Depressionen

Hallo!
Mein Sohn (19) leidet seit einiger Zeit unter mal mehr mal weniger heftigen Depressionen. Da er z.Zt. Zivi ist mußte erst mal die Vorgehensweise geklärt werden, was man da wie und wo anleiern muß…Er war letztendlich mit einem Berechtigungsschein seiner Diensstelle (den Tip hatte ich auch aus w-w-w) beim Hausarzt, mit der Hoffnung,er bekäme da den Weg einer Psychotherapie aufgezeigt. Leider Fehlanzeige. Er bekam eine Überweisung zum Psychiater, mit dem Hinweis, daß man da Wochen und Monate auf einen Termin wartet, und Antidepressiva. Die hat er direkt „entsorgt“, und war erst mal total down, mit den Worten: Bin ich verrückt oder was?Habe ich inzwischen hier im Forum ein bißchen umgesehen, und links zu dem Thema gefunden, woraus schon hervorgeht, daß die Vorgehensweise so anscheinend normal ist. Wer hat Erfahrungen, wie es jetzt weitergehen soll? Der Arzttermin war Freitag mittag,ensprechend hat er bei keinem Psychiater noch jemanden erreichen können, er wird sich aber dann Montag früh direkt hinter klemmen. Was, wenn der Psychiater auch erst mal Antidepressiva verordnet? Mein Sohn möchte eine Gesprächstherapie, bekommt er die auch beim Psychiater? Bin total ratlos!
LG
elviretta

Hallo,

es ist wichtig, daß Dein Sohn aktzeptiert, daß er an einer ganz normalen Krankheit leidet, die, wie andere ganz normale Krankheiten auch, mit einem Medikament behandelt werden muss bzw soll.

Ein Knochenbruch heilt auch nicht davon, dass man ihm gut zuredet.
Aber wenn es mir dann erstmal besser geht, soll ich dann vielleicht zur Physiotherapie.

Was ich sagen will: Es muß ihm erstmal, durch ein Medikament, soviel besser gehen, daß eine Therapie auch Wirkung haben kann.
Sieh das Medikament also also ‚Soforthilfe‘ an (sofort soll nicht heissen, dass sich ne Wirkung schon morgen zeigt - dauert meist so an die zwei Wochen, bevor man überhaupt eine Wirkung merkt), und die Therapie als eine Art von Training, um spätere Rückfalle zu vermeiden oder zu vermindern.

Wartezeiten bei Therapeuten sind nun mal lang - da ist ein Medikament auch zur Überbrückung der Wartezeit sinnvoll.

Es soll auch Therapeuten geben, bei denen die Einnahme eines Medikaments Voraussetzung für die Therapie ist - weil sonst die Therapie wohl für die Katz wäre.

Anyway, ich wünsche Euch viel Glück und Erfolg - aber den kann Dein Sohn nur haben, wenn er sich von den Fachleuten beraten lässt, und nicht, wenn er alles ablehnt, was ihm empfohlen wird.
Der erst Schritt, also, zu erkennen, dass er an einer Depression leidet, und das Aufsuchen ärztlicher Hilfe, das ist das schwierigste. Und der Schritt ist ja immerhin schon getan.

Gruss, Isabel

Hallo!

Ich stimme meiner Vorrednerin total zu.
eine depression ist eine krankheit-gegen die man was machen kann…
und warum sollte man keine medikamente dagegen nehmen wenn es schon diese gute möglichkeit gibt? sonst nehmen leute ja auch für alles was…und hier soll es was schlechtes sein?
wichtig ist auch denke ich -das er selbst was in die hand nimmt-nicht das du alles für ihn machst…-denn dann tut er was dagegen wenn er wirklich will-sonst hat es sowieso keinen sinn.

ich nehme selbst medikamente dagegen-denn ich versteh nicht warum ich mich so quälen sollte? es ist so schon schlimm genug…und jetzt wo ich so weit bin -mache ich auch eine gesprächs therapie.

naja wie auch immer
ich wünsche deinen sohn und auch dir alles gute für diesen weg

lg olga

Hallo Elviretta,

Isabel hat Recht mit dem, was sie sagt. Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit, die gut behandelt werden kann. Dazu können Medikamente und / oder eine gute Psychotherapie eingesetzt werden. Leider ist es oftmals nicht möglich, schnell einen Therapieplatz bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten zu bekommen. Daher stellen Antidepressiva oft die schnellere der beiden Behandlungsmöglichkeiten dar. Man muß dazu wissen, daß es besser ist, möglichst bald etwas gegen Depression zu unternehmen und die Krankheit nicht so schlimm werden zu lassen, daß eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik notwendig wird.

Dein Sohn sollte daher den Termin beim Psychiater wahrnehmen und sich von ihm darüber beraten lassen, was es mit seiner Krankheit auf sich hat und wie sie am geeignetsten behandelt wird. Dabei sollte er seine Ablehnung der Medikamente ansprechen.

Beste Grüße,

Oliver Walter

Hallo

Wenn die Depi plötzlicvh auftauichten, dann kann es auch organische Ursachen haben.
War er krank, nahm er davor Medis zb Antibiotika. Ist die Nahrung anders und wenn ja was ist anders? Wie ist sein Stuhlgang? Hat er trockene Haut, Lippen oder Haare?
Je nach Antwort kann ich Dir mehr sagen

Gruss
Beat

Hallo,

Antidepressiva. Die hat er direkt „entsorgt“,

Warum?
Ich hab in meiner direkten Umgebung 2 Betroffene, die mir beide schon mehrmals bestätigt haben, daß eine Medikamenteneinname unumgänglich ist. Zumal es ohne Einnahme wohl unmöglich ist rational mit der Erkrankung umzugehen.

Beide hatten allerdings Mißerfolge, was die Einstellung der Medikamente im Alltag betraf und haben dann für mehrere Wochen eine Klinik aufgesucht. Bei einem waren z. B. die Nebenwirkungen so gravierend, daß er nicht mehr in der Lage war zu arbeiten. (In der Klinik hat man dies sofort bemerkt und ist auf ein anderes Medikament umgestiegen)

Ich bin ein ziemlicher Tablettengegner, hab mich aber von Betroffenen überzeugen lassen, daß es bei Depressionen absolut erforderlich sei.

Liebe Grüße,
Christiane

Hallo !

Zunächst müsste mal geklärt werden, ob bzw. welche Art von
„Depressionen“ nun vorliegen. „Mal mehr oder weniger“ ist keine
wirklich typische Beschreibung für eine Depression (schliesst es aber
nicht aus. Dementsprechend richtet sich dann auch die Therapie nach
der Art der „Störung“. Gehen wir von einer „Major Depression“ = eine
mindestens 14 Tage anhaltende depressive Episode mit deutlichen
Beeinträchtigungen aus, so gibt es prinzipiell (wiederum je nach Art)
sowohl medikamentöse, wie nicht medikamentöse Optionen der
Behandlung. Sicher sind die Antidepressiva schnell (6-14 Tage bis
Wirkung da ist), nebenwirkungsarm und effektiv. In schweren Fällen
einer typischen Depression (besonders bei familiärer Belastung für
Depressionen) kann dies lebensrettend sein

Nicht medikamentöse Therapieoptionen wären u.a. die Psychotherapie.
Nur dauert es halt oft lange, bis man einen Therapeuten findet, sich
auf ihn oder sie einlassen kann und Therapieeffekte eintreten
(Grössenordnung im Optimalfall einer Kurzzeittherapie 20 h = 20
Wochen Minium). Die Erwartung, dass der Psychiater diese Therapie
macht, ist unrealistisch, meist beschränkt sich die Betreuung dort
auf 10 Minutentermine.

Ebenso realitätsfremd wären weitere nicht-medikamentöse Optionen, die
bei einigen Spezialformen besonders effektiv sind. Hierzu gehört
Schlafentzug, Lichttherapie oder auch die Elektrokrampftherapie oder
speziellere Magnettherapien.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]