Der Boss der Gruppe

Hallo.
Ich beobachte ganz gern das Verhalten meiner Mitmenschen und da ist mir bei 2 freunden etwas aufgefallen.

Freund A macht Freund B am laufenden Band runter…natürlich nicht direkt, immer in „Scherzen“ verpackt. Späßchen mit Freunden sind ja ganz normal aber wenn das am laufenden Band und nur in eine Richtung (von Freund A --> Freund B)läuft dann stimmt doch irgendwas nicht.

Freund B scheint das ganze aber anscheinend gar nicht Wahrzunehmen. Er lässt sich auch immer von Freund A überzeugen, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt und steckt generell immer zurück.

Ich wollte euch Fragen ob ihr mir eklären könnt, wo dieses Verhalten her kommt und was man dagegen tun kann. Besonders was man in der Position als „opfer“ dagegen tun kann.

Gruß
Peter

Hallo,
ich würde erst mal feststellen: Es ist ganz normal, dass es in
Gruppen Führungspersönlichkeiten gibt und Leute die nur mitmachen
und auch solche, die sich willig unterordnen und nie aufmucken.

Ich beobachte ganz gern das Verhalten meiner Mitmenschen und
da ist mir bei 2 freunden etwas aufgefallen.

Sind es wirklich Freunde, oder nur Kumpels?
Da gibt es Unterschiede. Gerade in Jugendgruppen gibt es nur
wenige echte Freundschaften, dafür viel Kumpanei.

Freund A macht Freund B am laufenden Band runter…natürlich
nicht direkt, immer in „Scherzen“ verpackt. Späßchen mit
Freunden sind ja ganz normal aber wenn das am laufenden Band
und nur in eine Richtung (von Freund A --> Freund B)läuft dann
stimmt doch irgendwas nicht.

Alles ganz normal. Einer hat das Bedürfniss, sich besonders
herauszustellen, der andere erkennt die unangefochtene Führung
an und akzeptiert den niedrigen Rang und ist zufrieden mitmachen
zu dürfen.

Freund B scheint das ganze aber anscheinend gar nicht
Wahrzunehmen. Er lässt sich auch immer von Freund A
überzeugen, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt und steckt
generell immer zurück.

Solches Zusammenwirken ist oft stabiler, als der ständige Kampf
um Vorherrschaft von etwas gleich starken Individuen.

Ich wollte euch Fragen ob ihr mir erklären könnt, wo dieses
Verhalten her kommt und was man dagegen tun kann.

Muss man was dagegen tun?
Hast du den überhaupt irgend einen Einfluss auf die Gruppe?

Besonders was man in der Position als „opfer“ dagegen tun kann.

Wer soll den Opfer sein?
Solange es nicht in Repressalien ausartet und der Unterlegene
immer wieder aus freien Stücken mitmacht, sehe ich da kein Opfer.
Gruß Uwi

Das versteh ich irgendwie nicht. Ich lass mich doch nicht am laufenden Band verarschen…und ich kann auch nicht nachvollziehen wenn es menschen gibt, die das ok finden. Aber du meinst, dass das so ist…dass Freund B damit zufrieden ist?

Naja ich denke es sind eher Kumpels.

Gruß
Peter

HalloPeter,

Freund B scheint das ganze aber anscheinend gar nicht
Wahrzunehmen.

Wenn dies so wäre, dann würde es nicht in Freund Bs Bewußtsein dringen, und er könnte dann auch nichts dagegen unternehmen.

Es scheint ein Spiel zu sein.

Wenn beide das mitspielen, muß jeder der beiden einen Vorteil haben.

Der Vorteil von Freund A könnte sein, daß er sich in seinem Selbstwert auf Kosten von Freund B erhöht, also sich die Illusion verschafft, besser, klüger usw. zu sein.

Was könnte der Vorteil von Freund B sein? Vielleicht braucht er etwas, das er von Freund A bekommen kann, und das für ihn das Heruntergezogen-werden mehr als aufwiegt. Das kann alles mögliche sein, angefangen damit, daß B durch den Kontakt zu A weniger einsam ist.

Wenn Freund B sich des Spiels bewußt wird und nicht mehr mitspielen möchte, dann sehe ich zwei Möglichkeiten:

  1. Einen klaren Plan darüber zu fassen, wie er nächstes Mal reagiert, wenn A wieder seine Scherze mit ihm treiben möchte (Ziel: die Absicht von A zu durchkreuzen und das Spiel für A unattraktiv zu machen). Und dann vor allem wachsam zu sein. Das ist nicht leicht, weil solche Spiele sich eingeschliffen haben und nur halb bewußt ablaufen.

  2. Den Kontakt beenden, um so das Spiel sicher zu beenden. Bei weiteren Bekanntschaften so etwas nicht mehr zulassen.

Beides setzt einen gewissen Mut voraus, weil B damit etwas verliert, und noch nicht weiß, ob er etwas Besseres dafür gewinnen wird.

Grüße,

I.

Hallo,

Das versteh ich irgendwie nicht. Ich lass mich doch nicht am
laufenden Band verarschen…

Um dich geht es doch wohl auch nicht, oder?

und ich kann auch nicht nachvollziehen wenn es menschen gibt,
die das ok finden.

Steht den deine Sicht hier zur Debatte?

Mag sein, dass es dein Gerechtigkeitsempfinden stört, aber in
zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es manche Merkwürdigkeiten
und oft ist Einmischung nicht gewünscht und auch nicht
empfehlenswert, zumindest, solange es um geitig mündigen Menschen
geht und du nicht explizit um Rat gefragt wirst.

Aber du meinst, dass das so ist…dass Freund B damit
zufrieden ist?

Möglich. Ich kenne die Leute nicht und habe nur deine Schilderung.
Diese Situation ist aber nichts besonders. Es gibt vielfach
solche Paarungen von einem schlauen Typen, der seine Scherze
auf Kosten anderer macht und Mitläufern, die sich im Glanz
ihres Führers sonnen und dessen kleine Gemeinheiten willig
über sich ergehen lassen.

Naja ich denke es sind eher Kumpels.

Wenn du den Boss fragst, wird er den Mitläufer wahrscheinlich
kaum als Freund ansehen, eher als nützlichen Idioten.
Fragst du den Mitläufer, dann könnte es sein, dass er sein Idol
als allerbesten Freund bezeichnet.

Wenn du dich aber in die Beziehung einmischst und besten Freund
„schlecht machen“ wolltest, kann es sein, du ziehst dir den Zorn
von beiden zu.

Wie schon gesagt, sind das nur Möglichkeiten.
Es kann auch alles ganz anders sein.
Gruß Uwi

Moin
A ist ein Alphatier und B hat es (unbewusst) akzeptiert, dass A eins ist und er selber (B) keines. Das scheint mir sehr verbreitet zu sein.
Gruß,
Branden

Hallo Idomeneo,

ich unterstütze Deine Aussage, würde allerdings am Ende bei

2

noch ergänzen: B muss den Kontakt nicht total versauen. Er kann statt dessen einfach mit „Abwesenheit“ arbeiten. D. h. A nur noch selten aufsuchen und kontaktieren, evtl. auch eher nur in den Situationen, in welchen A ihn nicht „herunterputzt“. Wenn A es dann schafft, sich ein wenig anständiger zu benehmen, kann B den Kontakt langsam wieder verstärken.

Gruss
Mike

HalloPeter,

Freund B scheint das ganze aber anscheinend gar nicht
Wahrzunehmen.

Wenn dies so wäre, dann würde es nicht in Freund Bs Bewußtsein
dringen, und er könnte dann auch nichts dagegen unternehmen.

Du redest in der Möglichkeitsform „wäre“. Aber wenn es so „ist“, fehlt ja auch diese Wahrnehmung, die ja hier nur rein theoretisch diskutiert wird.

Wo nichts reflektiert wird, kann auch niemals eine eigene Veränderung stattfinden.

Höchstens nur im Idealen, nicht im Realen, an dem wir ja alle lernen. Natürlich besteht zwischen beiden Weltanschauungen auch eine ständige Korrelation.

Gruß
C.

Hallo Mike,

Er kann statt dessen einfach mit „Abwesenheit“ arbeiten.

da hast Du schon recht.

Ich habe allerdings den Eindruck, daß solche Spiele sehr zäh sind, und es entsprechend schwierig ist, aus einer einmal festgelegten Rollenverteilung auszubrechen.

Wie wenn solche Rollen ein wesentlicher Teil der Beziehung zwischen Menschen sind. Wenn das wegfällt, bleibt womöglich nicht genug Substanz, damit die Beziehung sinnvoll weitergehen kann.

Somit muß B die Beziehung zu A nicht aktiv „versauen“, sondern sie würde mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch passiv durch Abwesenheit auslaufen. A würde dann sein Spiel aufgeben, wenn B noch in anderer Weise für A interessant ist als nur zur Selbstwerterhöhung.

Wenn das Spiel Ausdruck von Rangdynamik ist (im extremen Fall eine „Freundschaft“, in der einer der Alpha ist und der andere der Omega), dann sehe ich aber eigentlich nur die Möglichkeit, den Rangkampf zu versuchen, oder dazu als Alternative den Ausstieg.

Grüße,

I.

Das versteh ich irgendwie nicht. Ich lass mich doch nicht am
laufenden Band verarschen…und ich kann auch nicht
nachvollziehen wenn es menschen gibt, die das ok finden. Aber
du meinst, dass das so ist…dass Freund B damit zufrieden
ist?

Du schriebst

Freund B scheint das ganze aber anscheinend gar nicht Wahrzunehmen.

Wenn man etwas nicht wahrnimmt, kann man auch nicht darunter leiden.

Vielleicht nimmt B die Beziehung zu A aber auch einfach anders wahr als Du. Wenn er selbst sich gar nicht in der Rolle des Opfers sieht, warum sollte er etwas „dagegen tun“? Weil andere es „nicht o.k.“ finden, wie A mit ihm umgeht?

Gruß
Kreszenz

A würde dann sein Spiel aufgeben, wenn B noch in anderer Weise für A
interessant ist als nur zur Selbstwerterhöhung

Dass B noch in anderer Weise für A interessant ist, halte ich immerhin in einem Teil der Fälle noch für möglich, wenngleich A dies nur selten wahrnimmt (bisweilen erst dann, wenn B „ausgestiegen“ ist bzw. ihn verlassen hat).

A kann sich ja auch etwas vormachen, z. B. dass er B nur zu seinen Machtspielen brauche, obwohl er ihn auch sonst sehr wohl braucht.

Gruss
Mike

Hi Kreszentia,

Vielleicht nimmt B die Beziehung zu A aber auch einfach
anders wahr als Du. Wenn er selbst sich gar nicht in
der Rolle des Opfers sieht, warum sollte er etwas „dagegen
tun“? Weil andere es „nicht o.k.“ finden, wie A mit ihm
umgeht?

„Vielleicht“ kannst weglassen, weil alles, was du weiter sagst, 100% zutrifft.

Gruß
C.

Nachtrag…
PS: „Sicher“ wäre richtig!

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Du schriebst

Freund B scheint das ganze aber anscheinend gar nicht Wahrzunehmen.

Wenn man etwas nicht wahrnimmt, kann man auch nicht darunter
leiden.

Hallo,

genau so sehe ich das auch. Und interessant finde ich noch, dass ein Dritter hier die Beziehung von zwei Leuten ändern möchte, während für die zwei Kumpels alles in Ordnung zu sein scheint.

Schöne Grüße

PW

Ich finde wesentlich interessanter, dass hier alle überhaupt der Meinung sind, so herum oder so herum beurteilen zu können.

Das Einzige, was wir haben, ist die Wahrnehmung eines Dritten. Das ist, was es ist, die Wahrnehmung eines Außenstehenden. Es ist denkbar, dass A und B sich wohl fühlen, genauso ist es aber denkbar, dass sie sich, sogar beide!, nicht wohl fühlen. Das Einzige, was man zu der Situation sagen, kann, dass es in einer solchen Konstellation möglich, dass sich beide wohl fühlen, mehr aber auch nicht.

Insofern frage ich mich ernsthaft, woher die Sicherheit einiger kommt, dass sich beide wohl fühlen, oder die Sicherheit, dass sie es nicht tun.

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Wenn meine Kumpels damit zufrieden sind dann werd ich ganz sicher nicht versuchen da irgendwas dran zu ändern. Ich bin bis jetzt nur davon ausgegangen, dass Kumpel B irgendwas stört, er aber nicht genau weiß was.

Mich interessiert, was ich dagegen tun kann wenn jemand versucht mich so „unterzuordnen“ durch diese Sprüche und „witze“ und alles. Hab da nämlich einen Kandidaten und mir stinkt das mittlerweile. Muss ich ihn mit Fähigkeiten oder Erfolgen konfrontieren, die Er nicht hat…also genau so auf der unbewussten Ebene mit ihm „kämpfen“ ?

Hi Janina,

Insofern frage ich mich ernsthaft, woher die Sicherheit
einiger kommt, dass sich beide wohl fühlen, oder die
Sicherheit, dass sie es nicht tun.

Man müsste wissen, wie das Lernen am wirklichen Leben stattfindet, das nach den heutigen Erkenntnissen der Psychologie und Hirnforschung sowohl bewusst als unbewusst erfolgt. Bei Tieren (siehe Post van Branden in seinem Vergleich) erfolgt das Lernen nach dem Prinzip von Lust und Unlust, was schon Nietzsche wusste und Freud so ähnlich sah. Deshalb leite ich die Sicherheit meiner Behauptung davon ab, dass wenn die Unlust einen hohen Grad bis zu einer bestimmten fühlbaren Schmerzgrenze erreicht, der unbewusste Wille plötzlich in bewusste Reflexion umschlägt und Freund B erkennt, dass er diese Beziehung nicht mehr weiter aufrecht erhalten möchte. Erst JETZT, nach dieser eigenen Erkenntnis, beginnt Freund B über Strategien zur Veränderung der Beziehung nachzudenken, wie sie zum Beispiel der Mike u. a. hier aufgezeigt haben.

Gruß
C.

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Mich interessiert, was ich dagegen tun kann wenn jemand
versucht mich so „unterzuordnen“ durch diese Sprüche und
„witze“ und alles. Hab da nämlich einen Kandidaten und mir
stinkt das mittlerweile. Muss ich ihn mit Fähigkeiten oder
Erfolgen konfrontieren, die Er nicht hat…also genau so auf
der unbewussten Ebene mit ihm „kämpfen“ ?

Nein, wenn Du versuchst zu „kämpfen“, hast Du Dich schon auf sein Spielchen eingelassen. Er kann Dich nicht „unterordnen“, wenn Du nicht mitspielst. Ignoriere ihn. Lass ihn mit seinen Versuchen ins Leere laufen.

Gruß
Kreszenz

Man kann das über Lust-Unlust erklären, man kann auch ganz andere Erklärungsansätze finden. Ich halte es aber eher für bedenklich, wenn man aus einer Wahrnehmung Dritter, die hier bereits erheblich subjektiv gefärbt ist, analytische Beurteilungen abgibt.

Völlig unabhängig widerspricht aber auch der Lust-Unlust-Ansatz keineswegs dem, was ich gesagt habe.

Wobei die Kette: Erreichen der Schmerzgrenze -> unbewusster Wille in bewusste Reflexion -> Änderungsstrategie ja so an sich schon fehlerhaft ist.

Was ist richtig?
Hi Janina,
Ich bin hier, um etwas zu lernen, was ich noch nicht weiß oder „fehlerhaft“ weiß. Wenn du etwas entgegen meinem Wissen besser zu wissen glaubst: Bitte teile doch mit, wie es es deiner Ansicht nach „richtig“ ist.
Gruß
C.

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