Depressionen/Angst - welcher Arzt? Was tun?

Hai,

ja, ich hab in die FAQs gesehen… Mir ist’s aber noch nicht ganz klar geworden, daher meine Frage:

Meine Bekannte hat Anzeichen eines hypochondrischen „Wahns“, traut sich aber nicht zum Arzt aus Angst vor der Diagnose… Ich meine, sie könnte wohl mal vorher zum Psychologen/Psychiater gehen, um mit dem darüber zu reden.

Aber ich steige auch durch die Bezeichnungen nicht durch und weiß vor allem nicht, wie man dann vorgeht. Auf meinen Vorschlag äußerte sie auch Bedenken, dass der Arzt sie nicht ernst nimmt, keine „Lust“ hat, sich ihre verquren Gedanken so lange anzuhören etc.

Also - ruft man da an, sagt, was einen quält und bittet um einen Termin? Und zahlt die Krankenkasse irgend was von den Kosten?

Danke + LG

Schnägge

Hallo Schnägge,

Also, eine Bekannte von mir ist auch in Behandlung bei einem Psychologen wegen leichten Depressionen. Da war der Ablauf etwa so:
Zuerst zum Hausarzt, in etwa geschildert, worum es geht. Der hat sofort gesehen, dass sie einen Psychologen braucht und hat ihr das gesagt und eine Überweisung ausgeschrieben. Sie (bzw. ihr Mann) hat sich dann einen Psychologen in der Nähe aus dem Telefonbuch ausgesucht, dort angerufen, um einen Termin gebeten. Den hat sie dann bekommen, ist hin, lange Gespräche (Gesprächstherapie), leider auch Psychpharmaka usw. Ja und jetzt geht es ihr schon wieder sehr viel besser. Die Kosten hat die Krankenkasse selbstverständlich und ohne Murren übernommen. War eine normale Krankenkasse, also nicht irgendwie privat oder so.
Das ganze war natürlich von der Diagnose her etwas anders gelagert als bei deiner Freundin, aber ich wüsste nicht, warum es bei ihr anders laufen sollte. Und der Psychologe hat wirklich sehr geduldig zugehört, mit ihr gesprochen und nichts als Spinnerei hingestellt. Ich denke, wenn das ein Psychologe machen würde, sollte man sich dann tatsächlich einen anderen suchen.

Ich hoffe, dir etwas geholfen zu haben
Viele Grüsse
Klaus Bernstein

MOD: Vollzitat entfernt

keine Panik
Hi,

Aber ich steige auch durch die Bezeichnungen nicht durch und
weiß vor allem nicht, wie man dann vorgeht.

in erster Linie ist es vielleicht ganz ratsam sich von dem Gedanken zu lösen, dass man als Patient seine Diagnose wissen muss BEVOR man zum Arzt geht.
Ärzte sind dazu da und haben gelernt durch stellen der richtigen Fragen Diagnosen zu stellen. Warum geht sie nicht einfach hin und sagt „ich habe diese und jene verquerte Gedanken und habe Angst vor der Diagnose sowieso“?
Sicher wäre es ganz gut überhaupt erst mal irgendwohin zu gehen. Also zu einem Arzt/Psychater oder Psychologen. Der Vorteil von Ärzten ist, dass man fast immer einfach beim ersten den man anruft so in die Sprechstunde (mit Termin) gehen kann ohne erstmal lange warten oder rumtelefonieren zu müssen. Der Nachteil IMHO, dass bei Ärzten durch die Praxisabläufe das Ganze eher „technisch“ abläuft was aber fü einen Erstbesuch auch von Vorteil sein kann.

Auf meinen
Vorschlag äußerte sie auch Bedenken, dass der Arzt sie nicht
ernst nimmt, keine „Lust“ hat, sich ihre verquren Gedanken so
lange anzuhören etc.

Im Gegensatz zu „normalen“/Haus-Ärzten haben Psychater meist wesentlich mehr Zeit für Ihre Patienten als die mit ihrer 3-Minuten-Medizin. Ich würde mir da keine Sorgen machen wegen des zuhörens…

Also - ruft man da an, sagt, was einen quält und bittet um
einen Termin?

Ja, bei einem Arzt/Psychater. Was einen quält muss man am Telefon natürlich nicht sagen :wink:
Psychologen haben oft keine Praxis mit Arzthelferinnen, Wartezimmer und so weiter. Da läuft oft nur der Anrufbeantworter und man muss auch einen Rückruf (in den nächsten Tagen) warten.

Und zahlt die Krankenkasse irgend was von den
Kosten?

Bei Ärzten/Psychatern natürlich (minus 10.- Krankenkassengebühr). Psychologen meistens, ggf. bei demjenigen nachfragen

Viele Grüße,
J~

Hallo Klaus

Sie (bzw.
ihr Mann) hat sich dann einen Psychologen in der Nähe aus dem
Telefonbuch ausgesucht, dort angerufen, um einen Termin
gebeten. Den hat sie dann bekommen, ist hin, lange Gespräche
(Gesprächstherapie), leider auch Psychpharmaka usw.

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass sie bei einem Psychologen war. Meiner Erinnerung nach dürfen Psychologen keine Psychopharmaka verschreiben.
Ich nehme eher an, dass sie bei einem Facharzt für Psychotherapie war. Oder eben bei einem Facharzt für Psychiatrie, also einem Psychiater.
Gruß,
Branden

Hallo Branden,

Sie (bzw.
ihr Mann) hat sich dann einen Psychologen in der Nähe aus dem
Telefonbuch ausgesucht, dort angerufen, um einen Termin
gebeten. Den hat sie dann bekommen, ist hin, lange Gespräche
(Gesprächstherapie), leider auch Psychpharmaka usw.

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass sie bei einem
Psychologen war. Meiner Erinnerung nach dürfen Psychologen
keine Psychopharmaka verschreiben.
Ich nehme eher an, dass sie bei einem Facharzt für
Psychotherapie war. Oder eben bei einem Facharzt für
Psychiatrie, also einem Psychiater.

Ach, Du hast mich ertappt :wink: Ich habe noch mal im Telefonbuch nachgesehen und dort steht tatsächlich Psychiatrie/Psychotherapie. Wenn wir drüber geredet haben, da war immer die Rede von „Ich gehe zu meinem Psychologen“. Klang wahrscheinlich einfacher und neutraler…

Viele Grüsse
Klaus Bernstein

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Hallo Klaus

Wenn wir drüber geredet haben, da
war immer die Rede von „Ich gehe zu meinem Psychologen“. Klang
wahrscheinlich einfacher und neutraler…

Ja, das kenn ich, das ist sehr verbreitet.
Selbst vom Fachpersonal, also den Arzthelferinnen der überweisenden Kollegen, bekomme ich häufig Überweisungen, wo „Psychologe“ draufsteht. Früher hab ich da immer was zu gesagt, heute verschwende ich kein Wort mehr darob.
Die Patieten sagen zu etwa 80 % sowieso „Psychologe“, wenn sie „Psychotherapeut“ meinen.
Es muss wohl tatsächlich etwas damit zu tun haben, dass, wie du schon sagst, das Wort „Psychologe“ harmloser klingt, nicht so sehr nach „Behandlung“.

Gruß,
Branden

Hi…

Das kenne ich selbst alles nur zu gut; auch ich habe JAHRE gebraucht um mir zuzugeben dass ich Probleme mit mir selbst habe.Aber wie auch vorher gesagt: Keine Panik!Es ist schonmal gut dass die Person es spürt-denn bis es bei mir soweit war (und ich habe immer versucht vor mir selbst wegzulaufen)…
Ich habe es so gemacht damals:

Hier in München gibts zB einen Verein für Psychoanalyse/Psychotherapie e.V.

Dort gibt es jede Menge an Fachleuten-u.a. auch Mediziner mit der Fachrichtung Psychiatrie-die eben auch durchchecken ob man akut Psychopharmaka nötig hat etc…

Dort konnte ich mit so einem Psychiater ein Vorgespräch machen und der hatte mir dann verschiedene Adressen gegeben von Psychologen.
Die habe ich alle durchprobiert-ich hatte drei Jahrelang nach dem passenden Psychologen gesucht;denn es muss ja auch die Chemie stimmen.
Muss aber nicht sein…

Wie gesagt: Psychopharmaka- wenn akut nötig :ja!Aber eine gute und gründliche Psychoanalyse ist einfach unerlässlich!Und man muss aufpassen dass man durch die Pharmaka nicht soweit kommt dass der Leidensdruck total schwindet sodass man nicht mehr das Bedürfniss hat sich zu fragen:„Mensch, warum eigentlich?Warum habe ich dieses Problem?“.

Denn es muss einem auch bewusst sein, dass dies kein Normalzustand ist.Und da muss eben auch ein gewisser Leidensdruck dasein, denn anders bearbeitet man dies nicht…

Nun ich habe dann eben jahrelang damit gearbeitet und vieles bearbeitet…Es war sehr oft sehr sehr sehr anstrengend und tat oft auch weh-aber heute bin ich erfolgreich symptomfrei!

Gruss und alles Gute

Korrigiere…

Die habe ich alle durchprobiert-ich hatte drei Jahrelang nach
dem passenden Psychologen gesucht;denn es muss ja auch die
Chemie stimmen.
Muss aber nicht sein…

Mit "muss aber nicht sein " ist gemeint, dass man nicht unbedingt so lange suchen muss…Um die Paradoxität im Satz zu berichtigen

Gruss

Hi Georgian,

Aber eine gute
und gründliche Psychoanalyse ist einfach unerlässlich!

Ich habe Dich schon einmal darauf hingewiesen, dass Du die Begrifflichkeit „Psychoanalyse“ als Empfehlung inflationär auf alles, was auch nur im entferntesten mit psychischen Problemen hinweist, benutzt.

Auch wenn dieser Artikel unter Wiki als „übearbeitungsbedürftig“ steht, so sollte er Dir vielleicht einen kleinen Hinweis darauf geben, was damit gemeint ist.

Von eigenen Erfahrungen zu berichten finde ich sehr wünschenswert - auch hier in einem „Fachbrett“, daraus allerdings ein Allheilmittel für alle anderen abzuleiten ist einfach verantwortungslos.

*ungehalten*

Anja

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Hallo,

wenn sich Deine Bekannte vorstellen kann, mit ihren Beschwerden zu einem Facharzt für Psychiatrie zu gehen, dann sollte das genauso gehen wie mit jedem anderen Facharzt. Also entweder Überweisung oder Facharztschein.

Bei dem braucht sie auch keine Angst zu haben, wenn sie ihre Beschwerden schildert. Hausärzte sind meiner Erfahrung nach nicht immer so sensibel, dass die das eigentliche Problem (also die psychische Erkrankung) erkennen.

Dass sie sich scheut, darüber zu reden ist eine Begleiterscheinung (wer will schon gern als Hypochonder abgestempelt werden). Ein guter Facharzt kann aber die richtigen Fragen stellen, wodurch sie ihre Scheu (zumindest bei dem Arzt) überwinden kann.

Alles Gute von
Morrighan

Eine gründliche und ausgiebige Analyse der Situation ist einfach unerlässlich…

gruss

Hi,

Psychoanalyse ist ein feststehender Begriff. Wenn der Therapeut den Patienten begutachtet ist das eine Art Analyse, aber keine Psychoanalyse in dem Sinne wie dieses Wort im Allgemeinen verwendet wird.

Grüße,
J~

gut…Ich habe eine Psychoanalyse bei einem Psychoanalytiker gemacht;jahrelang…Einzel-und Gruppentherapie kombiniert…Ich weiss nicht was du mit allgemein meinst…Ich verstehe auch nicht warum sich hier manche sofort auf den Schlips getreten fühlen;gibt ja keinen Grund für.
Ich glaube auch nicht dass ich hier irgendwie Verantwortungslos gepostet hätte…Wollte eigentlich nur mitteilen dass man da raus kann aus dem depressiven Sumpf.Ich war damals völlig neben der Kappe und mittlerweile habe ich Freude am Leben und kann es wieder meistern;bin sozialfähig geworden.Hätte ich ohne Therapie nie geschafft.
Ich habe auch in keinem meiner Postings von gegebenenfalls notwendiger Medikation abgeraten.Das liegt auch nicht in meinem Ermessen(Na gut;ich habe es immer abgelehnt;ob richtig oder falsch kann man sich streiten…In meinem Fall war es gut so.).Im Gegenteil: wenn jemand akut suizidal gefährdet ist z.B.Keine Frage!Aber es ist auch absolut sinnvoll die Hintergründe zu hinterfragen und irgendwann mal es zu schaffen von evtl. Medikation wegzukommen.das war eigentlich nur mein absolut gutgemeinter Hintergrund…

Naja: was solls…

Wachstum und Entwicklung kommt auch vom Zusammenkommen unterschiedlicher Meinungen.

In der Regel arbeiten Psychologen/Psychoanalytiker auch mit Psychiatern und Neurologen (Die eben auch Psychopharmaka verschreiben dürfen!!) zusammen; mein Psychoanalytiker hat mich ja auch zuerst mal zu seinem mitarbeitenden Psychiater geschickt…Dann wird auch entschieden.Bei mir waren Psychopharmaka nie Thema;bei einem anderen ist es vielleicht zwingend nötig(Vor allem bei schlimmen Psychosen) und eben akuter suizidaler Gefährdung oder starker Einschränkung der Lebensqualität wie bei Zwängen,extremen Phobien.

Gruss

Danke für Eure Antworten…
Hi,

danke Euch allen für die rege Diskussion! :smile:

Ich habe nun eine Praxis eines „Psychotherapeuten“ und eines „Facharztes für Psychiatrie; Psychotherapie“ gefunden - ich denke, die beiden können wir mal fragen, ob sich einer zuständig fühlt.

Und ob Medikamente oder nicht, wird man dann ja sehen.

Ihr Problem ist ja, dass sie Angst hat, krank zu sein, sich aber nicht zum Arzt traut aus Angst vor einer vernichtenden Diagnose. Mal sehen, was draus wird.

Liebe Grüße,

Schnägge