Hi!
Habt ihr vielleicht ein paar gute Erklärungen für mich, was
genau im Dreißigjährigen Krieg passierte, wie er anfing und
was er brachte?
Der Dreißigjährige Krieg war eigentlich nicht _ein_ Krieg, sondern eine Reihe von mehreren Kriegen, die direkt aufeinander folgten.
In Europa gab es damals seit etwa 100 Jahren eine Glaubensspaltung. Durch Luther, Calvin, Zwingli und einige andere wurde eine religiöse Reformation eingeleitet, die schließlich zu einer neuen christlichen Glaubensbewegung führte. Weil die Befürworter dieser Reformation gegen die Verurteilung (Ächtung) Luthers auf dem Reichstag zu Worms 1521 protestierten, wurden sie „Protestanten“ genannt. Da der Glaube der „Protestanten“ auf den Evangelien des Neuen Testamentes basierte, nannten sie sich selbst auch „evangelisch“.
Die Protestanten waren mit ihren Ideen in Europa so erfolgreich, dass der Papst und die Katholische Kirche eine Gegenreformation starteten. Die Katholische Kirche sollte wieder der alleinige Glaube in Nord-, Mittel- und Westeuropa werden.
Der deutsche Kaiser gewährte in seinem Reich Religionsfreiheit. 1555 wurde der Augsburger Religionsfrieden geschlossen (Kaiser Karl V.), wonach die Untertanen die gleiche Religion wie ihr Landesherr haben mussten. Welche Religion der Landesherr annahm, war ihm freigestellt. 1609 wurde diese Religionsfreiheit durch Kaiser Rudolf II. bestätigt.
1617 wird der katholische Erzherzog Ferdinand König von Böhmen, allerdings ohne Zustimmung der böhmischen Adligen. Die sind alle protestantisch und wollen keinen katholischen König.
1618 werden in Böhmen die protestantischen Kirchen niedergebrannt. Dagegen protestieren die evangelischen Adligen in Prag, allerdings ohne Erfolg. In ihrer Wut packen sie die Verwalter des katholischen Königs und werfen sie aus dem Fenster (der Prager Fenstersturz). Damit ist für die böhmischen Adligen der katholische König erledigt.
1619 wird aber genau dieser katholische König Ferdinand zum deutschen Kaiser gekrönt. Und der will natürlich von den widerspenstigen böhmischen Adligen einen Treueeid hören. Diesen Eid aber verweigern die Böhmen, weil Ferdinand den evangelischen Glauben in Böhmen bekämpft hat. Daher ernennen die Böhmen den evangelischen Adligen Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem Kaiser. Jetzt gibt es also zwei Kaiser: den katholischen Ferdinand II. und den evangelischen Friedrich von der Pfalz. Das bedeutet Krieg.
1620 gibt es die erste große Schlacht. Friedrich von der Pfalz verliert das Gefecht am Weißen Berg bei Prag und flieht ins evangelische Holland. Das Bündnis der böhmischen Adligen (die „Union“) bricht auseinander. Das evangelische Böhmen wird katholisch. Weil viele Böhmen das nicht mit sich machen lassen wollen, wandern etwa 150.000 Menschen aus.
Da die Lage günstig ist, befiehlt Ferdinand seinen Heerführern, auch andere evangelische Gebiete katholisch zu machen. So werden in den nächsten Jahren Württemberg, die Pfalz, Franken und die Oberpfalz wieder katholisch.
1625 drängen die katholischen Heere weit nach Norden vor. Der dänische König Christian IV. sieht seine evangelischen Glaubensbrüder in Norddeutschland in Not und stellt mit englischen und holländischen Geldgebern eine Armee auf.
1626 kommt es bei Lutter am Harz zur Schlacht. Tilly schlägt Christian IV. und verfolgt ihn quer durch Norddeutschland bis weit nach Dänemark hinein.
1629 muss Christian IV. Frieden schließen. Er behält sein dänisches Königreich, muss aber schwören, sich nicht mehr in den Krieg einzumischen. Damit ist für Kaiser Ferdinand II. der Weg offen, alle evangelischen Adligen und deren Gebiete katholisch zu machen (das „Restitutionsedikt“ von 1629).
1630 landen Truppen aus dem evangelischen Schweden auf Usedom. Als Grund wird der Schutz der Protestanten genannt. Gleichzeitig ist Schweden ein Bündnis mit dem katholischen Frankreich eingegangen. Aus dem Religionskrieg wird so ein Krieg um Macht und Besitz. Zu Beginn werden die schwedischen Soldaten von den kaiserlichen Truppen unterschätzt.
1631 erobert Tilly für den Kaiser das evangelische Magdeburg. Die Stadt wird geplündert und zerstört. Etwas später trifft Tilly bei Breitenfeld in der Nähe von Leipzig auf die Schweden und erleidet eine vernichtende Niederlage. Die Schweden können jetzt ungehindert durch das Deutsche Reich marschieren, erobern Thüringen, Franken und die Pfalz. München und Nürnberg ergeben sich kampflos.
1632 trifft Tilly erneut auf die Schweden, dieses Mal bei Rain am Lech. Erneut verliert Tilly die Schlacht - und sein Leben. In seiner Not heuert der Kaiser einen Feldherrn an, der schon im Kampf gegen die Dänen erfolgreich war: Wallenstein. Wallenstein ist eigentlich ein kleiner Adliger aus Böhmen, der aber im Krieg seine Chance erkennt, reich und mächtig zu werden. Religion interessiert ihn nicht. Aber er weiß, wie man große Heere aufbaut und finanziert. Wallenstein gelingt es, die mit den Schweden verbündeten Sachsen aus Böhmen zu vertreiben. Die Schweden, die schon auf dem Weg nach Wien waren, müssen umdrehen, um den Sachsen zu helfen. Bei Lützen in der Nähe von Leipzig kommt es zur Schlacht. Die Schweden siegen, aber ihr König Gustav Adolf wird getötet.
1633 erobert Wallenstein Schlesien, verweigerte aber dem dem bayerischen König Maximilian I. gegen die Schweden die Hilfe. Eigenmächtig und gegen Anweisung seines Kaisers nimmt Wallenstein Friedensverhandlungen mit den Schweden auf. Wallenstein wird daraufhin vom Kaiser aller Ämter enthoben.
1634 versucht Wallenstein, eine neue Armee aufzustellen. Noch bevor ihm das gelingt, wird er im böhmischen Eger ermordet. Die Schweden werden in der Schlacht von Nördlingen geschlagen und müssen ganz Süddeutschland räumen.
1635 schließt Kaiser Ferdinand II. Frieden mit Sachsen, verzichtet auf die Wiedereinführung des Katholischen Glaubens in den evangelischen Gebieten, fordert dafür aber ein Bündnis aller katholischen und evangelischen Fürsten, um die ausländischen Truppen aus Deutschland zu treiben. Die Schweden erneuern daraufhin ihr Bündnis mit Frankreich, das jetzt auch Truppen nach Deutschland schickt. Der Krieg ufert völlig aus. Überall in Reich stehen Heere, die sich durch Plünderung selbst versorgen müssen. In manchen Regionen kommt mehr als die Hälfte der Bevölkerung um. Hungersnöte und Pestepidemien greifen um sich.
1637 stirbt Ferdinand II. Sein Nachfolger wird Ferdinand III.
1643 tritt Dänemark wieder in den Krieg ein. Frankreich erobert die Gebiete westlich des Oberrheins und stößt nach Württemberg und Bayern vor. Die Schweden verwüsten Böhmen.
1644 beginnen langwierige Friedensverhandlungen in Münster (kaiserliche Parteien und Frankreich) und Osnabrück (evangelische Parteien und Schweden). Die Städte wurden ausgesucht, weil das Gebiet bislang relativ vom Krieg verschont geblieben war.
1648 wird der Westfälische Frieden geschlossen.
Die Folgen des Friedensvertrages:
Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 wird bestätigt. Nur die Oberpfalz und die unmittelbar dem Kaiser unterstehenden Gebiete müssen katholisch werden.
Frankreich erhält mehrere Gebiete, etwa Metz, Toul, Verdun sowie Breisach und Philippsburg östlich des Rheins (und damit Kontrolle über den Oberrhein)
Schweden bekommt Vorpommern mit Stettin, Wismar und Rügen, das Herzogtum Bremen und Verden (und hat damit die Kontrolle über die Mündungsgebiete von Weser, Elbe und Oder)
Bayern bekommt die Oberpfalz,
Sachsen die Lausitz
Brandenburg erhält Hinterpommern, Minden, Halberstadt und das Erzbistum Magdeburg.
Die Niederlande und die Schweiz scheiden aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aus und werden souveräne Staaten.
Die Macht der habsburgischen Kaiser ist deutlich beschnitten. Statt einer zentralen Machtstelle gibt es jetzt einen Staatenbund (der „Flickenteppich“).
Neue Großmächte sind entstanden (Schweden, Frankreich, die Niederlande). Und das Ende des Dreißigjährigen Krieges leitet den „säkurlarisierten Staat“ ein, d.h. die Trennung von Kirche und politischer Macht.
Während des Dreißigjährigen Krieges sinkt die Einwohnerzahl Deutschlands von etwa 18 Millionen auf 12 Millionen.
Grüße
Heinrich