weiterhelfen?

Es wird dir leider hier jeder seinen eigenen Leidensweg darstellen können,aber eine Lösung für die Depression deines Freundes nicht wirklich geben können.

In solch eine „Falle“ kann ein jeder fallen und das „Hinaus“ ist bei
allen Patienten unterschiedlich.

Was bei allen gleich ist,das man einen Ausweg aus solch einer Situation bei sich selbst und nicht bei anderen suchen und gewillt sein muss,Hilfe auch von „Aussenstehenden“ anzunehmen.

Wer hinterfragt schon gern seine Situation?
Frau/Mann/Freunde/Job weg,aber warum?

Diese Leute sind weit glücklicher
dran als wenn die Frage sich stellen würde,Krebskrank/chronische Schmerzen/Altersarmut/Alleinsein/etc. und das alles ohne Freunde.

Die Klinik ist schon der richtige Weg,aber ersetzt nicht das Mitgefühl
und die Hilfe der „wahren“ Freunde.Bleib einfach so wie du bist und verstelle dich nicht mit deinen Gefühlen.

Wahrheiten sollte man nicht verschweigen oder schönreden.
Heuchelei möchte keiner hören und hört sie dennoch herraus.
Bei vielen Depressieven spielt leider das Selbstmitleid eine
grosse Rolle.Dieses Spiel sollte man als Aussenstehender nicht
mitspielen.

LG Bollfried

Hi

Es ist auch nur eine Meinung, aber ich denke, dass es wichtig ist, diese Krankheit auch als solche zu behandeln.

Es ist sicherlich genauso schlimm, als Alkoholiker mit „Hör doch einfach auf!“ beschallt zu werden, wie als Depressiver mit andauerndem Mitleid.

Zuhören ist gut, aber wenn er schon in der Klinik ist, dann wird ja auch was getan, damit es ihm besser geht.

Gemeinsamkeiten sind glaube ich wichtig, einfach etwas machen, ihm eine Aufmerksamkeit mitbringen etc. Als ich im Krankenhaus war, wollte ich über alles reden, aber nicht über meine Krankheit oder übers Krankenhaus.

Grüße

Karana

Liebe Paran

ich habe schon erlebt, dass das ständige sich Verstellen ein grosses Problem ist: Sei doch nicht so! Ist doch nicht so schlimm! Das kommt schon wieder! Das darf man nicht denken und noch viel weniger sagen!

Akzeptiere die Depression, akzeptiere Deine grundsätzliche Hilflosigkeit, zeige dass Du da bist ohne ständig zu urteilen.

Mir fällt ein früher einmal gelesener Satz ein: Du überwindest nichts indem du ihm widerstrebst!

Viel Weisheit und Kraft wünscht Dir

Urs Peter

Hallo,

vielen Dank für Deine Antwort.

Sowas in der Art hatte ich mir auch gedacht, wobei ich allerdings nicht jederzeit bereit stehe - Kinder und Job gehen halt vor.
Aber der alte Freund ist auch nicht der Typ, der einen arg vereinnahmt. Da geht das schon.

Gruß, Paran

Hallo,

Du sprichst da viel Sinniges an.

Klar verstelle ich mich nicht, dazu reicht mein schauspielerisches Talent eh nicht. Das Problem ist eher, dass ich seine Sorgen einfach garnicht nachvollziehen kann.

Seine momentane Krise ist wohl eine Folge von alten Job aufgeben, umziehen und in nahezu Rentenalter ein Studium anfangen. Das war wohl alles zuviel.
Jetzt meint er, wenn er in die Zukunft blickt, sieht er nur Schwarz.

Ich kann nachvollziehen, dass ein Studium in unserem Alter ein Desaster ist. Man ist halt nicht mehr 20 oder 30, lernt nicht mehr so schnell und hockt dann mit lauter Kids zusammen. Wäre meins auch nicht.

Aber dieses totale Schwarzsehen kann ich nicht nachvollziehen. Er hat eine gefragte Ausbildung, sicher auch passable Chancen auf einen neuen Job oder zumindest eine Alternative, bei der ich ihm Hilfe angeboten habe.

Ich bin eher mit beiden Beinen in der Realität, gewohnt, mich durchzuwurschteln und gemütsmäßig recht stabil (dreimal Klopf auf Holz).
Das ist das Hauptverständigungsproblem. Er sieht schwarz, wo ich div. realistische Probleme und Lösungsmöglichkeiten sehe und sein totales Schwarz schlicht nicht verstehe.

Das ist wohl so ähnlich, als wenn jemand heulend mit einem geliebten, ruinierten Erbmöbel zum Tischler kommt und der einen praktischen, aber eben ungeliebten, neuen Ersatz vorschlägt. Denke ich mal - weiß ich aber nicht genau.

Ich bin jedenfalls wie der Tischler, der das eigentliche Problem partout nicht nachvollziehen kann, beim besten Willen nicht.
So fühle ich mich jedenfalls in dieser Situation.
Würde gern mehr verstehen. Nicht, um den alten Freund gesund zu machen, das kann ich nicht.
Aber er hat nicht so sehr viele richtige Freunde, und ein bißchen Beistand von außen tut sicher gut - wenn er paßt. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Sicht der Lage ihn nicht eher belastet, weil ich damit ev. Erwartungen äußere / stelle.

Gruß, Paran

Gruß, Paran

Hallo!

Aber dieses totale Schwarzsehen kann ich nicht nachvollziehen …
Das ist das Hauptverständigungsproblem. Er sieht schwarz, wo
ich div. realistische Probleme und Lösungsmöglichkeiten sehe
und sein totales Schwarz schlicht nicht verstehe.
Ich bin jedenfalls wie der Tischler, der das eigentliche
Problem partout nicht nachvollziehen kann, beim besten Willen
nicht.
So fühle ich mich jedenfalls in dieser Situation.
Würde gern mehr verstehen.

Du musst dir das wirklich im Kern ganz banal so vorstellen, dass ihr beide eine Situation einschätzt, wie sie ist, aber du im Stillen immer den Satz mitdenkst „… aber das wird schon wieder“ und ein Depressiver immer den Satz mitdenkt „… und das wird auch nichts mehr.“*

Es ist wirklich so, dass bei der Depression (bei Traumatisierungen übrigens noch stärker) einfach diese positive Grundüberzeugung, die wir halbwegs Gesunden von klein auf haben, dieses „… aber das wird schon wieder“ einfach nicht mehr gedacht werden kann.
Man kann sich da auch nicht zwingen dazu, und überzeugen lassen sowieso nicht (zumal die Depressiven manche Situation damit sogar realistischer einschätzen als die anderen). Es geht einfach nicht, so wie der Blinde nicht sehen kann.

Gruß
Tyll

* Probier das mal beim Zeitungslesen selber aus, dass du bei jeder halbwegs schlechten Nachricht dazu sagst: „… und das wird auch nichts mehr“.
Da bist du schnell im depressiven Denkstil drin …

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Hallo,

Danke für Deine Antwort. Das macht es etwas klarer.

Ich kenne den Bekannten wie gesagt schon lange (ca. 30 Jahre), er mich auch, die Situation ist daher wohl klar.
Ich habe ihm halt Hilfe angeboten in der Form, die mir eben möglich ist, also eher Realkram nach der Klinik.

Gruß, Paran