'Der Doktor sieht das gerne'

Hallo,

Mein Schwiegervater kam Donnerstag vom prakt. Arzt zurück, wo allg. Laboruntersuchungen gemacht wurden. Er erzählte uns, dass man ihm gesagt habe, für eine bestimmte Prostata-Laboruntersuchung würde er vom Labor eine Rechnung über 36 EUR erhalten. Es würde ggf. noch eine weitere Untersuchung gemacht, die dann 50 EUR kosten würde. Warum das Ganze, wurde ihm nicht erklärt. Er hätte es auch nicht verstanden. Er hat auch keine Kostenübernahmeerklärung unterschrieben.

Meine Frau rief daraufhin in der Praxis an. Dort bestätigte man ihr dieses. Mein Schwiegervater ist 85 Jahre alt und hat noch nie Prostata-Probleme gehabt. Auf die Frage meiner Frau, warum denn diese Laborwerte gemacht werden sollen, erhielt sie die Antwort: „Der Doktor sieht das gerne!“

Die Schwiegereltern bekommen als Aussiedler so wenig Rente, dass sie von der AOK Zuzahlungs-Befreiung haben. Und es ist ja klar, dass sie den Arzt wie Behördenmitarbeiter als Respektperson betrachten, dem man nicht widerspricht! So war es ja schon in ihrer Heimat.

Am Freitag war ich in der AOK-Geschäftsstelle und erzählte den Vorfall. Außer Bedauern könne man nicht machen. Wir könnten uns ja an die kassenärztliche Vereinigung wenden.

Wenn meine Frau das morgen zusammen mit den Untersuchungsergebnissen mit dem Arzt bespricht, befürchten wir, dass er keine weiteren Behandlungen machen möchte.

So nutzt man Leute aus!

Liebe Grüße
Black Eddy

Hallo !

Bei einem 85jährigen die Prostata zu untersuchen ist medizinischer Schwachsinn!

Ich würde auf keinen Fall die Rechnung bezahlen.

Da hat man die Gutgläubigkeit eines alten Mannes ausgenutzt! Bzw, man hat ihm einfach Blut abgezapft und macht damit auf seine Rechnung, was man will!

Eigentlich gehört die manuelle (Fingertast) Prostatauntersuchung zur zweijahres Vorsorgeuntersuchung und wird von der Kasse übernommen.

Gruß Max

Hallo, also der Dr. sieht das gerne ist natürlich keine Begründung. Vermute mal es geht um die Bestimmung des PSA (Prostata spezifisches Antigen), der Wert zeigt relativ zuverlässsig an ob Prostatakrebs vorhanden ist oder nicht, und das kann durch eine Tastuntersuchung nur in einem geringeren Umfang ermittelt werden. Inwiefern das Kassenleistung ist…soviel ich weiss ist es das nicht, sondern IGEL, also selbst zu zahlen. Wurde denn explizit darauf hingewiesen dass es kostenpflichtig ist?

Hallo,

PSA stimmt!

Die Frage ist natürlich, wenn Abtasten ggf. nicht geeignet ist, warum PSA nicht Kassenleistung ist.

Ein befreundeter Mediziner, dem wir das erzählten, meinte, einem 85-jährigen mit Prostatakrebs würde man von einer Operation abraten. Wie gesagt: Er hat ja keine Prostata-Beschwerden!

Auf die Kostenpflicht wurde hingewiesen (aber ohne Übernahmeerklärungs-Unterschrift!).

Meine Frau wird morgen bei der Arztbesprechung sagen, dass in Zukunft nur noch Kassenleistungen gemacht werden sollen.

Hallo Black Eddy,

Die Frage ist natürlich, wenn Abtasten ggf. nicht geeignet
ist, warum PSA nicht Kassenleistung ist.

Weil es zu teuer ist einerseits, weil der Sinn eines PSA-Screenings nicht sicher belegt ist andererseits.

Ein befreundeter Mediziner, dem wir das erzählten, meinte,
einem 85-jährigen mit Prostatakrebs würde man von einer
Operation abraten.

Wenn es noch nicht gestreut hat, würde man bestimmte Formen mittels einfacher Ausschälung heilen können (genauer: alle Formen, die eine gewisse Größe nicht überschritten und noch nicht gestreut haben und nicht allzu bösartig unter dem Mikroskop ausschauen). So klar ist das also nicht, daß man da nichts mehr machen würde.

Meine Frau wird morgen bei der Arztbesprechung sagen, dass in
Zukunft nur noch Kassenleistungen gemacht werden sollen.

Dem wird er ganz so ohne weiteres nicht folgen können, weil immer noch der Patient die letzte Entscheidungsinstanz ist. Besprechen bzw. Euch für zukünftige Entscheidungen um Erlaubnis fragen darf er wegen der Schweigepflicht sowieso nur dann, wenn Dein Schwiegervater einverstanden ist.

Das bißchen, was auf dem Konto des Arztes landet (Laborkosten!), ist ihm die ganze Aufregung im nachhinein sicher nicht wert. Hat er nur ein paar Minuten erklärt, so dürften die Praxisfixkosten schon die Einnahmen überwiegen. Ähnlich wie bei der Impfmüdigkeit: Man läßt die Leute einfach ungeimpft und ggf. eben krank werden, bevor man sich den Mund fusselig redet.

Betrachte doch auch bitte mal die Relationen: Wenn ich so Deine ViKa betrachte, meine ich, daß Du für ein einfaches Zubehör für Deine Hobbies wie z.B. ein Verbindungskabel locker den fraglichen Betrag zahlen würdest. Aber sind Kabel wirklich das Wert, was heute in Elektronikfachmärkten verlangt wird? Würdest Du hingehen und Dich beim Abteilungsleiter beschweren?

Desweiteren wundere ich mich ein klein wenig, daß ihr dem Arzt einerseits Abzockerei vorwerft, andererseits die Praxis nicht wechselt.

viele Grüße,

Oliver

3 „Gefällt mir“

Hallo, Oliver,

weil der Schwiegervater den Sinn nicht versteht (kann er oft auch für die Medikamenten-Einnahme nicht), ist meine Frau bei Ergebnis-Besprechungen dabei. Nur dem Arzt bzw. der Arzthelferin zuzustimmen, weil diese Respektpersonen sind, kann es doch nicht sein.

Das gilt auch für Glaukom-Untersuchungen, die 1 Minute dauern und für die 10 EUR bar zu zahlen sind, ohne dass ein Verdacht vorliegt.

Laut GOZ zahlen Privatversicherte beim Zahnarzt ca. 5 EUR für die Vitalitätsprüfung eines Zahnes. Die Spraydose „Kältespray 75“ kostet ca. 5 EUR. 50 - 100 mal auf ein Wattestäbchen sprühen, so viel Inhalt ist in der Dose.

Die Aufklärung über Untersuchungen ist vorgeschrieben. In diesem Falle hat eine Arzthelferin - nicht der Arzt - die PSA erklärt. Die Rechnung wird aber das Labor senden, nicht der Arzt. Übrigens - ich hab’ mich vertan. Die Besprechung war eben. Der Arzt selber ist derzeit nicht da, nur sein Vertreter (A iP o. ä.). Alle Laborwerte waren in Ordnung.

Für mich gesprochen: Ich hab’ immer meinen Impfpass bei mir und werde in Kürze mehrere Impfungen auffrischen lassen.

Meine Kabel kaufe ich nicht in Elektronikfachmärkten, weil die wegen der vielen Werbung („Ich bin doch nicht blöd“, „Geiz ist geil“) oft doppelt so teuer als Fachhändler sind. Meine Fachhändler kenne ich persönlich, z. B. von der Mac-Börse Köln. Aber das gehört nicht zum Thema.

Weil der Schwiegervater schlecht laufen kann, geht er in die 300 m entfernte Arztpraxis. Andere prakt. Ärzte sind 5 km entfernt. Und den Arzt wechseln in seinem Alter (Respektperson, s. o.)?

Wir selber gehen bei Bedarf zu anderen Ärzten, die wir ggf. auch wechseln.

viele Grüße
Black Eddy

Vermute mal es geht um die Bestimmung des PSA

(Prostata spezifisches Antigen), der Wert zeigt relativ
zuverlässsig an ob Prostatakrebs vorhanden ist oder nicht,

Leider nicht!
Es gibt Patienten mit einem Prostatakarcinom und normalen PSA-Werten wie auch Gesunde mit erhöhten Werten.

Gruß
KH

Hallo Oliver,

Weil es zu teuer ist einerseits, weil der Sinn eines
PSA-Screenings nicht sicher belegt ist andererseits.

Dann bleibt aber eben doch der bittere Beigeschmack daß man es nicht für nötig gehalten hat dem alten Mann Sinn oder Unsinn der Maßnahme ausreichend zu erklären. Klar, bei alten Menschen ist es mit dem Verständnis mitunter etwas schwierig, aber gerade deswegen hat man doch sehr das Gefühl daß ihm eine umstrittene Maßnahme aufgeschwatzt wurde um das Geld dafür zu kassieren.

Hat er nur ein paar Minuten erklärt, so
dürften die Praxisfixkosten schon die Einnahmen überwiegen.
Ähnlich wie bei der Impfmüdigkeit: Man läßt die Leute einfach
ungeimpft und ggf. eben krank werden, bevor man sich den Mund
fusselig redet.

Da mag die Realität vielleicht die Theorie überholen, trotzdem ist es bedenklich wenn diese Sichtweise sich durchsetzt. Immerhin beginnt eine jede Medizinerkarriere mit dem Eid des Hippokrates, nach dem man sich verpflichtet Schaden von den Patienen abzuhalten - da steht nix davon daß es sich erledigt hat wenn man sich den Mund dafür fusselig reden muß.

Und bezüglich der Kosten: Kleinvieh macht auch Mist. Wenn die Grundeinstellung herrscht älteren Patienten, die mit der Situation jeweils überfordert sind, schnell mal zusätzliche kostenpflichtige Maßnahmen aufzuschwatzen, spült das sehr wohl Geld in die Kasse. Gerade auch weil man eben davon ausgeht daß die Alten sich das ohne große Gegenwehr oder Nachfragen gefallen lassen.

Betrachte doch auch bitte mal die Relationen: Wenn ich so
Deine ViKa betrachte, meine ich, daß Du für ein einfaches
Zubehör für Deine Hobbies wie z.B. ein Verbindungskabel locker
den fraglichen Betrag zahlen würdest. Aber sind Kabel wirklich
das Wert, was heute in Elektronikfachmärkten verlangt wird?
Würdest Du hingehen und Dich beim Abteilungsleiter beschweren?

Also erstens gilt hier der Grundsatz daß die eine Unverschämtheit nicht eine andere legitimiert.

Zweitens hinkt dieser Vergleich weil man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann.

Drittens erfüllt das Kabel zu 100% seinen Sinn, die hier durchgeführte Untersuchung ist, wie Du selber schreibst, umstritten.

Viertens sind die Verbraucher bei der momentanen katastrophalen Wirtschaftslage und aufgrund der Teuro-Abzocke durchaus nicht mehr bereit horrende, übertriebene Preise zu bezahlen.
Nur kann ich die Relationen von Warenwert zu Preis und von Kosten zu Nutzen bei dem Kabel selber einschätzen.
Bei dieser Unsersuchung bin ich aber darauf angewiesen vom Arzt korrekt beraten zu werden oder - wie in diesem Fall, wo der alte Mann praktisch vielleicht nicht in der Lage ist sowas zu entscheiden - mich darauf zu verlassen daß der Arzt nichts tut was meinem mutmaßlichen Willen widerspricht. Jemand, der so wenig Geld hat wie dieser alte Mann würde diese Untersuchung aber sicher nicht machen lassen wenn ihm klar gewesen wäre wie teuer sie ist und in welchem Verhältnis Kosten und Nutzen stehen. Also kann man dem Arzt und seinen Erfüllungsgehilfen sehr wohl unredliches Verhalten unterstellen.

Desweiteren wundere ich mich ein klein wenig, daß ihr dem Arzt
einerseits Abzockerei vorwerft, andererseits die Praxis nicht
wechselt.

Kommt ja vielleicht noch… Wäre jedenfalls sehr anzuraten, da ich mich bei diesem Arzt nicht mehr gut aufgehoben fühlen würde.

MecFleih

Hallo McFleih,

klar: Die Sache hat ein „Gschmäckle“, wie der Schwabe sagen würde. Die reine PSA-Bestimmung ist ja wie gesagt auch umstritten.

Allerdings: Zusammen mit dem Tastbefund kann man z.B. den Test spezifischer Gestalten, da bei einer blanden Prostatavergrößerung das PSA in Relation zur Tumorgröße nicht so stark erhöht ist (also: kleine Prostata bei hohem PSA = verdächtig). Spezifischer läßt sich der Test auch durch eine weitere Bestimmung machen, falls das PSA erhöht ist (Bestimmung von PAP und THSP) - und hier wäre ja so etwas in der Art geplant gewesen, zumindest klang etwas von „weiteren Tests“ an. Unter dem Strich kann man also nicht ausschließen, daß der Doktor da eine ganz sinnvolle Strategie gefahren hat.
Übrigens hätte er ja, um mehr Geld zu verdienen, PAP und THSP ach gleich, also unabhängig vom PSA-Ergebnis, bestimmen können…

Dann bleibt aber eben doch der bittere Beigeschmack daß man es
nicht für nötig gehalten hat dem alten Mann Sinn oder Unsinn
der Maßnahme ausreichend zu erklären.

Alle Zusammenhänge zu verstehen, setzt einen gut vorgebildeten, jungen, interessierten Menschen voraus. Nun gehe mal mit Deinen Idealen auf eine internistische Krankenstation und schaue mal, was Du dort so antriffst. Da muß es sich oft genug daruf zu beschränken, dem Patienten zu erklären, man mache eine Prostatakrebsvorsorge. Demente (und Demenz ist eine Volkskrankheit) wissen oft genug nicht einmal mehr, wo die Prostata genau liegt und für was sie eigentlich zuständig ist (weißt Du als junger, gebildeter Mensch das denn so genau?). Im vorliegenden Fall ist zum Arztbesuch immerhin normalerweise eine Begleitperson nötig.

Wenn man bei nicht mehr so fitten Patienten vom „mutmaßlichen Willen“ ausgeht, dann rechnet man damit, daß der Patient ein Interesse hat, ein eventuelles Prostatakarzinom zu erkennen, und das zu einem für ihn vertretbaren (medizinischen und finanziellen) Preis. Und den Preis hier finde ich durchaus vertretbar.

da steht nix davon daß es sich erledigt
hat wenn man sich den Mund dafür fusselig reden muß.

Und ob sich das erledigt hat. Ein Doc, der einem jeden (jungen, gebildeten) Patienten den Sinn seiner Maßnahmen erschöpfend umreißen würde, würde wirtschaftlich nicht lange überleben. So ist es nun mal.
Bedenke doch alleine mal: Die Krankenversicherungsbeiträge hat man in den letzten 15 Jahren teils mit Gewalt stabilisiert, wobei die medizinische Versorgung immer umfangreicher geworden ist. Was meinst Du, wo da gespart wurde?

Viele Kollegen nehmen sich dennoch die Zeit, wenigstens das Wichtigste ihren Patienten zu erklären - sonst macht die eigene Arbeit irgendwann keinen Spaß mehr. Damit das Ganze aber nicht zu einem wirtschaftlichen Disaster wird (das stets abgerechnente Entgelt der Beratungsgespräche wird ohnehin für laufende Kosten „verbraten“) wären die meisten gezwungen, sich zusätzliche Geldquellen zu erschließen, um ihr „Hobby“ weiterbetreiben zu können. Und da zählen letztlich auch die vom Patienten bezahlten Tests dazu. „Abzocke“ würde ich das bei einem durchschnittlichen Hausärzteeinkommen von derzeit 2130€ Netto (Stand: 2001) nach 12 Jahren Ausbildung nicht unbedingt nennen.

Also erstens gilt hier der Grundsatz daß die eine
Unverschämtheit nicht eine andere legitimiert.

Ärzte leben inmitten der Gesellschaft. Sie sind nicht mehr und nicht weniger unverschämt als die Gesellschaft auch. Das wollte ich damit sagen. Daß das gerade im Arztberuf einige Ideale „zwangsruiniert“, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.

Also kann man dem Arzt und seinen Erfüllungsgehilfen sehr wohl
unredliches Verhalten unterstellen.

Den Begriff „Erfüllungsgehilfe“ kenne ich aus Strafprozessen. Ich denke, hier ist er fehl am Platze.

Anders gefragt: Wie würdest Du das Problem denn lösen, wärst Du ein Praxisbetreiber?

viele Grüße,

Oliver

2 „Gefällt mir“

Hallo Oliver,

klar: Die Sache hat ein „Gschmäckle“, wie der Schwabe sagen
würde. Die reine PSA-Bestimmung ist ja wie gesagt auch
umstritten.

Alle Zusammenhänge zu verstehen, setzt einen gut
vorgebildeten, jungen, interessierten Menschen voraus. Nun
gehe mal mit Deinen Idealen auf eine internistische
Krankenstation und schaue mal, was Du dort so antriffst.

Da ich im Rettungsdienst tätig bin kenne ich das Patientenklientel und gebe Dir Recht - es wäre mehr oder weniger unmöglich jedem Patienten umfassend Auskunft zu erteilen - sei es weil derjenige es aufgrund seiner Demenz nicht begreifen würde oder auch weil die Zeit dazu fehlt.

Damit wächst aber zugleich die moralische Verantwortung des Arztes, denn er kann den Patienten nicht einfach nach seinem Willen fragen und dementsprechend vorgehen, sondern muß das tun was der Patient vermutlich wollen würde. In manchen Fällen steht es dabei natürlich auf der Kippe, in anderen Fällen mag es eindeutig sein was im Interesse des Patienten liegt.
In diesem konkreten Beispiel bleibt, wie wir ja beide finden, ein „Gschmäckle“. Und das wäre vermutlich der Grund weshalb ich in diesem Fall keine PSA-Bestimmung gemacht hätte…

Bedenke doch alleine mal: Die Krankenversicherungsbeiträge hat
man in den letzten 15 Jahren teils mit Gewalt stabilisiert,
wobei die medizinische Versorgung immer umfangreicher geworden
ist. Was meinst Du, wo da gespart wurde?

Ja, die finanzielle Situation im Gesundheitssystem ist ein Trauerspiel… Allerdings werden Mittel manchmal auch falsch eingesetzt: da werden manche wirklich sinnvollen Untersuchungen/Behandlungen schlichtweg nicht durchgeführt, an anderer Stelle das Geld haufenweise zum Fenster rausgeschmissen.

Ich rege mich z. B. zunehmend häufig darüber auf zu welchen Patienten wir geschickt werden. Konnte man früher davon ausgehen daß die Alarmierung z. B. eines Krankenwagens in der Tat zu einem Patienten erfolgte, der aus medizinischer Sicht nicht von Angehörigen oder mit dem Taxi befördert werden konnte, so ist es heute fast üblich daß man Patienten durch die Gegend fährt die zu Fuß zum Krankenwagen gehen und zuhause Treppen rauf und runter laufen können. Oder man stützt Leute auf dem Weg zum Auto ein wenig mit dem Arm - während daneben 3 kräftige Söhne herlatschen.
Da frage ich mich oft was sich ein Doc denkt, der für so etwas Transportscheine ausstellt… Und die Anforderung eines Krankenwagens kostet viel Geld, da geht’s nicht um Peanuts, sondern um richtig viel Asche.
Andererseits verweigert man an anderer Stelle die Unterschrift auf dem T-Schein, weil die Patienten selbsttätig den Notruf angewählt haben - und das vielleicht völlig zu Recht und bei höchster Indikation.
Beispiele dieser Art wird es sicher noch viele geben, auch wenn ich nicht den vollständigen Überblick habe.

Viele Kollegen nehmen sich dennoch die Zeit, wenigstens das
Wichtigste ihren Patienten zu erklären - sonst macht die
eigene Arbeit irgendwann keinen Spaß mehr. Damit das Ganze
aber nicht zu einem wirtschaftlichen Disaster wird (das stets
abgerechnente Entgelt der Beratungsgespräche wird ohnehin für
laufende Kosten „verbraten“) wären die meisten gezwungen, sich
zusätzliche Geldquellen zu erschließen, um ihr „Hobby“
weiterbetreiben zu können. Und da zählen letztlich auch die
vom Patienten bezahlten Tests dazu. „Abzocke“ würde ich das
bei einem durchschnittlichen Hausärzteeinkommen von derzeit
2130€ Netto (Stand: 2001) nach 12 Jahren Ausbildung nicht
unbedingt nennen.

Letztlich läuft sowas immer auf eine Diskussion „Moral Profit“ heraus. Daß es nicht einfach ist sich in diesem System immer korrekt zu positionieren ist klar…

Ärzte leben inmitten der Gesellschaft. Sie sind nicht mehr und
nicht weniger unverschämt als die Gesellschaft auch. Das
wollte ich damit sagen. Daß das gerade im Arztberuf einige
Ideale „zwangsruiniert“, brauche ich ja nicht extra zu
erwähnen.

Ja, kann ich gut nachvollziehen…

Den Begriff „Erfüllungsgehilfe“ kenne ich aus Strafprozessen.
Ich denke, hier ist er fehl am Platze.

Nö, juristisch ist ein „Erfüllungsgehilfe“ im Gegensatz zur Umgangssprache kein „Mittäter“, sondern schlichtweg ein Helfer.

Anders gefragt: Wie würdest Du das Problem denn lösen, wärst
Du ein Praxisbetreiber?

Nun, eine optimale Lösung dazu kann ich leider auch nicht bieten. Vielleicht nur die daß man sich als Entscheidungsträger nie aus finanziellen Gründen weiter aus dem Fenster lehnt als man das moralisch verantworten kann - was aber natürlich sehr wischi-waschi ist, denn die moralischen Grenzen sind natürlich individuell sehr weit gefächert.

Schöne Grüße,

MecFleih

Ein befreundeter Mediziner

und er reduziert deinen vater auf sein alter? jetzt verstehe ich, warum du online weiter suchst.

Hallo,

Mein Schwiegervater kam Donnerstag vom prakt. Arzt zurück, wo
allg. Laboruntersuchungen gemacht wurden. Er erzählte uns,
dass man ihm gesagt habe, für eine bestimmte
Prostata-Laboruntersuchung würde er vom Labor eine Rechnung
über 36 EUR erhalten. Es würde ggf. noch eine weitere
Untersuchung gemacht, die dann 50 EUR kosten würde. Warum das
Ganze, wurde ihm nicht erklärt. Er hätte es auch nicht
verstanden. Er hat auch keine Kostenübernahmeerklärung
unterschrieben.

Wenn ich so etwas lese, dann erbost es mich. Der Arzt hätte dem Schwiegervater vorher sagen müssen, daß er die Untersuchung selbst bezahlen muß.
Die Labor-Untersuchung durchzuführen ohne entsprechenden Verdacht ist allein schon - nun ja - nicht notwendig. Aber wer will sich schon wegen einer solchen Sache mit einem Arzt anlegen - ich halte es für ein unseriöses Vorgehen, das leider kein Einzelfall ist. Die meisten Patienten scheuen sich, ein selbstsicheres Auftreten beim Arzt an den Tag zu legen, was aber angeraten scheint … ganz allgemein gesagt. Dann würde manchen Patienten ihre Gesundheit erhalten.

Gruß, W.

Ein befreundeter Mediziner

und er reduziert deinen vater auf sein alter? jetzt verstehe ich, warum du online weiter suchst.

Hallo, Biggi,

unser Freund praktiziert in einer anderen Stadt. Darum können wir nicht immer mit allen Beschwerden und Familienmitgliedern zu ihm fahren.

Ich suche nicht weiter online, sondern wollte die Vorgehensweise der Arztpraxis hier Kund tun. Dieser Arzt verschrieb z. B. bei HWS-Beschwerden meiner Frau Diclofenac [Voltaren], was nichts half. Ein Orthopäde wandte dann bei ihr chiropraktische Griffe an und verschrieb manuelle Therapie.

Hi…

Jetzt muss ich mich doch noch einschalten, auch wenn ich bei der Verfolgung der einzelnen Antworten dachte, ich könnte mir das sparen.

Ich bin in einer gewissen Zwickmühle, selbst als ÄiP in einer Allgemeinarztpraxis tätig und andererseits natürlich wissend, dass Kollegen sich über IGEL ein nettes Zubrot verdienen.

Die Aufklärung von alten Menschen ist grundsätzlich nicht einfach, egal ob sie gar nichts vom Arzt annehmen wollen oder ob sie einem alles abnehmen. Dennoch sind allein sie diejenigen, die über die Durchführung von Diagnostik- und Therapiemaßnahmen zu entscheiden haben. Da hilft eine Begleitperson allenfalls, als Mittler zu fungieren, zu erklären, falls eine Sprachbarriere besteht, aber letztlich kann keine Diagnostik und auch keine Therapie ohne konkretes Einverständnis (hier genügt in den meisten Fällen der Allgemeinarztpraxis das mündliche, während im Krankenhaus bei sehr viel schwerwiegenderen Entscheidungen selbstverständlich das schriftliche obligat ist) durchgeführt werden.

Somit würde ich empfehlen, dass Ihrem Schwiegervater die gesamte Problematik erklären und ihn auch ein wenig sensibel dafür machen, dass unsere Zunft zwar als Fachmann anzusehen ist, jedoch mittlerweile der Patient sehr wohl durch das Interesse an der eigenen Gesundheit nachfragen sollte, wenn er etwas nicht versteht. Möglicherweise wäre es in Zukunft auch einfach sinnvoller, wenn - das Einverständnis Ihrer Schwiegereltern vorausgesetzt - zur allgemeinen Gesundheitsuntersuchung (die max. alle 2 Jahre stattfinden darf) oder bei komplexeren bzw. unklaren Erkrankungen die Tochter eben dabei ist. Sie könnte bereits im Vorfeld mitwirken, dass die Schwiegereltern bereits vor den geplanten Untersuchungen wissen, ob sie diese überhaupt wollen.

Abgesehen davon hätte ich meiner Sprechstundenhilfe für den Spruch im Titel dieses Threads die Ohren langgezogen, denn da gibt es politisch korrektere Aussagen und immer noch die Möglichkeit, zur Begründung der medizinischen Notwendigkeit telefonisch mit dem Arzt zu verbinden. Die obige Aussage steht keinem Angestellten, der seinen Arbeitsplatz behalten will - unabhängig davon, ob der Chef ein Geldmacher ist oder nicht - zu.

Für weitere Fragen stehe ich wie immer zur Verfügung.

Gruß,

Claudia