Depression-wiviel Hilfe von Außen geht

Hallo zusammen,

ich „betreue“ immer noch eine 74jährige Dame, die seit Sept. 04 schwere Depressionen hat. Und das stellt sich als zunehmend schwierig raus. Ihre Ärztin hätte sie gerne ins Krkhs. gesteckt. Sie will aber nicht. Als letztes habe ich mir mit ihr gemeinsam die betreffende Station (Zentrum für Ältere/ Station für Depressive) angesehen und fand das alles recht ansprechend. Sie mag nicht. Sagt, hat nichts anzuziehen (10kg Gewichtsverlust), keine Kraft neues zu kaufen, müßte den ganzen Tag ihre Perücke tragen, hat Angst vor dem Morgen im Krankenhaus, weil sie wg. der Antriebsschwäche morgens nicht voran kommt, glaubt sowieso nicht, daß ihr überhaupt geholfen werden kann usw. Ich habe viel Verständnis für ihre Verfassung (war auch mal fast soweit), glaube aber, daß das Krkhs. z.Zt. das Beste für sie ist, da sie auch nicht mehr kochen kann und Essen auf Rädern, wie fast alles andere ablehnt. Mir gehen aber langsam die Argumente aus. Was kann ich tun, ohne sie zu bevormunden? Ich komme langsam an eine Grenze, will sie aber auch auf keinen Fall hängen lassen, denn sie hat sonst niemanden.

Wißt Ihr Rat?

Verzweifelnde Grüße

Avera

Nun mal langsam, Avera…
Das, was Du von der Lady schreibst, deutet nicht auf eine Depri hin. Jemand, der depressiv ist, macht sich keine Gedanken über die Klamotten bzw. die Perücke. Die Dame ist in etwa so als wie meine Granny und die würde Dich gepflegt verhauen, wenn Du sie in ein Altersheim stecken wollen würdest.

Du, auch 74jährige Damen sind eitel. Und die Angst der Dame, die Du ‚betreust‘ kann ich mehr als nachvollziehen. Hast Du schon mal mit ihr gesprochen? Vielleicht kriegt sie einen Zivi, der Dich entlastet und blüht dann wieder auf?

Rede mit ihr!

Grüße

Renee

Hallo Avera,

Depression sind im Alter ja bekanntlich recht häufig und etliches deutet schon darauf hin, daß die von Dir beschriebene Frau unter Depression leiden könnte. Allerdings muß der Entschluß für eine Behandlung von ihr kommen. Du kannst ihr Informationen geben (wie gut Depression behandelbar ist z.B.) und sie damit zu motivieren versuchen, zwingen kannst Du sie allerdings nicht dazu. Deine Verzweiflung darüber, daß sie nicht das tut, was Du für das Beste in ihrer Situation hältst, ist sehr verständlich. Jede®, die/der mit Menschen zu tun hat, die von solchen Problemen betroffen sind, kennt das wohl. Ich zumindest. Ich weiß daher auch, daß die Entscheidung letztendlich beim Betroffenen selbst liegt (Extremfälle jetzt einmal ausgenommen; wenn es soweit kommt, wird ihre Ärztin einschreiten) und daß wir diese Entscheidung akzeptieren müssen, so schwer es uns auch fallen mag. Ein wenig Abstand zur Situation könnte Dir helfen, es zu akzeptieren. Manchmal ergeben sich dann, wenn man sich später wieder der Sache widmet, neue Perspektiven.

Grüße,

O. Walter
Diplom-Psychologe, Kiel

Du irrst Dich leider
Seit 14 Jahren hat sie immer mal wieder Depressionen. Nur war sie da nie allein. Ihr Mann lebte noch. Sie bekommt seit September von ihrer Ärztin verschiedene Medikamente. Ein Serotoninwiederaufnahmehemmer wurde abgesetzt, weil er im Verdacht stand, sie appetitlos zu machen. Appetitlos war sie aber (mit Gewichtsverlust von bis zu 10 kg wie diesmal auch) während jeder Depression. Mit Beginn der Einnahme der anderen Medis wurde ihre Verfassung zusehends schlimmer. Die Ärztin wollte sie schon vor Weihnachten in eine Klinik schicken. Statt dessen versuchte sie es dann aber wieder mit dem ersten Mittel.

Wenn Du mein Postin an Oliver gelesen hast, wüßtest Du, warum ich wünsche, ihr gegenüber wesentlich rigoroser gewesen zu sein.

Avera

Depri hin. Jemand, der depressiv ist, macht sich keine
Gedanken über die Klamotten bzw. die Perücke. Die Dame ist in
etwa so als wie meine Granny und die würde Dich gepflegt
verhauen, wenn Du sie in ein Altersheim stecken wollen
würdest.

Du, auch 74jährige Damen sind eitel. Und die Angst der Dame,
die Du ‚betreust‘ kann ich mehr als nachvollziehen. Hast Du
schon mal mit ihr gesprochen? Vielleicht kriegt sie einen
Zivi, der Dich entlastet und blüht dann wieder auf?

Rede mit ihr!

Grüße

Renee

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Sie hat eine Entscheidung getroffen
Hallo Oliver,

dies ist meine erste Erfahrung aus einer so geringen Distanz mit einem schwer depressiven Menschen. Ich mag diese alte Dame sehr und habe mich bemüht, soweit es mir möglich war für sie da zu sein. Ab und zu mußte aber auch Abstand sein. Dennoch bin ich, aus dieser sicher so ganz und gar nicht repräsentativen Menge an Erfahrung, doch mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, daß man ab einem bestimmten Punkt, über den Wunsch des Patienten hinweg handeln muß. Der Meinung war ich und habe mich aus an dieser Stelle leider falsch angebrachtem „Respekt“ ihr gegenüber nicht durchgesetzt. Ihre Ärztin hatte von der Gesamtsituation keinen rechten Plan, Termine gab es in 4-6 Wochen-Abständen.

Gestern habe ich sie telefonisch nicht erreicht. Gegen 18.30 war meine Unruhe dann groß genug und ich bin zu ihr gefahren. Zum Glück hatte sie mir vor einiger Zeit einen Wohnungsschlüssel gegeben. Die Wohunhg war dunkel, aufs Klingeln öffnte sie nicht und so ging ich rein. Ich fand sie im Bett vor, dachte zuerst, sie sei tot. War sie aber nicht. Es stellte sich raus, daß sie so ziemlich alle ihrer Schlaftabletten genommen hatte. Es waren aber wohl nicht genug, zum Glück. Jetzt ist sie auf der Intensiv und ich werde gleich zu ihr fahren. Das Verrückte ist, ich machte mir Sorgen, es wäre ihr etwas „passiert“, aber das sie sich was antut hätte ich nicht gedacht (so verrückt das klingt), weil wir mehrmals darüber gesprochen haben und sie immer wieder sagte, das wäre nicht so einfach, davor hätte sie zu viel Angst.

Ich habe einiges gelernt. Und mit Zeitverzögerung setzten jetzt innerlich viele Dinge bei mir ein, Gedanken, Gefühle. Sollte es in meinem Leben nochmals eine solcher Situation geben, würde ich wahrscheinlich anders handeln.

Avera

Depression sind im Alter ja bekanntlich recht häufig und
etliches deutet schon darauf hin, daß die von Dir beschriebene
Frau unter Depression leiden könnte. Allerdings muß der
Entschluß für eine Behandlung von ihr kommen. Du kannst ihr
Informationen geben (wie gut Depression behandelbar ist z.B.)
und sie damit zu motivieren versuchen, zwingen kannst Du sie
allerdings nicht dazu. Deine Verzweiflung darüber, daß sie
nicht das tut, was Du für das Beste in ihrer Situation hältst,
ist sehr verständlich. Jede®, die/der mit Menschen zu tun
hat, die von solchen Problemen betroffen sind, kennt das wohl.
Ich zumindest. Ich weiß daher auch, daß die Entscheidung
letztendlich beim Betroffenen selbst liegt (Extremfälle jetzt
einmal ausgenommen; wenn es soweit kommt, wird ihre Ärztin
einschreiten) und daß wir diese Entscheidung akzeptieren
müssen, so schwer es uns auch fallen mag. Ein wenig Abstand
zur Situation könnte Dir helfen, es zu akzeptieren. Manchmal
ergeben sich dann, wenn man sich später wieder der Sache
widmet, neue Perspektiven.

Grüße,

O. Walter
Diplom-Psychologe, Kiel

Hallo Avera,

Depressive begehen recht häufig Suizidversuche und daher muß man das wissen, wenn man mit solchen Menschen zu tun hat. Das ist eine der Extremsituationen, von der ich in meinem Posting sprach, wenn Du Dich erinnerst. In solchen Fällen ist es in der Tat in Ordnung, sich über den durch die Krankheit beherrschten Willen der Patientin/des Patienten hinwegzusetzen und zu handeln. Das war und ist immer meine Position gewesen.

In der Hoffnung, daß sich der Weg nun zum Besseren wendet

Oliver Walter

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D. Nuhr

Jemand, der depressiv ist, macht sich keine
Gedanken über die Klamotten bzw. die Perücke.

Was für ein Unsinn. Das suchen nach Gründen warum man etwas nicht kann, ist doch typisch für Depris. Du hast ja nicht den Hauch einer Ahnung vor was man in so einer Situation alles Angst haben kann, man möchte Unsichtbar sein und da kann man nicht wie ein Penner rumrennen.

Jan

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OT: Was hat …
… Dieter Nuhr damit zu tun?

Fragt sich grüßend
Christiane

… Dieter Nuhr damit zu tun?

Ist ein Insider „Gag“

„Wenn man von etwas keine Ahnung hat, EINFACH MAL DIE FRESSE HALTEN!“ D. Nuhr

Gruss Jan

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Ach, das war’s nu(h)r. :smile: -owT-

  • owT -