Das Erste Gebot lautet: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
In den letzten Wochen wurde im Zusammenhang mit den dramatischen Entscheidungen in der Bundesliga und der Champions-League in den Medien oft Bezug auf den Fußballgott genommen und sei es auch nur, dass Rudi Assauer erklärte, dass er ab sofort nicht mehr an diesen glaube. Jetzt hat die katholische Kirche offiziell vor einem weiteren Gebrauch dieses Ausdrucks gewarnt.
Ich frage mich: Gibt es für die Kirche nicht wichtigere Probleme oder ist die Angst berechtigt, dass bei häufigerer Anrufung derartiger Gestalten Nebengötter geschaffen werden?
Meine Persönliche Meinung dazu ist: Es gibt sicherlich nur einen Gott, der, sollte Fußball wirklich wichtig sein, sich auch um den richtigen Ausgang der Bundesliga-Spiele kümmert. Aber mir ist natürlich klar, dass Fußball für viele Menschen weit mehr ist als Sport und für sie quasi Ergänzung zur Religion, wenn nicht sogar Ersatzreligion ist. Am deutlichsten ist das sicher im Ruhrgebiet zu erleben. Ein Spieler (der Name ist mir leider entfallen) schilderte einmal das größte Erlebnis seiner Laufbahn. Es war nicht der Gewinn einer Weltmeisterschaft oder eines DFB-Pokals sondern ein Spiel, in dem sein Verein den Klassenerhalt schaffte. Er sagte: „Das größte waren die Fans. Sie sangen, ja ich finde kein anderes Wort dafür, sie sangen wie in der Kirche.“ Muss man solche religiösen Gefühle genauso respektieren wie diejenigen der Juden, Moslems, Buddhisten, Hindus oder ist das alles nicht so ernst gemeint? Wie ist Eure Meinung? Ist die Reaktion der Kirche angemessen oder humorlos?
Übrigens: Das Wort vom Fußballgott ist so neu nicht. Schon in der Live-Reportage vom WM-Endspiel 1954 Deutschland-Ungarn rief Herbert Zimmermann in das Mikrofon: „Toni Turek, Du bist ein Fußballgott!“ Der damalige deutsche Nationaltorhüter wurde später von vielen persönlichen Schicksalsschlägen heimgesucht und starb nach langer schwerer Krankheit.
bei aller Liebe, aber der gedanke, den Fußball zur Religion zu erheben, ist mir denn doch ein wenig banal. Ich bin zwar nicht gläugig im Sinne der Amtskirchen, aber ein wenig ernsthafter als ein Fußballspiel habe ich mir das schon vorgestellt.
Ansonsten kann ich natürlich nur mit den Schultern zucken. Wenn es jemanden zusagt, die runde Kugel und das, was damiut zusammenhängt anzubeten, dann werde ich das nicht ändern können. Nur sollte er nicht unbedingt den Ernst und die Achtung erwarten, den man gemeinhin auch Religionen gegenüber aufbringt, die man selbst nicht teilt. Dazu ist das Spiel für zu viele Leute denn doch einfach nur eine schöne Nebensache.
Natürlich schießt die Kirche hier wieder einmal mit Kononenkugeln auf Spatzen, aber das tut sie ja in dieser Sache gerne. Überhaupt fände ich es besser, verschiedene Religionen würden nicht so vehemmend auf ihrem Gebot der Ausschließlichkeit herumreiten, dann wäre vieles einfacher.
Dann könnte ich mich eventuell auch wieder zu einer Kirchenbindung hinreißen lassen. Aber solange alle behaupten, die Wahrheit allein zu kennen, kann nur einer recht haben und alle anderen müssen logischerweise lügen. Und damit stehe ich draußen, solange mir nicht jemand stichhaltig erklären und begründen kann, warum nun gerade er recht hat.
Jetzt hat die
katholische Kirche offiziell vor einem weiteren Gebrauch
dieses Ausdrucks gewarnt.
Nöö. Ein Münchener Prälat eine Stellungnahme an die Presse gegeben. Das ist aber noch lange nicht eine offizielle Warnung der katholischen Kirche. (DIE katholische Kirche in Deutschland gibt es als ‚Organ‘ überhaupt nicht, im Gegensatz etwa zur EKD.)
dass Fußball für viele Menschen
weit mehr ist als Sport und für sie quasi Ergänzung zur
Religion, wenn nicht sogar Ersatzreligion ist. Am deutlichsten
ist das sicher im Ruhrgebiet zu erleben.
Man könnte es ja auch so sehen, daß hier das Verhältnis einfach weniger verkrampft ist.
Ist die Reaktion der
Kirche angemessen oder humorlos?
Diese eine mir wirklich bekannte Stellungnahme dieses einen Prälaten (die natürlich in den Medien munter Verbreitung fand) kann ich als seine Meinung akzeptieren, besonders hilf- oder segensreich finde ich sie nicht.
Es geht lockerer. Im August wird in der Arena auf Schalke auch die Kapelle eingeweiht. Dann gibt es auf Schalke auch kirchliche Trauungen. Mit dem Segen des Bischofs von Essen.
Da sind wir uns ja einig. Die Frage war ja auch nicht, ob es einen Fußballgott gibt. Für mich ist die Frage mit einem eindeutigen Nein beantwortet. Es ging darum, darüber zu diskutieren, wie Anhänger der traditionellen Religionen oder vielleicht auch des Atheismus mit solch einer Ersatzreligion umgehen. Aber das rührt ja schon wieder an die Frage, welchen Glauben man überhaupt als Religion definieren kann und wo die bloße Götzenanbetung beginnt.