Depressiver lässt sich nicht helfen

Hallo zusammen,

in meiner Verwandschaft gibt es jemanden, der stark depressiv und deswegen auch in psychologischer Behandlung ist. Die Person liegt mir am Herzen und ich würde gerne unterstützen. Seine Lebensumstände tragen garantiert nicht zu einer Verbesserung seiner Situation bei, sondern eher im Gegenteil. Dies und andere augescheinliche Dinge, die mir auffallen, laufen in seinem Leben einfach schief, und m.E. bräuchte er einen kleinen „Schubser aus der Türe“, um zu sehen, dass er im Leben auch gut alleine zurechtkommen kann.

Nun bin ich ein Laie, stehe der Person aber sehr nahe. Ich denke, einfach Ratschläge könnte ich ihm geben, die ihm wirklich weiter helfen würden.

Leider macht der Mensch sofort total zu, sobald ich das Thema ansprechen will. Wie komme ich (z.B. als Bruder) an ihn ran? Was kann ich tun, wenn er sich nicht helfen lassen will? Ich mache mir große Sorgen um ihn, aber ich laufe bei ihm immer gegen die Wand.

Es wäre toll, hier ein paar Ratschläge zu bekommen, wie ich mit diesem Menschen am Besten umgehen kann.

Vielen Dank!
Anaxi

und m.E. bräuchte er

einen kleinen „Schubser aus der Türe“,

NEINNEINNEIN!

um zu sehen, dass er im
Leben auch gut alleine zurechtkommen kann.

Leider macht der Mensch sofort total zu, sobald ich das Thema
ansprechen will. Wie komme ich (z.B. als Bruder) an ihn ran?
Was kann ich tun, wenn er sich nicht helfen lassen will? Ich
mache mir große Sorgen um ihn, aber ich laufe bei ihm immer
gegen die Wand.

Es wäre toll, hier ein paar Ratschläge zu bekommen, wie ich
mit diesem Menschen am Besten umgehen kann.

Vielen Dank!
Anaxi

Hallo, Anaxi-
jemandem zu helfen, der dies nicht will, ist in der Tat schlicht unmöglich. Du kannst aber wohl immer versuchen, zu verstehen, was in dem Menschen vorgeht. Das ist der entscheidene Schritt. Eine Hilfe mit dem Tenor „nun sei doch nicht so depressiv, schau mal, die Sonne scheint, Du hast doch eigentlich alles,Du müsstest nur mal an was Anderes denken,…“ ist keine Hilfe, sondern zeigt dem Depressiven eher, dass er zu „blöde“ ist, diese einfachen Tatsachen zu begreifen und sich „zusammenzureißen“. Das macht einen noch fertiger.
Meiner Erfahrung nach hilft es am meisten, wenn man depressiv sein darf, so in dieser Lähmung der Seele hingenommen wird, ohne ausgeschlossen zu werden. Das geht natürlich nicht überall und immer, aber öfter, als man denkt. Und oft braucht man einfach seine Ruhe, denn innerlich kämpft man enorm.
Aber das ist bei jedem anders und Du kannst doch denjenigen auch fragen, was er braucht; nicht damit die D. vorbeigeht, sondern um sich mit Dir besser zu fühlen. Das ist etwas Anderes.
Frage Dich auch, warum es für Dich so wichtig ist, das Dein Mitmensch seine D. überwindet; steckt’s Dich an? Zeigt er Dir ein Ungleichgewicht an, das Du nicht wahrhaben willst? Was bedeutet es für Dich, ihm zu helfen - ihn zu „retten“?
Vielleicht kannst Du herausfinden, welchen Sinn seine Depression für Deinen Bruder (im Geiste) haben könnte, wovor - meist Auseinandersetzungen, Konflikten - schützt sie ihn, was erspart sie ihm?

Ein depressiver Mensch braucht mMn sehr viel Toleranz und Verständnis, aber sehr wenig Ratschläge. Manchmal braucht er auch das richtige Medikament.
Du schreibst sehr vage über Deinen Menschen, sprich mit ihm, indem Du von Deinen Sorgen und Gedanken redest, ohne ihn unter Veränderungsdruck zu setzen.
Im Netz gibt’s reichlich Material…

Viel Erfolg, danke für Dein Engagement - Anette

Hallo Anette,

danke für die tolle Antwort! Du hast mir gezeigt, aus welcher Perspektive man sein Verhalten noch sehen kann.

Dass er seine D. überwindet ist mir deshalb wichtig, weil ich Angst habe er könnte sich was antun. Er ist ein sympathischer intelligenter Mensch, der enorm viel Potential hat, aber das wegen seiner Krankheit nicht annähernd ausschöpfen kann. (Es geht mir nicht um mich!)

Eine Konversation zu dem Thema ist mit ihm sehr schwierig, weil er grundsätzlich nicht darauf eingeht.
Kannst Du ein paar gute Links empfehlen? Es gibt wirklich viel im Netz - zu viel um sich zurechtzufinden.

Viele Grüße!
Anaxi

Hallo, Anaxi-
jemandem zu helfen, der dies nicht will, ist in der Tat
schlicht unmöglich. Du kannst aber wohl immer versuchen, zu
verstehen, was in dem Menschen vorgeht. Das ist der
entscheidene Schritt. Eine Hilfe mit dem Tenor „nun sei doch
nicht so depressiv, schau mal, die Sonne scheint, Du hast doch
eigentlich alles,Du müsstest nur mal an was Anderes
denken,…“ ist keine Hilfe, sondern zeigt dem Depressiven
eher, dass er zu „blöde“ ist, diese einfachen Tatsachen zu
begreifen und sich „zusammenzureißen“. Das macht einen noch
fertiger.
Meiner Erfahrung nach hilft es am meisten, wenn man depressiv
sein darf, so in dieser Lähmung der Seele hingenommen wird,
ohne ausgeschlossen zu werden. Das geht natürlich nicht
überall und immer, aber öfter, als man denkt. Und oft braucht
man einfach seine Ruhe, denn innerlich kämpft man enorm.
Aber das ist bei jedem anders und Du kannst doch denjenigen
auch fragen, was er braucht; nicht damit die D. vorbeigeht,
sondern um sich mit Dir besser zu fühlen. Das ist etwas
Anderes.
Frage Dich auch, warum es für Dich so wichtig ist, das Dein
Mitmensch seine D. überwindet; steckt’s Dich an? Zeigt er Dir
ein Ungleichgewicht an, das Du nicht wahrhaben willst? Was
bedeutet es für Dich, ihm zu helfen - ihn zu „retten“?
Vielleicht kannst Du herausfinden, welchen Sinn seine
Depression für Deinen Bruder (im Geiste) haben könnte, wovor -
meist Auseinandersetzungen, Konflikten - schützt sie ihn, was
erspart sie ihm?

Ein depressiver Mensch braucht mMn sehr viel Toleranz und
Verständnis, aber sehr wenig Ratschläge. Manchmal braucht er
auch das richtige Medikament.
Du schreibst sehr vage über Deinen Menschen, sprich mit ihm,
indem Du von Deinen Sorgen und Gedanken redest, ohne ihn unter
Veränderungsdruck zu setzen.
Im Netz gibt’s reichlich Material…

Viel Erfolg, danke für Dein Engagement - Anette

Hallo Anaxi,
aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ratschläge kommen ganz schlecht! Ich kann da Anette nur voll und ganz beipflichten. Die „Hilflosigkeit der Helfer“ ist eine große Belastung, wenn sie in die Richtung Verharmlosung oder Umdeutung der Gefühle und „Rumgezerre“ geht. Und ich denke auch, dass das viel über die Helfer und ihre Lebensstrategien, bzw. deren abgespaltenen Gefühle aussagt. Ich würde eine Depression als einen riesigen Sumpf bezeichnen in dem man steckt. Und jeder Versuch sich am eigenen Schopf ´raus zu ziehen, oder auch Rettungsversuche von Außen haben zur Folge, dass man noch tiefer versinkt, wenn kein Zug mehr da ist. Das kostet unglaublich viel Energie, die der Betroffene besser dazu nutzen kann sich gaaaanz langsam viele kleine Inseln zu schaffen, um den Sumpf irgendwann mal trocken zu legen. Das dauert aber und geht nur über das Fühlen des Elends und das Erkennen, dass etwas hinter der Depression steht. Und das ist das Wesentliche: der Betroffene hat einen guten Grund niedergedrückt zu sein und jeder Versuch ihm das auszureden ist eine Missachtung seiner Gefühle. Was mir geholfen hat, waren Menschen, die einfach da waren und mich so akzeptiert haben, wie ich bin. Mich sumpfen, schweigen, brüten haben lassen und mit mir gelacht haben, wenn ich mal Sonne gesehen habe. Und natürlich professionelle Hilfe. Das ist was ganz Tolles, was sich dein Bruder auf jeden Fall gönnen sollte. Freunde sollten „einfach“ nur da sein und die Gefühle des Anderen achten.
Gruß Anna

dazu fällt mir ein - es ist deine angst - und damit ist es deine aufgabe damit kla zu kommen - mit der angst er könnte sich etwas antun meine ich.

du hast ja gelesen das hilfe anders aussehen muss als du bisher vermutet hast und diese art hilfe auch eine sehr dezente ist - die der akzeptanz und das erstnehmen seiner stimmungen etc.

retten kannst du niemanden. aber unterstützen in dem breits erwähnten rahmen. ich denke, das ist sehr schwer, weil es schwer ist zuzusehen und auszuhalten… - wie gesagt, das aber ist das eigene problem und dieses sollte man dem gegenüber nicht auch noch aufladen…

andere hier kennen sicher viele links zu dem thema - ich kenne nur einen, den ich für laien als einstieg zum verständnis gut finde - musst dich da aber selbst durchwuseln…
http://www.palverlag.de/Psychotipps.html

da kannste denn ja gleich mal schauen wie du damit besser und weniger belastend für den menschen um den du dich sorgst, zurechtkommst…

LG
nina

Hallo nochmal-
gibt’s in Deiner Stadt evtl. - bestimmt - eine oder mehrere Einrichtungen, die sich um Angehörige von Depressiven bzw. psychisch Kranken allgemein kümmern, oder eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe? Da kannst Du ja mal einfach fragen und Dir Hilfe, Adressen und Anregungen holen.
Die meisten stehen schlicht im Telefonbuch, hier in Hamburg auf den ersten Seiten vor den „normalen“ Einträgen.
Viel Erfolg!
Danke auch für Deine freundliche Antwort, schön, dass ich helfen konnte - Anette

Hallo anaxi,
habe mit Psychologier nix am Hut udn bin wegen antwort Suche hier.
Aber kenen mich klasse mit Motivation aus :smile:
Und Motivation ist ja genau das was ihm ganz viel fehlt.

Regel eins für Spassmotivation. Scheiss drauf was ist, schauen wir einmal was kommt.
Regel 2 für Spassmotivation losgehen und entdecken, erkunden.
Regel 3 für Spassmotivation nicht über Demotivation reden.
Regel 4 für Spassmotivation alles was man gemeinsam macht muss auch das geheimniss der gemeinsamen sein (Grade bei Partys und Open Aers wichtig, ganz besonders wenn Leute aus der Arbeit dabei sind), lass die Sau raus oder geb dich so wei du magst, sei aber kein schwein.
Regel 5 für Spassmotivation die Motivation ist demotivation, überlegen was man als nächstes anstellt :smile:

Das ganze sollte keine Lebensphylosophie sein, auch keine Regeln, einfach mal dran denken wenn man loszieht um Spass haben zu wollen :smile:

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Links: Umgang mit depressiven Menschen
Hallo Anaxi,

das Wichtigste ist ja schon gesagt worden. Hier noch ein paar Links zum Thema:
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/… (runterscrollen zu: Soziotherapie: Was können Angehörige, Freunde, Kollegen u. a. tun?)
http://www.raus-ins-leben.de/angehoerige/default.asp…
http://www.krankerfuerkranke.de/archivgesundheit/Nic…
http://www.depression-depressionen.de/I_depressionen…

Grüße
Christiane

Hi Anaximander,

wenn jemand sich nicht helfen lassen will, ist es schwer bis unmöglich unterstützend zu helfen. Es ist wohl auch eine Typfrage. Manche Leute müssen fallen gelassen werden, bei manchen hilft paradoxe Intervention… Je nachdem welche Depression es ist und wie stark sie ausgeprägt ist, ist für Außenstehende das oft nicht nachvollziehbar. Aufforderungen wie doch mal die schönen Seiten des Lebens zu sehen, ziehen eher noch mehr runter. Manche Leute sind dabei so energielos, daß sie sich immer weniger gut bis teils irgendwann gar nicht mehr selbst versorgen können. Beispielsweise kann das Abspülen von Geschirr tagelang, wochenlang auf sich warten lassen. Es hängt halt davon ab, was bei ihm konkret los ist. Dann könnte man eventuell auch gezielter Seitenempfehlungen geben.

Wenn Du in München bist, so gibt es hier diverse Einrichtungen. Wie wäre es z.B. mit dem Sozialpsychiatrischem Dienst? http://www.muenchen.de/Rathaus/rgu/be

Vielleicht kannst Du Dir hier Hilfe holen bzw. mit einem Sozialarbeiter / einer Sozialarbeiterin dort einen Termin ausmachen, den Du mit Deinem Bekannten wahrnimmst.

Für Therapeuten-Empfehlungen finde ich das CIP in der Nymphenburger Straße sehr gut. http://www.cip-medien.com/

Alternativ könntest Du für ihn oder auch für Dich selbst mal in das Selbsthilfezentrum in der Beyerstraße schauen. Dort gibt es sicherlich auch eine Depressionsgruppe bzw. Gruppen von Angehörigen. (Gehe ich wenigstens mal sehr stark davon aus.)

Doch wenn er nicht will… Nur wenn konkreter Verdacht auf Suizidgefahr besteht, könnte er eingewiesen werden.

Gibt es Dinge die er mal gerne gemacht hat oder immer noch gerne tut? Könntet Ihr das zusammen oder in der Gruppe mal (wieder) machen, und könntest Du ihn so wieder ins Leben locken (ohne Druck zu machen) Wie hier schon gepostet wurde, nimm’ ihn nach Möglichkeit so an wie er ist, auch wenn das für Dich eine Herausforderung ist, weil Du Dir Sorgen machst. Doch letztendlich tust Du ihm und Dir damit am besten.

Ciao,
Romana