Der bloße Mensch

Hi alle,

plane eine Ausstellung mit dem o.g. Titel.

Meine Frage an Euch: Was assoziiert ihr damit? Möchte überprüfen, ob mich mit meiner Intention (die ich bewusst vorher nicht verrate) richtig liege.

Ich schreibe bewusst nicht im Brett Kunst, weil es um eine rein sprachliche Fragestellung geht, die auch ohne den Zusammenhang mit Kunst verstanden werden sollte.

Dank & Adlergruß

Hallo Anja

für mich klingt das doppeldeutig:

bloss im Sinne von nackt
bloss im Sinne von auschliesslich

Klingt enorm kunstvoll :wink:

Gruss
Heinz

Hallo Anja,

Titel einer Sexmesse für Intellektuelle?:wink:

Gruß
J.

Hallo Anja.
Ich vermute worauf Du hinauswillst, auf die Doppeldeutigkeit von ‚bloß‘.
Diese besteht aber nur scheinbar, denn beide Bedeutungen sind verwandt.
Bloß im Sinne von ‚nur‘ und im Sinne von ‚nackt, unbekleidet‘ haben den gleichen Hintergrund: ‚ohne Beiwerk‘.
„Das ist bloß ein Mensch“ heißt nichts anderes als: ohne Kleidung, die verraten könnte welchen sozialen Status er inne hat. Gängiger ist hier die Wendung: ‚auch nur ein Mensch‘.
Dagegen die Verwendung von ‚bloß‘ als nackt, trifft den Nagel nicht genau auf den Kopf, weil ‚Blöße, entblößen, bloß‘ in dem Sinne immer etwas mit ‚schutzlos oder verletzbar‘ zu tun hat, wie z.B. im Kampfsport oder bei der Blamage in der Öffentlichkeit.
Ich habe das Empfinden das ‚bloß‘ so eine Art Bastard ist.
„Lass mich bloß in Ruhe“
„Er hat sich bloß den Fuß verstaucht“
„Das kostet bloß einen Euro“
„Er lief mit bloßen Füßen“
Alle diese Aussagen lassen sich meiner Meinung nach schöner und präziser mit ‚nur, ausschließlich, nackt, unbekleidet‘ u.ä. machen.
Jetzt zu Deiner Frage.
Wenn Du ein Vorhaben über Leute unter den Titel ‚Der bloße Mensch‘ stellst, ist nach meinem Empfinden ein bloßer Mensch gleichermaßen unbekleidet als eben auch nur ein Mensch!
Mir freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Hallo, Anja,
ich zitiere mal hier in Auszügen den „Kluge“, was das „bloß“ betrifft.

bloß _Adj. std.>/i> (12.Jh.) … Unter Umständen sind hier zwei verschiedene Wörter zusammengeflossen; vgl das bedeutungsähnliche blöde und nhd. blutt „bloß, unbekleidet“, die lautlich nicht ohne weiteres zu bloß passen. Die Zusammenhänge bedürfen nch der genaueren Aufklärung. Die Wendung sich eine Blöße geben"eine schwache Stelle zeigen" ist ein Ausdruck aus der Fechtersprache. Präfixableitung: entblößen ; Zusammenrückung: bloßstellen.

Der Titel ist also (wohl gewollt) zweideutig und löst zwiespältige Assoziationen aus. Einerseits der „nackte Mensch“, schwach, verletzlich, aber auch verlockend und exhibitorisch. Andererseits „nur der Mensch“, also abgesondert und „entblößt“ von seiner Umwelt, seinem sozialen und natürlichen Umfeld.

Das kann durchaus ein spannendes Thema sein. Spannend auch in dem Sinne, dass es einen Bogen spannt, von dem was der Mensch sein möchte und was die Welt von ihm sieht.

Gruß
Eckard_

Hi Anja

Mensch netto…

HH

Hallo Anja,

wie die anderen schon schrieben, in Wortbedeutung: der nackte Mensch.

Es könnte aber auch der demaskierte Mensch sein.
Oder auch der völlig (kindlich-)selbstvergessene Mensch, ein entdeckendes, forschendes, staunendes Wesen - ein freies.

Auch denkbar der Gegensatz: ein durch äußeres Einwirken auf sich selbst zurückgeworfener (Insasse Psychiatrie, Gefängnis, Lager), auf die „bloße“ Existenz reduziertes Wesen.

Eine Ausstellung mit diesem Titel würde ich mir auf jeden Fall ansehen, ich wär neugierig.

LG, MrsSippi

hallo anja,

mal frei assoziiert:
der mensch „auf sich zurückgeworfen“, ohne seine dinge: ohne sein auto, ohne
seinen titel, ohne seine berufsbezeichnung (funktion), seinen gesellschaftlichen
status,… wenn man noch weiter geht vielleicht: ohne seine überzeugungen,
weltbilder, ohne seine religion, … je weiter man geht, desdo abstrakter wird
es und geht irgendwann sehr schnell an die identität, die wir ja tatsächlich
auch viel von solchen dingen abhängig machen. so ein zustand ist für mich nur
als (interessantes) gedankenkonstrukt denkbar oder in krisenzeiten (jobverlust
o.ä.). oder im zustand der erleuchtung, nach jahrelanger meditation in einem
tibetanischen kloster ;o)

teilst du uns deine auffassung noch mit?

viele grüße aus dem nachbardorf,
cachoo

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi alle,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

Sie zeigen mir, dass meine Denkrichtung von fast allen verstanden wurde, nämlich die Doppeldeutigkeit dieses Wortes im Sinne von „bloß“, wie es cachoo sehr schön als „auf sich zurückgeworfen“ sein beschreibt (vielleicht im Extrem ein Leichnam, nackt, unter einem Tuch auf einer Bahre), andererseits die Nacktheit, die Blöße, der Moment, wo ‚des Kaisers neue Kleider‘ abgelegt sind, schutzlos - und da schließt sich wieder der Kreis.

Ich werde also bei dem Titel bleiben.

Herzlichen Adlergruß