Depressionen, was hilft?

Es geht hier nicht um mich. Ich habe früher auch unter Depressionen gelitten. Ich glaube sie waren von der Situation bedingt in der ich damals war. Scheidung, Tod meiner Eltern innerhalb kurzer Zeit, Verlust des Familienbetriebes. Ich hab danach keinen Sinn im Leben gesehen.
Nachdem ich Medikamente genommen und seit sich meine Situation wieder stark verbessert hat, geht es mir auch besser. Nicht dass ich mich vollständig geheilt fühle, und an manchen Tagen kommen die schwarzen Stunden wieder zurück, aber an den meisten Tagen kann ich mich an den kleinen Dingen des Lebens freuen.

Es geht hier um eine liebe Freundin. Sie hat eine schwere Operation hinter sich (Brustkrebs). Gottgedankt ist keine Chemotherapie nötig. Sie ist (hoffentlich) vom Krebs befreit. Aber es gibt Komplikationen und sie muss zu Hause bleiben. Einen kleinen Eingriff hat sie noch vor sich. Dazu kommen Geldsorgen, sie kann einen Nebenjob nicht wieder aufnehmen, der ihr sonst über die Runden geholfen hat. Sie hat eine 10-jährige Tochter. (Sie ist 30 Jahre alt) Die sonst so lebenslustige Frau zeigte schon vor der Operation und verstärkt nachher sehr ähnliche Symptome wie ich damals. Lacht nicht, ja lächelt nicht. Ist nur mehr ein Viertel so kommunikativ wie früher. Geht oft nicht zum Telefon und wenn klingt sie nur verzweifelt. Ich dachte schon sie wäre böse auf mich, aber mir ist dann gekommen: So war ich auch damals. War auch in meinem Schneckenhaus und wollte (konnte) nicht raus.

Ich hab ihr keine Ruhe gelassen, und hab jeden Tag angerufen, ihr Mails und SMS geschrieben. Ich bin ja auch nicht der seelisch stabilste und hätte fast aufgegeben. Da kommt ein Mail zurück wie dankbar sie mir ist, dass ich sie so Originalzitat ‚emotional und finanziell unterstüzte’ (hab ihr vor der Operation 300 € geliehen). Ich war vorige Woche bei ihr, sie hat mir dann gesagt sie nehme Antidepressiva. (Ich bin sehr froh, ich wusste bis zu dem Zeitpunkt nicht, ob sie wegen der (von mir vermuteten) Depression in Behandlung ist. Zwar habe ich noch kein Lachen gesehen, aber ein kleines Lächeln. Vielleicht ist es zu optimistisch, aber ich glaube es geht ihr besser. Gestern habe ich sie am Telefon sogar zum Lachen gebracht. Ein echter Fortschritt wie ich meine. Ich hab sie für nächste Woche auf ein Pizzaessen eingeladen, da darf sie schon außer Haus.

Jetzt komme ich zu meiner Frage. Was kann ihr außer den Medikamenten helfen. Ich würde sagen, ihr altes Leben aufnehmen und arbeiten wäre schon sehr hilfreich, das meint auch sie, aber bis dahin muss sie sich noch 2 bis 3 Monate schonen. (S…… Komplikationen). Ich weiß dass Medikamente helfen, aber nur teilweise.

Was meint Ihr? Was hilft?

Servus
Herbert

Hallo Herbert,
erstml Kompliment, dass Du Dich so rührend um Deine Bekannte/Freundin kümmerst. Nicht allein gelassen zu werden, ist in der heutigen Zeit schon mehr, als viele erwarten können. Und emotionale Unterstützung der Umwelt ist leider nicht mehr verbreitet, um so schöner ist es, wenn sie doch noch praktiziert wird.

Kann denn Deine Bekannte/Freundin Sport machen? Und hier meine ich nicht Fitnessstudio, was mit Kosten verbunden wäre. Nordic Walking, Ausdauerlaufen, und wenn es nur 15 Minuten in langsamer Geschwindigkeit sind. Regelmäßig ausgeübt, steigert Ausdauertraining nicht nur die körperliche Belastungsfähigkeit und bessert das Allgemeinbefinden, sondern führt lt. meinem Hausarzt auch zur verstärkten Ausschüttung von Endorphinen, was sich wiederum positiv auf die Psyche auswirkt. Vielleicht kannst Du sie ja zu gemeinsamen Dauerläufen überreden, dann habt Ihr beide etwas davon.

Ich wünsche Dir und Deiner Bekannten alles Gute.
MfG LM

Servus LM, danke :smile:
Sie macht viel Sport, sie ist eine richtige Sportlerin, sie hat sogar früher auf Kickboxen trainiert. Ich glaube auch, das ihr das helfen wird. Und sie hat auch mir angedroht mich alten Sportmuffel nach der Operation (wenn sie wieder gesund ist) mitzunehmen. Ich kann allerdings bei kaum was bei ihr mithalten. Sie muss allerdings noch mindestens zwei Monate warten, bis sie wieder Sport machen darf. Spazierengehen wird sie aber schon dürfen.
Das werma machen.
Servus und danke
Herbert

Hallo Herbert!

Wirklich sehr schön, daß Du Dich so kümmerst! :smile:

Wie auch bei Dir- ist wohl der gesamte Zustand die Ursache für dieses Verhalten.
Seien wir doch auch ehrlich- es wäre doch auch eher „unnormal“, wenn man bei solchen Sorgen noch lachend und lächelnd durch die Welt geht und sagt „alles ist schön!“.

Abgesehen von Medikamenten- ist sicherlich einfach ein Mensch, der da ist- sich ein wenig kümmert- mal nachfragt und damit das Gefühl gibt, daß man nicht ganz alleine ist- sehr helfend!

Für Krebspatienten wird es auch sicher Selbsthilfegruppen geben, in die man gehen kann- sich austauschen- und damit andere Betroffene findet, die die unglaublichen Ängste und Sorgen verstehen.
Zu sowas…könntest Du sie ja vielleicht auch annimieren-- das mal vorschlagen!?
Über Caritas etc kann man sicher Adressen-Telefonnummern bekommen!

Eine Kur…kann einem helfen- würde da wohl sicher auch genehmigt…auch das könnte man mal anbringen.

Manchmal…ist es eine SMS…ein lieber Anruf, und sei es nur ganz kurz-- der dann zu einem durchdringt und man sich damit einfach besser fühlt!

Spazieren gehen…mal zusammen laufen…Sonne- die hoffentlich nun bald mal wieder häufig da ist- geniessen…- ein Eis essen gehen oder vielleicht mal ein Hörspiel schenken- Buch- Film…-- es geht ja nicht um Geld, daß man ausgibt sondern die Geste, daß man einfach Zeit und GEdanken dem anderen schenkt!

ich finds toll, daß Du Dich da bemühst und Dir Gedanken machst !!

liebe Grüsse
kitty

Hallo Herbert,

ein stützendes Umfeld und ein gutes soziales Netzwerk sind auf jeden Fall positive Einflussfaktoren um aus einer depressiven Episode wieder heraus zu kommen. Zum anderen ist es wichtig wieder Aktivitäten aufzubauen, auch wenn diese am Anfang vielleicht gar keinen Spaß machen oder keine Freude dabei empfunden werden kann.
Zum anderen würde ich deiner Freundin dringend dazu anraten neben der medikamentösen Therapie eine psychologische Psychotherapie zu machen. (Hier empfehle ich die Ausrichtung: Kognitive Verhaltenstherapie, weil diese sich in Studien meistens als am wirksamsten herausstellt.) Wenn einem so viele negative Dinge im Leben passiert sind kann es sein, dass man sich mit seinem Gedanken im Kreis dreht und vor lauter Grübeln gar nicht mehr aus dem Gedankenkreisen herauskommt, weil es einfach keine Lösung der Probleme zu geben scheint. Zum anderen kann eine Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit auch immer zu Problemen führen und in einer Depression enden.
Zur Behandlung von Depressionen gibt es viele hilfreiche und wissenschaftliche untersuchte Behandlungen durch psychologische Psychotherapeuten! Ich würde daher dringend dazu raten einen Solchen aufzusuchen. Es kann sein, dass man dann erst mal auf eine Warte-Liste muss, aber ich persönlich denke, dass das der richtige Weg ist und auch hilft zukünftige Depressionen zu vermeiden.

Beste Grüße

Pamparius

Hallo Herbert!

Aus leidvoller eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass das beste in so einer Situation das Gefühl ist gebraucht zu werden. Kann sie etwas, (z.B. am PC, Nähen usw.), wo Du sie einspannen kannst oder eventuell Bekannte bittest, dass sie etwas „brauchen“ könnten?

Die Notwendigkeit von Bewegung (anfangs wahrscheinlich nur Spaziergänge) wurde ja schon angesprochen, wobei nicht nur die Bewegung hilft, sondern vor allem auch das Tageslicht. Spaziergänge in der Finsternis können zwar schön und romantisch sein, aber der Körper braucht unbedingt das Tageslicht wegen des Serotonin-Spiegels. Vielleicht kommt bei ihr zusätzlich zu den Problemen wegen der OP noch eine Winterdepression dazu.

Eine weitere Frage ist natürlich, ob sie schlafen kann, was bei Depressionen fast immer ein Problem ist. Hat sie auch diesbezüglich Medikamente? Welche Antidepressiva nimmt sie und in welcher Stärke? Seit wann hat sie die? Es dauert nämlich mindestens zwei bis drei Wochen, bis sich die erste kleine Wirkung einstellt.

Kümmere Dich weiter viel um sie, versuche aktiv zuzuhören (notfalls im Internet nachschauen, was das bedeutet), rede mit ihr, ob nicht eine vorübergehende Psychotherapie möglich wäre, suche Selbsthilfegruppen für sie usw.

Vielleicht interessiert sie sich auch für Internet-Foren, wie z.B. http://traumazone.de/ oder http://www.forum-psycho-treff.de/, wo von Betroffenen sehr verständnisvolle Antworten gegeben werden.

Hoffentlich ist bei meinen Ideen etwas dabei, was ihr helfen kann! Alles Gute für sie und für Dich

Waldi

Liebe Kitty,
danke :smile: für die schönen Tipps, und das Mitgefühl.
auch ich halte eine Depression für einen normalen Zustand wenn einem schlimme Dinge passieren. Manchmal ist es einfach viel zu viel was einem passiert. Mir haben damals Freunde geholfen, vielleicht mehr als die Medikamente. Ich bin ihnen dafür ewig dankbar, und ich will das weitergeben.
Servus
Herbert

Lieber Pamparius
auch Dir herzlichen Dank für die gute und hilfreiche Antwort,
Servus
Herbert

Lieber Waldi,
und ob da gute Ideen dabei sind :smile:
Danke dafür. Die Links werde ich mir gerne ansehen.
Servus
Herbert

Liebe Freunde,
danke für die guten Tipps :smile:
ich war heute mit meiner lieben Freundin Pizzaessen. Und freue mich sagen zu können, sie hat einen wirklich schönen Fortschritt gemacht :smile: Einfach unglaublich. Sie ist wieder kommunikativ und ihr Humor kehrt zurück.
Schön, nicht?
Servus
Herbert

Hallo Herbert,
schön das zu hören. Weiterhin alles, alles Gute wünscht LM