Depressiv: Für sich selbst verantwortlich?

Hallo

Ich würde ganz gerne wissen, was ihr von diesem Fall haltet:

Jemand hat immer alle paar Monate Depressive Phasen. Dies trägt er aber zumeist „für sich selbst“ aus. Also lässt so wenig wie möglich davon nach außen, sondern „für sich im stillen Kämmerlein“.
Die letzte Phase wurde nun aber etwas schlimmer und die Person hat angefangen sich zu ritzen (linken Oberarm).
Das ging so gut 4 Wochen. Ein angeblich guter Freund fiel das mal auf, bzw. er wollte sich ihm „anvertrauen“ doch sagte nur sowas wie „Oh… Haste Schnauze voll, was?“
Und das wars dann auch schon.

Nun ist es auch so, das die Person jedes Quartal zum Blutabnehmen zum Arzt muß. Dies wird aber laut seiner Aussage eigentlich immer am rechten Arm vorgenommen und ausgerechnet an dem Tag fand die Sprechstundenhilfe an dem rechten Arm keine Vene, so das sie den linken nahm und dort die offenen Wunden sah und dies mit einem „Oh, was ist das denn?“ kommentierte.
Der Depressive wich dem ganzen aus, hoffte aber nun auch, das die Sprechstundenhilfe dem Arzt über eine mögliche Suizidgefährdung unterrichten würde. Dies ist aber nicht passiert.

Irgendwann hat sich die Person wieder gefangen und die Wunden sind verheilt.
Er meint, das dies alles „nicht so schlimm“ sei und das er damit schon selber klar kommt und das ihm ja eh niemand helfen kann/will (soll?).

Was kann die Person tun? Nach außen hin muß(will) er „stark“ wirken und möchte sich auch „niemanden aufdrängen“, weil „Jeder selber seine eigenen Probleme hat“.

Und zu dem Arzt; Hätte da in dem Fall nicht etwas passieren müssen? Oder unterliegen die Sprechstundenhilfen ebenfalls einer „Schweigepflicht“?

Wie gesagt. Würde mich mal interessieren, was ihr so darüber denkt, ich bin im Moment etwas Ratlos :smile:

Vielen Dank

Gruß
Andreas

ebenfalls Hallo

Hallo

[…]
Die letzte Phase wurde nun aber etwas schlimmer und die
Person hat angefangen sich zu ritzen (linken Oberarm).

Nun ist es auch so, das die Person jedes Quartal zum
Blutabnehmen zum Arzt muß. Dies wird aber laut seiner Aussage
eigentlich immer am rechten Arm vorgenommen und ausgerechnet
an dem Tag fand die Sprechstundenhilfe an dem rechten Arm
keine Vene, so das sie den linken nahm und dort die offenen
Wunden sah und dies mit einem „Oh, was ist das denn?“
kommentierte.

Der Depressive wich dem ganzen aus, hoffte aber nun auch, das
die Sprechstundenhilfe dem Arzt über eine mögliche
Suizidgefährdung unterrichten würde. Dies ist aber nicht
passiert.

Irgendwann hat sich die Person wieder gefangen und die Wunden
sind verheilt.

Er meint, das dies alles „nicht so schlimm“ sei und das er
damit schon selber klar kommt und das ihm ja eh niemand helfen
kann/will (soll?).

Was kann die Person tun? Nach außen hin muß(will) er „stark“
wirken und möchte sich auch „niemanden aufdrängen“, weil
„Jeder selber seine eigenen Probleme hat“.

Es ist jedoch auch wichtig, seine Grenzen zu erkennen. Ich würde dieser Person raten, sofort und dringend zu einem Psychologen zu gehen und sich helfen zu lassen. Das muss außer ihm ja auch keiner erfahren, er kann „nach außen stark bleiben“, wie es unsere Gesellschaft ja anscheinend zum Nachteil des Einzelnen verlangt.

Und zu dem Arzt; Hätte da in dem Fall nicht etwas passieren
müssen? Oder unterliegen die Sprechstundenhilfen ebenfalls
einer „Schweigepflicht“?

Wenn die Person schon hofft, dass der Arzt was merkt, dann will er ja, dass ihm geholfen wird, traut sich aber nicht es selbst anzusprechen - die Person soll über ihren Schatten springen und sich einem Arzt/Psychologen anvertrauen. Vorwürfe gegen Schwester/Arzt helfen ihm nicht! Wenn er’s der Schwester erklärt hat, glaubt sie ihm vielleicht einfach, was soll sie dann dem Arzt erzählen?

Gruß
Cosis

Ja, Helfen lassen will er sich wohl schon irgendwie. Aber ich glaube er traut sich da einfach nicht hin, weil er Angst hat das man meinen könnte „er markiert nur“, weil es ihm auch überwiegend gut geht. Also ist fröhlich und Lustig und ein guter Arbeiter.
Nur gibts dann halt immer so Phasen in die er Runtergezogen wird. Ganz ohne ersichtlichen Grund (wie er auch selber sagt).

Er hatte auch schon mal Gespräche mit einem Sozialen Berater, den er mal in Anspruch genommen hatte. Aber irgendwie war es ihn dann unangenehm seine „Dienste“ weiter in Anspruch zu nehmen, weil er der Meinung ist, das andere Menschen viel schlimmere Probleme haben und das er da „nicht im Weg stehen möchte“.
Und andere müssen ihren Kram ja schließlich auch selbst in den Griff bekommen…

Gruß
Andreas

Moin

Person hat angefangen sich zu ritzen (linken Oberarm).
an dem Tag fand die Sprechstundenhilfe an dem rechten Arm
keine Vene, so das sie den linken nahm und dort die offenen
Wunden sah und dies mit einem „Oh, was ist das denn?“
kommentierte.

Der Depressive wich dem ganzen aus, hoffte aber nun auch, das
die Sprechstundenhilfe dem Arzt über eine mögliche
Suizidgefährdung unterrichten würde.

Das „Ritzen“ oder auch „Schnippeln“ genannt ist ein häufiges Symptom bei borderline-Persönlichkeitsstörungen und hat zunächst einmal nix zu tun mit Suizidabsichten. Es ist eher ein Versuch, „sich deutlicher zu spüren“.
Gruß,
B.

Hallo,

der Denkansatz, dass die eigenen Probleme nicht so furchtbar schwerwiegend sein mögen, wie manche Probleme anderer Menschen, ist in meinen Augen grundsätzlich gar nicht so schlecht. Er befähigt den Betreffenden nämlich dazu, aktiv an seiner Genesung mitzuarbeiten und Unpässlichkeiten und Schwierigkeiten nicht überzubewerten, wie es oft bei psychischen Erkrankungen passiert.

Das ist eine große Chance, die schwer depressive Menschen oft nur mit medikamentöser Unterstützung (oder gar nicht) wahrnehmen können. Und genau diese Chance gilt es zu nutzen.

Der Umstand, dass die Person sich nicht völlig aussichtslos im Leid gefangen sieht, bedeutet nämlich noch lange nicht, dass kein echter Handlungsbedarf bestünde - ebenso wenig, wie es nicht auch die Möglichkeit einer Verschlimmerung geben könnte. Sich aus einer Depression herauszuwinden, wenn sie einen wirklich im Griff hat, ist ein unglaublicher und manchmal sogar unlösbarer Kraftakt.

Deshalb: Dankbar sein, dass die eigene Psyche noch eine gewisse Stärke gewährleistet und den Schritt tun, der jetzt (noch) aus eigener Kraft möglich ist: Sich psychologische Hilfe suchen.

Nicht aus den Augen lassen sollte der Betreffende aber auch, dass das Meiden einer Therapie bereits ein deutliches Anzeichen dafür sein kann, dass die Angst vor dem Scheitern, die ganz typisch zu einer Depression gehört, bereits einiges an Macht gewonnen hat.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo

Zum letzten Satz:
Das könnte schon gut möglich sein. Ich glaube auch, das er Angst hat, das er dann was in seinem Leben ändern muß, das er nicht will.
Er kann auch in seiner Wohnung kaum Ordnung halten. Deswegen lässt er die wenigen Freunde die er hat auch nicht mehr herein. Ob das schon das „Messi Syndrom“ ist, kann ich von hier aus leider nicht beurteilen.
Laut seinen Aussagen, ist das einfach nur eine „Unlust“ und er seine Zeit lieber mit anderen Dingen vertut.
Seine Schwester hatte sich dann aber mal seiner angenommen und mit ihm z.B. die Küche Tip Top aufgeräumt. Da hat er dann auch mitgemacht und auch wirklich Spaß dran gehabt.
Schon komisch…

Wie gesagt. Vielleicht hat er Angst, das da jemand sagt „Sie müssen dies und jenes machen und das und das“ und er dann nach Hause kommt und dann das ganze doch nicht hinbekommt und dann muß er dem Psychologen(Psychater??) sagen „Ich habe das nicht geschafft“ und dann wäre dieser Enttäuscht. Oder zumindestens glaubt er das.

Auf der Arbeit ist das genauso. Er nimmt keinerlei Hilfe an, bzw. er bittet nie oder ganz selten um Hilfe. Er will das alleine hinbekommen. Er will „niemals jemanden Enttäuschen“.
Wohl überflüssig noch zu erwähnen, das er Jahrelanger Single ist…

Gruß
Andreas

Um Hilfe bitten. Andere für sich einspannen. Bindungen aufbauen, pflegen, d.h. Bedingungen stellen und Bindungen intensivieren. Forderungen stellen. Selbstwahrnehmung auf allen Ebenen stärken. Und vor allem Liebesbeziehungen (eine) eingehen. Sich schützen vor den Ansprüchen der Welt und denen Anderer. VOR ALLEM SICH BINDEN (SCHUTZRAUM).

Das tun, was Narzissten tun: Andere für sich nutzbar machen. Sonst passiert nämlich das Gegenteil (nutzbar gemacht werden). Sich dementsprechend umorientieren.

Sich erholen, sich selbst ausführlich pflegen.

Mit jemandem sprechen (ausführlich, immer wieder, ständig…) z.B. in Diskussionsgruppen, Telefonseelsorge, evtl. aber mit einer konstanten Bezugsperson (Therapeut (UND) Partner, Tante, Freundin).

Sich selbst Verständnis entgegenbringen. Sich nicht von Ängsten leiten lassen.

Sich das alles holen, bzw. einzelnes, bis Entspannung und Erkenntnisse auftreten.

Wenn keine Kraft mehr da ist, den ersten Strohhalm nehmen.

Gruß, I.

Es gibt auch Erkrankungen, die in Phasen oder Schüben ablaufen, dass wissen die Fachleute auch und halten ihn bestimmt nicht für einen „Simulanten“.

Einfach mal goog… nach Depression, Phasen, Schub etc. vielleicht sieht er dann, dass er nicht der Einzige ist, vielleicht hilft das schon.

Alles Gute
cosis