ja wenn das denn so einfach wäre !!
Diese Erklärung hat mir auch mein ziemlich teures
Wörterbuch gegeben. In Schweiz, Begien, Deutschland heißt
dieser Mensch "bourgmestre.
Aber in den heutigen Nachrichten auf FR 3 ging es ausschließlich
um einen frz. Bürgermeister den sie „bourgmestre“ betitelt haben.
Es wäre interessant, mehr über die gehörte Nachricht zu erfahren. Dann ließe sich eventuell erschließen, um welchen durch die Verwendung des Begriffes „bourgmestre“ betonten Aspekt es geht. Spekulativ vermute ich einen dadurch unterstrichenen Regionalismus - kann es sein, dass der zitierte bourgmestre ein in rebus regionalibus engagierter Ch’ti ist? Ich spreche nicht in erster Linie von dem Film, obwohl er mir gut gefallen hat, sondern davon, dass es in der Gegend von Lille Franzosen der Jahrgänge bis ca. 1920 gegeben hat, die Französisch mit Mühe lesen, aber weder ordentlich schreiben noch sprechen konnten. Sans ou avec Grande Nation.
ich bin irgendwo mal auf ein Beispiel gestossen. In einem französichen Zeitungsatikel über eine Städtepartnerschaft wurde im gleichen Satz das deutsche Stadtoberhaupt mit „bourgmestre“ und sein französischer Kollege mit „maire“ bezeichnet.
die Definition
BOURGMESTRE (g se prononce) n. m. XIVe siècle, bourgemaistre, bourmaistre. Emprunté du moyen haut allemand burgmeister, proprement, « maître d’un bourg ».
Premier magistrat dans certaines villes d’Allemagne, de Suisse, de Belgique, des Pays-Bas, etc. Les fonctions de bourgmestre sont équivalentes à celles du maire d’une ville française.
von fred - die das Français Fédéral muttersprachlich beherrscht -, wissen wir, dass in der frankophonen CH der Begriff „bourgmestre“ nicht verwendet wird. Die Rede war nicht vom deutschen Begriff „Bürgermeister“ östlich des Röstigrabens.
In den Niederlanden wird er ganz sicher nicht verwendet, weil nirgendwo in den Niederlanden Französisch gesprochen wird.
Es handelt sich bei dem Lexikonartikel (der übrigens wörtlich aus dem Robert stammt, ich glaube, das ist noch nicht erwähnt worden - seltsam eigentlich, der Robert ist sonst nicht so schlampig) offensichtlich um eine Vermischung des wahrscheinlich wallonischen „bourgmestre“ und des deutschen „Bürgermeister“. Gefragt wurde jetzt nach der Verwendung des französischen Begriffes „bourgmestre“, die des deutschen Begriffes „Bürgermeister“ ist völlig klar, und auch die Ethymologie ist unproblematisch.
Kennst Du als frz. Muttersprachlerin irgendeine, möglicherweise regionale, Verwendung des französischen Begriffes „bourgmestre“ in Frankreich?
die von Saladelle gestellte Frage bleibt damit weiter offen. Bisher haben wir nur den Robert bei einem schlampig erstellten Artikel erwischt, wo er ziemlich vage einen französischen Begriff und einen deutschen vermischt: Immerhin ein Erfolg - bei Robert, als Institution fast so heilig wie die Académie, passiert das schätzungsweise in weniger als 1% der Artikel.
Um weiter zu kommen, wäre es entscheidend wichtig, von Saladelle weitere Informationen über den Kontext zu erhalten, in dem sie den Begriff gehört hat. Sie glaubt zu wissen, dass dort ein französischer maire als bourgmestre bezeichnet worden ist, aber das ist schon alles. Ob es vielleicht doch ein Belgier war, oder der Bürgermeister einer deutschen Partnergemeinde, oder was auch immer, kann mit den vorliegenden Angaben nur spekuliert werden.
Ob Saladelle überhaupt weiter an einer Aufklärung interessiert ist, bleibt offen. Von ihr war weiter nichts mehr zu hören…
einer Kleinstadt im département Moselle ( Namen vergessen ) ist es gelungen,
ein Filmfestival auf die Beine zu stellen und der bourgmestre
gab sich die Ehre, das Festival zu eröffnen, so der Bericht in FR 3
das war das entscheidende Stichwort: Moselle gehört zu Lothringen/Lorraine. Dort gab es bis zur Austreibung der Deutschen 1945 gegendweise deutsch/französische Mischbevölkerung. Anders als im Elsass, wo die Bevölkerung eine eigene Identität „weder Franzose, noch Deutscher, sondern Elsässer“ hat, gab es in Lothringen rein deutsche und rein französische Dörfer. In Lorraine ist Regionalismus relativ spät erwacht, aber es gibt ihn da auch. Ein Bezug darauf ist die Verwendung des quasi-deutschen Begriffes für den französischen maire.
Kann es sein, dass es sich bei dem Ort um Grossblitterstroff/Lorraine handelt, das genau gegenüber dem deutschen (größeren) Kleinblittersdorf/Saarland liegt?
das franko-germanische Dorf wird nach französischer Orthographie „Grosbliederstroff“ geschrieben.
Die Einwohner heißen „Blithariens, Blithariennes“ weil nämlich von wegen der ursprünglich römischen Siedlung Blithario Villa. http://fr.wikipedia.org/wiki/Grosbliederstroff
(Ortsnamen im Raum Elsass-Lothringen-Luxemburg sind eine meiner Macken; eine zweite sind die von Ortsnamen abgeleiteten Adjektive, die im Frz. ja auch die Einwohner bezeichnen.
Zwei meiner Lieblinge:
Saint-Germain-des-Prés -> Germanopratin
Pont-à-Mousson -> Mussipontain)
schönen Dank für die Präzisierung und vor allem für die schönen Herkunfts-Attribute. Ich überlege mir grad, ob es analoge Bildungen, in denen das Herkunfts-Attribut nicht vom aktuellen Stamm des Ortsnamens abgeleitet ist, in Deutschland irgendwo gibt - sowas wie Bayern und bajuwarisch -. Für möglich halte ich es, aber Exempel find ich keine.
Moselle ist ja sehr ergiebig für scharmante Ortsnamen. Alsting/Moselle hat da als meinen persönlichen Favoriten den eingemeindeten chinesischen Weiler Zingzing.
Richtig poetisch wirds allerdings erst ab Dudelange.
Ich überlege mir grad, ob es
analoge Bildungen, in denen das Herkunfts-Attribut nicht vom
aktuellen Stamm des Ortsnamens abgeleitet ist, in Deutschland
irgendwo gibt - sowas wie Bayern und bajuwarisch -. Für
möglich halte ich es, aber Exempel find ich keine.
Das wäre vielleicht eine eigene Frage im Deutsch- oder Dialekte-Brett wert. Mir sind zwei Beispiele eingefallen, allerdings nur aus Dialekten:
in Saarbrücken gibt es den Ortsteil Sankt Arnual, der im Dialekt „Daale“ heißt; die Einwohner nennen sich Daaler.
auf Aachener Platt ist das entsprechende Ortsadjektiv Öcher, Öscher, Ööcher - wie auch immer man das schreiben soll.
Moselle ist ja sehr ergiebig für scharmante Ortsnamen.
Da gibt es auch noch einen Ort, der auf Französisch ganz prosaisch „Bouzonville“ heißt. Der lothringische Name, der auch im Saarland benutzt wird, ist „Busendroff“ (Hochdeutsch: Busendorf).
So, und jetzt mach ich mir keine Gedanken mehr, sondern Abendessen.
danke für die Auskunft aber Grossblie ist das nicht, da schaue ich jeden Tag von meinem Balkon aus hin und kaufe dort alles was ich hier in D nicht bekomme. Ungerechterweise wird im frz. öffentlichen Dienst Grossblie als die „colonie pénitentiaire“ bezeichnet, da will keiner hin.