Hallo Petra,
das ist gut. Beim Lesen hab ich ein paar mal gedacht, „das reicht aber nicht ganz, da fehlen einige Zusammenhänge“, aber die kamen dann an anderen Stellen doch noch.
Das einzige was ich leicht ändern würde, ist der innere Aufbau:
Der Industriekapitalismus - Verstädterung
Unter Industrialisierung versteht man die Einführung und
Verbreitung industrieller Formen der Produktion und
Distribution von Waren und Dienstleistungen. Und unter
Kapitalismus versteht man eine Wirtschaftsordnung, die durch
Privateigentum an Produktionsmitteln, Steuerung der
Wirtschaftsprozesse über den Markt und Arbeitsverhältnissen
zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf Grundlage der
Vertragsfreiheit gekennzeichnet ist.
Das ist die Einleitung mit Begriffsklärung, das passt.
Aus marxistischer Sicht
gliedert sich der Kapitalismus in verschiedene Phasen auf.
Eine davon ist die Phase, in der er zur effektiveren
Ausbeutung der Menschen die Industrialisierung und
Verstädterung herbeiführte. Der Arbeiter arbeitet nicht mehr
in einer Manufaktur als Handwerker (mit kleinem Bauernhof im
Nebenerwerb) sondern in der Stadt als rechtloser und
ausgelieferter Industriearbeiter und ist somit völlig von
seinem kargen Lohn abhängig während es dem Kapitalisten
möglich ist Monopole zu errichten.
Das ist eine Interpretation und gehört eigentlich nicht in den einleitenden Teil, sondern eher ans Ende. Woher kommt die Verstädterung? Außerdem hast Du das Problem, dass wenn du die verschiedenen Phasen erwähnst, du nicht nur bei einer bleiben kannst. Du müsstest die andern dann wenigstens ganz grob mit einordnen.
Die Industrialisierung begann zunächst in England während der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Großbritannien hatte den
Vorteil reiche Kohle- und Erzvorkommen zu besitzen und konnte
Baumwolle unbeschränkt aus den Kolonien einführen. Dadurch,
dass es eine Insel ist, kommt es in den Vorteil, dass kein
Punkt mehr als 70 Meilen vom Meer entfernt ist. Sämtliche
natürliche Wasserwege wurden durch Kanäle erweitert, was
insgesamt einen fast 4.000 km künstlichen Wasserweg ergibt. In
England wurden wesentlich früher als in anderen Staaten die
Bedeutung der Nutzung von Wasserwegen und der Eisenbahn
erkannt. Infolge dessen, und aufgrund der Insellage von
England, hatte dieses früher als jedes andere Land ein gut
ausgebautes Kanalnetz.
Diesen Abschnitt, der die Frage wie kam’s dazu beantwortet, würde ich hinter die Einleitung stellen. Das war auch die Stelle wo ich dachte „oops, das reicht nicht“. Du hast es aber drinnen. Habe daher mal zwei Abschnitte etwas hoch gezogen:
Ein in den
neu gewonnenen Erkenntnissen der Medizin und Hygiene
begründetes Bevölkerungswachstum in bisher unbekannter Höhe
Hatten vor der industriellen Revolution die meisten
Fabrikationsstätten ihren an die Wasserkraft gebundenen
Standort außerhalb der Stadt, konzentrieren diese sich nun im
Zusammenhang mit Dampfmaschine und Eisenbahn immer mehr in den
Städten.
Beides Faktoren die bereits in GB maßgeblich zur Industrialisierung beitrugen. Das ist auch der Knackpunkt mit der in GB erfundenen und weiterentwickelten Dampfmaschine: Sie machte die Standortbildung von Fabriken unabhängig.
Einen letzten Punkt, den du vielleicht noch nachschauen solltest sind für GB die „Einhegungen“ bzw. „enclosures“ oder für Deutschland die Stein-Hardenberg’schen Reformen. Diese Einhegungen sind mit einer der Hauptgründe für die Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte!!! und eben auch erst durch Investition von Privatkapital (wenn hier auch nicht zum industriellen Zwecke) möglich gewesen.
Später verbreitete sie sich die
Industrialisierung schrittweise in andere Länder Europas und
Nordamerikas, seit Mitte des 20.Jahrhunderts zunehmend auch in
Asien und Lateinamerika.
Günstige Faktoren dafür sind eine ausreichende Infrastruktur,
ausreichende Rohstoffvorkommen, ein ausreichendes Angebot an
Arbeitskräften, passende Absatzmärkte, und die erfolgreiche
Durchsetzung gegen die wirtschaftliche Konkurrenz.
Die Industrialisierung wird heutzutage auch als Sinnbild für
die Standardisierung/Automatisierung von Verfahren/Prozessen
verwendet. Man möchte damit den Wechsel von einer
individuellen handwerklichen Tätigkeit hin zu einer
standardisierten industrialisierten Tätigkeit kennzeichnen.
Diese extreme Industrialiesirung führt natürlich zu vermehrten
Arbeitsplätzen und besseren Lebensumständen, was wiederum zu
einer Verstäderung führt. Das heißt, dass die Leute vom Land
wegziehen und ihr Glück in großen Städten suchen.
Das passt wieder. Hier kannst Du jetzt auch die Marx’sche Beurteilung anhängen. Eine Überlegung wäre dabei auch, dann nicht nur eine Seite sprechen zu lassen, sondern vielleicht auch kurz auf Adam Smith einzugehen. Der hat nämlich erst mal die theoretische Grundlage für den sich hier entfaltenden Kapitalismus geliefert.
und die stürmisch einsetzende Industrialisierung leiten in
Deutschland ab etwa 1850 eine Epoche extremen Städtewachstums
ein.
Den Satz hatte ich vergessen, würde ich dahin stellen, wo du die Ausbreitung der Industrialisierung beschreibst.
Der Industrie folgt das Handel-, Banken- und
Versicherungswesen in die Großstädte. Gleichzeitig ändert sich
auch die Sozialstruktur der Stadt. Die gesellschaftlichen
Klassen der Unternehmer und Arbeiter konstitutionieren sich,
ebenso der sogenannte „neue Mittelstand“ mit Beamten und
Angestellten.
Das könntest du noch vor Marx stellen oder auch hier stehen lassen. Passt beides, denke ich.
Wie gesagt, ist das nur eine Anregung - im Grunde hast du alles drinnen. Der Hauptpunkt war mir nur, das klar sien sollte, dass der Beginn der Industrialisierung in England multikausal ist (wachsende Bev, Verbesserung med Versorgung, Infrastruktur, technische Erfindungen insb. Dampfmaschine, höhere Produktivität auf dem Agrarsektor durch Einhegungen und damit erst die Möglichkeit die wachsende Bev zu versorgen => in den Städten wurde schließlich kein Essen produziert!)
Das einzige, was meines Erachtens wirklich fehlt, sind die Einhegungen… naja und auch Adam Smith. Letzterer zumindest wenn du so weit gehst Marx zu erwähnen.
Viel Spass noch beim arbeiten… hoffe du findest es wenigstens ein bisschen spannend,
Viele Grüße von Kati