Der 'Deutsche Gruß' - von den Nazis erfunden?

Hallo,

die Nazis haben ja viele Symbole nicht etwa selbst erfunden, sondern irgendwo in der deutschen Geschichte oder sonstwo entdeckt und sich zunutze gemacht. So gab es ja auch das Hakenkreuz schon lange vor ihnen.
Wie war das aber mit dem „Deutschen Gruß“, also dem Heben des Armes mit der flachen Hand? Wo stammt der her? Weiß es wer?

Lieben Gruß
Dantis

Römischer Gruß?
Hallo Dantis,

ohne großartig darüber nachzudenken, behaupte ich mal, daß es die Nazis von den Römern abgekupfert haben… Zumindestens habe ich irgendwo im Hinterkopf das besagte Handzeichen als ‚römischen Gruß‘ im Hinterkopf. ‚Heil Hitler‘ ist ja ebenfalls an ‚Heil Cäsar‘ angelehnt.

Wie gesagt: nur so eine Vermutung.

Grüßlis

Renee

Das ist richtig, Renee,

und der antike römische Gruß wurde zuerst von den italienschen Faschisten übernommen, der „Duce“ hatte eine besonders eindrucksvolle Art, den Arm und gleichzeitig sein kantiges Kinn zu heben.

Und von dort haben die Nazis den „deutschen Gruß“ übernommen.

Auch die Uniformen sind dort abgekupfert. Statt des schönen Anarchistenschwarz zog Hitler aber wohl dieses Scheißerlesbraun (Khakibraun, Kackebraun …) vor. Dazu gibt es in der „Blechtrommel“ von Grass ein ganzes Kapitel.

Auch die Art des Aufmarsches bei Parteitagen und diese Diktatorenprotzarchitektur, die ja dann in sozialistischen Ländern weiterlebe, kam aus Italien, oder war von dort inspiriert.

Fritz

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und der antike römische Gruß wurde zuerst von den italienschen
Faschisten übernommen, der „Duce“ hatte eine besonders
eindrucksvolle Art, den Arm und gleichzeitig sein kantiges
Kinn zu heben.

Und von dort haben die Nazis den „deutschen Gruß“ übernommen.

Hallo,
das liest und hört man immer wieder. Was mich interessieren würde - kennt hier jemand eine Quelle, wie der ‚römische Gruß‘ tatsächlich aussah? Mir ist außer einschlägigen Sandalenfilmen und Asterix-Heftchen nichts weiter bekannt.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Fritz!

Auch die Art des Aufmarsches bei Parteitagen und diese
Diktatorenprotzarchitektur, die ja dann in sozialistischen
Ländern weiterlebe, kam aus Italien, oder war von dort
inspiriert.

Nur zu diesem Satz. Also da hätte ich gerne Beweise, sonst habe ich meine Zweifel, wenn ich es darf :smile:

Aufmarschkultur aus Italien Mussolinis?
Neoklassizistische Architektur aus Italien Mussolinis?
Diese lebe dann in soz. Ländern weiter, d.h. stämme daraus?

Diese drei Punkte stelle ich in Frage.

Gruß

Hallo!

Wenn wir heute glauben, die braune Farbe war eine typische Nazifarbe und das Braune eben typisch für sie, so ist das nur die halbe Wahrheit.

Das Braunhemd war durch einen Zufall zur Parteiuniform geworden.

Dem 1923 nach dem Hitlerputsch nach Österreich geflohenen SA-Führer Roßbach hatte man einen größeren Posten brauner Hemden angeboten, die ursprünglich für die Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika bestimmt gewesen waren. Roßbach führte sie 1924 nach Deutschland ein. Und sie wurden schon damals von den Nazis getragen, weil nichts anderes uniformähnliches zur Hand war. Im Gegensatz zur schwarzen Krawatte der SS trug die SA das Braunhemd mit einem braunen Binder. Wären diese Hemden grün gewesen, würde man heute von einer grünen Zeit reden.

Ebenso dieses heutige Gemecker auf die Naziarchitektur. War sie denn wirklich so schlimm? Wahrscheinlich doch nur, weil man weiß, sie wurde während der Nazizeit entworfen.
Bei uns steht heute eine Sporthalle, die in der „typischen“ Naziarchitektur entworfen wurde. Klinker, Säulen usw. Heute sagen Besucher, das wäre endlich mal was vernünftiges. Sagt man ihnen dann : Gebaut 1934, werden alle verlegen.
Unser altes Krankenhaus, während der Nazizeit als Lazarett gebaut, funktioniert bis heute und passt in die Gegend.
Die alten Blöcke in Berlin, in denen auch heute wieder Ministerien eingezogen sind, sehen doch gut aus.
Wer findet das Kanzleramt denn schön?
„Naziarchitektur“ (mal abgesehen von Scheers Dimensionen) passt heute noch überall gut in die Landschaft und die Häuser, Brücken müssen, sollen sie ersetzt werden, abgerissen werden. Während unsere Architektur der letzten Jahre das nach ein paar Jahren ganz allein macht. Den Abbruch.

Der „Deutsche Gruß“ ist ebenso wenig römisch, wie griechisch. Er war allgemein üblich. Griechische Sportler bei den Olympiaden grüßten genau so. Heute wird bei Turnwettbewerben auch so gegrüßt. Die kleinste 13jährige Turnerin aus Rumänien macht da sogar mit. Der „Deutsche Gruß“ war bei den Germanen üblich, wie bei den Römern.
Hitler hat den faschistischen Gruß des Duce ganz sicher nicht imitiert.

Gruß Max

Zweifel sind der Anfang der Wahrheitsfindung, sagt
Hallo, Peet!

sonst habe ich meine Zweifel, wenn ich es darf :smile:

Nur zu!

Aufmarschkultur aus Italien Mussolinis?

Schau dir Wochenschauen aus den 20ern aus Italien an. Da marschieren die Italofaschisten schon ganz gewaltig. Bis nach Rom sogar.
Die Hitlerschen Paraden konnten zu der Zeit mangels Masse noch gar nicht stattfinden.

Neoklassizistische Architektur aus Italien Mussolinis?

Mussolini kam 1922 an die Macht. Und er begann schon bald damit, halbe Stadtteile abzureißen, um Paradestraßen und Palazzi prozzi anzulegen und zu bauen. Die Ruinen stehen heute noch rum.
Und vergleiche diese Gebäude mit den größenwahnsinnigen Plänen für die zukünftige Hauptstadt „Germania“.

Diese lebe dann in soz. Ländern weiter, d.h. stämme daraus?

Schau dir den Palazzo prozzo in Berlin an und andere Verwaltungsgebäude in den größeren Städten in Berlin, die Bauten, die die Rumänen Ceausescu verdanken. Das ist doch mit dem Krückstock zu ertasten.

Dass Hitler Mussolini bewundert und vielleicht sogar beneidet und verehrt hat, lässt sich doch daran erkennen, was er alles in dieses unfähige Großmaul investiert hat; in Abbesinien, nach dem ersten Sturz Mussolinis.
Hitler verzichtete auf Südtirol, um Mussolini zu gewinnen.

Ich weiß, das sind alles argumenta ad hominem, aber andere kann ich hier nicht bieten.

Gruß
Fritz

das liest und hört man immer wieder. Was mich interessieren
würde - kennt hier jemand eine Quelle, wie der ‚römische Gruß‘
tatsächlich aussah?

Man müsste eben ein paar Reliefs, Statuen und Wandmalereinen aus der Zeit anschauen.

Mir ist außer einschlägigen Sandalenfilmen und Asterix-Heftchen nichts weiter bekannt.

Tjaja, das ist das Problem heute, dass man nur noch aus diesen Quellen, Informationen über die Antike bezieht.
So wie die Bibelfilme das Wissen und Bewusstsein über die christliche Traditionen bestimmt.
Und Gott schaut aus wie Charlon Heston am Ende der „Zehn Gebote“.

Gruß Fritz

das liest und hört man immer wieder. Was mich interessieren
würde - kennt hier jemand eine Quelle, wie der ‚römische Gruß‘
tatsächlich aussah?

Man müsste eben ein paar Reliefs, Statuen und Wandmalereien
aus der Zeit anschauen.

Hallo Fritz,
auch wenn Du es nicht glaubst - ich habe mir schon mehr als nur "ein paar Reliefs, Statuen und Wandmalereien aus der Zeit " angeschaut. Ich wäre Dir für zwei, drei konkrete Beispiele, die ich vielleicht - im Gegensatz zu Dir - übersehen habe, dankbar. Ansonsten wäre es keine Schande, einfach zuzugeben, dass man nur Hörensagen weitergegeben hat.

Mir ist außer einschlägigen Sandalenfilmen und Asterix-Heftchen nichts weiter bekannt.

Tjaja, das ist das Problem heute, dass man nur noch aus diesen
Quellen, Informationen über die Antike bezieht.

Meine Informationen beziehe ich durchaus auch noch aus anderen Quellen. Ich habe höflich eine Frage danach gestellt, woher Du Deine Information hast. Zumindest so lange Du keine konkrete Antwort darauf geben kannst, ist Deine Ironie völlig fehl am Platz.

Gruß,
Ralf

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Ironie? Wer kann da noch ironisch sein?
Hallo, Ralf,

auch wenn Du es nicht glaubst - ich habe mir schon mehr als
nur "ein paar Reliefs, Statuen und Wandmalereien aus der Zeit
" angeschaut.

Das glaube ich dir gern.

Ich wäre Dir für zwei, drei konkrete Beispiele,

Im Moment kann ichnur eines nennen: die bekannte Augustusstatue, manchmal auch „Rhetor“ genannt. Dann erinnere ich mich an eine Sendung über Pompeij, kann aber nicht angeben, was für eine Dokumentation das war.

Insofern ist es tatsächlich „Hörensagen“ oder „Sehensagen“.

Tjaja, das ist das Problem heute, dass man nur noch aus diesen
Quellen, Informationen über die Antike bezieht.

Das ist KEINE Ironie und schon gar nicht etwa gegen dich gerichtet oder auf dich gemünzt! Das ist ein Seufzer des Bedauerns.
Es gibt inzwischen Bücher, die nachzuweisen vorgeben, dass in der Asterixheften historische Tatsachen überliefert werden.

Als diese Machwerke erschienen, habe ich an das Regionalblatt folgende Besprechung eingeschickt:

_Über: ASTERIX – Die ganze Wahrheit

Bei den Kelten gab es wirklich Barden, die Musik machten, wenn auch nicht immer so unmelodisch wie Troubadix, und es gab weise Druiden, die Misteln schnitten mit goldenen Sicheln und sich im Karnutenwald trafen, und es gab Häuptlinge, deren Namen auf –rix endeten. Obelix dagegen kann kein Hinkelsteinhersteller gewesen sein, da diese Menhire mindestens 1000 Jahre älter sind und Asterix entspricht nicht der Standardgröße der Gallier.

Ist das neu für Sie? Können Sie mit diesen Informationen noch mehr über die Abenteuer des kleinen Galliers Asterix lachen? Nun, dann gehören Sie vielleicht zu den Leuten, die das Buch: ASTERIX – Die ganze Wahrheit von Rene van Royen und Sunnyva van der Vegt, erschienen im Verlag C. H. Beck mit Gewinn lesen.

Selten war ein Buchtitel allerdings weniger zutreffend als dieser. Reißerisch nur in der deutschen Übersetzung so betitelt, wie all die anderen Machwerke die die „ganze Wahrheit“ über Diana, JFK, Anastasia, Jack the Ripper, den Yeti und andere Fabelwesen aufdecken wollen, erhält der interessierte Leser noch weniger Informationen über sein Thema als aus dem Warrenbericht über die Ermordung Kennedys.

Der niederländische Titel gibt sich bescheidener: Asterix en de waarheid: Asterix und die Wahrheit, zielt also nicht auf „sensationelle Enthüllungen“, wie es der deutsche Titel vermuten läßt.

Es ist nicht so recht klar, wem das Buch helfen soll. Das meiste weiß ein durchschnittlich gebildeter Westeuropäer auch vorher schon, spätestens seit er Asterix liest, und die Bestätigung aus den diversen Quellen ist ein nettes aber doch unnötiges Extra. Ordentlich selbstbewußte Halbgebildete pfeifen auf Detailbelege, sorgfältiger Lesende werden von dem Wischiwaschimix der Autoren aber nicht zufriedengestellt. Leuten mit tieferen Kenntnissen allerdings wird die Angabe von Quellen zu den verschiedenen „Realien“ der Geschichten von Goscinny eher lästig sein, da diese Quellen nur schludrig übersetzt, oft unpassend ausgewählt, bisweilen unnötigerweise mehrmals zitiert werden und oft gerade nicht das leisten, was sie sollen…

Was soll das zum Beispiel für ein Beweis sein, wenn man (S. 78ff) eine Ausgrabung eines Gutshofes von 270 n. Chr. heranzieht, um zu belegen, daß es schon zur Zeit Cäsars, also gut 300 Jahre früher, einen gallo-romanischen Baustil hätte geben können?

Oder wenn aus dem Fehlen von Angaben, daß die Gallier ihre Haare n i c h t in Zöpfen getragen haben, geschlossen wird, daß Zöpfe durchaus möglich waren und deshalb die Autoren von ASTERIX recht haben, wenn sie Gallier so zeigen (S. 133). Dies ist so charakteristisch für weite Strecken des Buches, daß es hier wörtlich aufgeführt werden soll: „Die meisten Gallier im Comic tragen dagegen zwei Zöpfe mit Schleifen darin. Diese Haartracht ist nirgendwo dargestellt, und sie wird auch in den antiken Texten nicht erwähnt. Dies ist für manche Gelehrte der Nachweis dafür, daß die Kelten keine Zöpfe trugen. Wenn wir jedoch die enorme Anzahl Kelten, die im Lauf der Jahrhunderte Europa bevölkerten, unserer geringen Menge an antiken Zeugnissen, dem des Historikers, gegenüberstellen, dann können wir nicht einfach behaupten, daß diese Haartracht bei den Galliern nicht vorgekommen sei. Vielleicht gab es eine bestimmte Gruppe Gallier, die ihr Haar flocht, da sie das beispielsweise bei griechischen oder römischen Frauen gesehen hatte. … Wir können somit nicht ausschließen, daß es Kelten gab, die Zöpfe trugen. Es konnten bisher lediglich noch keine Belege dafür gefunden werden.“

So kann man auch ohne Probleme ‚beweisen‘, daß die Germanen schon beim Aufbruch zu ihren Wanderungen Spaghetti gegessen haben. Wir haben keinen Beweis, daß sie es nicht taten und die Beweise, daß sie es taten, sind vielleicht bloß noch nicht gefunden.

Oder wenn (S. 64f) Homer zitiert wird, um zu belegen, daß Krieger und Helden lieber Fleisch als Fisch essen. Und weil die Kelten in Britannien wie die homerischen Helden in Streitwagen kämpften, liegt natürlich die Vermutung nahe, daß auch die Gallier lieber Wildschweine grillen als Verleihnix´ nicht ganz meerfrische Fische zu essen, obwohl er sie direkt aus Lutetia bezieht.

Die Angst der Römer, vor allem der römischen Legionäre, die um Asterix´ Dorf herum Dienst tun, vor den Galliern belegen die Autoren mit dem Bericht Cäsars von der Panik im Lager seiner Legionen, als er sich zu einem Angriff auf die G E R M A N E N!!! aufmachte. (S. 113)

Am wildesten aber tobt sich die Phantasie der Autoren aus (S. 13ff), wenn sie uns den jungen Goscinny im Lateinunterricht vor Augen führen, wie er litt, als er lesen mußte, was der böse, böse Cäsar seinen tapferen gallischen, genauer belgischen Vorfahren antat. „Innerlich wird der junge Goscinny gejubelt haben bei dem Sieg in Gergovia – und geschluchzt bei dem Untergang des Helden Vercingetorix.“ und „Jeder, der Cäsars Beschreibungen über den Gallischen Krieg auf sich wirken läßt, versteht, was Goscinny in der Schule mitmachte.“ (S. 14) und als Höhepunkt: „Empört über soviel Gewalt, muß René Goscinny sich eine andere Geschichte vorgestellt haben als diejenige, die er las. In dem Kopf des jungen Schülers entstand allmählich eine Gegenwelt, in der die Römer nicht alles mit ihren Waffen beherrschten, wo Menschenleben etwas zählten und die Sieger nicht jeden gefügig machen konnten. Es entstand die Idee von Galliern, die Cäsar nicht auf Gnade und Ungnade ausgeliefert waren und die nicht langsam, aber sicher ihre kulturelle Identität verloren. So müssen die Pläne für Asterix in den Gedanken von René Goscinny geschlummert haben, seit dieser in der Schule im Lateinunterricht die Bekanntschaft mit der Gestalt von Cäsar und den von ihm geschlagenen Galliern machte.“ (S. 15)

Das ist doch wohl das allerniedrigste wissenschaftliche Niveau für eine sich als wissenschaftlich ausgebende Arbeit und ich bedaure, daß Herr Goscinny nicht mehr in der Lage ist, diesen Wissenschaftlern mit einem kurzem „Die spinnen, die Wissenschaftler!“ den Mund zu verschließen.

Sucht jemand aber nach Hintergrundinformationen zu den Geschichten des kleinen, tapferen Galliers, so greife er zu dem schon vor Jahren im Horizont Verlag erschienenen Bildband „Das grosse Asterix-Lexikon Asterix von A – Z, dort wird er besser und unterhaltsamer bedient._

Sie wurde natürlich NICHT abgedruckt.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz,
habe da wohl was in den falschen Hals gekriegt - entschuldige, der Fehler lag wohl auf meiner Seite.

Zur Augustusstatue - ich vermute, Du meinst die aus dem Haus der Livia in Prima Porta. Schau Dir mal die Hand an; sie ist fast geschlossen und der Zeigefinger ist ausgestreckt. Nach einem Gruß schaut das nicht aus.

Etwas näher an den ‚deutschen Gruß‘ käme das bekannte Reiterstandbild Marcus Aurelius’ (vom Platz des Kapitol in Rom). Der Arm ist allerdings stark zur Seite gestreckt und verhältnismäßig tief. Möglicherweise tatsächlich eine Grußgeste, vielleicht aber auch die Geste eines deklamierenden Redners (was bei der Augustusstatue der Fall zu sein scheint) oder eine segnende Handbewegung - was wohl zur mittelalterlichen Fehlinterpretation dieser Statue als einer Darstellung Konstantins beitrug (der sie vermutlich ihr Überleben verdankt).

Am frappierendsten ist die Ähnlichkeit mit dem ‚deutschen Gruß‘ bei dem berühmten Arringatore von Sanguineto (im archäologischen Museum Florenz). Es ist ein Porträt des Aulus Metellus, noch aus der Zeit der Republik. Auch dies jedoch - wie der italienische Name (arringa = juristisches Plädoyer) sagt - ist eine Darstellung als Orator (Redner), der gerade die Hand erhebt, um für Ruhe im Publikum zu sorgen. So jedenfalls die allgemein übliche Deutung.

Gruß,
Ralf

Oja, Ralf,
jetzt, wo du die veschiedenen Statuen aufzählst, merke ich, dass ich vor allem an die letzte dachte, die schon mein erstes Lateinbuch zierte.
Bei deiner Beschreibung der andern, wird mir auch klar, dass ich alten, festgefügten Lateinlehrerphantasien anhänge.
Also ist alles, was ich bisher sagte, wohl noch einmal zu überprüfen.
Ich werde meine Bildbände noch einmal durchblättern.

Ich hoffe, dass sich meine Ansicht nicht als Vorurteil und Denkfaulheit erweist.

Fritz

Mussolini?
Hallo Fritz,

dann stelle ich meine Frage anders um:

Warum ist bei dir Mussolini der Anfang von dem Umbruch? Gab es vor ihm keine Aufmärsche, keine zentralperspektivisch gedachte, tempel- und schlossartige Architektur?

Hat er, der große Denker, Poet und Künstler, das alles erfunden?

Gruß

Ich glaube nicht, dass ich darauf wirklich antworten möchte. Aber ich will mich auch nicht drücken.
Paraden und machtdemonstrierende Shows wie Triumpfzüge, Truppenvorbeimärsche, Staatsempfänge mit roten Teppichen, Hofzerimoniell, königliche Prachtentfaltung zur Demonstration von Macht wie beim vierzehnten Ludwig usw., sind sicher keine Erfindungen Mussolinis.
Aber die spezielle Form, die diese Sachen im 20. Jhdt. angenommen haben, lassen sich doch zuerst in Italien beobachten.
Sagg du doch mal, woher diese Sachen, deiner Meinung nach, herrühren!

Gruß

Paraden und machtdemonstrierende Shows wie Triumpfzüge,
Truppenvorbeimärsche, Staatsempfänge mit roten Teppichen,
Hofzerimoniell, königliche Prachtentfaltung zur Demonstration
von Macht wie beim vierzehnten Ludwig usw., sind sicher keine
Erfindungen Mussolinis.
Aber die spezielle Form, die diese Sachen im 20. Jhdt.
angenommen haben, lassen sich doch zuerst in Italien
beobachten.

Ich würde hier so denken: die Mischung aus der auf die Demagogie basierende Volkszuwendung und der tyrannisch/imperial/diktatorisch gedachten Anlehnung an die antiken Vorbilder ist hier tatsächlich ein Novum. So gesehen führt die Linie von Mussolini zu Hitler (um mit den Hauptfiguren das zu benennen). Die Stösse dazu gaben Französische Revolutionen mit ihren Zeremonien, Russische Oktoberrevolution mit ihren Zeremonien, sowie die von dir schon erwähnte Hofkultur des feudalen Frankreich etc. Andererseits entsprang die Stalinistische Architektur, die später in den Satelliten-Ländern übernommen werden mußte, nicht der Fascho-Ästhetik, sondern einer Mischung aus dem oben genannten Brei plus amerikanische urbane Kultur des modernen Zeitalters.

Kurz gesagt, ich sehe Ähnlichkeiten, aber keine kausale Folge. Es sind Cousins und nicht Vater-Sohn, wenn ich das so formulieren darf.

Gruß

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Hallo,
ich habe Meyers Lexikon, Band Fünf, achte Auflage, Leipzig 1938, Spalte Eins und Zwei zu „Gruss“ mir einmal durchgelesen. Es kommt zuerst ein Rückblende auf das Grüssen mit erhobener rechter Hand, zum Zeigen, dass man unbewaffnet war. Zitat: "Es war auch bereits alter german. Brauch, den erwählten Führer durch das Erheben des rechten Armes und durch den Heilruf zu grüssen."Heinrich I. soll bei seiner Wahl auch durch den rechten zum Himmel gestreckten Arm und heilrufen gegrüsst worden sein. Dann kommt noch ein Satz speziell zum Deutschen Gruss: "Der mit dem Erheben des rechten Armes verbundene G. „Heil Hitler"entspricht also der urspl. germanisch-dt. G.form.Es bedeutet eine immer neu zum Ausdruck kommendeEhrung des Führers und ein ständiges Bekenntnis zu ihm.“ In diesem Stil geht das dann noch weiter. Nach dieser NS-Quelle war das etwas urgermanisches. Ich schätze ist aus allen möglichen Richtungen etwas zusammengekommen.
Aber eins ist mir beim Gruss mit dem erhobenen rechten Arm schleierhaft. Grüssen die Turner nicht auch die Zuschauer nach dem durchturnten Sportgerät damit?
Gruss
Rainer

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Danke für die Beiträge …
… und die vielen Gedanken,die sich einige gemacht haben.

Nach dem Lesen der Beiträge scheint es mir nun, als sei der Gruß mit erhobenem Arm durchaus bei verschiedenen Völkern üblich gewesen - die Nazis haben ihn sicher besonders „zackig“ - wie ein Militärgruß - ausgestaltet und so ihrer Ideologie zunutze gemacht.

Lieben Gruß
Dantis

  • wie ein Militärgruß - ausgestaltet und so ihrer Ideologie
    zunutze gemacht.

Hallo !

Wieso zunutze?
Sie waren eben so am Germanenkult fixiert, dass sie auch den Gruß übernommen haben. Zunutze kam ihnen das überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, Bevölkerung und vor allem das Miltär liebten diesen Gruß ganz und gar nicht. Er war ihnen allen per Dekret aufgezwungen und man machte noch während dieser Zeit Witze über ihn.

Das ganze Germanengetue war so schlimm, dass man nach 1945 selbst das Wort „Germane“ nicht gern aussprach. Alles, was mit dieser Zeit zu tun hatte, war plötzlich von den Nazis erfunden.
Dabei waren sie nur die Nachahmer.

Gruß max

Hallo Max,

die Nazis haben versucht, das gesamte Leben zu „durchtränken“ mit ihrer Ideologie - und dazu gehörte eben auch ein eigener Gruß. Darauf sind nicht mal die despotischsten deutschen Kaiser in der Vergangenheit gekommen. Somit war in meine Augen der Gruß ein Mosaiksteinchen der gesamten Gleichschaltung.

Lieben Gruß
Martin

PS: Apropos Witze darüber:
Sagt ein altes Mütterchen, das eine Amtsstube im Dritten Reich betritt, freundlich: „Guten Tag!“ Daraufhin brüllt der Parteibonze am Schreibtisch: „Was heißt hier ‚Guten Tag?‘“ So lange wir am Ruder sind, gibt es keinen ‚Guten Tag‘ mehr!"

-)
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Eine Randfrage hätte ich gern
Hallo, Fritz.

:Wischiwaschimix

War der auch aus Gallien?

Gruß kw