Hallo,
ich bin rechtliche Betreuerin und habe einige Betreute mit psychischen Problemen. Eine Betreute macht mir besonders Kopfzerbrechen und ich komme da nicht weiter.
Ich versuche mich kurz zu fassen, ist aber schwierig
Nötige Infos werden bei Interesse gerne nachgeliefert.
Situation (aus meiner Sicht):
Frau Anfang 40, hat Betreuung selbst beantragt, langzeitarbeitslos (7 J.), nach langer Ehe geschieden und alleinerziehend, wirkt gebildet und intelligent, vielseitig interessiert, hat ihr Leben mE bisher gut gemeistert, wirkt sehr empathisch.
Sohn 15 J. wirkt vernünftig gut erzogen und selbstständig, mittelmäßiger Schüler, eher schüchtern und ruhig. Anscheinend gutes, offenes und vertrautes Verhältnis zur Mutter. Insgesamt guter Umgang miteinander, keine offensichtliche Probleme.
Probleme (aus ihrer Sicht):
Trinkt zu viel, obwohl sie es lassen könnte.
Verwahrlosungstendenzen in Bezug auf Körperhygiene, nur das Nötigste im Haushalt (Anm. von mir -> ist aber nicht extrem verdreckt.)
Antriebslos und starke „Mir doch sche** egal“ Gefühle
Wenn Kind nicht wäre, würde sie ganz durchhängen.
Am liebsten würde sie Kind zu Vater geben und alleine leben, aber Kind will nicht, obwohl Vater ok ist (aber zu streng ist und zu wenig Zeit hat) und regelm. Kontakt besteht. (Sind gerade zusammen in Urlaub)
Hat inzw. gar keine Lust mehr zu arbeiten, sie käme auch ohne Geld klar und braucht nicht viel. Das scheiß Amt soll sie doch endlich in Ruhe (verrecken) lassen.
Kontakt zu/mit mir:
Ruft mich 1-3 mal monatl. an (heute bis vor kurzem telefoniert), also ab und zu auch spät abends und lange Gespräche. Ambivalentes, für mich schwer einzuordnendes Verhalten. Einerseits total vernünftig, gewissenhaft, verantwortungsvoll und erkennt und reflektiert ihre Probleme, wirkt sehr selbstkritisch, kritikfähig und offen. Andererseits plötzliches Absinken ihres Niveaus (bes. sprachlich)
Wechsel zw. Altruismus und Egoismus, sowie anklagenden und klagenden Äußerungen und Abwehr und Annehmen von Ratschlägen, aber kein Selbstmitleid, sondern eher Selbstvorwürfe.
Frage:
Wie soll ich mich verhalten?
Noch stärker abgrenzen und mich nicht so „reinhängen“ indem ich meistens für sie da bin.
(Ich muss dazu sagen, dass ich sie auch ab und zu abweise, obwohl ich es nicht müsste, weil ich vorsichtshalber gewisse Distanz wahren möchte. Das akzeptiert sie auch und ist nicht aufdringlich, sondern hat Antennen und Taktgefühl)
Oder soll ich das bestehende Vertrauen zu mir stärken, weil die Chance besteht, sie zu aktivieren/motivieren/aufzubauen und evtl. zu einer Therapie bewegen zu können?
ms
