Hallo McFleih,
klar: Die Sache hat ein „Gschmäckle“, wie der Schwabe sagen würde. Die reine PSA-Bestimmung ist ja wie gesagt auch umstritten.
Allerdings: Zusammen mit dem Tastbefund kann man z.B. den Test spezifischer Gestalten, da bei einer blanden Prostatavergrößerung das PSA in Relation zur Tumorgröße nicht so stark erhöht ist (also: kleine Prostata bei hohem PSA = verdächtig). Spezifischer läßt sich der Test auch durch eine weitere Bestimmung machen, falls das PSA erhöht ist (Bestimmung von PAP und THSP) - und hier wäre ja so etwas in der Art geplant gewesen, zumindest klang etwas von „weiteren Tests“ an. Unter dem Strich kann man also nicht ausschließen, daß der Doktor da eine ganz sinnvolle Strategie gefahren hat.
Übrigens hätte er ja, um mehr Geld zu verdienen, PAP und THSP ach gleich, also unabhängig vom PSA-Ergebnis, bestimmen können…
Dann bleibt aber eben doch der bittere Beigeschmack daß man es
nicht für nötig gehalten hat dem alten Mann Sinn oder Unsinn
der Maßnahme ausreichend zu erklären.
Alle Zusammenhänge zu verstehen, setzt einen gut vorgebildeten, jungen, interessierten Menschen voraus. Nun gehe mal mit Deinen Idealen auf eine internistische Krankenstation und schaue mal, was Du dort so antriffst. Da muß es sich oft genug daruf zu beschränken, dem Patienten zu erklären, man mache eine Prostatakrebsvorsorge. Demente (und Demenz ist eine Volkskrankheit) wissen oft genug nicht einmal mehr, wo die Prostata genau liegt und für was sie eigentlich zuständig ist (weißt Du als junger, gebildeter Mensch das denn so genau?). Im vorliegenden Fall ist zum Arztbesuch immerhin normalerweise eine Begleitperson nötig.
Wenn man bei nicht mehr so fitten Patienten vom „mutmaßlichen Willen“ ausgeht, dann rechnet man damit, daß der Patient ein Interesse hat, ein eventuelles Prostatakarzinom zu erkennen, und das zu einem für ihn vertretbaren (medizinischen und finanziellen) Preis. Und den Preis hier finde ich durchaus vertretbar.
da steht nix davon daß es sich erledigt
hat wenn man sich den Mund dafür fusselig reden muß.
Und ob sich das erledigt hat. Ein Doc, der einem jeden (jungen, gebildeten) Patienten den Sinn seiner Maßnahmen erschöpfend umreißen würde, würde wirtschaftlich nicht lange überleben. So ist es nun mal.
Bedenke doch alleine mal: Die Krankenversicherungsbeiträge hat man in den letzten 15 Jahren teils mit Gewalt stabilisiert, wobei die medizinische Versorgung immer umfangreicher geworden ist. Was meinst Du, wo da gespart wurde?
Viele Kollegen nehmen sich dennoch die Zeit, wenigstens das Wichtigste ihren Patienten zu erklären - sonst macht die eigene Arbeit irgendwann keinen Spaß mehr. Damit das Ganze aber nicht zu einem wirtschaftlichen Disaster wird (das stets abgerechnente Entgelt der Beratungsgespräche wird ohnehin für laufende Kosten „verbraten“) wären die meisten gezwungen, sich zusätzliche Geldquellen zu erschließen, um ihr „Hobby“ weiterbetreiben zu können. Und da zählen letztlich auch die vom Patienten bezahlten Tests dazu. „Abzocke“ würde ich das bei einem durchschnittlichen Hausärzteeinkommen von derzeit 2130€ Netto (Stand: 2001) nach 12 Jahren Ausbildung nicht unbedingt nennen.
Also erstens gilt hier der Grundsatz daß die eine
Unverschämtheit nicht eine andere legitimiert.
Ärzte leben inmitten der Gesellschaft. Sie sind nicht mehr und nicht weniger unverschämt als die Gesellschaft auch. Das wollte ich damit sagen. Daß das gerade im Arztberuf einige Ideale „zwangsruiniert“, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.
Also kann man dem Arzt und seinen Erfüllungsgehilfen sehr wohl
unredliches Verhalten unterstellen.
Den Begriff „Erfüllungsgehilfe“ kenne ich aus Strafprozessen. Ich denke, hier ist er fehl am Platze.
Anders gefragt: Wie würdest Du das Problem denn lösen, wärst Du ein Praxisbetreiber?
viele Grüße,
Oliver